Kolumne: Karrieretipps

Karrieretipps: Wie man als Führungskraft seinen Ruf durch Facebook und Co. ruiniert
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Beim Gebrauch von Facebook, Twitter und Co. scheiden sich die Geister. Auch Führungskräfte nutzen privat oder geschäftlich heute immer mehr Facebook und Co., um mit ihren Mitarbeitern und Kollegen in Kontakt zu bleiben – was aber auch nach hinten losgehen kann!

Es gibt die passiven Facebook- und Instagram-Nutzer, die eigentlich nie selbst etwas von sich posten und ihren Account eigentlich nur haben, um in ihrem Netzwerk auf dem Laufenden zu sein. Und es gibt solche, die nahezu ihren gesamten Tagesablauf online dokumentieren. Wer präsentiert seinen neuen Nachwuchs, wer hat wen geheiratet, wer ist gerade wo und wer wartet gerade auf seinen Flieger und trinkt dabei welchen Kaffee? All diese Information sind mehr oder weniger wichtig für das Netzwerk, aber darüber lässt sich natürlich auch streiten. Wirklich interessant sind solche Informationen erst dann, wenn sie beim anderen Emotionen auslösen – positive wie negative. Nur scheinen manche genau das nicht unterscheiden zu können. Meist verhält es sich ja so, dass man im Web nur positive Botschaften verbreitet, von denen man annimmt, dass andere sie auch als positiv wahrnehmen. Wer schreibt schon in seinen Status: „Ich stehe kurz vorm Burn-out!“ oder „Mein Sohn wird dieses Schuljahr nicht versetzt!“ Vielmehr zeigt man sich stolz mit seinem neuen Auto oder wie der Nachwuchs in Ischgl auf Skiern die Piste runter saust.

Den Neidfaktor im Blick haben

All das soll hier nicht kritisiert oder in Frage gestellt werden, aber die Botschaft ist eindeutig: „Schaut her, wie toll ich bin! Wie gut ich es habe!“ Im privaten Umfeld ist der Neidfaktor sicher noch überschaubar und akzeptabel; man freut sich mit seinen Freunden, und der Post selbst löst vor allem beim Nutzer durchaus Glücksgefühle aus, vor allem, wenn die Freunde eifrig den Like-Button drücken. Problematisch wird es erst, wenn Kollegen und Vorgesetzte auf Facebook zu Freunden geworden sind, es aber faktisch nicht sind. Dann sind die negativen Neidgefühle durchaus stärker vorhanden und können langfristigen Schaden in Bezug auf die Motivation in der Zusammenarbeit anrichten.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Jedes Mitglied im Führungsteam eines großen internationalen Unternehmens hat sich mit seinem privaten Facebook-Account auch mit (einigen) Mitarbeitern des Unternehmens verlinkt. Täglich verfolgt man die Posts der Mitarbeiter und entdeckt auf diese Weise durchaus Seiten, die man voneinander noch nicht kannte. Da ist der Netzwerkspezialist, der am Wochenende an einen Triathlon teilnimmt, oder der Datenbankentwickler, der beim Fischen stolz seinen Fang präsentiert. Vielleicht auch der UX-Designer, der am Samstag eine Kunstausstellung in Den Haag besucht. All diese Informationen können für den Vorgesetzten gute Aufhänger für ein Gespräch sein. Aber Achtung: Wer vergisst, dass man vor langer Zeit schon mit seinem Vorgesetzten auf Facebook Freundschaft geschlossen hat, weil man sich ja eigentlich ganz gut versteht, der sollte bedenken, dass eben dieser nette Vorgesetzte jetzt auch zum stillen Beobachter des Trinkgelages mit den Fußballkumpels bei einem Wochenendtrip nach Holland werden kann. Kommt man also am Montag dann zu spät zum Meeting, wird sich der Chef den einen oder anderen Kommentar eventuell nicht verkneifen.

Man sollte also den Überblick über seine Soziale-Netzwerk-Freunde behalten und überlegen, welche Bilder man postet bzw. für alle freigibt.

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Soziale Führungskräfte

Soweit so gut. Kommen wir zurück zum Führungsteam, das sich ebenfalls nicht nur auf Facebook, sondern in den meisten Fällen auch beruflich einigermaßen gut versteht. Dennoch sind im Unternehmen aktuell dunkle Wolken am Horizont erkennbar. Das Budget wurde gekürzt, Stellen wurden gestrichen und befristete Verträge nicht verlängert. Immer weniger Entwickler arbeiten an der gleichen Anzahl von Projekten. Die Überstunden häufen sich. Trainingsmaßnahmen werden verschoben und der Bonus fällt in diesem Jahr aufgrund der Sparmaßnahmen kleiner aus. Allein das führt tagtäglich zu Spannungen. Das Vertrauen in die Führungsriege auf regionaler und internationaler Ebene ist angekratzt. Für ein Strategiemeeting reist das Führungsteam nun im Dezember geschlossen nach Los Angeles ins Headquarter, um die Marschrichtung für das kommende Jahr zu empfangen. Nach einem langen Arbeitstag loggt sich der fleißige Entwickler abends bei Facebook ein und sieht dort die Onlinedokumentation des Reisetagebuchs seiner obersten Führungsebene:

Siegfried reist mit Ricardo und Matthias von Lufthansa Senator Lounge nach Los Angeles“
Kommentar: „Warten auf Christoph.“
Darunter ein Selfie der drei Herren mit roten Nasen und Sektgläsern.

Zwölf Stunden später: „Siegfried in Flughafen LAX mit Matthias und Ricardo hier.“
Foto im Cafe mit Coffee-to-go-Becher in der Hand.
Kommentar: „Konnte trotz Business Class nicht schlafen. Erst mal einen Kaffee und dann ins Hotel!“

Sechs Stunden später: „Siegfried mit Christoph beim Joggen im Park!“
Kommentar: „8 km bei 22 Grad Celsius! Jetzt erst mal frühstücken.“

Eine Stunde später: „Hyatt Hotel Los Angeles. Siegfried mit Christoph hier“
Kommentar: „Kaffee könnte besser sein, dafür sind die frisch gebackenen Pancakes klasse!“

Acht Stunden später: „Siegfried mit Jeffrey hier: Sentinel Club Los Angeles.“
Foto: Offensichtlich auf einer Party. Kommentar: „Jeff beim Tanzen :).“

Fünf Minuten später: „Siegfried mit Jeffrey und Christoph hier: Sentinel Club Los Angeles.“
Auf dem Foto diesmal: Alle drei mit einem Cocktail.

Ja, das Leben auf höherem Führungslevel ist schon hart. Da kann man sich auch mal was gönnen und sich den Reisestress erleichtern. Was aber kommt mit solch unbedachten und sicher nur nett gemeinten Nachrichten beim Mitarbeiter an? Bei dem Mitarbeiter, der heute Morgen aufs Frühstück verzichtet hat, um früh im Büro zu sein; der heute Mittag auch keine Pause gemacht hat, damit er und sein Team den Roll-out-Termin in zwei Wochen einhalten können; der letzte Woche den Brief zu seinem Jahresbonus erhalten hat und feststellen musste, dass er deutlich niedriger ausgefallen ist als erhofft; dem im Team eine Stelle gestrichen wurde, die eigentlich schon seit Monaten geplant war. Welche Botschaft erschließt sich für diesen und andere Mitarbeiter aus dem Onlinereport des Führungsteams? Sicher keine, die Vertrauen erweckt. Auch freut man sich in diesem Fall nicht wirklich mit seinem vermeintlichen Facebook-Freund. Selbstverständlich hat man auch nicht erwartet, dass man über Facebook geschäftliche Nachrichten erfährt. Aber solch eine Art der Selbstdarstellung ist ebenso wenig angebracht, wie diesen Kanal zur Überbringung der Jahresstrategie zu nutzen.

Richtlinienkompetenz

In den meisten Unternehmen gibt es mittlerweile Social-Media-Richtlinien, die für alle Mitarbeiter gelten. Sie beziehen sich auf das Posten von Nachrichten auf der offiziellen Firmenseite, aber eben auch – und das vergessen viele – generell auf Postings, bei denen die Firmenzugehörigkeit ersichtlich ist. Vor allem Führungskräfte sollten im Social Web einen professionellen Kommunikationsstil verwenden und vor jedem Posting überlegen, welche Botschaft damit bei den „Freunden“ ankommt. Auf eine übertriebene Art der Selbstdarstellung und des Eigenlobs sollte grundsätzlich verzichtet werden.

Es ist also Vorsicht geboten beim Posten von Fotos und Kommentaren in sozialen Netzwerken, wenn man sich offensichtlich als Mitarbeiter oder gar als Führungskraft eines Unternehmens im Web bewegt. Die eigene Onlinereputation sowie der Ruf als vorbildlicher Vorgesetzter können mit einem einzigen unbedachten Selfie oder Kommentar langfristig negativ belastet werden. Vor allem aber, wenn man regelmäßig zu dick aufträgt.

Wer Facebook gerne nutzt, um sich im Web zu präsentieren, sollte evtl. zwei oder mehrere Accounts anlegen: Einen rein privaten (evtl. mit einem Pseudonym) und einen persönlich-geschäftlich ausgerichteten. Das Netzwerk sollte klar getrennt aufgebaut werden. Nur so können Fauxpas, die dem eigenen Ruf und vor allem auch dem des Unternehmens schaden, vermieden werden.

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Sie können unter karrieretipps@windowsdeveloper.de gerne Fragen, Probleme und Erfahrungen loswerden, die von Yasmine Limberger dann aufgenommen und beantwortet werden – ohne Nennung Ihres Namens. Nutzen Sie die Gelegenheit!
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