Das Quattro-Pro-Projekt von Borland

Buchtipp: Hyper-Productive Knowledge Work Performance
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Die Autoren legen mit diesem Buch den ersten Band der „TameFlow Hyper-Productivity Series“ vor. Sollte die komplette Serie so ausfallen wie der erste Band, gehört sie ohne Zweifel zur Pflichtlektüre jedes IT-Managers. Es ist aber schon absehbar, dass der kleinere Teil der IT-Manager die TameFlow-Ideen dazu nutzen wird, auf der Überholspur durchzustarten, während der größere Teil sie wohl dazu nutzen muss, um zu verstehen, warum ihr Unternehmen gerade komplett abgehängt wird.

Wer Hyper-Produktivität verspricht, der muss schon am Anfang des Buchs etwas haben, was wirklich zündet. Und die Autoren werden dieser Erwartung in vollem Umfang gerecht. Ihr Showcase: Das Quattro-Pro-Projekt von Borland, eines der produktivsten IT-Projekte, die jemals durchgeführt wurden. Acht Borland Entwickler, 31 Monate, ca. 1 Mio Zeilen C++-Code. Die Autoren zeigen dann auf, dass Analysen dieses Projekts wesentliche Meilensteine bei der Entwicklung agiler Methoden, speziell von Scrum, gewesen sind.

Es folgt ein Parforceritt durch die Moderne des IT-Managements: Patterns, Beyond Budgeting, Theory of Constraints, Scrum und Kanban werden daraufhin untersucht, ob und in wie weit sie einen Beitrag zum Erreichen von Hyper-Produktivität leisten. Dabei schieben die Autoren im Kapitel „Losing Hyper Productivity“ den hierarchischen Mainstream des IT-Managements mit atemberaubender Beiläufigkeit beiseite.

Die Autoren decken auch mit schonungsloser Offenheit die Schwachstellen von Scrum auf, und sie zeigen, welche Features von Scrum Hyper-Produktivität nicht nur nicht unterstützen, sondern tatsächlich behindern.

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© J. Ross Publishing

Auf höchstem Niveau ist die Auseinandersetzung mit Kanban. Auch wenn die Autoren allem Anschein nach Sympathie für diesen Ansatz haben, beim Thema WiP-Limit wird ganz tief gegraben und das traditionelle Verständnis von WiP-Limit nach eingehender Prüfung zugunsten eines komplett neuen WiP-Limit-Verständnisses verworfen.

Dabei ist das Buch keineswegs aus der Perspektive praxisferner Theoretiker geschrieben, sondern es enthält das Wissen von Praktikern, die nie vergessen, dass es schlussendlich um das Ergebnis geht.

Nun sind weder die Theory of Constraints noch Kanban in irgendeiner Art Hexenwerk. Die Autoren bauen aber beide auf ein solides Fundament: Sie postulieren vier Komponenten, die gegeben sein müssen, damit Hyper-Produktivität möglich wird: Die „Unity of Purpose“, die „Community of Trust“, die „Core Committments“ und die „Core Protokolle“. Und sie sagen sehr offen, dass in Umgebungen, in denen diese vier Komponenten etabliert sind, nicht jeder dem Speed standhalten kann, der dann entsteht.

Das Buch zeigt auch einige Stereotypen, die nicht kompatibel zu Hyper-Produktivität sind, z. B. den klassischen Manager, der seine Zeit mit politischen Karrierespielchen verbringt, sich überall einmischt und keine Ergebnisverantwortung übernimmt. Den solitären Entwickler, der nur programmieren aber nicht kommunizieren will. Den Scrum Master, der sein Team vom Management isoliert und so das Team von wesentlichen Informationen abschneidet.

Das Buch ist aber nicht nur inhaltlich mit das Beste, was ich in den letzten zwei Jahren zum Thema IT-Management gelesen habe, es ist auch von der ersten bis zur letzten Seite spannend geschrieben. Es war mir fast unmöglich, es vor der vollständigen Lektüre wieder aus der Hand zu legen.

Mein Tipp: Wenn Sie mit Ihren Teams auf die Überholspur wollen, kaufen Sie das Buch noch heute und diskutieren Sie die Ansätze ab morgen mit allen Key Playern Ihres Unternehmens.

Titel: Hyper-Productive Knowledge Work Performance
Untertitel: The TameFlow Approach and Its Application to Scrum and Kanban
Autor(en): Steve Tendon, Wolfram Müller
Verlag: J. Ross Publishing
Erschienen: 2014
Seiten: 368
Preis: 64,95 US-Dollar
Sprache: Englisch
ISBN: 978-1-60427-106-5

Aufmacherbild: High Performance on Black-Golden Watch Face via Shutterstock.com / Urheberrecht: Tashatuvango

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