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Windows 10, Windows 10 Mobile und Microsofts Weg in Richtung Open Source

Microsoft und Open Source: Und die Hölle ist noch nicht gefroren …
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Microsoft hat dieses Jahr schon wieder vieles anders gemacht, als manche es für möglich gehalten haben. Wie oft konnte man da lesen, dass „die Hölle gefriert“, weil beispielsweise Linux nun unter Windows 10 läuft, Microsoft ein Open-Source-Projekt nach dem anderen veröffentlicht, das Windows-Unternehmen seine Apps auf iOS und Android bringt und dann auch noch Visual Studio für den Mac erscheint.

Die Liste der Neuerungen ließe sich noch beliebig fortsetzen, und wie man es dreht und wendet: Weder ist die Hölle gefroren, noch wurden die Tore derselben geöffnet. Wenn man es ohne die große Hollywood-Dramatik und das ganze Marketing-Tamtam betrachtet, macht Microsoft genau eins: Es versucht, seine Führungsrolle als innovatives IT-Unternehmen zurück zu gewinnen.

Der Erfolg kommt nicht per Update

Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht dabei natürlich Windows 10. Mit über 400 Millionen Installationen ist es die Nummer zwei in der Nutzergunst nach Windows 7. Von XP, Vista und Windows 8 sollte man eigentlich nicht mehr sprechen müssen, man kann höchstens bedauern, dass diese Systeme noch genutzt werden.

Aber die beiden führenden Systeme zeigen ein Dilemma: das eine ist am Ende seines Weges, das andere ist eigentlich erst am Anfang. Während Windows 7 stabil und vertraut seinen Dienst tut, verändert sich Windows 10 mit jedem kleinen Update und bekommt mit jedem großen einen neuen Charakter. Solange sich das Bild so zeigt, werden Anwender – seien sie Konsumenten oder Entwickler – argwöhnisch, vorsichtig und zurückhalten auf die Systeme schauen. Mit dem im Spätsommer erschienenen Windows 10 Anniversary Update hat Microsoft viele Pluspunkte gewonnen, aber noch lange nicht alle überzeugt. Das für den Frühling angekündigte Creators Update soll hier noch weiter Boden gut machen – ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Über allem schwebt aber der bleiche Schatten von Windows 10 Mobile. Sein Erfolg hätte die Windows-10-Geschichte rund gemacht, aber so bleibt ein Makel im Bild – und das ausgerechnet in dem Bereich, der heute das Geschehen bestimmt. Anfang des Jahres sah es noch gut aus, aber jetzt fehlt Windows 10 Mobile im Android- und iOS-dominierten Mobile-Markt, auch wenn das letzte Update noch nicht ausgerollt ist. Und das, obwohl Windows 10 auf dem Desktop, Tablets, der Xbox, dem Server, in der Cloud und auf IoT-Geräten als ein Betriebssystem läuft.

Eine App füllt noch keinen Store

Der Mobile-Markt zählt, und an den Stores wird der Erfolg der Systeme gemessen. Auch wenn hier das Universal-App-Prinzip mit der Continuum-Funktion als Technologie überzeugt und seine Anerkennung bekommt, macht Microsoft damit keinen Gewinn, weder auf der finanziellen noch auf der Nutzer-Seite.

Aber das Motto – oder Mantra – „Mobile first, Cloud first“ mit dem Satya Nadella seinen Start als CEO von Microsoft begleitete, zeigt seine Wirkung eben nicht nur auf der eigenen Plattform. Es entwickelt sein Moment daraus, dass es sich tatsächlich auf Mobile und Cloud fokussiert und dabei keine Grenzen und Berührungsängste zu kennen scheint.

Erfolgreiche Windows-Apps erscheinen plötzlich auf Android- und iOS-Geräten und führen dort wie im Fall der Office-Apps die Charts an. Programme wie beispielsweise das unscheinbare OneNote laufen vom Web bis zum Desktop auf jeder Plattform. Teilweise bietet es auf iOS und Android Funktionen, die unter Windows nicht oder nur umständlich zur Verfügung stehen. Eines aber liefert es immer: den gleichen Inhalt. Microsoft führt daran vor, was Mobilität für Nutzer bedeutet. Sie verfügen über ihre Daten unabhängig von Plattform und Gerät und bekommen sogar Apps, die unter Windows gar nicht zur Verfüg stehen, aber für Eindruck sorgen und ihren Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen.

Es sind nicht die Apps im eigenen Store, die für Microsoft zählen, es sind die vielen eigenen Apps in jedem Store, die zählen.

Bezwingen die Plattform-Agnostiker die System-Fanboys?

Microsoft zeigt sich Plattform-agnostisch. Selbstverständlich bietet die eigene Plattform das stimmigste Konzept, aber es ist keine Begrenzung. Die Entwickler z.B. von Visual Studio Code zeigen, was möglich ist, wenn man ein Problem lösen will und dazu jede Technologie benutzt, die passt und zum Erfolg führt.

Auch das ist eine Erfahrung aus dem vergangenen Jahr. Microsoft präsentiert sich in einer ungewohnten Offenheit, was seine eigenen Produkte angeht, aber auch, was die Zusammenarbeit mit anderen Produkten betrifft. Nicht nur werden die eigenen Produkte Open Source gestellt, sie werden auch darauf vorbereitet und dafür eingerichtet, mit Produkten der Konkurrenz zusammenzuspielen.

Azure steht im Hintergrund und Mittelpunkt

Hinter all den Aktivitäten – oder im Zentrum, je nach Perspektive – steht Azure. Microsoft hat auch 2016 diese Wolke von Diensten, APIs und Partnerschaften ausgebaut und richtig Umsatz damit gemacht. Auch wenn die Cloud in Deutschland, trotz deutschem Azure unter Telekom-Verwaltung, noch nicht so richtig angekommen ist: Für Microsoft, Amazon und andere Unternehmen ist sie zum Motor des Geschäfts geworden.

Und dabei zielt Microsoft nicht auf die Consumer, es will im Enterprise bleiben und dort die Standards bestimmen. Denn bei aller Offenheit, der Antrieb ist nicht Altruismus, sondern das Geschäft. Dort gilt es, Grenzen zu überschreiten, den Fuß in der Tür zu halten und die eigenen Dienste zu verkaufen.

Enterprise ist das Ziel, nicht das Vehikel

Office auf macOS und iOS? Warum nicht, es sind nur Endpunkte des Office-365-Angebots, das vollständig ins Microsoft Ökosystem eingebettet ist, inklusive Nutzerverwaltung und Sicherheit. Microsoft macht iOS und Android über diese Strategie überhaupt erst Enterprise-tauglich. Und das nicht aus Freundlichkeit, sondern einfach aus Pragmatismus – dahin gehen, wo der Kunde ist.

Auch das ist 2016 klarer geworden: Für Entwickler, Partner und Kunden bietet sich ein Feuerwerk von Möglichkeiten – zu dieser Jahreszeit darf man endlich auch dieses Klischee schamfrei benutzen – das einen bunten Strauß von Highlights und Effekten zeigt, die auch anderen Firmen neue Geschäftsfelder eröffnen, wenn man die richtigen Vorsätze für das neue Jahr hat.

Es ist sicher ein Feuerwerk, bei dem nicht jede Rakete die Farben und Muster zeigt, die man sich von ihr versprochen hat. Manche verpuffen einfach, andere zeigen sich erst in ihrer vollen Pracht und vergehen dann schnell. In der Summe ist es eine buntgemixte Realität, die man nur durch die richtige Brille betrachten muss. Dann kann man wirklich alles sehen, nur keine Hölle, die gefriert.

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