Windows Phone 7 beflügelt die Kreativität der Entwickler – Frank Prengel im Gespräch
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Der Troubel um Windows Phone 7 Series ist groß. Doch was macht das mobile Gerät so einzigartig und wie können Entwickler davon profitieren? Wir haben darüber mit Frank Prengel, Technical Evangelist bei Microsoft Deutschland, gesprochen.

dotnet.de: Herr Prengel, Sie beschäftigen sich unter anderem mit Windows Phone 7 Series (WP7), das Microsoft als das neue mobiles Betriebssystem anpreist. In aller Kürze: Was unterscheidet Microsofts Produkt von Konkurrenzprodukten wie IPhone OS, Android oder Maemo?

Frank Prengel: Microsoft geht mit einem frischen Design an den Start, das den Nutzer im Privat- und Berufsleben unterstützt, indem es die für ihn wichtigen Informationen in den Vordergrund stellt, einheitlichen Auftritt und Personalisierbarkeit im richtigen Verhältnis anbietet und flüssiger Bedienbarkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit höchste Priorität einräumt. Geräte mit Windows Phone 7 Series werden durch Anbindung an Microsoft-Dienste wie Windows Live, Xbox Live und Zune Marketplace zu einer mobilen Kommunikations-, Spiele- und Entertainmentzentrale und zum integralen Bestandteil der Microsoft-Plattform.

dotnet.de: Wie Microsoft selbst mitteilte, soll sich WP7 vornehmlich an Privatkunden richten. Doch was ist mit Businesskunden – wird Microsoft für deren Bedürfnisse eine eigene Lösung zur Verfügung stellen?

Frank Prengel: Windows Phone 7 Series wird vom Start weg für den Businessbereich wichtige Funktionen wie Exchange-Anbindung und mobiles Arbeiten mit Dokumenten (über Office Mobile – inkl. Anbindung an Sharepoint zwecks Synchronisation von Dokumenten) anbieten und damit die Bedürfnisse der meisten Geschäftskunden erfüllen. Im Zuge der schnellen Weiterentwicklung der Plattform werden in Zukunft auch für Enterprise-Szenarien wichtige Funktionalitäten, die heute von Windows Mobile 6.5 umfassend unterstützt werden, zur Verfügung stehen.

dotnet.de: Für Entwickler hat Microsoft nun die CTP der Developer Tools zur Verfügung gestellt, die auch in Zukunft kostenlos sein sollen. Was ändert wird sich beim WP7 für Entwickler?

Frank Prengel: Sämtliche für die Entwicklung von Anwendungen und Spielen für Windows Phone 7 Series benötigte Werkzeuge werden von uns ab sofort kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Tools adressieren eine komplett neu konzipierte Anwendungsplattform, die User Experience, Stabilität, Sicherheit und Anbindung an Web-2.0-Dienste als Kernpunkte adressiert. Anwendungen und Spiele für Windows Phone 7 Series basieren daher auf .NET, Silverlight und XNA. Native Anwendungen sind nicht mehr möglich, auch keine im Hintergrund laufenden Prozesse. Bestehende Windows-Mobile-Anwendungen sind zur neuen Plattform nicht kompatibel, sondern müssen portiert oder – um die neuen Möglichkeiten auszunutzen – neu entworfen werden. Wer bisher schon mit .NET gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden und vieles wiederverwenden können.

dotnet.de: Es wird kritisiert, dass sich WP-7-Anwendungen nur mit Silverlight oder XNA entwickeln lassen. Dies steht in einem gewissen Gegensatz zu der Öffnung Microsofts gegenüber der Community, etwa mit seinen zunehmenden Open-Source-Aktivitäten. Wird Microsoft möglicherweise in absehbarer Zeit die Bindung an hauseigene Technologien fallen lassen?

