Eröffnungskeynote der BASTA! Spring 2016

Microsoft im Wandel: Was sind die Fixpunkte für .NET-Entwickler?
Kommentare

Die Microsoft-Welt – das ist Microsoft selbst, aber auch die Arbeitswelt – hat sich radikal gewandelt und verändert sich noch immer. Angefangen bei Windows 10, über Visual Studio 2015 bis hin zur Ankündigung von .NET Core 1.0 gab es eine rasante Entwicklung nach der anderen. Für Entwickler bedeuten die Neuerungen nicht selten, sich auf völlig neues Terrain begeben zu müssen. Dazu sind Mut und Entscheidungshilfe gefragt. Aber es sind auch Fixpunkte zu finden – und es gibt Orientierungshilfe.

Woran soll man sich als .NET-Entwickler in Zeiten der ständigen Transformation und Veränderung eigentlich noch orientieren? Genau diese Frage lockte heute Morgen zahlreiche Teilnehmer in die Eröffnungs-Keynote der BASTA! Spring 2016, die auch in diesem Jahr wieder im Maritim Rhein-Main Hotel Darmstadt stattfindet.

Windows 10, Visual Studio 2015, C# und Co. – Microsoft im Wandel

Ein Blick auf das vergangene Jahr zeigt, es hat sich viel getan in der Microsoft-Welt: Allein mit Windows 10, das Ende Juli 2015, also vor genau 7 Monaten veröffentlicht wurde, hat Microsoft eine neue Ära eingeläutet und ein Betriebssystem auf den Markt gebracht, das anders ist, als alle Windows-Systeme zuvor.

Damit aber nicht genug. Für Entwickler hielten auch C#6 und Visual Studio 2015 einige Änderungen parat, und eine weitere große Neuerung steht noch immer aus. Die Rede ist von .NET 5, das mittlerweile in .NET Core 1.0 umbenannt wurde und ein .NET für alle Betriebssystemplattformen sein soll, von dem man nur genau die Teile benutzt, die man auch für eigene Anwendungen braucht. Eine Schippe drauf setzte Microsoft kürzlich außerdem mit der längst überfälligen Übernahme von Xamarin.

Entwickler stehen jetzt vor der Aufgabe, Windows 10 auf allen Geräten – wenn Mobile dann endlich kommt – und für alle Betriebssysteme und mobile Plattformen zu entwickeln, also auch für Linux, MacOS und Android. „Auch wenn all das in Ihrem Arbeitsalltag noch keinen Platz haben sollte, wird die Forderung nach dem Umgang mit all diesen Möglichkeiten doch irgendwann kommen“, prophezeite Mirko Schrempp, Redakteur des Windows Developer, und stimmte das BASTA!-Spring-Publikum damit auf die aktuelle Situation im Microsoft-Umfeld ein.

Denn Fakt ist: Die Welt wird für Entwickler immer größer und interessanter, und es bahnen sich immer mehr Wege zu neuen Zielen. Dabei ändert sich aber auch das Koordinatensystem, in dem sich Entwickler und Architekten bewegen. Welche Fixpunkte bestehen bleiben und wo sich die Grenzen verschieben, diskutierte Schrempp gemeinsam mit Holger Schwichtenberg, www.IT-Visions.de/5Minds IT-Solutions, Christian Wenz, Arrabiata Solutions GmbH und Christian Weyer, Thinktecture AG.

.NET Core 5 war gestern, heute ist .NET Core 1.0

Wenn es nach Holger Schwichtenberg geht, wird vor allem .NET Core 1.0 die Möglichkeiten für Entwickler auf ein neues Level heben. Allein mit der Umbenennung in Version 1.0 macht Microsoft deutlich: Hier findet eine Neuentwicklung statt. Das alte Konzept wird nicht einfach nur weiterentwickelt, sondern neu aufgestellt. So wird es neue Klassen geben, in die Entwickler sich einarbeiten müssen, aber auch Themen wie „Logging“ und „Configuration“ werden völlig neu konzipiert. „.NET Core wird modular sein, plattformunabhängig und viel agiler, als Microsoft das beim monolithischen .NET-Framework sein konnte“,  lautet Schwichtenbergs Prognose zum Weg, den Microsoft mit der Modularität des Frameworks eingeschlagen hat.

