Windows Azure – 2012 war das Jahr des Cloud OS
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2012 ist, wenn es um Microsoft geht, nicht nur das Jahr von Windows 8 und Windows Phone 8 – auch die Rede von der „Ära des Cloud OS“ hallte bei vielen Großveranstaltungen, von den beiden TechEd-Konferenzen in Orlando und Amsterdam bis hin zur Build, in diesem Jahr deutlich nach. Und es blieb nicht bei der Rede, vieles hat sich 2012 in Microsofts Cloud getan.

Zunächst einmal geht es dabei ganz allgemein um die Cloud als übergeordnetes System, das zahlreiche Microsoft-Technologien beinhaltet, aber inzwischen auch viele Microsoft-fremde Systeme anspricht. Die Benutzer sollen produktiv mit dem Service umgehen können – egal, auf welchem Endgerät. „Cloud ohne Grenzen“ schallte es 2012 aus Redmond. Damit scheint Microsoft seine neue Philosophie der einzelnen Plattform für alle (Microsoft-)Devices und der Offenheit für andere Technologien weiter auszubauen.

Generell sind in diesem Jahr eine ganze Reihe von Neuerungen in der Windows-Azure-Plattform bekannt geworden. Allen voran hatte Microsoft im Sommer sein Angebotsspektrum von Platform as a Service (PaaS) auf Infrastructure as a Service (IaaS) erweitert. Nicht nur Windows-Anwendungen oder vorkonfektionierte Systeme wie TFS Services, SQL Server oder SharePoint laufen nun in der Cloud, sondern auch vollkommen eigenständige Images mit komplettem Softwarestack – ganz so, wie vom Platzhirsch Amazon Elastic Cloud längst bekannt. Virtual Machines können bei IaaS von Microsofts Template-Liste aus erstellt oder eingebracht werden. Die Template-Liste beinhaltet sogar verschiedene Linux-Optionen. Über die Vorzüge von PaaS und IaaS berichtet auch Rainer Stropek (software architects) im Interview.

Wolken-Teams

Und apropos TFS Services: Die Cloud-Variante des Team Foundation Servers, Team Foundation Services, ist nach einer rund einjährigen Preview-Phase nun offiziell verfügbar. Über die Website kann man auf die Kollaborationsplattform zugreifen. Diese lässt sich von überall aus ansteuern, ist kompatibel mit allen bekannten Tools, unterstützt alle Sprachen und Plattformen.

Für Projekte von bis zu fünf Beteiligten kann man den Team Foundation Service kostenlos nutzen. Dabei gibt es eine unbegrenzte Zahl an Projekten, Versionskontrolle, Work Item Tracking, Tools zur agilen Planung und Feedback Management. Außerdem ist TFS in verschiedenen MSDN-Abo-Modellen enthalten. Informationen zu kostenpflichtigen TFS-Modellen wird Microsoft Anfang 2013 veröffentlichen.

Mit dem Sprint 40 Update des Team Foundation Service wurden nicht nur Komponenten zu den Build Images hinzugefügt, sondern auch das User Interface der Web-basierten Versionskontrolle umfassend überarbeitet. Auch das Azure SDK 1.8 und TypeScript 0.8.1 sind nun in den Build VMs verfügbar.

Innerhalb der Build Images gibt es aber auch nach dem jüngsten Update noch zwei große Probleme. Zuerst einmal kann man keine Windows Store Apps erstellen, da die VMs auf älteren Azure VM Roles basieren und diese Windows Server 2012 nicht unterstützen (zum Erstellen von Windows Store Apps werden Windows 8 oder Windows Server 2012 benötigt). Weiterhin ist kaum noch Speicherplatz bei den VM Images vorhanden. Beide Probleme sollen Anfang nächsten Jahres durch den Umzug auf die neueren Azure IaaS VMs behoben werden.

Seit Herbst haben sowohl Windows Server 2012 als auch .NET 4.5 Einzug in die Cloud Services (Web & Worker Roles) gehalten. Frühere .NET-Versionen werden weiter unterstützt und können Seite an Seite betrieben werden. Windows Server 2012 lässt sich fortan als Gast-Betriebssystem auswählen.

Azure mobil

Auch die Windows Azure Mobile Services sind nun verfügbar. Mit ihrer Hilfe kann man Client- und Mobile-Anwendungen mit einem skalierbaren Cloud Backend verknüpfen – für Windows 8, iOS und Windows Phone 8. Weiterer Support, etwa für Android, soll folgen. Darüber hinaus gibt es ein neues Windows Azure SDK. Für Python-Entwickler hat man den Service Management API Support hinzugefügt, Node.js wird fortan von den Windows Azure Mobile Services unterstützt. Neu sind außerdem Caching in Cloud Services, aktualisiertes Visual Studio Tooling und .NET Client-Bibliotheken für Storage und den Service Bus. Die Windows Azure PowerShell hat neue Kommandos und Support für Windows Azure Web Sites bekommen.

