Politische Spielchen am Arbeitsplatz - mit der richtigen Strategie zum Erfolg

Karrieretipps: Mikropolitik in der IT
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Geht es heute eigentlich noch in erster Linie darum, qualitativ hochwertige Produkte und Lösungen zu entwickeln, oder ist man als Entwickler auch regelmäßig Teilnehmer von politischen Spielchen? Reicht es, wenn man eine kontinuierlich gute Leistung abgibt oder muss man die machtpolitischen Spiele im Unternehmen erkennen und beherrschen, um weiterzukommen? Wer setzt im täglichen Arbeitsalltag die Prioritäten, und wie vielen „Herren“ muss man dienen, um ans Ziel zu kommen?

Muss man entscheiden, auf welche Seite man sich schlägt? Oder sollte man sich lieber ganz raushalten aus den politischen Machtspielchen der Unternehmenslenker? – Mikropolitik steht heutzutage bei immer mehr Unternehmen auf der Tagesordnung. Es geht heute in vielen Bereichen verstärkt um die Verfolgung einzelner Interessen. Es bilden sich Gruppen in den Abteilungen sowie taktische Einzelkämpfer heraus, die den Ton angeben, und andere, die dagegen steuern. Dabei stellen sich Fragen wie „Reicht es, wenn man eine kontinuierlich gute Leistung abgibt oder muss man die machtpolitischen Spiele im Unternehmen erkennen und beherrschen, um weiterzukommen? Oder sollte man sich lieber ganz raushalten aus den politischen Machtspielchen der Unternehmenslenker?

In endlosen Meetings wird diskutiert, es werden Schuldzuweisungen ausgesprochen, aber zu einer Lösung kommt man oft nicht. Als Entwickler sieht man die Dinge aus einer anderen Perspektive. Man will auf Probleme aufmerksam machen, findet sich aber inmitten eines politischen Disputs unterschiedlicher Interessen wieder. Gleichzeitig beobachtet man, wie andere befördert werden und an einem vorbeiziehen, obwohl man selbst seit Jahren eine erstklassige Leistung abliefert, verantwortungsvolle Aufgaben zuverlässig erledigt und, wie es so schön in den Zeugnissen zu lesen ist, „bei Kunden, Vorgesetzten und Kollegen stets anerkannt und beliebt“ ist. Das scheint für eine steile Karriere aber nicht zu reichen. Wer in die höheren Führungsebenen aufsteigen will, der muss auch oben mitspielen können. Nur lässt die Führungsspitze eben nicht jeden mitspielen. Wenn die Luft dünner wird, dann muss man neue Spielregeln beherrschen. Man muss die mikropolitischen Feinheiten erkennen: Wer kann mit wem? Und wer kann mit wem überhaupt nicht? Bei wem steht was gerade auf der Agenda und wer spielt wen gegeneinander aus?

Mittendrin in der Mikropolitik

Klar ist, dass man als Manager und Führungskraft den weiten Kosmos der Entwicklung verlässt und sich in einen neuen Mikrokosmos begibt, der nicht selten aus Kollegen Konkurrenten macht. Es kann eben nicht jeder seine Interessen und Ziele durchsetzen. Oft geht der Blick für das Ganze verloren. Die Unternehmensziele wurden in messbare Einzelziele für jede Abteilung heruntergebrochen und als Vorgesetzter muss man sich nun dafür stark machen, dass die Ziele der Abteilung auch erreicht werden. Diese eigenen Ziele kollidieren aber eventuell mit den Interessen und Anforderungen anderer Abteilungen. Und schon ist man mittendrin in der Mikropolitik.

Wer die obere Führungsebene überzeugen will, muss sich ein Netzwerk mit Gleichgesinnten schaffen, Lobbyismus betreiben und Entscheider auf seine Seite bringen. Man muss deutlich machen, dass die Themen der eigenen Abteilung essenziell sind und schneller angegangen werden müssen als andere. Dazu muss das Budget genehmigt werden, auch wenn das heißt, dass an anderer Stelle gespart werden muss. Und so sind die Entscheidungen, die einem mitgeteilt werden, und die vollendeten Tatsachen, mit denen man sich als Entwickler oft konfrontiert sieht, häufig das Resultat geschickten Taktierens der Vorgesetzten. Nicht selten sind sie auch das Ergebnis von regelrechten Machtkämpfen auf höherer Ebene.

Kosten-Nutzen-Rechnung nicht vergessen

Ein Beispiel: Der Vorgesetzte bittet seine Entwickler, die aktuelle IT-Architektur einer komplexen Anwendung in einem Versicherungsunternehmen im Hinblick auf eine zukünftige digitale Erweiterung zu analysieren. Schnell stellt das Entwicklerteam fest, wo die Grenzen sind und welche Neuentwicklungen notwendig werden. Dazu bedarf es neuer Tools und Methodiken, die bisher nicht zum Einsatz gekommen sind. Investitionen stehen an: in Schulungen und die Anschaffung leistungsfähigerer Komponenten. Auch muss darüber entschieden werden, ob die Lösung vor Ort auf eigenen Servern oder in der Cloud bereitgestellt werden soll. Es entsteht am Ende eine umfassende Präsentation als Strategiepapier mit Lösungsansätzen und Szenarien sowie einer klar strukturierten Bedarfs- und Budgetaufstellung. Das ganze Entwicklerteam hat sich in mehreren Meetings und mit großem Arbeitseinsatz daran gemacht, eine plausible und überzeugende Lösung zu präsentieren. Der Vorgesetzte ist begeistert. Das Team auch. Endlich geht es voran mit neuen Technologien. Endlich ist man mal wieder gefordert.

Für die anstehende Vorstandssitzung werden hier und da noch Anpassungen und eine Management-Summary gemacht, dann begibt sich der Vorgesetzte zum Termin mit dem Vorstand, um das Thema wie angefordert vorzustellen. Aber dann folgt die Ernüchterung. Der Termin findet statt, aber in einem zuvor stattgefundenen Meeting mit dem Infrastrukturleiter hat der Vorstand die Prioritäten ganz neu gesetzt. Auf einmal stehen nicht mehr innovative, wettbewerbsfähige Lösungen im Vordergrund, sondern Einsparungen an der IT-Architektur und den Servicekosten. Die Präsentation der innovativen digitalen Vertriebslösung wird von den Mitgliedern des Vorstands komplett auseinandergenommen. Der Vorgesetzte selbst hat das Gefühl, vor dem Tribunal der oberen Führungsebene gerade seinen eigenen Ast abzusägen, auf dem er mit seinem Team seit Jahren sitzt.

Dabei ist er mit der Erwartung gekommen, Innovationen und Kompetenzen vorzustellen, nach Budget zu fragen und daraus resultierende Unternehmenserfolge ableiten zu können. Am Ende fehlt aber dem Vorstand genau der für ihn wichtige Punkt: Wie kann man mit einer neuen Lösung Kosten einsparen? Die vorbereiteten Aspekte wie Wettbewerbsvorteile oder schnellere Bearbeitungszeiten werden wohlwollend abgenickt, aber es fehlt eine knackige Kosten-Nutzen-Rechnung. Die Budgetanfrage wird abgelehnt und der Vorgesetzte wird mit neuen Hausaufgaben aus der Sitzung verabschiedet. Die Kollegen, die mit in der Vorstandssitzung anwesend sind, schauen süffisant bis unbeteiligt zu.

Umstrukturierung im Unternehmen erfasst auch IT

Bei all dem Eifer, die Entwicklungsabteilung in einem guten Licht dastehen zu lassen, sich mit Innovation und Fachkompetenz zu profilieren, hat der Vorgesetzte übersehen, dass diese Momentaufnahme nicht nur zu spät kommt, sondern in diesem Fall nicht von Interesse ist.

