Kolumne: Karrieretipps

Gibt es den perfekten Job überhaupt?
Keine Kommentare

Viele sind eigentlich ständig auf der Suche: Auf der Suche nach dem Glück, nach dem perfekten Partner, nach der perfekten Wohnung, dem perfekten Fernseher, der perfekten Softwarelösung, dem perfekten Arbeitgeber, dem perfekten Job. Aber gibt’s das alles überhaupt oder stehen wir uns mit dem eigenen Selbstoptimierungsvorgehen nicht vielmehr selbst im Weg? Verpassen wir vielleicht sogar wertvolle Chancen und Erfahrungen, weil wir zu risikoscheu sind und lieber abwarten, bis noch etwas Besseres kommt?

Wenn wir einen neuen Fernseher oder gar ein neues Auto kaufen wollen, dann haben wir zwar oftmals schon eine Tendenz zu einer bestimmten Marke oder bevorzugen eine bestimmte Technologie, aber dann spätestens bei der umfangreichen Ausstattung zögern wir und wägen ab, was unseren Vorstellungen und unserem Budget am besten gerecht wird. Die Kaufentscheidung kann sich über Monate, manchmal sogar Jahre hinziehen. Es werden Kataloge und Testberichte studiert und verglichen. Es wird in Foren diskutiert und man versucht herauszufinden, ob nicht jemand im Bekanntenkreis bereits eine ähnliche Entscheidung getroffen hat. War seine Entscheidung die Richtige oder ärgert er sich nun über die eine oder andere fehlende Funktion oder den zu hohen Preis? Also, lieber nichts überstürzen. Wir reden hier ja nicht über ein Kultgerät, das man einfach haben muss, koste es, was es wolle, sondern eine langfristige Investition und die will auch lange überlegt werden.

Auf dem Wohnungsmarkt verhält es sich aktuell ganz anders, da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken, entweder man nimmt die frisch renovierte Altstadtwohnung in zentraler Lage direkt beim ersten Anblick oder sie ist weg. Aber da dies die erste Wohnung oder gar das erste Haus ist, das man nicht mieten sondern kaufen will, fühlt man sich mit einer Ad-hoc-Entscheidung einfach überfordert. Dann doch lieber noch abwarten und weiter zur Miete wohnen.

Bei essenziellen Entscheidungen, die mit einem hohen finanziellen Einsatz verbunden sind, tun wir uns zu Recht schwer. Wir wollen alle Kriterien genau analysieren und erfüllt wissen, bevor wir den nächsten Schritt gehen.

Beim Jobwechsel ist das ganz ähnlich. Schließlich haben wir es auch hier mit einer essenziellen Entscheidung zu tun. Und je länger man dabei ist, umso eher sitzt man in einer Komfortzone, die zwar einerseits bequem ist, aber andererseits vielleicht mittlerweile auch nicht mehr viel Spielraum bietet. Aber was genau sucht man eigentlich und warum sucht man überhaupt? Was erwartet man denn von einem neuen Job genau und umgekehrt, was wird von mir erwartet? Es liegt wohl in der Natur des Menschen, immer nach neuen Abenteuern und Herausforderungen zu suchen, neue Reviere zu erobern oder ganz neue Bereiche zu erforschen und zu erschließen. Diese Urveranlagung hat die Menschheit immer angetrieben und dadurch immer neue Innovationen hervorgebracht, die Mobilität erweitert, das Leben komfortabler gemacht, aber eben auch Opfer gefordert. Risiken und Nebenwirkungen, für den persönlichen sowie wirtschaftlichen Fortschritt gab es immer und wird es immer geben. Es gilt, diese abzuwägen und in einer ethisch vertretbaren Balance zu halten. Aber stehenzubleiben ist auch keine Lösung. Veränderungen im eigenen Umfeld sind wichtig, sie bringen einen voran, öffnen und erweitern den Horizont, auch wenn sie immer erst einmal für Unruhe und Unsicherheit sorgen. Es geht nicht darum, naiv und unbedacht von einem Unglück ins Nächste zu rennen, aber wer erfolgreich sein will, der muss auch Entscheidungen treffen, die ein gewisses Restrisiko bergen. Unternehmerisches Denken basiert u. a. genau auf diesem Prinzip: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Natürlich gibt es risikobereite und risikoscheue Menschen, die jeweils für sich den richtigen Weg finden müssen. Der risikobereite Entwickler läuft vielleicht Gefahr, zu oft den Job zu wechseln, da er schnell gelangweilt ist, mehr verdienen oder weniger Stress haben will. Er sucht immer nach kurzer Zeit schon wieder nach einem neuen Umfeld, wo er seine Talente besser einbringen kann. Der risikoscheue Entwickler mag eine Koryphäe auf seinem Gebiet sein, aber er traut sich nicht, für einen neuen Job umzuziehen oder mehr Verantwortung zu übernehmen, weil dies seinen persönlichen Komfortbereich möglicherweise einschränken würde und mit Risiken verbunden ist, die er nicht abschätzen kann. Erwiesenermaßen sinkt die Risikobereitschaft und Wechselmotivation im Job mit steigender Berufserfahrung. Ist ja auch nachvollziehbar. Der junge Entwickler, der direkt nach der Ausbildung oder nach dem Studium in den Beruf einsteigt, hier aber nicht das findet, was er sucht, ist schnell bereit, den Arbeitgeber und den Job mit Aussichten auf ein besseres Gehalt und mehr Verantwortung zu wechseln. Notfalls zieht er dafür auch um. Wer schon länger in einem Unternehmen tätig ist, sich im Umkreis seinen Lebensmittelpunkt mit Familie und Haus aufgebaut hat, der wird für einen Jobwechsel weniger flexibel sein.

