Transparenz oder Veinnahmung der Open Source Community?

Microsoft startet Webseite zur Übersicht über alle Open-Source-Projekte: GitHub steht im Zentrum
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Microsoft hat eine Webseite veröffentlicht, die zeigt, wie häufig das Unternehmen mittlerweile Open Source nicht nur einsetzt, sondern auch unterstützt. Die Website scheint dabei gleich drei Zwecke zu erfüllen: Sie sorgt sowohl für Transparenz als auch für Anziehungskraft und vereinfacht den eigenen Entwicklern den Zugang zur Open Source Community.

Microsoft hat eine Webseite aufgesetzt, in der alle Open-Source-Projekte des Unternehmens auf GitHub gelistet und durchsuchbar sind. Durch die zeitnahe Darstellung von Änderungen in GitHub an den Softwareprogrammen soll es sowohl für die Community als auch für Microsofts Angestellte leichter werden, sich zu beteiligen. Unter anderem gibt es auch eine Anleitung, wie man sich am besten in Projekte einbringt.

Die Technologie hinter der Webseite

Die in der Azure Cloud gehostete Webseite verwendet die Azure Front Door Services, um COntainer in den Azure Kubernetes Services zu verwalten. Selbstverständlich baut die Seite aber auch auf Open-Source-Technologie auf. So wurde sie mit Jekyll erstellt, dem Ruby-Projekt, auf dem auch GitHub Pages basiert. Ebenso kommen auch TypeScript und Node.js zum Einsatz. Microsoft setzt also alleine mit der verwendeten Technologie ein Statement: ein offenes Bekenntnis zu Open Source. Damit wird der Wandel des Unternehmens fortgesetzt, der mit der Einstellung von Satya Nadella als CEO eingesetzt hat. Sein Vorgänger, Steve Ballmer, hatte zu Beginn seiner eigenen Zeit als Microsoft CEO Linux mit einem Krebsgeschwür verglichen und das Unternehmen aus Redmont so zum Antogonisten für Open Source gemacht. Diese Zeiten sollen offenbar vergessen gemacht werden.

Wie Microsoft Transparenz herstellen möchte

Mit der Webseite möchte Microsoft möglichst große Transparenz für die Community herstellen. Neben der Übersicht von Projekten innerhalb von GitHub, stellt der Konzern seine Leitlinien für das Arbeiten mit Open Source vor, an denen sich seine Angestellten orientieren. Die Leitfäden wurden von einem Team aus Microsoft-Angestellten entworfen, darunter Engineers, Open Source Champs und der Open Source Executive Council, der wiederum aus Führungskräften des Konzerns besteht. In den Leitlinien finden sich beispielsweise Dokumentationen, durch die Wissen geteilt und Verwirrung reduziert werden soll. Eine weitere Richtlinie beschäftigt sich speziell mit dem Arbeiten an Open Source. Je nachdem, welche Größe und welchen Zweck ein solcher Beitrag hat, soll sich das Verhalten der Mitarbeiter verändern.

Ebenfalls Erwähnung findet die Konformität mit dem Projekt „OpenChain“. OpenChain ist ein Open-Source-Projekt der Linux Foundation. Ziel des Projekts ist die Stärkung des Vertrauens zwischen den Unternehmen innerhalb einer Supply Chain durch die Erfüllung bestimmter Standards. Die Standards sollen für vertrauenswürdige Software stehen, die die Open-Source-Lizenzbedingungen erfüllt. Die Open Source License Compliance soll dadurch für alle Beteiligten der Supply Chain vorhersehbarer, verständlicher und effizienter werden. Microsoft ist im Frühjahr 2019 OpenChain als Platinmitglied und im Vorstand beigetreten.

Abseits davon gibt es auch einen Verweis auf den Free and Open Source Software (FOSS) Fund, den Microsoft eingerichtet hat. Der Fond unterstützt einmal pro Monat ein anderes Open-Source-Projekt mit 10.000$. Welche Projekte das Geld erhalten, wählen zuvor Angestellte von Microsoft gemeinsam aus. Am Auswahlprozess dürfen sich aber nur die Mitarbeiter beteiligen, die sich auch bei Open Source einbringen. Auch hier zeigt das Unternehmen ganz transparent, wer für welches Projekt vom FOSS Fund unterstützt wurde.

Der Open-Source-Leader

Gleichzeitig zeigt sich Microsoft auf der Website als ein Leader in der Open Source Community. So findet sich zum Beispiel ein Abschnitt darüber, wie viel Open Source das Unternehmen in seinen Programmen verwendet: Bis zu 150.000 Komponenten pro Monat können mittlerweile aus Open Source in den Microsoft-Produkten enthalten sein und 2018 wurden vom Unternehmen über 2 Millionen Pull Requests eröffnet. Wahrscheinlich ein kleiner Seitenhieb auf Google, das kürzlich erst seine eigenen Zahlen in Bezug auf GitHub dazu veröffentlicht hat: 2019 wurden dort über 570.000 Issues erstellt und über 150.000 Pull Requests geöffnet.

Kritik am Vorgehen

Allerdings dürfte das Vorgehen von Microsoft nicht nur auf Zustimmung aus der Community stoßen. Einerseits scheint Microsoft tatsächlich den Gedanken von Open Source verinnerlicht zu haben. Denn es gelingt der Webseite, dass immer wieder die Grenze zwischen Microsoftmitarbeiter und Open-Source-Contributor verwischt. Damit scheinen die Community-Mitglieder in die Funktion von Angestellten überzugehen.

Dass diese Verschmelzung aber auch problematisch werden kann, zeigt der Fall von Keivan Belgi, dem Entwickler von AppGet. Microsoft hat nach Darstellung des Developers seinen neuen Paketmanager WinGet in nahezu allen Punkten AppGet nachgebaut. Vorher war Belgi vom Tech-Riesen kontaktiert worden, weil dieser wissen wollte, was an den eigenen Paketmanagern verbessert werden müsste. Später kam es zu einem Vorstellungsgespräch, in dem Belgi in Aussicht gestellt wurde, AppGet für Microsoft weiterzuentwickeln. Kurz vor der nächsten Build 2020, auf der auch WinGet vorgestellt wurde, kassierte Belgi eine Absage.

Wer sich ein vollständiges Bild machen möchte, sollte sich selbst einmal durch die Webseite klicken und sich die vielen Facetten selbst anschauen.

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