Kolumne: Karrieretipps

Karrieretipps: Was tun, wenn der Chef ein Choleriker ist?
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Ja, die Welt könnte so schön sein – die Arbeit ist interessant, das Team ist spitze, aber der Chef verbreitet im wahrsten Sinne regelmäßig eine „Bombenstimmung“. Kann man diese Bombe überhaupt entschärfen oder sollte man besser die Flucht ergreifen, wenn sie hochgeht, und den Chef bei Wutausbrüchen einfach stehen lassen?

Das Entwicklerteam sitzt in der Mittagspause gemütlich im Besprechungszimmer und jeder verspeist seine soeben gelieferte Pizza aus dem Pappkarton. Die Stimmung ist gut. Nur der Pizzakarton vom Chef ist noch ungeöffnet. Der Vorgesetzte wird in einer Abteilungsleiterbesprechung aufgehalten. In der Mittagstischrunde wird gerade gelacht und über neue Gadgets diskutiert, als plötzlich die Tür knallt und ein lautes Stampfen zu hören ist. Schritte, die sich anhören, als nähere sich ein hungriger Riese mit der Absicht, das gesamte Team samt Pizzaschachteln auf einmal herunterzuschlingen. Begleitet wird das Getrampel von einem lauten Brüllen. Sofort erinnern sich einige an das Ungeheuer aus dem Kinderbuch von damals: „Oh Schreck, oh Graus, ich fürcht’ mich so, es gibt ihn doch den Grüffelo!“ Oder ist es vielleicht doch (nur) der Chef?

Hilfe, mein Chef ist ein Choleriker

Wer einen Choleriker als Chef hat, wird solche oder ähnliche Situationen im täglichen Alltag kennen. Was genau die Zündschnur entfacht hat, ist dabei nicht immer ersichtlich. Klar scheint aber zumeist, dass der Vorgesetzte sich über irgendetwas geärgert hat und seinen Frust nun lautstark an einem oder mehreren ihm unterstellten Personen auslässt. Da werden zusammenhanglose Vorwürfe laut, er wäre über Terminverschiebungen zu spät oder gar nicht informiert worden. Oder die Softwareänderungen, die man vor einigen Wochen noch gemeinsam abgestimmt hat, werden als „totaler Bullshit“ bezeichnet. Und überhaupt hätte selbst ein „gehirnamputierter Schäferhund die Software gemäß den dämlichen neuen rechtlichen Vorgaben irgendwie zeitgerecht hinbekommen, nicht aber das talentfreie Entwicklerteam.“

Die Stimmungsschwankungen des Chefs sind so zuverlässig wie der Wetterbericht. Nach einem Gewitter herrscht zeitweise wieder Sonnenschein, und man wird für die kleinsten Gefälligkeiten hoch gelobt. Ergebnisse, die man mit vollem Einsatz erbracht hat, bringen den Chef jedoch unerwartet auf die Palme, und man wird spontan zur Schnecke gemacht – wenn es die Situation ergibt, auch gerne vor versammelter Mannschaft. Diese sitzt dann ebenfalls völlig perplex dabei und ist schockiert über das peinliche Verhalten des Vorgesetzten. Und jeder denkt sich: „Der Blitz hätte heute auch mich treffen können.“

Und genau so geschieht es: Am nächsten Tag kommt Ihr Chef zu Ihnen an den Schreibtisch. Die Konversation startet ganz sachlich. Es geht nochmal um die Terminverschiebung aufgrund zusätzlicher Änderungen in der Software. Sie erwähnen ganz beiläufig, dass Sie heute noch den Input eines Kollegen erwarten und dann eigentlich alle wichtigen Daten zusammen haben. Doch am Ende Ihrer Ausführungen beobachten Sie, wie Ihr Chef mit der rechten Schulter zuckt, seine Armbanduhr zurechtschiebt und die Augenbrauen zusammenzieht. Sie wissen, was das heißt: Gleich wird die Bombe explodieren. Ihr Chef wird einem Vulkanausbruch gleich beim nächsten Ausatmen eine unerträglich laute Wolke aus Vorwürfen, Beleidigungen und rhetorischen Fragen in Ihre Richtung herausbrüllen. Wie soll man reagieren? Wie schafft man es, seinen Chef in die Schranken zu weisen? Soll man zurückbrüllen, gar nichts sagen, abwarten, bis der Sturm vorbei ist? Kann man diese Bombe überhaupt entschärfen oder soll man die Flucht ergreifen und ihn einfach stehen lassen? Auf jeden Fall hat man die Nase voll, und der Tag ist gelaufen.

