Kommentar zur Eröffnung der Microsoft-Entwicklerkonferenz Build 2017

Software, die die Welt verändert – Kommentar zur Build 2017
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Microsoft zeigt auf der Build 2017 wie ernst man die Vernetzung der Welt nimmt – deren Möglichkeiten, Gefahren und die damit verbundene Verantwortung. Mit der Entwicklerkonferenz gelingt es Microsoft immer wieder, Teilnehmer und Beobachter in Erstaunen zu versetzten. Ein Kommentar zur gestrigen Eröffnung.

Microsoft will nichts anders als die Welt verändern. Satya Nadella, seit drei Jahren CEO von Microsoft, sagte in seiner Keynote zur Eröffnung der Build 2017 ganz klar:

We’re moving from what is today’s mobile-first, cloud-first world to a new world that is going to be made up of an intelligent cloud and an intelligent edge.

Damit wandle sich auch der Blick auf die Welt und die Realität wie sie ist. Das Mittel dazu sei Software und die liege in der Hand der Entwickler. Es sei ihren Fähigkeiten anheimgestellt, wie sich die Welt verändert. Microsoft will dafür die Mittel und Werkzeuge liefern und damit Entwicklern Möglichkeiten an die Hand geben, dies in die Praxis umzusetzen. Saß man nach der Build 2016 da und dachte sich „Aha, und was mach ich jetzt damit?“, sitzt man nach der Eröffnung gestern Abend da und könnte denken „Oha, das kann ich damit machen!“. Nadella fast es so:

Last year, we talked a lot about conversations as a platform, and this year, you will see in demo after demo, people using conversations as a platform.

Intelligent Cloud und intelligent Edge

Und tatsächlich erzeugte die Keynote den Eindruck, dass man Zeuge der Evolution eines Pragadigmas oder, ganz praktisch, einer großen Plattform wird. Im Zentrum steht dabei die Cloud. Aber sie ist nicht das alleinige Zentrum. Sie ist am Rand eingefasst von unterschiedlichsten Geräten, die sich der Cloud-Services bedienen, aber auch untereinander kommunizieren. Das Bild ist nicht mehr „Hub and Spoke“ sondern „Cloud and Edge“. Oder wie es Andrea Carl, Director Commercial Communications bei Microsoft, in ihrer Präsentation bezeichnet:

The intelligent edge is the interface between the computer and the real world.

© Microsoft

 

Distributed Computing für Mensch und Maschine

Die Welt verändern, besser machen, dem Einzelnen mehr Möglichkeiten bieten, überall, rund um die Uhr, das sei das Ziel von Microsoft. Dazu sind alle Geräte und Dienste miteinander vernetzt. Sie tauschen Daten aus und begleiten Menschen und Prozesse nicht nur punktuell, sondern über längere Zeitspannen. Dazu spricht z.B. Cortana mit den Nutzern, auf jedem Gerät, spricht mit den Bots, die Bots sprechen miteinander und mit den Geräten, die Geräte tauschen sich aus. Im Zentrum soll der Mensch und die Produktivität stehen. Das Ganze kann man sich für den Consumer-Bereich vorstellen, aber vor allem für den Enterprise-Einsatz durch Wissens- und Industriearbeiter. Mit einer Basis von aktuell 500 Millionen Windows-10-Installationen und 100 Millionen Office-365-Anwendern haben Entwickler eine immens große Zielgruppe, die Entwickler erreichen können – von den zahlreichen Smartphones mit iOS und Android ganz zu schweigen. Daraus wachsen für Nadella sowohl Möglichkeiten als auch Verantwortungen:

So whether it’s precision medicine or precision agriculture, whether it’s digital media or the industrial internet, the opportunity for us as developers to have broad, deep impact on all parts of society and all parts of the economy has never been greater. Now, but with this enormous opportunity, I believe comes enormous responsibility.

Möglichkeit und Verantwortung

Die Möglichkeiten nehmen zu, weil die Zahl der Nutzer der Geräte und deren Beziehungen untereinander zunimmt. Die Verantwortung steigt, weil die Technik nicht mehr bloßes Mittel für einen Zweck ist. Sie hilft nicht mehr bei nur einer Aktivität, wo sie nur punktuell zu Verfügung steht, wie ein Telefon nur zum Telefonieren. Sie wird dank der Software zu Technik, die einen Nutzer durch den Tag begleitet, ihn leitet. Für Entwickler und Unternehmen sind die Fragen nicht mehr „Was will der Einzelne damit machen?“ oder „Was erledigen wir, um diesen Arbeitsschritt fertigzustellen?“. Vielmehr geht es um Fragen wie „Wie leben und arbeiten wir?“ oder „Was muss ein Entwickler oder Unternehmen alles über die Anwender wissen, wenn wir von punktuellem Nutzen zu einem allgemeinen Nutzen übergehen?“ Für Nadella zeigen sich darin drei grundlegend Prinzipien und eine wichtige Konsequenz:

The first one is that we should empower people with technology

Second, let us use technology to bring more empowerment to more people.

Lastly, I think it’s up to us as the world becomes more technology driven, digital technology is part and parcel of every aspect, building trust in technology is crucial. And I think it starts with us taking accountability, taking accountability for the algorithms we create, the experiences that we create, and ensuring that there is more trust in technology with each day.

These principles, these are practical things. But, yet, they capture, I think, the essence of the timeless value. And this is what grounds us in our mission, when we say we want to empower every person and every organization on the planet to achieve more, and I think it especially speaks to empowering every developer.

Verantwortungsvoller Gebrauch oder Missbrauch

Microsoft ist sich des Spannungsverhältnisses zwischen Möglichkeit und Verantwortung bewusst, und so oblag es Nadella, gleich zur Eröffnung diese Punkt offen anzusprechen. Damit wollte man sicher den Kritikern vorab den Wind aus den Segel nehmen und eine, wie Nadella es sieht, technologisch optimistische Sicht auf die Agenda setzen sowie versuchen, die Entwickler-Community darauf einzuschwören, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein.

Er verwies darauf, dass natürlich Szenarien wie in George Orwells „1984“ oder Aldous Huxleys „Brave New World“ denkbar sind, sich aber auch viele Beispiel finden, in denen ein ganzheitlicher Einsatz von vernetzten und intelligenten Geräten und Systemen, nicht nur im praktischen, sondern auch im moralischen Sinne gut ist. In diesem Rahmen konnte man dann einen Videoeinspieler sehen, in dem in einer Chemiefabrik alle Personen und Objekte durch Kameras und den Einsatz von KI komplett überwacht wurden. Das hehre Ziel: im Falle eines Unfalls automatisch reagieren und schlimmeres verhindern. Tatsächlich sind solche Bilder nicht weit weg von denen, wie wir sie aus zahlreichen Filmen und Serie wie z.B. „2001: A Space Odyssee“ oder „Person of Interest“ kennen.

Der technologische Stand, den Microsoft mit dieser Build vorstellt, scheint tatsächlich geeignet, folgende Annahme zu treffen: das, was bisher nur denkbar war, kann jetzt auch umgesetzt werden. Man glaubt Nadella und Microsoft, dass keiner schlechte Dinge tun will. Und man glaubt auch, dass die große Entwickler-Community die Technologie, die ihr zur Verfügung steht, in dieser Weise nutzen wird. Wir kommen an einen Punkt der Digitalisierung, wo man mit Services Menschen helfen oder ihnen Schaden zufügen kann – so wie man mit einem Hammer einen Nagel oder einen Kopf einschlagen kann.

Entwickler im Zentrum

Aber wie es sich für eine Entwicklerkonferenz gehört, stehen vor allem die Entwickler im Mittelpunkt. Und ihnen wurden in der Tat beeindruckend viele Neuerungen angekündigt und zur Verfügung gestellt (Build 2017 – die Highlights im Überblick). Von Visual Studio 2017, über .NET Core 2.0, der Bash-Shell für Azure bis hin zu Azure IoT Edge oder zahlreichen neuen Cognitive Services. Microsoft unterstreicht mit dieser Build noch einmal den Anspruch, ganz vorne mitspielen zu wollen. Vor allem aber, will man dafür jedem Entwickler die Mittel an die Hand geben. Wir können gespannt sein, welche Innovationen daraus folgen werden.

Die zwei Stunden und 46 Minuten lange Keynote sollte man sich ansehen:

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