Kolumne: Karrieretipps

Nebenbei glücklich – Eine Nebentätigkeit ist oft mehr als ein zweites Standbein
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Wer in seinem Hauptberuf nicht mehr so richtig zufrieden ist und das Risiko scheut, seinen Lebensunterhalt aus einer reinen Selbständigkeit heraus zu bestreiten, wählt häufig den Weg einer Nebentätigkeit. Was gilt es dabei zu beachten?

Grundsätzlich macht einem der Beruf als angestellter ITler in einem großen Unternehmen ja Spaß. Die Kollegen sind super und die Arbeitsinhalte spannend. Aber irgendwie fehlt die Anerkennung vom Vorgesetzten, von der Fachabteilung oder vom Kunden, da oftmals niemand so genau weiß, was man den ganzen Tag über macht. Stattdessen werden immer neue Ziele und Prioritäten vorgegeben, die nicht so einfach einzuhalten sind. Schafft man es dennoch, den Zeitplan und die vorgegebenen Kosten bei der Entwicklung einzuhalten, heißt es häufig: „Ja, aber …!“ Und schon steht das nächste große IT-Projekt an, das es wiederum in einem engen Zeit- und Kostenplan anzupacken gilt. Die Luft ist raus, man spielt mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen, um wenigstens auf eigene Rechnung unterwegs zu sein.

Selbstständig oder Festanstellung? Nebentätigkeit als Mittelweg

Aber man hat Familie, ein Haus und sonstige Verpflichtungen, die kein Risiko eines längeren Verdienstausfalls erlauben. Auch ein Jobwechsel kommt erst einmal nicht in Frage, sitzt man doch in einer Komfortzone: Man muss sich nicht mehr täglich profilieren, sondern arbeitet seine 100 Prozent – das muss reichen. Man wohnt nicht weit von seiner Arbeitsstelle entfernt und hat so mehr Zeit für die Familie. Ist man mal krank, verdient man weiterhin sein Geld, zwei- bis dreimal im Jahr geht’s in den (Kurz-)Urlaub und von der letzten Prämie hat man sich gerade erst wieder ein neues innovatives Gadget geleistet. Auf all diese Vorzüge möchte man natürlich nicht verzichten, auch wenn der Job einen nicht mehr richtig glücklich macht.

Soll man jetzt so weitermachen, bis man in Rente geht bzw. die Kinder aus dem Haus sind und das Haus abbezahlt ist? Gibt es nur schwarz oder weiß? Ganz oder gar nicht? Angestellt oder selbstständig?

Warum nicht beides? Immer mehr Angestellte haben heute eine Nebentätigkeit, die übrigens häufig nichts – aber auch gar nichts – mit ihrem Hauptberuf zu tun hat. Fahrzeugentwickler sind einmal wöchentlich Lehrbeauftragte an Hochschulen, Netzwerkadministratoren verkaufen nebenbei Modellbauflugzeuge über einen Onlineshop, IT-Trainerinnen unterhalten einen erfolgreichen Kochblog, IT-Security-Experten arbeiten regelmäßig als Spinning-Trainer in einem Fitnessstudio usw. Es gibt unendlich viele Beispiele für erfolgreiche Fachkräfte, die sich ein zweites Standbein aufgebaut haben, aus dem sie nicht nur einen kleinen Nebenerwerb, sondern vor allem Kraft, Energie und Zufriedenheit schöpfen.

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Soziale Führungskräfte

Wo aber soll man die Zeit hernehmen, wenn einen der Hauptjob schon übermäßig stark beansprucht? Zum einen sollte man versuchen, sich für seine eigenen Interessen – sei es ein Hobby oder eine Nebentätigkeit – wenigstens einen Abend in der Woche freizuhalten. Zum anderen könnte man darüber nachdenken, die Arbeitszeit in seinem Hauptberuf zu reduzieren, um den so gewonnen halben oder ganzen Arbeitstag für seinen Nebenjob nutzen zu können. Hier muss natürlich der Arbeitgeber mitspielen und es muss organisatorisch möglich sein, die Aufgaben im Team entsprechend zu verteilen.

Letztlich geht es nicht darum, die gleiche Arbeit in noch weniger Zeit und für weniger Geld zu erledigen. Vielmehr könnte z. B. die Verantwortung im Team neu aufgeteilt, ein Teil der Arbeiten ausgelagert oder Prozesse optimiert werden. Ist das nicht möglich, muss einem klar sein, dass die Nebentätigkeit in der ohnehin bereits knappen Freizeit stattfindet. Dennoch empfinden die meisten „Nebenberufler“ das nicht als Stress, da sie in dieser frei gewählten Arbeit meist aufgehen und Erfüllung finden, selbst wenn sie dafür auch mal bis weit nach Mitternacht noch aktiv sind.

Wichtig ist auch, dauerhaft eine Balance zwischen Hauptberuf und nebenberuflicher Selbstständigkeit zu finden. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass es immer wieder Phasen geben wird, in denen das Angestelltenverhältnis einem mehr abverlangt und daher nur wenig Zeit für die Nebentätigkeit bleibt. Das ist gerade im Umgang mit Kunden aber nicht immer so einfach zu handhaben, weswegen man auch in seinem Nebenberuf schnell mal unter Druck geraten kann. Vor allem aber muss man irgendwann akzeptieren, dass der Hauptjob einen nicht mehr glücklich macht und man ihn vor allem als Verdienstjob ansieht. Er darf einen daher nicht so sehr zeitlich und emotional in Beschlag nehmen, dass für die Nebentätigkeit keine Zeit mehr bleibt. Der Hauptarbeitgeber hingegen soll natürlich nicht das Gefühl bekommen, dass man innerlich schon gekündigt hat und die Leistungen nachlassen. Es gilt also, weiterhin Gas zu geben und Ziele zu verfolgen, aber eben nicht mehr auf der Überholspur unterwegs zu sein.

Risiken minimieren

Bevor man eine Nebentätigkeit aufnimmt, sollte man seinen Arbeitgeber in jedem Fall darüber informieren. Auch wenn eine Nebentätigkeit nicht grundsätzlich genehmigungspflichtig ist, kann im Arbeitsvertrag eine spezielle Regelung zur Genehmigungs- bzw. Anzeigepflicht vereinbart sein. Diese gilt es zu beachten. Um seinen Hauptarbeitsplatz nicht zu riskieren, sind vor allem folgende Aspekte vor der Ausübung einer Nebentätigkeit zu prüfen:

  • Gefährdung des Hauptarbeitsvertrags: Eine Nebentätigkeit kann ohne weiteres, d. h. ohne dass es hierzu auf tarifliche oder vertragliche Regelungen ankommt, unzulässig sein, wenn der Arbeitnehmer durch die Nebentätigkeit so sehr beansprucht wird, dass er seinen (Haupt-)Arbeitsvertrag nicht oder nicht mehr ausreichend erfüllen kann, weil er z. B. ständig zu müde ist.
  • Nebentätigkeit als Konkurrenztätigkeit: Der Arbeitnehmer darf seinem Arbeitgeber während der Dauer des Arbeitsverhältnisses, d. h. auch nach Ausspruch einer Kündigung, bis zum letzten Tag der Kündigungsfrist, keine Konkurrenz machen. Das heißt insbesondere, dass er in dem Geschäftszweig seines Arbeitgebers keine Geschäfte machen darf. Ein IT-Berater darf also nebenbei nicht auch bei anderen Kunden ähnliche Projekte auf eigene Rechnung anbieten.
  • Überschreitung von Arbeitszeitgrenzen: Das Arbeitszeitgesetz gibt zum Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer bestimmte zeitliche Höchstgrenzen vor, innerhalb derer man als Arbeitnehmer im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses arbeiten darf. Im Allgemeinen liegen diese Grenzen bei acht Stunden pro Tag und das bei einer gesetzlich zulässigen Sechstagewoche von Montag bis Samstag. Es ergibt sich so eine 48-Stunden-Woche. Da die tägliche Arbeitszeit vorübergehend und bei Gewährung eines Zeitausgleichs im Ausnahmefall auf zehn Stunden verlängert werden darf, kann – vorübergehend bzw. im Ausnahmefall haupt- bzw. nebenberuflich – wöchentlich bis maximal 60 Stunden gearbeitet werden.
  • Verstoß gegen das Bundesurlaubsgesetz: Das Bundesurlaubsgesetz schreibt vor, dass der Arbeitnehmer während des Urlaubs keine „dem Urlaubszweck widersprechende“ Erwerbstätigkeit leisten darf. Demnach darf während des Urlaubs auch keine Nebentätigkeit ausgeübt werden. Der Gesetzgeber ist hier jedoch etwas großzügig und erlaubt Nebentätigkeiten, die nicht die gesamte Urlaubszeit in vollem Maße ausschöpfen oder z. B. saisonal bedingt sind.
  • Nebentätigkeit während einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit: Es versteht sich von selbst, dass ein Arbeitnehmer, der krankgeschrieben ist, während dieser Abwesenheit nicht gleichzeitig in seiner Nebentätigkeit arbeiten darf. Er hat sich vielmehr „genesungsförderlich“ zu verhalten.
  • Genehmigungspflicht von Nebentätigkeiten: Ist im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt, dass Nebentätigkeiten der Genehmigung des Arbeitgebers bedürfen, so sind Art und Umfang der Nebentätigkeit dem Arbeitgeber mitzuteilen und eine schriftliche Genehmigung ist einzuholen. Ansonsten riskiert man eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall eine Kündigung. Oftmals werden Nebentätigkeitsgenehmigungen auch nur zeitlich befristet erteilt. Läuft die Frist ab, während die Nebentätigkeit aber weiterbesteht, muss der Arbeitnehmer fristgerecht eine Verlängerung der Genehmigung einholen.

