Der praktische Einstieg für Anwender und Entwickler

Buchtipp: Raspberry Pi für Windows 10 IoT Core
Kommentare

Die erstmalige Verfügbarkeit von Windows für den Raspberry Pi schlug wie eine Bombe ein. Die Prozessrechner aus dem Haus Upton galten bisher als Domäne unixoider Betriebssysteme. Der Hanser Verlag legt nun ein Werk vor, das die Nutzung von Windows 10 auf Einplatinencomputern behandelt.

Nach einer Kurzbesprechung der Geschichte des Raspberry Pi beginnt die Vorstellung der Hardware und der implementierten Schnittstellen. Im zweiten Kapitel gibt es Abschnitte zu Steckplatinen und eine kurze Erklärung zum ohmschen Gesetz.

Das dritte Kapitel geht auf das Internet of Things als Ganzes ein. Dass ein zweihundert Seiten langes Lehrbuch über Prozessrechner ein so komplexes Thema nicht vollständig abwickeln kann, ist klar. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Nutzung der von Microsoft spendierten Administrationslösungen. Ein unter Windows 10 laufender Raspberry Pi bietet ein Webinterface an, mit dem Entwickler diverse Einstellungen festlegen können.

Alles mit Visual Studio

Nach diesem eher theoretischen und softwarebezogenen ersten Teil dreht sich im fünften Kapitel alles darum, wie man den Prozessrechner so effizient wie möglich von einer Workstation aus mit Programmen versorgt. Der Autor demonstriert dies nach einer kurzen Einführung in das Konzept der Universal-Apps anhand eines kleinen Beispiels, das GPIO-Pins unter Nutzung eines Timers ansteuert.

Der Großteil des Buchs entfällt auf das sechste Kapitel, in dem der Autor ein rundes Dutzend verschiedener Projekte anhand des Raspberry Pi und Windows 10 abwickelt. Der behandelte Themenkreis ist dabei breit gefächert. Der Bogen reicht von einfachen Anzeigeprojekten bis hin zur Ansteuerung von Sensoren per SPI und der Nutzung des Raspberry-Pi-Kameramoduls.

Nicht jedermanns Sache

hanser_raspberry_pi

Schade ist in diesem Zusammenhang, dass der Autor so gut wie keine klassische Elektronik erklärt. Die Verwendung fertiger Relaismodule mag aus rechtlicher Sicht risikoärmer sein, ist für den angehenden Entwickler allerdings mit einigem an Übung verbunden. Zudem ist es nicht unbedingt einfach, allgemein interessante Konzepte – ein Klassiker wäre der Einsatz eines bestimmten Bussystems – zu finden, da man dazu die verschiedenen Projekte durchackern muss. Lobenswert ist derweil, dass auch die Nutzung eines Cloud-Service vorgestellt wird.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt: Über den didaktischen Aufbau lässt sich hervorragend streiten. Freunde konventioneller Lehrbücher hätten sich eine Aufteilung nach den behandelten Themengebieten gewünscht. Ein Blick auf die Verkaufszahlen moderner Fachliteratur zeigt allerdings, dass der von Stephan Hüwe gewählte Weg heute mehr „ à jour“ ist.

Ein Appendix geht kurz auf die Möglichkeit der Realisierung kombinatorischer Prozessrechnersysteme anhand der Einbindung eines Arduinos ein. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn der Autor an dieser Stelle etwas mehr Informationen zur Nutzung des Firmata gegeben hätte.

Fazit

Wer von Elektronik bisher keine Ahnung hatte und einen Raspberry Pi in die Hände bekommt, wird mit diesem Buch wahrscheinlich glücklich werden. Wer die diversen Bussysteme von anderen Plattformen kennt, dürfte mit den online verfügbaren Beispielen auskommen.

Autor(en): Stephan Hüwe
Titel: Raspberry Pi für Windows 10 IoT Core
Untertitel: Der praktische Einstieg für Anwender und Entwickler
Seiten: 192
Preis: 30 Euro
Verlag: Carl Hanser Verlag
Jahr: 2016
Sprache: deutsch
ISBN: 978-3-446-44719-6
Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -