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Kolumne: Karrieretipps

Warum ein Jobwechsel regelrechte Glücksgefühle auslösen kann
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Jedes Jahr wechseln laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Deutschland etwa 3,4 Prozent der Beschäftigten den Job. Die knappe Mehrheit von 52 Prozent tut das freiwillig, die andere Hälfte (48 Prozent) muss jedoch unfreiwillig ihre bisherige Position aufgeben und nach einer (drohenden) Kündigung den Arbeitgeber wechseln.

Die Motivation spielt für die Zielsetzung des Jobwechsels natürlich eine wichtige Rolle. Wer jahrelang in seiner Komfortzone saß, aber eigentlich mit seinem Job unzufrieden ist, wird eine neue Stelle mit Bedacht wählen. In jedem Fall sollte ein Jobwechsel aber immer ein gewisses Ziel verfolgen, statt aus einem Fluchtreflex heraus zu erfolgen. Zu beobachten sind in der Phase des Neuanfangs durchaus Glücksgefühle und Momente der Euphorie, die aber leider nicht lange anhalten.

Man kann es selbst kaum glauben. Nach sechs Jahren Entwicklungstätigkeit in einem mittelständischen Dienstleistungsunternehmen sitzt man nun als Teamleiter in einem international bekannten Softwareunternehmen. Mit dem neuen Job hat man sich auch neue Annehmlichkeiten verdient. Und so fährt man ab sofort einen Firmenwagen der Mittelklasse, kann täglich in der firmeneigenen Spitzenkantine zu Mittag essen, statt sich in der Mikrowelle etwas aufzuwärmen, und freut sich zudem jedes Jahr auf eine zusätzliche Bonuszahlung.

Wie es so weit kam? Bereits nach vier Jahren stellte sich im alten Job eine Art Langeweile ein; zwar gab es immer neue, durchaus spannende IT-Projekte, die Kollegen waren klasse und der Chef war stets bemüht, im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten für sein Team mal einen Bonus oder ein Event durchzuboxen, aber irgendwie war man doch unzufrieden. Es ging nicht weiter. Von oben gab es immer mehr Druck. Nie war die Geschäftsleitung mit dem Ergebnis zufrieden. Statt Lob zu verteilen, wurden immer nur Fehler und Schwachstellen aufgezeigt. Dass diese vor allem aus einer permanenten Unterbesetzung und zu knappen Budgets resultierten, wollte keiner sehen. Und so schaute man immer mal wieder in den Stellenanzeigen nach einer passenden neuen Herausforderung. Man schrieb die eine oder andere Bewerbung und besuchte auch das eine oder andere Vorstellungsgespräch. So richtig überzeugen konnten die potenziellen Arbeitgeber einen jedoch nicht. Oft hatte man das Gefühl, für das gleiche Geld noch mehr Projekte gleichzeitig runterreißen und dafür auch noch eine längere Anfahrt in Kauf nehmen zu müssen. In wieder einem anderen Fall wäre die neue Stelle zudem mit einem Umzug einhergegangen, der aufgrund der aktuellen Familiensituation aber nicht in Frage gekommen wäre.

Man hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, doch noch eine attraktive neue Stelle mit Aufstiegschancen zu finden, da stieß man auf eine Ausschreibung, die wie für einen gemacht zu sein schien. Also, Onlinebewerbung verschickt, Gespräche geführt und tatsächlich klang alles perfekt – fast schon zu schön, um wahr zu sein. Am Ende hielt man ein Vertragsangebot in der Hand, kündigte seinen alten Job und saß nach weiteren drei Monaten beim neuen Arbeitgeber. Plötzlich ging alles ganz schnell und das langgeplante Ziel eines Karrieresprungs war erreicht.

