Windows 10 aus Entwicklersicht
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Am 21.01.2015 um 18 Uhr MEZ präsentierte Microsoft in Redmond das kommende Windows 10 der Weltöffentlichkeit. Terry Myerson, Joe Belfiore und eine Hand voll weiterer Microsoft-Mitarbeiter, stellten das neue Betriebssystem vor. Dabei richtete sich das Ereignis mehr an den Consumer und Anwender, als an die Entwickler.

Für Entwickler folgt die BUILD-Konferenz vom 29. April bis 1. Mai in San Francisco. Dieser Artikel soll dennoch einen Ausblick geben, welche neuen Felder Microsoft für Anwendungen auf der Windows-Plattform erschließen möchte, und zeigt die Neuerungen aus Entwicklersicht.

Vorab: Windows 10 wird für Geräte mit Windows 7, Windows 8.1 und Windows Phone 8.1 ein Jahr kostenfrei zum Upgrade zur Verfügung gestellt.

Die neue Art der Windows-Entwicklung

Zuerst einmal soll das etwas andere Vorgehen bei der Entwicklung von Windows 10 beleuchtet werden. Microsoft möchte einen neuen Weg gehen. Der OS-Hersteller hat begriffen, dass er nicht länger an den Benutzer vorbei entwickeln kann. So gut zu sein wie die anderen reicht lange nicht mehr aus. Aus diesem Grund hat Microsoft das Windows Insider-Programm gestartet. Damit ist es jedem Interessierten möglich, eine Vorabversion von Windows 10 herunterzuladen und frei zu installieren. Über eine neue Feedback-App verspricht sich Microsoft  Anregungen und Kritiken direkt von den Benutzern, während Windows 10 noch in der Entwicklung steckt.

Somit kann jeder „Insider“ direktes Feedback geben und Einfluss auf die Entwicklung der neuen Version nehmen. Die Idee hat sich anscheinend ausgezahlt. Terry Myerson bezifferte die Anzahl der Feedbacks auf 800.000, wobei sich diese Anzahl auf 200.000 dedizierte Themen reduzierte. Microsoft wertet die Daten aus den Windows 10 Insider-Installationen in einem speziellen Datencenter aus, analysiert diese und gibt die Ergebnisse an die Entwicklungsabteilung weiter. So Terry Myerson. Windows 10 wartete mit vielen Neuigkeiten auf, die in die richtige Richtung gehen. Ob das neue Betriebssystem aber den richtigen Nerv der Benutzer trifft, bleibt sicher noch abzuwarten. Die gestern vorgestellte Version steht für PC nächste Woche und für Smartphones im Februar zur Verfügung.

Windows Continuum

Mit dem Begriff „Windows Continuum“ möchte Microsoft ein konsistentes Benutzererlebnis über sämtliche Gerätegrenzen hinweg schaffen. Mobilität bedeutet für Microsoft nicht mehr die Mobilität von Geräten, sondern vielmehr die Mobilität eines Benutzererlebnisses. Ob auf einem Phone, Tablet, PC oder der Xbox, egal was ich als Benutzer tue, ich kann überall an meine Arbeit anknüpfen. Eine konsistente Design-Sprache sorgt für ein durchgängig konsistentes Benutzererlebnis. So schaltet Windows 10 in einen Tablet-Mode (Anwendungen gehen in den Vollbildmodus), wenn Tastatur und Maus entfernt werden. Anwendungen gehen zurück in den Fenster-Modus, werden Tastatur und Maus wieder angeschlossen. Das gilt für Gerät ab 8-Zoll-Displaygröße. Devices unter 8 Zoll zeigen keinen Desktop mehr. Bei diesen Geräten, meist Smartphones, beschränkt sich die Darstellung auf Live Tiles auf der Startseite und Apps im Vollbildmodus. Ganz wie gewohnt von Windows Phone. Microsoft macht seinen Plan wahr und lässt seine Betriebssysteme endgültig verschmelzen. Der Softwarehersteller unterscheidet nun nicht mehr länger zwischen verschiedenen Windows-Varianten für PCs, Tablets, Smartphones und der Xbox. Microsoft liefert ein Windows für alle Plattformen! Was bedeutet das für Entwickler? Die Grenzen zwischen den Systemen verschwinden immer mehr. Somit wird es Entwicklern ermöglicht, auf einfachere Art und Weise Anwendungen zu entwickeln, die auf allen Geräten laufen. Aufwand für Anpassungen auf die einzelnen Systeme wird reduziert, gar minimiert. In der Projektplanung schwindet die Notwendigkeit zu entscheiden, ob einzelne Systeme adressiert werden sollen oder nicht. Der Weg zu einer App, die auf allen Formfaktoren zur Verfügung steht, wird vereinfacht. Arbeiten, die mit einer App erledigt werden können, werden mobil. Ein Benutzer kann wählen, wann und wo er mit der App arbeiten möchte. Die Cloud als Backend ermöglicht die Übertragung der Daten im Hintergrund, ohne Zutun des Anwenders.

Universal Apps

Universal Apps und der einheitliche App Store ermöglichen die skizzierten Szenarien. Schon seit einiger Zeit bietet Microsoft Projektvorlagen für solche Universal Apps im Visual Studio an. Mit dieser Vorlage wird ein erhöhter Grad an wiederverwendbarem Code geschaffen. Erreicht wird dies durch eine Abstraktion von Code zur Darstellung von Inhalten und Code für den Datenzugriff, Zugriff auf Services, Business-Logik etc. Darstellungen/Views können für die verschiedenen Displaygrößen angepasst werden. Dabei unterscheidet sich dies für Geräte mit einer Display-Größe über und unter 8 Inch. Der restliche Code kann für diese verschiedenen Views wiederverwendet werden. Aufwand in der Entwicklung wird reduziert. Microsoft präsentiert viele Beispiele für Universal Apps. So wird es die bekannten Office-Anwendungen Word, PowerPoint, Excel und Outlook als Built-In-Apps in Windows 10 geben. Insbesondere zeigte der Hersteller ein Pendant des Ribbon-Steuerelements (bekannt aus den Office Desktopanwendungen) für Smartphones, das ein durchgängiges Erlebnis auf den Plattformen ermöglicht. Den People Hub, Music, Photo und Maps App führte Microsoft als weitere Beispiele für Universal Apps vor. Es bleibt abzuwarten, ob und welche zusätzlichen UI Controls Microsoft für Entwickler anbieten wird. Man kann damit rechnen, dass der Softwarehersteller auf der BUILD-Konferenz mehr dazu zeigt. Cortana Microsoft stellte ebenfalls Cortana für den Desktop vor. Der Sprachassistent, der schon einige Zeit für Windows Phone-Benutzer zur Verfügung steht, wird nun auch allen anderen Windows-Benutzern angeboten. Dabei erhält Cortana eine tiefe Integration in das Betriebssystem. Der Sprachassistent hilft bei der Suche im Netz, in lokalen Ressourcen, in Mails, Kontakten, Kalender, der eigenen Musik. Als Assistent hilft Cortana beim Setzen von Terminen und deren Einhaltung, gibt Tipps, was Verkehrsanbindungen angeht, hilft beim Einhalten von Diäten und vielem mehr. Das Gehirn von Cortana ist die Cloud. Mit jeder Anfrage lernt der persönliche Assistent, verknüpft die Dinge auf einer semantischen Ebene und kann so besser auf den Benutzer reagieren. Als Entwickler kann Cortana für die eigenen Anwendungen instrumentalisiert werden. Mittels Voice Commands wird Cortana in die eigenen Anwendungen integriert. Dem Entwickler steht die Mächtigkeit von Cortana als lernender Sprachassistent für eigenen Anwendungen im vollen Umfang zur Verfügung.

Surface Hub

Neben der Software stellt Microsoft aber auch neue Geräte vor. Der Softwarehersteller erweitert seine Produktpalette mit dem Surface Hub. Dieses 84 Zoll große Gerät mit einer 4K Auflösung wurde für den modernen Arbeitsplatz konzipiert. Ziel dabei ist das Schaffen eines digitalen Whiteboards mit Fokus auf Brainstorming und Meetings. In der Präsentation wurde gezeigt, wie Skype-Konferenzen auf diesem Whiteboards durchgeführt werden. Inhalte wurden während einer solchen Konferenz von anderen Windows-Devices direkt auf das Whiteboard übertragen, sodass diese sichtbar für alle Teilnehmer sind. Die Inhalte können mit einem Stylus und Touch-Gesten markiert und bearbeitet, Ergebnisse gespeichert und geteilt werden. Für dieses Gerät führt Microsoft die neuen Large Screen Windows 10 Apps ein. Als Beispiel wurde ein 3D-Modell des Surface Hubs gezeigt, dass die Skype-Konferenzteilnehmer frei rotieren, skalieren und annotieren konnten. Skype und die Darstellung des Modells liefen dabei nebeneinander auf dem Whiteboard. Für die Entwicklung von Apps ergeben sich hier ganz neue Möglichkeiten, die direkt auf Meetings, Konferenzen, Brainstormings, speziell aber für den Arbeitsplatz zugeschnitten sind. Auch hier muss auf die BUILD-Konferenz gewartet werden, um zu sehen, wie Microsoft die Entwicklung für dieses Gerät unterstützen wird.