Seit Wochen werden im Unternehmen Veränderungen und Umstrukturierungen diskutiert, die jedoch bisher nur den operativen Versicherungsbetrieb betrafen. Daher hat man diesem so wichtigen politischen Aspekt als Entwicklungsleiter zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und sich weiterhin darauf konzentriert, dass die Systeme laufen, Abteilungsanfragen schnell und serviceorientiert bedient wurden, und hat die aktuellen Themen wie Datensicherheit und Verfügbarkeit erfolgreich angepackt. Dass eine Umstrukturierung im Unternehmen so schnell auch die IT erfasst, hat man übersehen oder nicht mitbekommen oder vielleicht auch einfach ignoriert, da man sich bisher aus machtpolitischen Angelegenheiten rausgehalten hat. Mit den „vorlauten“ und teilweise „unbequemen“ Kollegen aus dem Vertrieb hat man möglichst wenig direkten Kontakt gesucht. Andere waren da schneller und haben sich nun auf der Vorstandsagenda einen oberen Platz gesichert.

Von einem Kollegen erfährt man schließlich, dass der Vorstand sein Vertrauen vor allem in die Vertriebsabteilung und in den dafür verantwortlichen Leiter setzt. Dieser wiederum pflegt einen engen Kontakt zum Leiter der Infrastruktur und eben dieser hat nun seine Interessen beim Vorstand überzeugend vertreten.

Fazit

Was lernt man daraus: Der Vorgesetzte hat es versäumt, sein Netzwerk geschickt aufzubauen, er hat sich zu sehr auf die eigene Arbeit in der Entwicklung konzentriert, anstatt sich mit Vorgesetzten aus verschiedensten Bereichen auszutauschen, notfalls auch anzulegen oder zu diskutieren. Er hat kein Interesse an mikropolitischen Machtspielchen gezeigt und sich nicht ins Haifischbecken gewagt. Konfliktscheu ist er allen unangenehmen politischen Aktionen ausgewichen mit dem Glauben: Sollen die sich doch die Köpfe einschlagen, am Ende zählt nur Leistung und Engagement“. Er ist sich selbst treu geblieben und hat sich keine Sponsoren gesucht, die ihm bei der Erreichung seiner Ziele beim Vorstand möglicherweise unterstützen können. Er ist eben ein partnerschaftlicher Führer, kein Konkurrenztyp, der andere ans Messer liefert. Das macht ihn sympathisch, aber eben in diesem Unternehmen auch erfolglos. Er wird auf dieser Ebene nicht weiterkommen.

In letzter Konsequenz muss er entscheiden, ob er in diese Kultur noch hineinpasst. Vor allem muss er sich zudem fragen, ob er als Vorgesetzter die Machtspielchen mitmacht oder sich seinem Schicksal fügt. Für jede Führungskraft, aber auch für jeden Mitarbeiter, der weiterkommen will, ist es daher vor allem in großen Unternehmen wichtig, sich nicht nur für die eigene Entwicklung oder die des Teams einzusetzen, man muss auch eine Antenne für die politischen Vorgehensweisen anderer haben. Zum einen, um sich dagegen zu schützen, vorbereitet zu sein und auf etwaige Angriffe zu reagieren. Zum anderen aber auch, um sich an den richtigen Stellen zu positionieren und sich und sein Team dort ins Gespräch zu bringen, wo Entscheidungen getroffen werden. Wer sich nicht in andere, vor allem auch seine möglichen Konkurrenten, hineinversetzen kann und sich nicht rechtzeitig seinen Platz auf dem Spielfeld der Eitelkeiten sichern will, der sollte sein Karriereziel nicht zu hoch stecken oder sich in eher kleineren Unternehmen wiederfinden. Je größer das Unternehmen und je höher man aufsteigt, umso eher wird man sich im Strudel mikropolitischer Machenschaften behaupten müssen.

Aufmacherbild: businesspeople with drawing symbolizing power via Shutterstock / Urheberrecht: fotogestoeber

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