Die PC-Version von Windows 10 ist nur ein kleiner Teil des Ganzen

Windows 10 – mehr als nur ein neues Betriebssystem! [Kommentar]
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Nun ist es endlich da – Windows 10, das möglicherweise letzte Betriebssystem aus dem Hause Microsoft. Eigentlich muss man sagen, dass Windows 10 für den PC da ist. Denn noch fehlen die Versionen fürs Telefon und kleine Tablets, die Xbox, IoT-Geräte und auch die HoloLens und das ist entscheidend für das Gesamtbild.

Für alle diese Geräte soll eine speziellen Version von Windows 10 als Software-as-a-Service-Betriebssystem bekommen, dessen Gemeinsamkeit der Kern ist und das Versprechen, dass Universal Apps auf allen Geräten laufen können. Da die anderen Versionen noch nicht fertig sind werden wir wohl in den nächsten Wochen und Monaten noch häufiger sagen: „Nun ist es endlich da – Windows 10 für Mobile, IoT, HoloLens, die Xbox…“ und erst dann wird das vollständige Betriebssystem daraus, das Microsoft sich vorstellt. Denn erst, wenn alle Versionen zusammenspielen, wird sich zeigen, ob sich die Idee, die Satya Nadella, CEO Microsoft, am 21. Januar 2015 vorgestellt hat, umsetzen lässt: Windows 10 soll uns umgeben und uns unaufdringlich im Alltag zur Seite stehen – jedem Einzelnen ganz persönlich und in der Zusammenarbeit mit anderen.

Der erste Schritt

Seit dem 29. Juli wird Windows 10 in Wellen an die Privatnutzer verteilt, die sich eine Version reserviert haben. Auch hier geht Microsoft einen neuen Weg, um sein großes Ziel von einer Milliarde Windows-10-Geräten in zwei bis drei Jahren zu erreichen. Dank Preload müssen Nutzer nur warten, bis das neue Betriebssystem im Hintergrund heruntergeladen wurde und die Installation zu einem gewünschten Zeitpunkt beginnen kann, alternativ kann man auch die ISO-Dateien nutzen oder das Media Creation Tool, um die neuen Funktionen zu nutzen. Das, was dann installiert wird, ist momentan noch der Status des Produkts am 29. Juli 2015, ein Status, der Microsofts interner Definition of Done gerecht wird und daher veröffentlicht werden kann. Von einem wirklich fertigen oder reifen Produkt ist diese Version aber noch etwas entfernt. Allerdings man aber auch nicht sagen, es sei unfertig, denn was wir nun haben, ist ein produktiv nutzbares Betriebssystem, das weltweit zur Verfügung steht, auch wenn es noch Ecken und Kanten hat. Das ist nicht neu für Windows, haben doch bisher schon die Servicepacks Fehler und Fehlendes korrigiert und ergänzt. Windows XP und Windows 7 sind auf diese Weise die bisher erfolgreichsten Versionen geworden, aber vor allem Windows 8 hat das Upgrade auf Window 8.1 erst wirklich brauchbar gemacht.

Windows 10 soll als Betriebssystem-as-a-Service anders sein und keine Servicepacks erhalten, sondern durch kontinuierliche Fehlerkorrekturen und Funktionsupdates verbessert und angepasst werden. In der Konsequenz bedeutet das, dass sich Windows 10 im Laufe der nächsten Monate und Jahre durch regelmäßige Funktionsupdates verändern und den allgemeinen Entwicklungen am Markt anpassen wird. Geht dieser Plan auf, wird sich Windows 10 in allen seinen Version so verhalten, wie wir es bisher nur von den Apps auf unseren Smartphones und Tablets kennen. Genau in dieser Hinsicht ist Windows weit mehr als nur ein neues Betriebssystem.

Das Betriebssystem für die nächste Generation

Ob das nun gut ist und funktioniert, lässt sich immer schlecht im Vorhinein beurteilen – und hinterher haben es dann sowieso alle besser gewusst. Aber eines kann man sicher sagen: Mit Windows 10 geht Microsoft einen großen Schritt in die IT-Zukunft. Windows 10 ist ein Teil des neuen Mindsets, das man z. B. als digitale Transformation oder Digitalisierung bezeichnen kann – es gibt auch noch viele andere Buzzwords dafür. Alle unsere Lebensbereiche, Arbeits- und Geschäftsmodelle werden in der einen oder anderen Form von Software, Produkten mit Software oder Produkten, die nur durch Software möglich sind oder vertrieben werden können, bestimmt. Windows 10 soll, genau wie Android, Chrome OS und iOS, das Betriebssystem für die Geräte sein, die Teil dieser Transformation sind. Alle zeichnet aus, dass sie Endpunkte eines Service-Backends sind, dass man allgemeingefasst als Cloud bezeichnet.

Im Alltag nutzen wir diese Dienste durch Mail, Messaging, Video- und Musikstreaming, diverse Stores und Online-Händler oder einfach im Web. Wir nutzen sie in der Freizeit und bei der Arbeit und wir nutzen sie auf den unterschiedlichsten Geräten. Auch wenn es verkürzt sein mag, genau hier will Microsoft mit Windows 10 die Plattform liefern, die Nutzern eine umfassende, nahtlose und einheitliche „Experience“ bietet. Zugleich liefert Microsoft mit Azure, Office 365, Groove Music und anderen Angeboten auch das Backend und die Inhalte dafür und öffnet diese zudem für Open Source Lösungen. Und macht auch nicht vor anderen Plattformen halt, sondern bietet auch für iOS und Android Apps für seine Produkte und Dienste an. Die Marketing-Leute von Microsoft könnten hier sicher noch mehr Punkte aufzählen.

Worum es geht ist, dass Windows 10 – mit der Art wie es entwickelt wurde und wie es in das Gesamtsystem von Microsoft, aber auch den Plattformen der anderen Playern eingebettet ist – einen Wandel und eine neue „Evolutionsstufe der IT“ darstellt.

Ein neues Mindset auch für Entwickler

Microsoft ist nicht das einzige Unternehmen, das diesen Wandel vollzieht. Der Markt ist in einer Übergangsphase, in der alle Spieler schauen müssen, ob sie das Ökosystem mitverändern können oder ob sie in ihrer Nische noch ausreichend gut angepasst sind, um zu überleben. Die Zeit monolithischer, abgeschotteter System geht zuende. Software kann heute nicht mehr ausgeliefert werden und dann bis zur nächsten großen Version brav ihre Arbeit machen. Dazu wandelt sich das Umfeld zu schnell, dazu wechseln die Anforderungen zu häufig. Kunden, ob im Consumer- oder Enterprise-Bereich, sind durch das Web, SaaS-Angebote, Apps und einfach austauschbare Smartphones schon längst am Haken. Sie wollen in Zukunft auch im Auto die aktuellste Navigationssoftware, auf dem Smart-TV, der Waschmaschine oder dem Bankingterminal.

Auf diese Veränderung müssen sich auch Entwickler oder Architekten einstellen. Denn wenn die Kunden sich erst einmal an immer aktuelle und sich verbessernde Programme gewöhnt haben, dann ist das eine Erwartung, die sich an jedes Programm, jede App und jede Webseite richtet, und das auf allen Plattformen und für alle Browser gleichermaßen. Schon jetzt wird erwartet, immer und zu jeder Zeit auf Daten zugreifen zu können, ob im Büro oder der Freizeit.

Windows 10 ist nur ein kleiner Teil dieses großen Bilds, aber es zeigt im Detail, wohin das Ganze führt. Vielleicht ist es wirklich das letzte Betriebssystem von Microsoft, weil es als solches in Zukunft nicht mehr gebraucht wird. Windows 10 ist in dieser Hinsicht ein Indikator dafür, wie der Markt sich verändert, aber auch dafür, was sich am Markt verändert.
Windows 10 ist nicht allein eine Sache von Microsoft. Die Veränderung für die es steht, betrifft alle – auch in der Amazon, IBM, Apple oder Google-Welt. Vor diesem Szenario sollte man sich Windows 10 sehr schnell und sehr genau ansehen, der Startbutton ist wichtig, aber das Große passiert dahinter. Für Nostalgie ist in der IT-Industrie kein Platz, dazu ist sie noch viel zu jung, unausgereift und naturgemäß offen für Innovation.

Aufmacherbild: Open window and door on a blue sky (modifziert) von Shutterstock / Urheberrecht: cla78

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