Über Windows Azure Distributed Caching kann man für Cloud-Instanzen Anteile der Rechen- und Speicherkapazität für einen gemeinsamen Cache reservieren. Ebenfalls enthalten ist der Memcache Protocol Support, der ermöglicht, dass Memcache-basierte Apps ohne Code-Veränderung in Windows Azure laufen können.

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Auf Wolke 8

Auch für Windows 8 sind die Weichen bei Azure gestellt worden: Durch den Aufbau eines Cloud-Service zur Unterstützung von Anwendungen unter dem neuen Betriebssystem sollen Entwickler das Potenzial ihrer Windows 8 Apps steigern können.

Das Azure Toolkit für Windows 8 enthält neben allen Werkzeugen für Entwicklung und Deployment Visual-Studio-Projekt-Templates für eine Demo-Windows-8-App und ein Windows-Azure-Cloud-Projekt. Entwickler können so Features wie z. B. Notifications in ihrer App einfügen. Mit Windows Azure Websites hat Microsoft in diesem Jahr aber auch einen Schritt in Richtung PaaS gemacht: Ziel es ist, dass nach dem Erstellen einer Webanwendung nur wenige Klicks genügen sollen, um das Programm in Azure laufen zu lassen und es Entwicklern zu ermöglichen, sich ganz auf die Erstellung ihrer Softwarelösungen konzentrieren zu können. Auch mit Azure Networking wurde das PaaS-Angebot weiter gestärkt. Windows-Developer-Autor und Basta!-Speaker Rainer Stropek gibt uns im Interview einen Überblick über die neuen Möglichkeiten in der Microsoft Cloud und lässt dabei auch das Thema Datenschutz und -sicherheit in der Cloud nicht aus.

Elefanten und Mondfindernis

Seit November ist PHP 5.4 in den Windows Azure Web Sites verfügbar – und zwar mit nur noch einem Klick im Configure Tab des Windows-Azure-Portals.

Das Azure Toolkit für Eclipse erlaubt es, Windows-Azure-Anwendungen mit der Eclipse-Entwicklungsumgebung zu schreiben. Es war im November in der Version 1.8 erschienen und begleitet so das Windows Azure SDK 1.8 sowie den neu eingeführten Support für das AMQP 1.0 Messaging Protocol im Windows Azure Service Bus.

Mongo-Cloud

Die MongoDB-as-a-Service-Plattform ist als Preview-Version auf Windows Azure erschienen. MongoLab-Kunden können nun ihre Datenbanken in Windows Azure deployen. Kunden von Windows Azure wiederum können MongoDB in ihre Anwendungen integrieren und den MongoLabs MongoDB Cloud Database Service nutzen. Allerdings ist MongoLab auf Windows Azure bisher nur für die Datencenter East US und West US verfügbar. Allgemein verfügbar soll die Option in den kommenden Monaten werden.

Letzte Neuerungen

Das Windows Azure Management Portal unterstützt seit Ende November sechs verschiedene Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Japanisch. Neu sind unter anderem auch Metriken für SQL-Datenbanken. Über das Portal kann die Anzahl der erfolgreichen und gescheiterten Verbindungen überwacht werden. Über Quick Create kann man schnell und unkompliziert eine neue Virtual Machine erstellen. Dafür lassen sich nicht nur Windows VM Templates, sondern auch Linux Image Templates auswählen. Auch das Erstellen von Virtual Networks funktioniert hiermit schneller als zuvor. In den Cloud Services gibt es Usability-Verbesserungen. Anwendungs-Packages kann man nun direkt aus den Storage Accounts heraus deployen, Dedicated-Cache-Rollen können konfiguriert werden. Auch die Media Services wurden überarbeitet. Über den Upload Button lassen sich Medien-Dateien direkt vom Computer aus hochladen. Nach Auswahl einer Codierungsmethode kann man die Video-Inhalte dann direkt aus dem Windows Azure Portal heraus abspielen.

Ab sofort unterstützt das Windows Azure Management Portal sowohl Windows Azure Active Directory als auch Windows Server Active Directory. Das bedeutet, dass sich jetzt auch Nutzer von Office 365 mit ihren Identifikationsdaten in Windows Azure einloggen können.

Preiswerte Cloud

Zuletzt und sozusagen als kleines Weihnachtsgeschenk hat Microsoft die Cloud-Preise um 28 Prozent gesenkt. Im März hatte es bereits eine Reduktion um 12 Prozent gegeben.

So kostet nun bei Windows Azure im Rahmen des ersten geografisch redundaten Terrabyte ein Gigabyte 0,095 US-Dollar, im lokal redundanten Speicher 0,070 US-Dollar. Je größer die monatlich verbrauchte Datenmenge, desto geringer die Kosten. Damit liegen Azure und AWS jetzt preislich auf einer Höhe, Google ist noch einen Tick günstiger.

Das Windows Azure Team hat Mitte Dezember auch Details zu den aktuellen Nutzungszahlen der Cloud-Plattform veröffentlicht. Derzeit sind rund vier Billionen Objekte gespeichert, durchschnittlich werden 270.000 Anfragen pro Sekunden verarbeitet. Der bisherige Höhepunkt lag bei 880.000 Anfragen pro Sekunde.

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