HoloLens

Die wohl aufregendste Neuerung zeigte Microsoft mit Windows Holographic und dem neuen Gerät zur Darstellung von Hologrammen HoloLens. HoloLens ist eine Brille mit HD-Bildprojektion auf den Gläsern (HD See-through Lenses), Lautsprecher für die dreidimensionale Soundausgabe, eingebauten Kameras, WiFi, Bluetooth und ein Vielzahl an Sensoren. Dank eines eingebauten Rechners mit einer High-end CPU und GPU, arbeitet HoloLens vollständig unabhängig von einem anderen Gerät wie einem PC, Tablet oder Smartphone. Basierend auf Windows 10 nimmt HoloLens die Umgebung des Benutzers wahr, und kann diese dreidimensional verarbeiten. Die Brille ist in der Lage, 3D-Grafikmodelle auf die Gläser zu projizieren, die sich in die Umgebung des Betrachters integrieren. Die Realität wird so mit virtuellen Objekten überlagert und angereichert. Die nahtlose Integration von virtuellen Objekten in die Umgebung wird durch einen neuen Chip ermöglicht: die Holographic Processing Unit – kurz HPU. Microsoft zeigte die Stärke der Technologie an Hand einiger Beispiele. So mit Minecraft. Minecraft-Welten überlagerten dabei die Realität und fügten sich in diese ein. Der Spieler kann seine Welten direkt in die Realität „hineinbauen“. Ein wenig Minecraft-TNT sprengte eine graue Wand weg. Dahinter öffnete sich eine neue Phantasie-Welt. Auf der Bühne wurde dann in Echtzeit ein Gyrocopter modelliert. Ein Tool, das HoloStudio, ermöglicht die Erzeugung von 3D-Modellen direkt im Raum, gesteuert durch Gesten und Sprachkommandos. Das mühevoll geheim gehaltene Projekt entstand in der Zusammenarbeit mit Experten aus der Raumfahrtindustrie. Ziel war die dreidimensionale Projektion der Marslandschaft. Gespeist aus Daten des Mars-Rovers, können sich Wissenschaftler virtuell über den Mars bewegen. Für Entwickler ergeben sich hier schier unbegrenzte Möglichkeiten. Ein neues Feld für eine neuartige Art von Anwendungen wird mit HoloLens geschaffen. Anwendungen im medizinischen Bereich, im Ingenieurswesen, in der Wissenschaft sind hier als Beispiele zu nennen. Windows 10 wird neue native Holographic-APIs besitzen, mit denen derartige Anwendungen für HoloLens gebaut werden können. Auch hier kann man davon ausgehen, dass Microsoft diese APIs und SDK auf der BUILD-Konferenz zeigt.

Fazit

Mit Windows 10 vereinheitlicht Microsoft das Betriebssystem für alle Geräte: PCs, Tablets, Smartphones und die Xbox. Ein konsistentes Benutzererlebnis über diese Gerätegrenzen hinweg ermöglicht ebenfalls ein konsistentes Benutzererlebnis für die eigenen Apps. Weiterhin öffnet dieser Schritt des Softwareherstellers weitere Plattformen und Formfaktoren für existierende und neue Anwendungen, und damit einhergehend die Ausweitung der Benutzerkreise. Abzuwarten bleibt die BUILD-Konferenz im April, auf der weitere Details für Entwickler vorgestellt werden. Die Frage nach den SDKs für Windows 10, den Surface Hub und HoloLens steht im Raum. Womöglich überrascht Microsoft auch mit einem konsistenten „Entwicklungserlebnis“- OneSDK?

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