Frank Prengel: Von der Entwicklergemeinde ist die Ankündigung, für die Programmierung von Windows Phone 7 Series auf Silverlight und XNA bauen zu können, mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Wir sind als Plattformanbieter natürlich bemüht, die Entwicklung von Software, die dem Nutzer ein Höchstmaß an Benutzbarkeit, Performance und Stabilität liefert, so einfach und effektiv wie möglich zu machen. Wir bauen deshalb mit .NET auf ein Framework, das Millionen von Entwicklern bereits vertraut ist. Wir setzen mit Silverlight auf eine Technologie, die in der RIA- und Desktopwelt bereits eine erfreuliche Popularität erlangt hat, und auf den Wissenstransfer, der bei der Entwicklung neuer mobiler Anwendungen dadurch möglich ist. Wir bieten mit XNA ein Spieleframework, das heute auf dem PC und der Xbox zu Hause ist und jetzt dem Spieleentwickler auch die Einbeziehung der neuesten Generation von Smartphones ermöglicht. Und wir unterstützen all das durch hochproduktive, kostenlose Werkzeuge. Unsere optimierten „hauseigenen Technologien“ bringen also in der Tat große Vorteile mit sich.

dotnet.de: Auf der MIX 10 hat Microsoft von Seiten der Entwickler sicherlich zahlreiche interessante Vorschläge gehört. Können Sie schon verraten, welche Ideen besonders inspirierend waren und Ihrer Einschätzung nach Chancen haben, umgesetzt zu werden?

Frank Prengel: Die neuen Möglichkeiten, die die Anwendungsplattform von Windows Phone 7 Series plötzlich eröffnet, beflügeln die Kreativität der Entwickler und Designer seit der offiziellen Ankündigung auf der Keynote der MIX – das war schon während der Veranstaltung überall deutlich zu spüren. Die in der Keynote gezeigten Demoanwendungen geben, so denke ich, einen guten Eindruck davon, was möglich ist und was kommt – z. B. die innovative Newsreader-Anwendung von Associated Press, die die medialen und typografischen Stärken der neuen Plattform ausnutzt, oder der Netflix-Client mit smooth streaming von Videos über das Mobilfunknetzwerk, möglich dank der Stärken von Silverlight im Streamingbereich. Oder auch das vorgeführte XNA-Spiel, das nahezu identisch für Xbox, PC und Windows Phone vorliegt, mit reichen 3-D-Effekten auf dem mobilen Gerät aufwartet und dank Anbindung an das Xbox-Live-Netzwerk nahtlos zwischen den verschiedenen Geräten fortgesetzt werden kann.

dotnet.de: Sie sind auch Ansprechpartner für die Downloadplattform Windows Marketplace for Mobile. Welche Auswirkungen wird hier die Einführung von WP7 haben?

Frank Prengel: Der neue Windows Phone Marketplace wird eine zentrale Rolle bei der Softwareverteilung unter Windows Phone 7 Series haben. Neue Features wie die Unterstützung von eingeschränkten Testversionen und das Freischalten dieser beim Kauf werden für ein optimales „Shoppingerlebnis“ sorgen. Aufgrund unserer oben geschilderten Anforderungen werden alle für die neue Plattform entwickelten Anwendungen von Microsoft getestet und zertifiziert, bevor sie über den Marketplace den Nutzern zur Verfügung stehen können. Wir werden in Hinblick darauf die geschäftlichen Rahmenbedingungen und die Prozesse so optimieren, dass es für jeden Entwickler einfach und attraktiv ist, seine Software über den Marketplace anzubieten. Beispielsweise können sich schon heute Studenten und Schüler über unser DreamSpark-Programm kostenlos beim Marketplace anmelden und ihre Anwendungen einreichen. Weitere Neuerungen werden in den kommenden Wochen und Monaten kommuniziert. Entwickler sollten sich also jetzt mit den neuen Technologien und Tools vertraut machen und ihre Anwendungen planen, damit sie diese frühzeitig einreichen können, wenn der neue Windows Phone Marketplace im Sommer öffnet, und beim Start von Windows Phone 7 Series im Herbst von Anfang an dabei sind.

dotnet.de: Herr Prengel, vielen Dank für das Gespräch.

Frank Prengel ist Technical Evangelist bei Microsoft Deutschland. Dort befasst er sich mit mobilen und Embedded- Technologien wie beispielsweise Windows Embedded und Windows Mobile, dem .NET Compact Framework und dem .NET Micro Framework. Zu seinem Themengebieten gehört außerdem das Microsoft Robotics Studio.

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