Neben den arbeitsrechtlichen Punkten sollte man aber auch generelle Aspekte beachten, um in einer Nebentätigkeit langfristig Erfüllung zu finden:

  • Zeit freihalten: Die Nebentätigkeit sollte Sie nicht so sehr vereinnahmen, dass Ihre Gesundheit, die Familie, der Sport oder andere Hobbys auf der Strecke bleiben.
  • Inspirationen einholen und weitergeben: Auch in Ihrer Nebentätigkeit sollten Sie sich professionell verhalten. Holen Sie sich Inspirationen von vergleichbaren Vorbildern; arbeiten Sie einen Strategieplan aus, um noch besser zu werden; nehmen Sie an Fort- oder Weiterbildungen teil, die Ihrer Nebentätigkeit die notwendige Ernsthaftigkeit verleihen; teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen und betreiben Sie Netzwerkarbeit.
  • Alles gut organisiert: Planen Sie Ihre Nebentätigkeit ganz konkret in Ihren Tages- und Wochenplan mit ein. Nehmen Sie dabei sowohl auf Ihren persönlichen Biorhythmus („Nachteule“ oder „Lerche“) als auch Ihren familiären Tagesablauf (z. B. Kinder in der Schule bzw. Nachtruhe der Kinder) Rücksicht.
  • Outsourcing von Alltagsdingen: Wenn Hauptjob und Nebenerwerb es zulassen, gönnen Sie sich für die zeitaufwändigen Dinge im Leben professionelle Unterstützung. Geben Sie Ihre Hemden zum Waschen und Bügeln in die Reinigung; stellen Sie eine Putzfrau ein oder leisten Sie sich einen Gärtner. So haben Sie mehr Zeit für Ihren Nebenjob und andere schöne Dinge im Leben.
  • Nicht aufgeben: Auch wenn der Hauptjob und die Familie Sie zeitlich stark fordern, lassen Sie sich nicht einreden, auf Ihren geliebten Nebenjob zu verzichten. Wenn Sie diesen aufgeben, werden Sie sich das immer wieder vorhalten und frustriert sein. Strukturieren Sie Ihren Tag mit den verschiedenen Aufgaben und setzen Sie Prioritäten. Eliminieren Sie Zeitkiller wie Fernsehen und reduzieren Sie Ihren Internetkonsum. Investieren Sie die Zeit lieber in Ihren Nebenjob.

Wenn Sie die obigen Punkte berücksichtigen und Ihr Nebenbusiness strukturiert, ernsthaft und nachhaltig aufbauen, wird sich langfristig ganz nebenbei eine neue Art der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit einstellen. Auf geht‘s!

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