Carbon footprint – Klimaziele bei Microsoft

CO₂-negativ bis 2030: Microsoft will eigenen ökologischen Fußabdruck tilgen
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IT und Ökosystem: Microsoft will seine CO₂-Bilanz bis 2030 ins Negative umkehren. Bis 2050 sollen selbst vergangene Emissionen getilgt sein. Dafür müssten aber erst neue Technologien entwickelt werden. Microsoft möchte hier Vorreiter sein.

Die Techbranche ist durch hohen Stromverbrauch und weltweite Lieferketten eine Mitverursacherin großer Mengen von Kohlendioxid, die maßgeblich zur Erderwärmung beitragen. Dadurch steht sie im Kreuzfeuer der weltweiten Klimabewegung. Neuerdings schreiben sich immer mehr Tech-Unternehmen Klimabewusstsein auf die Fahnen. Kann man vergangene Emissionen wettmachen und historische CO₂-Spuren kompensieren? Microsoft sagt „Ja!“

Microsoft-Präsident Brad Smith, die Leiterin der Finanzabteilung Amy Hood und CEO Satya Nadella haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz Mitte Januar einen betont „aggressiven“ Plan zum Klimaschutz verkündet, den das Unternehmen sich selbst und den Zulieferern ab diesem Jahr auferlegt.

Increase in carbon dioxide emissionss is the primary driver of rising global temperatures - graph showing the mean temperature change relative to 1850-1900 in degrees Celsius and atmospheric CO₂ (ppm) - Quelle: Microsoft Blog, HadCRUT4.6 und NOAA

Anstieg der CO₂ -Emissionen als Hauptverursacher der Erderwärmung – Quelle: Microsoft

Hintergrund ist die Erkenntnis, dass nicht nur direkt und indirekt verursachte Emissionen (Gruppe 1 und 2) für die Klimabilanz berücksichtigt werden müssen, sondern auch (Gruppe 3) die Emissionen der gesamten Lieferkette, für Baumaterialien, Dienstreisen von Angestellten und der ganze Lebenszyklus der Produkte bis hin zum Stromverbrauch durch Endverbraucher. Diese dritte Gruppe verursacht die meisten Emissionen, wird aber oft ausgeklammert. Einerseits, da sie so diffus ist, andererseits, da sie die Frage aufwirft, wer für den Schaden und die Kosten aufkommt. Microsoft möchte nun Folge-Emissionen mit in die Klimabilanz aufnehmen, mit seiner Kampagne für „Klima-Ehrlichkeit“ werben und andere Unternehmen ins Boot holen.

„Seit 2012 ist Microsoft klimaneutral“

„Neutral ist nicht genug“, teilt Microsoft-Präsident Brad Smith in der Pressemitteilung mit. In einem begleitend veröffentlichten Blogpost  legt er mit ausführlichem Zahlen- und Faktenmaterial die neue Strategie dar. Microsoft möchte direkte Emissionen vermeiden, Zulieferer zu emissionsarmem Verhalten anregen und durch gezielte Investitionen neu verursachte Emissionen „überausgleichen“. Sinnbildlich gesprochen: Statt dafür zu zahlen, dass jemand einen Wald nicht abholzt, sollen Bäume gepflanzt werden.

Ob Microsoft wie der ökologische Browser Ecosia konkret vorhat, Aufforstung zu betreiben, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Das Beispiel von Brad Smith, dem Microsoft-Präsidenten, soll illustrieren, dass es Microsoft um aktives Fördern umweltbewussten Handelns geht. Man habe den Ernst der Lage erkannt und wolle die Entwicklung emissionsrückbauender und ressourcenschonender neuer Technologien vorantreiben. Durch seine Marktposition könne Microsoft hierbei eine Leuchtturm-Funktion einnehmen.

„While the world will need to reach net zero, those of us who can afford to move faster and go further should do so. That’s why today we are announcing an ambitious goal and a new plan to reduce and ultimately remove Microsoft’s carbon footprint.“ – Brad Smith / Microsoft-Präsident, 16. Januar 2020

Bis 2030 möchte das Unternehmen seine CO₂-Bilanz nicht nur klimaneutral, sondern CO₂-negativ machen und keine neuen Emissionen mehr verursachen. Bis 2050 sollen die gesamten durch das Unternehmen seit der Gründung 1975 je mitverursachten Emissionen ausgeglichen sein. Die Strategie sieht eine Mischung aus emissionsvermeidenden und -entfernenden Technologien vor, die zum Teil erst noch entwickelt werden müssen. Dafür richtet Microsoft mit einer Milliarde Dollar einen Klima-Innovationsfonds ein.

Klimafonds, Karbongebühr und NET (Negativ-Emissions-Technologien)

Intern gebe es bereits seit 2012 eine „Kohlendioxid-Gebühr“ (carbon fee), die nun auf Zulieferer und Wertschöpfungsketten ausgeweitet werde. Auch die eigenen Abteilungen sollen sich daran beteiligen. Aus den Einnahmen soll die Kampagne teilweise re-finanziert werden. Bis 2030 möchte das Unternehmen seine mittel- und unmittelbaren Emissionen mehr als halbieren, sowohl die eigenen als auch die seiner Zulieferer und Wertschöpfungskette. Aus dem Klimafonds werde in die Entwicklung von neuen Negativ-Emissions-Technologien (NET) investiert, um künftig emissionsärmere Produkte herzustellen und CO₂ nicht nur zu reduzieren, sondern in noch größerem Maße zu absorbieren. Wenn dies gelingt und möglichst viele große und kleinere Player mit ihren Lieferketten mitmachen, könnte es einen positiven Domino-Effekt für die gesamte Branche und für das Weltklima auslösen.

Microsoft's pathway to carbon negative by 2030 - Annual carbon emissions in a timeline from 1975 till 2030

Microsoft will „Karbongeschichte“ schreiben, jährliche CO₂ -Emissionen seit der Gründung und Fahrplan bis 2030

 

Alle Daten und Fakten der Pressemitteilung stehen im Blogpost von Microsoft.

 

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