Sicher fragt sich aber der Architekt, der seit mehr als zehn Jahren bei einem Unternehmen arbeitet, ob das nun schon alles war? Ob es nicht da draußen noch mehr gibt als den täglichen Ärger mit den gleichen Leuten, den gleichen Prozessen, den eingefrorenen Budgets und limitierten Entwicklungsmöglichkeiten. Auch er wird immer auf der Suche bleiben, auf der Suche nach dem Traumjob, der seinen Vorstellungen am nächsten kommt. Da er aber gerade erst ein Haus gebaut hat, das seinem Traum von Wohnkomfort und Familiennest am nächsten gekommen ist, möchte er kein Risiko eingehen. Da haben wir also das Dilemma der ständigen Suche und der permanenten Optimierung von allem, was uns lieb und teuer ist.

Die Lösung ist wie immer der (perfekte) Mittelweg. Auch nach zwanzig Jahren Betriebszugehörigkeit muss es für eine neue Herausforderung beim Softwarehersteller, bei dem man schon direkt nach dem Studium arbeiten wollte, nicht zu spät sein. Wer schon immer mal ein Jahr im Ausland arbeiten wollte, aber erst jetzt, wo er ein Haus gebaut hat, die Chance dazu bekommt, sollte nicht gleich abwinken. Besser ist es, sich einen klaren Plan zu machen, wie man dieses Projekt strukturiert angehen könnte. Es gilt also, sich einen Überblick über die Ausgangssituation, das Ziel und die möglichen Schritte dahin mit allen Risiken und Chancen zu verschaffen. Auch eine Entscheidungsmatrix kann dabei helfen, die Risiken besser einschätzen zu können und am Ende die richtige Entscheidung zu treffen, mit der man auch leben kann – egal, ob man dazu seinen inneren Schweinehund besiegen, die Familie überzeugen oder die eigene Komfortzone verlassen musste. Wenn man sich das Ergebnis in realistischer Weise als etwas Positives vorstellen kann, das einen voranbringt und letztlich für alle Beteiligten auch ein Gewinn bedeutet, dann sollte man diesen Weg gehen. Bleiben am Ende zu viele Fragezeichen stehen oder löst das Ziel letztlich doch Unbehagen aus, auch wenn es verlockend klingt, dann sollte man die Finger davon lassen. Dann sucht man eben weiter nach dem Glück, dem perfekten Job oder der perfekten Umgebung.

So trifft man eine gute Entscheidung für den richtigen Job

Zuerst stellt man sich folgende Fragen:

  • Wie sieht mein „perfekter“ Job aus?
  • Was muss gegeben sein?
  • Wie sieht meine Tätigkeit genau aus?
  • Welche Rolle nehme ich ihm Team ein?
  • Wieviel Zeit bin ich bereit, täglich zu arbeiten? Sind Überstunden OK?
  • Was erwarte ich von meiner Arbeitsumgebung?
  • Welche Werte sind mir wichtig?

Dann bewertet man die aktuelle und eine potenziell neue Arbeitsstelle nach den oben genannten Kriterien und vergleicht die beiden Optionen:

  • Was schneidet tendenziell besser ab?
  • Welche Risiken bleiben und wie hoch sind diese?

Um nun die richtige Entscheidung zu treffen, sollte man neben dem Verstand auch auf das Bauchgefühl hören:

  • Wie fühlt sich der aktuelle Job an?
  • Macht er mich noch glücklich?
  • Finde ich hier die Werte, die mir wichtig sind? Fühle ich mich in der Arbeitskultur wohl?
  • Was macht mich unruhig, bei dem Gedanken, den Job zu wechseln?
  • Auf was müsste ich verzichten? Würde mir der Verzicht schwerfallen?
  • Welche langfristigen Folgen hätte der Jobwechsel? Mehr positive oder mehr nicht kalkulierbare?

Auch dazu notiert man wieder die wichtigsten Erkenntnisse und trägt sie unter der jeweiligen Option ein.

Letztlich bezieht man noch weitere nahestehende Personen (Familie, Freunde) in die Entscheidung mit ein. Man sollte jedoch beachten, dass persönliche Entscheidungen nicht von anderen getroffen werden können. Sie sollten lediglich die Erfahrungen und Anregungen von anderen berücksichtigen.

Am Ende sollte man sich die getroffene Entscheidung klar auf seine Entscheidungsmatrix notieren, sie laut vorlesen und sie dann auch unverzüglich angehen, bevor wieder Zweifel aufkommen. Die Entscheidungsmatrix und die Notizen helfen einem dabei, mehr Sicherheit zu bekommen, dass die Entscheidung unter Berücksichtigung der relevanten Aspekte getroffen wurde. Man wird feststellen, dass es nie die perfekte Option gibt, aber in der Regel wird die eine oder andere Option letztlich überzeugender sein.

Weil gute Entscheidungen ein so zentraler Punkt für ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben sind, sollte man von Zeit zu Zeit eine solche Entscheidungsmatrix erstellen. Sie hilft, Träume zu verwirklichen und voran zu kommen.

Machen Sie mit!
Sie können unter karrieretipps@windowsdeveloper.de gerne Fragen, Probleme und Erfahrungen loswerden, die von Yasmine Limberger dann aufgenommen und beantwortet werden – ohne Nennung Ihres Namens. Nutzen Sie die Gelegenheit!

Aufmacherbild: Dream Job written on sand by sea at beach via Shutterstock.com / Urheberrecht: Andrey_Popov

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -