Kolumne: Karrieretipps

Funkstille – Wenn zwischen direkten Kollegen die Kommunikation verstummt
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Eine offene und rege Kommunikation ist die Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Team. Was aber, wenn aus verschiedensten Gründen der regelmäßige Austausch zu kurz kommt oder der Kollege gegenüber kurz angebunden ist und wichtige Informationen nicht weitergibt?

Dies ist ein Signal für einen ernst zu nehmenden Konflikt, der die Zusammenarbeit im Team langfristig belasten kann. Wie geht man mit der Funkstille um und schafft es, die Kommunikation wieder in Gang zu bringen?

Kollegen im „Mute-Modus“

„Guten Morgen!“, ruft Max L. fröhlich in die Runde. Er hängt seine Jacke an den Haken, packt sein Notebook aus und setzt sich auf seinen Platz. Im Raum herrscht Stille. Nur das leise Surren des Druckers in der Ecke ist zu vernehmen. Hat der Kollege gegenüber einen Hörsturz oder arbeitet er so konzentriert an den Scripts für die neue Fehlererkennungssoftware? „Guten Morgen! Alles o.k.?“, ruft Max erneut, jedoch etwas lauter als zuvor. Der Kollege blickt nicht auf und bringt lediglich ein leises „Moin“ hervor. Max ist irritiert. Ist der Kollege etwa immer noch sauer wegen der neuen Aufgabenverteilung im Team? Letzte Woche saß die komplette Architekturentwicklung zusammen und man hat gemeinsam die Aufgabenpakete diskutiert und verteilt. Sein Kollege wollte neben der Programmierung der zentralen Steuerungssoftware unter keinen Umständen zusätzlich das Team der Komponentenentwicklung unterstützen. Max verteidigte sich erfolgreich gegen diese Zusatzaufgabe, und so blieb letztlich nur sein Kollege übrig. Seitdem schmollt dieser vor sich hin und hat auf „Mute“-Modus umgeschaltet. Zum Essen geht er nicht mehr mit, und auch auf direkte Fragen antwortet er nur noch: „Keine Ahnung. Nicht mein Task!“

Max kann den Kollegen einerseits verstehen. Alle sind mit der Arbeit über dem Limit. Die Überstunden häufen sich. So geht es jedoch allen und immer wieder trifft es einen, der zusätzliche Arbeiten übernehmen muss. Dass dies kein Zustand ist, erscheint allen klar, und man hat die Arbeitsbelastung bereits mehrfach beim Chef angesprochen. Der Chef bügelt das Gejammer ab, mit dem Hinweis, es seien ja bereits seit Monaten zwei Stellen ausgeschrieben, aber eben noch nicht besetzt worden. Sobald die neuen Leute an Bord seien, werde sich die Arbeit neu verteilen. Jeder rechnet aber damit, dass dann auch weitere Projekte in noch kürzeren Abständen auf die Entwickler verteilt werden. Schließlich sind ja dann mehr Ressourcen vorhanden, und die mehrmals verschobenen Projekte werden dann endlich umgesetzt. Aber das ist ein anderes Problem. Jetzt gilt es, den verstimmten, verstummten Kollegen wieder zum „Leben“ zu erwecken. Man hat sich immer gut verstanden. Und die Arbeitsbelastung ist für alle hoch – wieso lässt der Kollege seine schlechte Laune also gerade jetzt an Max aus?

Noch zwei Tage später bemerkt Max, dass der Kollege auch bei allen anderen Kollegen so kurz angebunden ist. Es liegt also nicht an ihm, sondern wohl doch an der Situation und der Arbeitsbelastung an sich. Wie aber soll sich Max verhalten? Selbst „dicht machen“ und ebenfalls die Kollegen im Regen stehen lassen? Zum Vorgesetzten gehen und das unkameradschaftliche Verhalten des Kollegen zur Sprache bringen? Den Kollegen direkt konfrontieren? Das hat man ja schon mehrfach versucht, indem man ihn freundlich darauf hinwies, dass seine schlechte Laune die Situation auch nicht besser macht. War das vielleicht zu wenig einfühlsam? Aber man kämpft hier schließlich an derselben Front. Warum also den Kollegen plötzlich mit Samthandschuhen anfassen? Ist sein Verhalten nicht sogar schon eine Art „Mobbing“? Aber er mobbt ja alle, also ist dieses Verhalten ja nicht nur auf Max bezogen. So kann es auf jeden Fall nicht weitergehen. Dieser Konflikt belastet Max und auch das ganze Team in seiner täglichen Arbeit. Informationen werden nicht mehr weitergegeben. Auf Nachfragen erhält man nur kurze Antworten oder einen Link, wo man die Unterlagen findet.

Eine Woche später wagt Max die direkte Konfrontation. Er hat sich dazu zu Hause lange Gedanken gemacht und sich vorgenommen, ganz sachlich zu bleiben. Er hat den Kollegen genau analysiert und sich notiert, was ihn charakterisiert. Ein großer „Redner“ war der Kollege noch nie, aber die Funkstille ist doch ein eindeutiges Signal dafür, dass etwas nicht stimmt. Die bisherige gute Zusammenarbeit wird zudem dadurch extrem belastet. Viele Kolleginnen und Kollegen rufen mittlerweile nur noch Max an und vermeiden den Kontakt zu dem wortkargen Kollegen ganz. Das wiederum gefällt Max natürlich auch nicht. Gleichzeitig ist der Kollege aber extrem zuverlässig und verfügt über ein tiefes Fachwissen. Seine Lösungsansätze sind immer durchdacht und ausgereift. Auf fachliche Fragen hatte er bisher immer eine vielversprechende Antwort. Aber mit einem Mal ist das anders. Max hatte beim Chef schon mal läuten lassen, dass die Stimmung momentan aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und der neuen Arbeitsverteilung schlechter geworden ist. Da alle anderen aber trotz kontinuierlich hohem Arbeitspegel durchaus hilfsbereit und freundlich miteinander umgehen, kann der Chef hier nichts Konkretes feststellen. Seinen Kollegen direkt beim Chef anzuschwärzen, hat Max bisher vermieden – widerspricht dies doch seiner Vorstellung von einer guten Zusammenarbeit. Also muss er selbst zunächst versuchen, den Konflikt aufzulösen und die Kommunikation wieder auf eine professionelle Ebene zu bringen. Wie könnte das gelingen?

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  • Die direkte Aussprache gut vorbereiten: Max hat sich bereits viele Gedanken gemacht, wie er den Kollegen respektvoll anspricht, um klar zu machen, dass das aktuelle Verhalten und die fehlende Kommunikation nicht zu einem Dauerzustand werden dürfen. Er hat sich überlegt, wie der Kollege normalerweise tickt, dass er nie ein großer Redner, wohl aber immer ein hilfsbereiter, kompetenter und hochqualifizierter Kollege war. In Gruppendiskussionen hielt sich der Kollege meist zurück und wurde vielleicht auch deshalb mehr als andere mit zusätzlicher Arbeit betraut. Wissen doch alle, dass der Kollege zuverlässig und weitgehend widerstandslos die zusätzliche Arbeit erledigt. Scheinbar ist nun aber das Maß voll und der Kollege reagiert darauf mit seiner Funkstille. Aus seiner Sicht hat er es satt, immer den Kürzeren zu ziehen, nur weil er sich nicht am lautesten gegen neue Aufgaben wehrt und eben solche immer zuverlässig erledigt.
  • Einen Termin für das Gespräch vereinbaren: Dieser Punkt erschien für Max als die größte Herausforderung. Als er seinen Kollegen persönlich um einen wichtigen Gesprächstermin bat, rechnete er damit, dass dieser die Einladung direkt abblocken würde. Und in der Tat kam als Antwort: „Keine Zeit!“ Da Max aber eben damit gerechnet hatte, begründete er seine Einladung zum Gespräch damit, dass es vor allem darum gehe, die Arbeitsbelastung zu reduzieren und das Teamwork zu verbessern. Er ergänzte dabei auch, dass er bewusst zunächst mit seinem Kollegen darüber sprechen wolle, um seine Sichtweise und Erfahrungen miteinzubeziehen, bevor sie mit einem gemeinsamen Konzept zum Chef gehen wollen. „Macht doch eh keinen Sinn!“, entgegnete der Kollege. Max beharrte auf dem Termin mit dem Zusatz: „Es dauert nur eine halbe Stunde, aber evtl. spart es uns in Zukunft viel Zeit und Ärger!“ Der Kollege sagte darauf der Termineinladung – wenn auch immer noch skeptisch – zu.
  • Mit den positiven Aspekten die Kommunikation beginnen: Max hat sich überlegt, dass er zu Beginn die Eigenschaften betont, die er an seinem Kollegen bisher immer so geschätzt hat. Er hat sich vorgenommen, jegliche Art von Sarkasmus zu vermeiden und die Konfrontation auch nicht auf eine emotionale Ebene mit Vorwürfen und Vorhaltungen zu bringen. Vielmehr möchte er deutlich machen, wie gut man normalerweise mit dem Kollegen zusammenarbeitet und wie sehr man sein Fachwissen und seine Zuverlässigkeit wertschätzt. Erst dann wird Max den Konflikt ansprechen, der aufgrund der mangelnden Kommunikation die bisherige sehr gute Zusammenarbeit belastet.
  • Verständnis zeigen, aber konsequent bleiben: Max kann durchaus verstehen, dass die Arbeit für den Kollegen zu viel ist und dieser seine Zeit effektiv einteilt. Er verweist aber darauf, dass der regelmäßige Austausch und das Weitergeben von Informationen Grundvoraussetzungen für eine effektive Zusammenarbeit sind. Auch dafür muss man regelmäßig Zeit einplanen.
  • Hilfe und Lösungsvorschläge anbieten: In dem Gespräch möchte Max den eigentlichen Grund für die Funkstille herausfinden. Er vermutet, dass sich der Kollege durch die zusätzliche Arbeit ungerecht behandelt fühlt. Da der Kollege bisher immer zurückhaltend in Meetings aufgetreten ist und sich offensichtlich nicht gegen die zusätzliche Arbeit wehren konnte, gibt Max ihm den Tipp, zunächst mit dem Vorgesetzten nochmal über die Arbeitspakete zu sprechen und einen konkreten Vorschlag zu machen, wer evtl. noch unterstützen könnte. Dadurch soll die Arbeit auf mehrere verteilt werden. Aufgrund seines tiefen Fachwissens sollte gerade der Kollege für Fragen und Lösungsszenarien herangezogen werden, die eigentliche Umsetzung kann jedoch auf mehrere verteilt werden. Zusammen mit dem Kollegen will Max zudem vorschlagen, einen Werkstudenten für die Übergangszeit einzustellen, der aufwendige Routinearbeiten übernehmen und so das Team entlasten könnte.
  • Mit einer klaren Vereinbarung aus dem Gespräch kommen: Am Ende vereinbart Max mit dem Kollegen, dass sich die beiden des eigentlichen Problems der zu hohen Arbeitsbelastung nochmal gemeinsam annehmen und beim Chef konkrete Lösungsvorschläge machen, um die Situation kurzfristig zu entspannen. Max signalisiert nochmals sein Verständnis für die Situation seines Kollegen, macht aber auch nochmal klar, dass er erwartet, dass sie ab sofort wieder offen kommunizieren und auch Konflikte künftig schneller und offener ansprechen.

Nachdem Max und sein Kollege das Gespräch beendet haben, erscheint es Max, als sei der Kollege regelrecht erleichtert, dass Max die Situation angesprochen und endlich mal jemand Verständnis für seine Situation gezeigt hat. Der Kollege bedauert es, dass Max den Frust so direkt zu spüren bekommen hat, aber er sei halt eben auch „stinksauer“ gewesen. Die Zusammenarbeit habe er auch immer sehr genossen, durch die viele Arbeit sei der Spaß aber immer mehr in den Hintergrund gerückt. Max fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt, dass sein Kollege kein Problem mit ihm als Person oder seiner Arbeit hat, sondern der Keim des Konflikts seinen Ursprung in der ständig steigenden Arbeitsbelastung hat.

Natürlich sind alle o. g. Personen frei erfunden, aber tagtäglich kommt es im Berufsalltag in nahezu allen Branchen zu diesen oder ähnlichen Konfliktsituationen. Die zuvor genannten Tipps können helfen, dem Konflikt systematisch zu begegnen und durch eine offene und direkte Kommunikation den Kommunikationsfluss und kollegialen Austausch wieder auf eine stabile Ebene zu bringen.

Die gleiche Vorgehensweise kann im Übrigen auch helfen, wenn der Konflikt noch eine emotionale Stufe tiefer liegt und zwei Kollegen offensichtlich nicht miteinander auskommen. Hier können Neid, Konkurrenzkampf oder sogar eine starke Abneigung gegenüber dem Kollegen zugrunde liegen.

In einer solchen Situation muss man immer auch das eigene Verhalten betrachten. Ist man an einer Beseitigung des Konflikts interessiert, hilft es nur, wenn man den ersten Schritt nach vorne wagt und das offene Gespräch sucht. Hilft das nicht, bleibt einem häufig nur ein interner oder externer Jobwechsel. Auf ungeliebte Kollegen bzw. Konflikte im Team kann man aber auch zukünftig immer wieder treffen. Besser also man lernt, mit ihnen umzugehen.

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