Was darauf folgt, ist ein Gefühl der Glückseligkeit, den Forscher in der Tat als „Honeymoon-Hangover-Effekt“ beschreiben. Ja, richtig gelesen: Man fühlt sich im neuen Job und in seiner neuen Umgebung so wie in den Flitterwochen. Alles erscheint einem wie durch eine rosarote Brille:

  • Eine Woche Onboarding und Trainingscamp im 5-Sterne-Hotel in München – cool!
  • Danach Einführung in die anstehenden Projekte und erster Teamworkshop mit den neuen Kollegen – spitze!
  • Nach drei Monaten wird der Firmenwagen ausgesucht und bestellt – freu!
  • Regelmäßige Treffen mit dem Mentor – sehr hilfreich!
  • Vorstellung beim Topmanagement als Topexperte – stolz!!!
  • Nach sechs Monaten Probezeit Gespräch mit dem Chef, der seine größte Zufriedenheit zum Ausdruck bringt – perfekt!

So könnte es ewig weitergehen, aber Sie ahnen es sicher schon (vielleicht aus eigener Erfahrung): So langsam kommen die grauen Alltagsschatten zum Vorschein. Der Welpenschutz ist vorbei und man muss nun liefern, liefern, liefern – auch, wenn man noch nicht alles so sicher und souverän beherrscht. Ab jetzt muss man sich profilieren, Konflikte lösen, Projekte termingerecht abschließen und seine Interessen gegenüber anderen auch mal harsch durchsetzen. Auf die Euphorie am Anfang folgt die Erkenntnis, dass auch hier nur mit Wasser gekocht wird.

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Dem Phänomen des „Honeymoon-Hangover-Effekts“ kamen die US-Wissenschaftler Wendy Boswell und John Boudreau 2005 in einer Studie mit mehreren hundert hochrangigen US-Managern auf die Spur. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Zufriedenheit im Zuge der neuen Anstellung unmittelbar ansteigt (Honeymoon), um in der Folge wieder konstant abzunehmen (Hangover). Das gilt vor allem für Menschen, die freiwillig den Job gewechselt haben. Aber es kommt noch schlimmer. Nach ungefähr einem Jahr ist die Unzufriedenheit genauso groß wie zuletzt im alten Job, gegebenenfalls sogar noch größer. Der Jobwechsler sieht zunächst nur die schönen Aspekte der neuen Stelle. Die Alternativen werden abgewertet. Dazu zählen sowohl der alte Job als auch andere Jobofferten. Im Austausch mit Freunden und den alten Kollegen berichtet man hochmotiviert und enthusiastisch nur von den guten Seiten des neuen Jobs. Alles ist besser als je zuvor und die neidischen Blicke der anderen bestätigen das noch. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn sich all die blumigen Vorstellungen am Ende doch nur als eine Fata Morgana entpuppen, da sich so langsam Routine und Konflikte einstellen oder die Arbeitgeberleistungen nach einiger Zeit zur Selbstverständlichkeit werden. Dieser Effekt ist nicht nur für den Mitarbeiter von Nachteil, auch der Arbeitgeber sollte ein Interesse daran haben, die Katerstimmung nach knapp einem Jahr nicht zu groß werden zu lassen. Aber wie? Für Arbeitgeber gilt:

