Wikinomics (Teil 2)
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Am Anfang, wenn ein Wiki zum ersten Mal in einem Team eingesetzt wird, dann kann es passieren, dass jeder seine private Ecke pflegt statt zu kooperieren. Hier ist die Ausbildung einer Wiki-Kultur nötig

Am Anfang, wenn ein Wiki zum ersten Mal in einem Team eingesetzt wird, dann kann es passieren, dass jeder seine private Ecke pflegt statt zu kooperieren. Hier ist die Ausbildung einer Wiki-Kultur nötig und der „Wiki-Gärtner“ für die Schulung des Projektteams zuständig. Es entwickelt sich dann schnell ein gemeinschaftliches Arbeiten. Alles Wissen des Projekts ist an einem Platz auffindbar. Im Unterschied zur klassischen E-Mail-Kommunikation, die linear abläuft, bleibt das Wissen zentral abrufbar und kann von jedem ergänzt werden. In dem weltweit populären Wikipedia, sind so schon eindrucksvolle Seiten kooperativ unter Mitarbeit von tausenden Personen entstanden. Ein bekanntes Beispiel ist hier eine Seite, die entstand, als Augenzeugen über den Terroranschlag im Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn berichteten. Tausende Personen partizipierten an diesem Tag bei der Aktualisierung einer Seite in Wikipedia und erstellten gemeinsam einen authentischen Augenzeugenbericht des Tages.

Das Projekt-Wiki

Wikis sind integrierter Bestandteil von vielen Collaboration-Plattformen. Manche haben das Wiki-Konzept auch auf Tracker und Foren ausgedehnt, und die gesamte Plattform stellt sich als „Smart Wiki“ dar. Hier können nicht nur Links innerhalb des eigentlichen Wikis gesetzt, sondern auch Tracker, Work Items und andere Dokumente auf der Plattform verlinkt werden. Ein Projektwiki ist, im Unterschied zu Dokumenten, Builds, Sourcecode-Versionen und Releases, nicht einzufrieren. Auch wenn es möglich ist, den Versionsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung einer Release festzuhalten, so ist der Wert davon gering. Wenn ein Release frei gegeben wird, dann geht die eigentliche Kommunikation erst richtig los. Hilfetexte für die Anwendung der neuesten Features werden z. B. von Benutzern geschrieben. So bleibt die Wissensbank eines Projektes immer lebendig. Es lässt sich sehr schwer nachvollziehen, auf welches Softwarerelease sich ein Eintrag bezieht. Normalerweise geht man davon aus, dass sich ein Neueintrag auf die zu diesem Zeitpunkt letzte offiziell frei gegebene Version bezieht.

Ein bisschen Chaos bleibt immer, auch in einem geordneten Wiki.

Uta Kapp arbeitet als freiberufliche IT Beraterin und systemischer Coach. Mit einer Kombination aus Fachberatung und Prozessberatung für Softwareprojekte, hilft sie Entwicklungsteams bei der Bewältigung der ständig steigenden Komplexität. Hier kommen die agile Softwareentwicklungsmethode Scrum und Organisationsaufstellungen zum Einsatz. Der Einsatz von Collaboration-Plattformen ist ein weiterer Schwerpunkt.

Jean Pierre Berchez ist Geschäftsführer der HLMC Events GmbH und beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit den Themen Projektmanagement, Software Engineering und objektorientierte Softwareentwicklung. In den letzten Jahren liegt sein Interesse insbesondere auf den Themengebieten agile Entwicklung mit Schwerpunkt Scrum sowie „Collaborative“ Software Development. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer ist Jean Pierre Berchez auch als Lehrbeauftragter an den BAs Stuttgart und Heidenheim sowie an der Hochschule Liechtenstein für die Themen „Anforderungsmanagement“, „Scrum“ und „Collaborative Software Development“ tätig.

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