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von Tobias Fertig und Andreas Schütz

Buchtipp: Blockchain für Entwickler
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Die immens schnelle Kursentwicklung des Bitcoins sorgte für die Entstehung eines wahren Medienhypes. Die entwicklertechnischen Aspekte der Blockchain wurden weniger stark berücksichtigt – ein Thema, dem sich der Rheinwerk Verlag nun annimmt.

Nachdem die ersten Kapitel einen kurzen historischen Rückblick auf das Blockchain-Thema wagen, zeigt Kapitel Nummer drei die kryptographischen Grundlagen – ohne Verständnis mathematischer Grundlagen lässt sich die Blockchain nicht begreifen.

Der Tiefgang bietet dabei keinen Grund zur Kritik – etwas mathematische Vorkenntnisse sind allerdings erforderlich, wenn man den Ausführungen folgen möchte. Besonders interessant ist die Besprechung der Trie-Datenstruktur, mit der man es als gewöhnlicher Applikations- oder Spieleprogrammierer nur sehr selten zu tun bekommt. Und nein: Ein Trie ist kein Tree.

Nach der Abarbeitung der Mathematik wenden sich die Autor der Erzeugung einer eigenen Blockchain zu. Hierbei setzen sie auf Java, die kryptographische Intelligenz wird über die Bouncy-Castle-Bibliothek bereitgestellt. DAS ist übrigens keine Faulheit des Autorenteams – wer kryptographische Funktionen selbst programmiert, bettelt in 99,9 % der Fälle um Schmerzen. In den darauffolgenden Abschnitten wird die hauseigene Sample-Blockchain dann um ein Web-API, Konten und einige andere Optimierungen erweitert.

Die von Hand entwickelte Blockchain ist nur eine Fingerübung zum Erlernen von Programmierkonzepten. Interessanter wird es ab Seite 270, von wo an die Autoren das Konzept der Smart Contracts auf theoretischer Ebene einführen.

Die „Zentnersau“ in der Welt der Smart Contracts ist mit Sicherheit die Programmiersprache Solidity, die Ethereum das Alleinstellungsmerkmal als Blockchain für intelligente Verträge gesichert hat. Das Werk misst ihr – der Bedeutung entsprechend – gute 150 Seiten zu, die mit einer Grundbesprechung der Syntax beginnen, auf Debugging eingehen und zu guter Letzt auch Grundlagen der sicheren Erzeugung und des intelligenten Designs von Smart Contracts besprechen. Am Ende dieses Teils findet sich dann noch ein Kapitel, das Design Pattern, Standards und Bibliotheken vorstellt, die einem angehenden Smart-Contract-Entwickler entweder Zeit oder Kopfschmerzen ersparen.

Ein weiteres im Umfeld von Ethereum verbreitetes Thema sind DApps; hinter dem Begriff verbergen sich die Decentralized Applications. Es handelt sich dabei um Programme, die komplett in der Blockchain leben. Was das in der Praxis bedeutet, stellen die Autoren in drei weiteren Kapiteln vor. Anschließend finden sich noch Ausführungen zu ICOs, intelligenten Supply Chains und Zukunftstechnologien im Bereich der Kryptoökonomie.

Wer Bücher gerne überfliegt, ist bei Fertig und Schütz mit Sicherheit falsch aufgehoben. Die rund 570 Seiten treffen unaufmerksame Leser wie ein Tritt in die Magengegend – man merkt, dass das Autorenteam über jahrelange Erfahrung im Bitcoin-Bereich verfügt und diese gern mit den Lesern teilt. Wer aufmerksam mitarbeitet, bekommt eine erstklassige Einführung in die Thematik – die Komplexität des Texts liegt am Umfang und nicht am didaktischen Aufbau.

Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, wie Blockchains technisch funktionieren und wie man von ihnen – abseits der Spekulation mit Kryptowährungen – profitieren kann, dann ist Blockchain für Entwickler das Werk der Wahl für Sie. Der Kaufpreis ist im Vergleich zum Gebotenen mehr als nur gerechtfertigt.

Autoren: Tobias Fertig, Andreas Schütz
Titel: Blockchain für Entwickler
Untertitel: Grundlagen, Programmierung, Anwendung
Seiten: 565
Preis: 39,90 Euro
Verlag: Rheinwerk Computing
Jahr: 2019
ISBN: 978-3-8362-6390-0
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