  • Im Bewerbungsgespräch keine falschen Versprechungen machen. Neben den abwechslungsreichen und spannenden Aufgaben, der Unterstützung und strukturierten Einarbeitung auch die Herausforderungen und gegebenenfalls auch negativen Seiten des Jobs ansprechen, die auf den künftigen Stelleninhaber zukommen.
  • Nicht nur ins Onboarding investieren. Ein gut aufgebautes Onboarding ist eine gute Grundlage. Für den Mitarbeiter sollte es aber besser einen langfristig angelegten Entwicklungsplan geben, der durch darauf abgestimmte Trainingsangebote bekräftigt wird.
  • Realistische Ziele setzen. Den neuen Mitarbeiter zunächst sechs Monate lang zu tätscheln und dann ins kalte Wasser zu werfen, scheint die falsche Strategie zu sein. Effektiver ist es, neue Mitarbeiter von Anfang an in alle wichtigen Meetings und Projekte mitzunehmen und Schritt für Schritt die neuen Aufgaben zu übergeben. Leider ist oft nicht genug Zeit dafür, dass sich ein erfahrener Kollege oder Vorgesetzter so intensiv einbringen kann. Die investierte Zeit würde sich jedoch allemal lohnen.
  • Im regelmäßigen Austausch mit dem Mitarbeiter bleiben. Nicht erst zum Ende der Probezeit sollte man ein ausführliches Gespräch mit dem neuen Mitarbeiter führen. Stattdessen sollte man mindestens einmal im Monat Feedback geben und danach fragen, wie der Mitarbeiter im neuen Job zurechtkommt. Neben dem Vorgesetzten kann dabei auch die Personalabteilung Unterstützung leisten (z. B. durch individuell auf den Mitarbeiter und seine Bedürfnisse abgestimmte Trainingsmaßnahmen oder Einladung zu regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen).
  • Normalität statt Größenwahn. Anstatt bei Teamevents einmal im Jahr groß auf den Putz zu hauen, sollte das Unternehmen besser mehrmals im Jahr kleine Teamaktionen fördern. Wird ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, sollte dies direkt eine Belohnung wert sein. Es gilt: Lieber regelmäßig ein angemessenes Lob als nur einmal im Jahr beim Jahresgespräch; lieber mehrere kleinere Bonuszahlungen als einmal im Jahr eine große.

Für den Jobwechsler gilt:

  • Sich nicht blenden lassen. Beim Jobwechsel klare Ziele setzen, die nicht nur auf einem höheren Gehalt oder monetären Leistungen basieren. Vielmehr sollte man sich die Frage stellen, ob die neue Aufgabe und die Unternehmenskultur langfristig das sind, was man sich vorstellt.
  •  Sich genau über das Unternehmen informieren. Das, was Arbeitgeber in Form von Employer Branding nach außen veröffentlichen, ist immer nur „Marketing“ und nie die ganze Wahrheit. Mehr erfährt man durch eigene Kontakte zu Mitarbeitern, die schon bei dem Unternehmen tätig sind. Auch an die Bewertungen in Arbeitgeberbewertungsportalen wie kununu, Glassdoor etc. sollte man mit geschärftem Blick herangehen. Ein Teil stammt häufig von der Marketingabteilung, ein anderer Teil von Nörglern. Hier gilt es, die für einen selbst relevanten Bewertungen zu studieren und abzuwägen.
  • Überstunden einplanen. Gerade in den ersten Wochen im neuen Job ist es wichtig, sich bestehende Unterlagen durchzulesen, neue Kontakte zu knüpfen und die Berichts- und Entscheidungskultur genauestens zu studieren. Das alles passiert neben der normalen Arbeitszeit.
  • Regelmäßig nach Feedback fragen. Nicht nur den Chef nach seinem Urteil fragen, sondern auch Kollegen und Mitarbeiter einbeziehen um herauszufinden, was aktuell gut läuft und was verbessert werden muss. Sich nicht scheuen, nach Unterstützung zu fragen.
  • Sich von anderen nicht die Stimmung vermiesen lassen. Natürlich gibt es in jedem Unternehmen die langjährigen Mitarbeiter, die selbst weit über einen Hangover hinaus sind. Einige haben eventuell bereits innerlich gekündigt und sehen nur noch die Schwachstellen. Als neuer Mitarbeiter sollten Sie Ihre Ideen zur Verbesserung von Prozessen lieber konstruktiv einbringen, als sich von den resignierten Kollegen anstecken zu lassen.

Werden Sie sich also bewusst, dass Sie als Jobwechsler Gefahr laufen könnten, dem Honeymoon-Hangover-Effekt zum Opfer zu fallen. Starten Sie daher motiviert und aufgeschlossen, aber nicht zu euphorisch. Versuchen Sie, Ihre Motivation so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, indem Sie sich immer neue Herausforderungen suchen und Routine erst gar nicht aufkommen lassen. Überfordern Sie sich aber nicht, sondern nehmen Sie sich auch Zeit, ein Netzwerk aufzubauen und selbst Teil des Teams zu werden. Vor allem aber: Planen Sie den Jobwechsel im Vorfeld ganz genau und mit einer klaren Zielsetzung.

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