Höhen und Tiefen eines Silverlight-Entwicklers

Windows Phone Erfahrungen aus der App-Entwicklung
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Mit der so genannten Womanizer App startete mein Einstieg in die Windows-Phone-Entwicklung. Die Anwendung ist in Deutschland eine der Topanwendungen der Kategorie „Foto“. Es handelt sich um eine kleine Spaßanwendung mit sehr wenigen, überschaubaren Use Cases. Aus Entwicklersicht diente die Anwendung einerseits dazu, mit Windows Phone erste Erfahrungen zu sammeln, andererseits sollte sie auch nativ für iOS und Android implementiert werden.

Bevor die ersten Windows-Phone-Geräte im Spätsommer 2010 auf den Markt kamen, konnten bereits Gehversuche mit dem Windows Phone Emulator gewagt werden. Höchst interessant war natürlich die Entwicklung mit Silverlight. Was hatte Microsoft aus der Webwelt übernommen, was war auf dem Windows-Phone-System anders? Diese Fragen stellten sich Entwickler, bis klar wurde, dass Silverlight für Windows Phone Silverlight 3 mit gelockerter Sandbox und Windows Phone Assemblies zum Zugriff auf die Hardware ist. Mit dem kürzlich erschienenen Windows Phone 7.5 ist Silverlight für Windows Phone Silverlight 4. Obwohl sich im Emulator so einiges anstellen ließ, wurde es natürlich erst richtig spannend, als die ersten Geräte auf den Markt kamen. Aufgrund des sehr hell leuchtenden Super-AMO-LED-Displays besorgte ich mir ein Samsung Omnia 7 für damals weit über 500 Euro ohne Branding. Heute ist das Gerät zwischen 200 und 300 Euro zu haben. Stolz mit dem Windows Phone zuhause angekommen, wartete mein ebenfalls letztes Jahr zusammengeschraubter High-End-PC mit Visual Studio und allen Entwicklungstools auf mich. Das für Windows Phone notwendige SDK lud ich vom offiziellen Entwicklerportal herunter.

Loslegen

Um Anwendungen aus Visual Studio direkt auf ein Windows-Phone-Gerät zu überspielen, muss das Gerät offiziell als Entwicklergerät registriert sein. Ein ebenfalls möglicher Weg über Jailbreak wird hier nicht näher betrachtet. Um das Windows-Phone-Gerät auf dem offiziellen Weg zu registrieren, wird auf dem Entwicklerportal ein Account angelegt, der 99 US-Dollar pro Jahr kostet. Nach dem Anlegen muss via eingescanntem Ausweis über Geotrust die eigene Identität bestätigt werden. Das kann eins bis zwei Tage dauern. Danach lässt sich das Windows Phone mit dem kleinen, als Teil des SDK installierten Programm namens „Windows Phone Developer Registration“ registrieren. Dazu wird der frisch angelegte Developer-Account und das Passwort eingegeben.

Jetzt kann es losgehen. Um eine Anwendung direkt auf dem Endgerät zu debuggen, wird in Visual Studio anstelle des Emulators Window Device ausgewählt. Die Zune-Software muss gestartet und der Screen des Geräts entsperrt sein. Wird das Projekt durch Drücken der F5-Taste im Debug-Modus gestartet, wird die .xap-Datei erstellt, das ist die Windows-Phone-Anwendung. Die .xap-Datei wird auf das Gerät kopiert, gestartet und Visual Studio hängt sich an den Prozess. An den gesetzten Breakpoints wird entsprechend angehalten.

Die Womanizer App

Nachdem ich alles aufgesetzt, den Account erstellt und etwas Zeit übrig hatte, ging es um die Idee für eine App mit möglichst einfachen Use Cases: der Animal Paster. Der Benutzer wählt dabei ein Bild aus seinen gespeicherten Bildern oder knipst ein neues. Das Bild wird in der Anwendung angezeigt. Anschließend wählt er ein Tier aus, das in das Hauptbild eingefügt werden soll. Durch spezielle Fingergesten wird es platziert, lässt sich rotieren, skalieren und verschieben. Ist das Tier an der gewünschten Stelle, speichert man das Endbild auf dem Windows Phone ab. Abbildung 1 zeigt die Use Cases Bild wählen, Tier wählen und Tier platzieren. Zum Entwickeln der Fingergesten war etwas Aufwand notwendig. Es gibt im Internet mittlerweile viel Beispielcode und Behaviors, die sich direkt einsetzen, damals funktionierten sie jedoch noch nicht unter Windows Phone. Die anderen Schritte gingen relativ schnell von der Hand. Unterm Strich lässt sich sagen, dass das Entwickeln der Anwendung der kleinste Aufwand war. Das Zeichnen der Icons, das Freistellen der Tierbilder, der Feinschliff der Oberfläche, diese Punkte kosteten am meisten Zeit. Nach einem lustigen Abend mit Freunden kam die Idee, eine ähnliche Anwendung zu bauen, die das Einfügen von Frauen ermöglicht. Der „Womanizer“ war geboren. Gleiche Use Cases wie beim Animal Paster, UI-Farbe auf pink geändert und statt Tier- jetzt Frauenbilder eingebettet. Fertig. Abbildung 2 zeigt die Use Cases Bild wählen, Frau wählen und Frau platzieren der Womanizer-Anwendung.

Abb. 1: Die zentralen Use Cases der Animal-Paster-Anwendung
Abb. 1: Die zentralen Use Cases der Animal-Paster-Anwendung
Abb. 2: Die Use Cases in der Womanizer App
Abb. 2: Die Use Cases in der Womanizer App

Ab in den Marketplace

Um die fertige App in den Marketplace zu laden, loggt man sich unter http://create.msdn.com ein. Unter dem Menüpunkt my dashboard | Windows Phone lässt sich eine neue App erstellen. Dabei wird die .xap-Datei auswählt und hochgeladen. Bilder und Texte werden für die Sprachen eingegeben, für die die .xap-Datei auch lokalisiert wurde. Für die Anwendung ist ebenfalls eine Kategorie auszuwählen. Für den Womanizer wurde die Kategorie Foto ausgewählt. Der ganze Vorgang zum Veröffentlichen einer neuen App ist in einer Art Wizard aufgebaut. Am Anfang wird die .xap-Datei hochgeladen, und am Ende lässt sich der Preis festlegen, zu dem die Anwendung verkauft werden soll. Nach dem Hochladen der Anwendung dauert es etwa drei Tage, bis ein Feedback von Microsoft zurückkommt. Der Womanizer hat es im ersten Anlauf in den Marketplace geschafft.

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