Wutausbrüche nicht persönlich nehmen

In einer solchen Situation hilft es, den Fall zunächst wissenschaftlich zu betrachten, um eine Erklärung für das Verhalten zu finden und die Last von sich zu nehmen. Nicht Sie haben ein Problem, sondern offensichtlich Ihr Chef, denn er hat sich nicht unter Kontrolle. Viel schlimmer noch: Er will sich nicht unter Kontrolle haben und behandelt Sie nach patriarchalischen Führungsgrundsätzen wie einen Untertanen, demgegenüber er seine Macht beweisen will. In der Medizingeschichte ist ein Choleriker allgemein ein Mensch, der leicht erregbar, unausgeglichen und jähzornig ist. Im Idealfall sind die Temperamente eines Menschen in einem ausgeglichenen Zustand. Nicht so beim Choleriker. Sein Temperament ist bestimmt durch eine starke Kombination aus emotionaler Labilität und einer besonderen Extrovertiertheit.

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Somit können Sie innerlich schon mal tief durchatmen. Bei Ihnen ist alles ok. Vielleicht haben Sie einen Fehler gemacht, aber das rechtfertig noch lange nicht, dass Ihr Chef Sie deshalb in solcher Weise beschimpft. Und genau das können Sie ihm auch deutlich klarmachen. In dieser Situation eine Diskussion anzufangen, würde nichts bringen. Ihr Vorgesetzter muss zunächst auf eine sachliche Ebene finden und sich wieder unter Kontrolle haben. Verlegen Sie das Gespräch daher auf einen neuen zeitnahen Termin. Wenn er seinen Vulkanausbruch beendet hat, sagen Sie Ihrem Chef in einem sachlichen, aber bestimmten Ton, dass Sie um einen Termin bitten, um das Thema in Ruhe zu besprechen. Sitzen Sie zu einem späteren Zeitpunkt dann mit Ihrem Chef zusammen, sagen Sie ihm klar, dass Sie sich von ihm nicht anschreien lassen und verlangen, dass er in einem angemessenen Ton mit Ihnen spricht. Ebenso verbitten Sie sich Beleidigungen und bestehen darauf, zu vereinbaren, dass etwaige Fehler in Zukunft sachlich und konstruktiv angesprochen werden.

Sachlich und bestimmt konfrontieren

Leider neigt der Choleriker dazu, persönliche Kritik nicht anzunehmen oder sich direkt in eine neue Angriffsposition zu bringen, um die Kritik wieder in Ihre Richtung zu lenken. Bleiben Sie weiterhin sachlich und wiederholen Sie, wenn nötig, dass Sie einen angemessenen Umgangston von ihm erwarten. Wenn auch das nicht hilft, vertagen Sie das Gespräch erneut. Bleiben Sie konsequent in Ihrer Handlung, auch wenn Ihr Chef weiter tobt, weil er merkt, dass er mit seinem Verhalten bei Ihnen so nicht weiterkommt. Lassen Sie sich nicht als Opfer auf dieses Ritual ein, denn dann wird Ihr Chef immer wieder Sie dazu benutzen, seine schlechte Laune an Ihnen auszulassen. Bleiben Sie mit Ihrem eigenen Ton und Ihren Worten immer auf einer sachlichen Ebene und lassen Sie sich nicht von diesem unprofessionellen Verhalten anstecken oder einschüchtern.

Halten Sie im Team zusammen und besprechen Sie, wie Sie vielleicht auch einheitlich gegen das Verhalten des Chefs vorgehen können. Je mehr Ihr Chef realisiert, dass seine Mitarbeiter sich nicht als Untertanen behandeln lassen, umso eher wird er sein Verhalten zumindest überdenken. Ganz ändern wird er sich wohl nicht. Wichtig ist aber vor allem darauf zu achten, dass niemand aus dem Team das Verhalten des Vorgesetzten adaptiert und den Druck ebenfalls lautstark an „Schwächere“ weitergibt. Denn so kann schnell die gesamte Stimmung im Team kippen.

Sollten die Beleidigungen und Wutausbrüche für Sie und Ihre Arbeit langfristig doch eine zu große Belastung darstellen, vertrauen Sie sich zunächst entweder der Personalabteilung oder dem Betriebsrat an und verlangen Sie, dass der Vorgesetzte von höherer Stelle auf sein Fehlverhalten angesprochen wird. Sollte auch dies zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führen, werden Sie früher oder später über eine Kündigung nachdenken und sich einen neuen Job suchen. Bedenken Sie aber: Auf einen Choleriker werden Sie womöglich immer mal wieder treffen. Sehen Sie daher auch diese negative Erfahrung als wertvolle Schule im Umgang mit schwierigen Menschen in der Zukunft.

Machen Sie mit!
Sie können unter karrieretipps@windowsdeveloper.de gerne Fragen, Probleme und Erfahrungen loswerden, die von Yasmine Limberger dann aufgenommen und beantwortet werden – ohne Nennung Ihres Namens. Nutzen Sie die Gelegenheit!

Aufmacherbild: Angry boss gives directions by megaphone via Shutterstock.com / Urheberrecht: kraftwerk

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