Windows Phone Erfahrungen aus der App-Entwicklung (Teil 2)
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Verkaufszahlen
In der Kategorie Foto ist die Womanizer App in kurzer Zeit in die Top Ten der kostenpflichtigen Applikationen aufgestiegen. Insgesamt wurde die Anwendung einschließlich Trial-Versionen

Verkaufszahlen

In der Kategorie Foto ist die Womanizer App in kurzer Zeit in die Top Ten der kostenpflichtigen Applikationen aufgestiegen. Insgesamt wurde die Anwendung einschließlich Trial-Versionen von Dezember 2010 bis zum Oktober 2011 6884 Mal heruntergeladen. Im Dashboard kann man die Downloadrate statistisch nachverfolgen. Abbildung 3 zeigt ein Diagramm für den vergangenen Monat. Etwas mühsam ist, dass von den 433 heruntergeladenen Anwendungen im letzten Monat nicht auf einem Blick ersichtlich ist, wie viele davon gekauft und wie viele nur als Trail heruntergeladen wurden. Um die gekauften Anwendungen herauszufinden, wechselt man im Dashboard von der grafischen Darstellung zu den Details. Die Details enthalten dann für jede Region die Anzahl der heruntergeladenen Trail-Versionen und der gekauften Versionen (Abb. 4).

Abb. 3: Downloadübersicht der Womanizer-Anwendung
Abb. 3: Downloadübersicht der Womanizer-Anwendung
Abb. 4: Verkäufe und Trial-Versionen
Abb. 4: Verkäufe und Trial-Versionen

Das Geld erhalten

Um das Geld zu erhalten, kann man zunächst eine Steuernummer in den USA beantragen, eine so genannte Individual Taxpayer Identification Number (ITIN). Ohne diese Nummer ziehen einem die Vereinigten Staaten 30 Prozent Steuer vom Umsatz ab. Da Microsoft selbst bereits 30 Prozent des Umsatzes einstreicht, bleibt dann nicht mehr viel übrig, wenn in Deutschland nochmals versteuert wird. Die ITIN ist also sinnvoll, um damit vom Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA Gebrauch machen zu können. Zum Beantragen der ITIN ist das W-7-Formular notwendig, das unter http://create.msdn.com vorliegt. Nur das Formular auszufüllen, wäre jedoch zu einfach. Zusätzlich braucht es ein Schreiben von Microsoft und eine Apostille des Ausweises. Dabei ist nicht ganz klar, ob auch beglaubigte Kopien von Geburtsurkunden und des Reisepasses ausreichen oder eine Apostille wirklich notwendig ist.Sind die notwendigen Unterlagen fertig, wird alles zum Internal Revenue Service (IRS) in die USA geschickt. Da der ganze Vorgang circa sechs Wochen dauert, lohnt es sich, die Unterlagen zur deutschen Außenstelle des IRS in Frankfurt zu senden. Dort werden die Daten geprüft, bevor es in die USA geht. Anstatt alles selbst zu machen, kann man auch in Deutschland einen so genannten Acceptance Client (einen Anwalt) nehmen, der einen für etwa 60 Euro unterstützt. Mit der erhaltenen ITIN-Nummer wird dann das W-8-Formular ausgefüllt, das an Microsoft gesendet wird. Sobald es verarbeitet wurde, kommt das Geld an.

Android und iOS

Sowohl der Animal Paster als auch die Womanizer App wurden aufgrund der überschaubaren Use Cases neben Windows Phone auch für Android und iOS umgesetzt. Unter Android war für einzelne Tasks wie das Laden eines Bildes etwas mehr Aufwand notwendig. Der Einstieg ist allerdings etwas mühsamer als in Silverlight. Während beim Anlegen eines Silverlight-Projekts sofort klar ist, dass eine Page eine Seite der Anwendung ist, ist das bei Android nicht der Fall. Ein Blick in die dafür sehr gut gestaltete Dokumentation verrät, dass eine Activity eine Seite darstellt. Das UI wird üblicherweise in einem XML-Dokument definiert, das dann in einer Activity-Subklasse geladen wird. Insgesamt ist alles möglich wie in Silverlight, aber etwas komplizierter. Die fertige App wurde für einen Euro in den Marketplace von Google reingestellt. Sie wurde bis heute weniger als 50 Mal gekauft, denn Android-Benutzer kaufen nichts, sie erwarten die Apps kostenlos. Daher wurde die App als Lite-Version mit eingebauter Werbung erstellt. Durch Klicks auf die Werbung versucht man, unter Android Geld zu verdienen. Zum Leben reicht das jedoch bei Weitem nicht, eher für ein Abendessen im Monat.

Die Entwicklung unter iOS gestaltete sich trotz negativer Vorurteile gegenüber Objective C als recht amüsant. Die Aufteilung des UIs in eine .xib-Datei und der Logik in eine Controller-Datei gefällt. Zugegeben, das Verbinden von UI-Elementen mit Event Handler im Controller ist etwas seltsam, da es per Drag and Drop im UI-Designer durchgeführt wird. Aber man gewöhnt sich daran. Sehr gut waren unter iOS die Gesture-Klassen für Multitouch-Eingaben. Zum Rotieren, Skalieren und Transformieren der Frauenbilder war fast keinerlei Code notwendig. Und in Objective C ist man auch recht schnell drin, sobald man sich an die Methodenaufrufe in eckigen Klammern gewöhnt hat. Obwohl mittlerweile auch die aus C# bekannte Punktsyntax unterstützt wird, sind die meisten Samples klassisch mit eckigen Klammern.

Der Womanizer hat es unter iOS nicht in den Marketplace geschafft, der Animal Paster mit dem exakt gleichen UI dagegen schon. Beim Womanizer wurden drei der Frauenbilder als „anrüchig“ identifiziert. Die Bilder wurden entfernt und die App wieder hochgeladen. Das wiederholte sich noch zwei Mal. Ich fragte dann bei Apple an, ob die Anwendung überhaupt eine Chance hat, in den AppStore zu kommen. Nach drei Wochen kam die Rückmeldung vom Apple Review Board, man würde die Anwendung gerne in den AppStore aufnehmen, die Bilder seien zwar O.K., das UI allerdings nicht gut genug. Zitat: „You need to polish the UI“. Was genau ich verbessern sollte, konnte man mir nicht sagen. Interessant ist nur, dass der Animal Paster das exakt gleiche UI wie der Womanizer besitzt, und es problemlos in den AppStore geschafft hat. Neben diesen Problemen ist bei Apple aber die Bezahlungsabwicklung gut. Es ist keine ITIN und kein Formular notwendig. Die Umsätze bei Apple werden einfach auf das Konto überwiesen und sind in Deutschland dann entsprechend zu versteuern.

Fazit

Silverlight als Entwicklungsplattform für Windows Phone ist sehr mächtig. Im Vergleich mit Apples Cocoa-Touch-Lösung und Androids Java-Lösung ist Silverlight das intuitivste und mächtigste Framework. Hier hat Microsoft meiner Meinung nach die Nase vorn. Was wiederum die Entwicklerportale betrifft, hängt Microsoft etwas hinterher und könnte unter http://create.msdn.com noch einige Dinge intuitiver gestalten. Beispielsweise muss der Upload der .xap-Datei in drei Minuten stattfinden, ansonsten gibt es einen Server-Timeout. Eine mehr als drei Megabyte große Anwendung lässt sich mit einem 1000-DSL-Anschluss nicht hochladen. Die Bezahlung ist bei Apple am komfortabelsten einzurichten. Der Weg mit der ITIN bei Microsoft ist etwas steinig, aber man muss ihn glücklicherweise auch nur einmal gehen. Unterm Strich ist aus Entwicklersicht die Windows-Phone-Umgebung mit Visual Studio eine mächtige Umgebung, an die Eclipse‘ und Apples XCode nicht herankommen.

Thomas Claudius Huber ist im echten Leben auch ein Womanizer, aber nur für seine Frau Julia und seine sechs Monate alte Tochter Anna, die er beide über alles liebt. Er freut sich über Feedback und andere Erfahrungsberichte zu Windows Phone unter thomas@thomasclaudiushuber.com.

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