Darüber hinaus ist .NET Core Open Source angelegt, was weitere Vorteile für Entwickler bietet. Nicht nur, dass Microsoft Beiträge aus der Community akzeptiert, als Entwickler hat man außerdem die Option, Standardkomponenten von Microsoft gegen eigene Komponenten auszutauschen. „Das ist neu. Zuvor hieß es ’nur ansehen‘ – anfassen war nicht erlaubt“, kommentiert hierzu Schwichtenberg. Für Entwickler bleibt allerdings weiterhin die Frage bestehen, wann die neue Version des Frameworks endlich erscheint. Aktuell ist .NET Core 1.0 Release Candidate (RC) 1 erschienen, nach Meinung von Schwichtenberg wird RC2 aber bald folgen. Auch die finale Version sollte im Verlauf dieses Jahres erscheinen. In dieser werden natürlich noch einige Dinge fehlen, zum Beispiel wird es keine Unterstützung für Visual Basic geben – ob man mit der Version, also schon vollauf zufrieden sein wird, ist erst einmal zu bezweifeln.

„Jeder muss sich mit der neuen Mobilität von Software auseinandersetzen“

Christian Weyer zufolge müssen sich Entwickler heute vor allem mit der neuen Mobilität von Software auseinandersetzen, denn: „Mittlerweile ist jeder Mobilität gewohnt, ob im Privatleben, beim Reisen  oder beim Arbeiten. Dazu gibt es Tablets, Smartphones, Laptops – und natürlich das Web.“ Entwicklern bleibt demnach nichts anderes übrig, als sich in diese Richtung zu orientieren und sich auch mit dem Thema Cross-Plattform-Entwicklung auseinanderzusetzen (schauen Sie sich zu diesem Thema auch das Interview „Cross-Plattform für den mobilen Anwender“ mit Christian Weyer an). Will man mobile Plattformen mit C# erreichen, ist Weyer zufolge Xamarin die Nummer 1  Software.

BASTA16SE_Foto_Keynote_Christian_Wenz

Christian Wenz, Christian Weyer und Mirko Schrempp (v.l.) während der BASTA!-Keynote.

Kritisch sieht er dagegen, dass es aus der C#-Ecke keine wirkliche Lösung gibt, wenn es darum geht, auch den Browser anzuvisieren. Aber auch dafür gibt es dank der Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Google eine Übergangslösung: Angular 2.0. Weyer beurteilt die Kooperation der beiden Konkurrenten durchweg positiv: „Die beiden Unternehmen befruchten sich gegenseitig mit Ihren Ideen, um  Entwicklern eine echte Cross-Plattform-Entwicklung zu ermöglichen“.

„Wir hinken dem Web hinterher“

Etwas weniger positiv fällt das Urteil in Sachen Web von Christian Wenz aus. Scherzhaft meint er: „Was im Web passiert, ist erschreckend, konzeptionell gesehen arbeiten wir noch auf Basis von damals“. Und das, obwohl das World Wide Web heute vorrangig für das Ausführen von Anwendungen genutzt wird und so gut wie alles damit möglich ist, während es in seinen Anfängen für genau zwei Use Cases vorgesehen war: Dokumente bereitzustellen und auf andere Dokumente zu verlinken. Natürlich sind für moderne Anwendungen neue Standards und Protokolle in Arbeit, wie zum Beispiel HTTP/2, WebRTC und WebSockets. Mittlerweile gibt es zudem viel mehr bewegliche Bausteine als noch vor ein paar Jahren: Template-Engines, Taskrunner, Buildsysteme und Co. sollten also bestenfalls alle in einer IDE integriert sein. Auch im Web ist der einfache Texteditor out.

Und mit „Bewegung“ hat Wenz das richtige Stichwort gesetzt, den bei all den rasanten Neuerungen und Entwicklungen im Microsoft-Umfeld ist ebendas die Aufgabe von Entwicklern: selbst in Bewegung zu bleiben, die Augen für Neues offen zu halten und sich weiterzuentwickeln – zum Beispiel hier auf der BASTA! Spring.

 

Aufmacherbild: One match standing out from the crowd von Shutterstock / Urheberrecht: bedya

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -