Microsoft stellt neuen, auf Azure basierenden Blockchain-as-a-Service vor

Project Bletchley: Microsofts Vorstoß im Blockchain-Rennen
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Blockchain, so die scheinbar einhellige Meinung, wird umkrempeln, was es im Internet umzukrempeln gibt. Besonders in der Finanzbranche hat die Technologie ein regelrechtes Fieber ausgelöst. Mit dem Project Bletchley getauften Blockchain-as-a-Service möchte Microsoft die passende Medizin nicht nur für die Finanzindustrie, sondern für jede Art von Enterprise liefern.

Bereits im vergangen November ist Microsoft erstmals mit einer Blockchain-Technologie an die Öffentlichkeit getreten, die die Kryptowährung und SmartContract-Plattform Ethereum als Blockchain-as-a-Service (BaaS) auf der Cloud-Plattform Azure bereitstellt. Ging es bei Ethereum-BaaS (EBaas) noch wesentlich darum, den Grundstein für Microsofts Blockchain-Ambitionen zu legen, präsentiert der Konzern mit Projekt Bletchley nun erste konkretere Ideen und Elemente.

Dem Aufbau von Project Bletchley vorangegangen ist eine im April bekanntgewordene Partnerschaft von Microsoft mit dem aus 43 Finanzinstitutionen bestehenden R3 Consortium. Dabei handelt es sich um einen Industrieverband, der sich der Blockchain-Forschung und –Entwicklung verschrieben hat.

Project Bletchley

Diente EBaaS noch dazu, Unternehmen eine kostengünstige Plattform für erste Experimente mit Blockchain zur Verfügung zu stellen, zieht Microsoft mit Project Bletchley erste Konsequenzen aus den mit EBaaS gemachten Erfahrungen. Zentrale Wünsche, die dem Projektteam von Unternehmensseite zurückgespiegelt worden sind, führt Marley Gray, Leiter der Abteilung BizDev & Strategy, Cloud und Enterprise bei Microsoft Azure, im Ankündigungspost auf. Hoch im Kurs stehen:

  • Plattformoffenheit
  • Integration von Identitäts- und Schlüsselmanagement, Privacy und Security, Operationsmanagement und Interoperabilität
  • Performance, Skalierbarkeit, Support und Stabilität
  • Consortium Blockchains, also geschlossene, erlaubnispflichtige Netzwerke

Über die Rolle von Azure äußert sich Gray folgendermaßen: „In Project Bletchley, Azure provides the fabric for blockchain, serving as the cloud platform where distributed applications are built and delivered.” Microsoft möchte weiterhin eine Vielzahl von Blockchain-Protokollen bereitstellen, darunter sowohl simplere UTXO-Protokolle (Unspent Transaction Output-based Protocol) als auch leistungsfähigere SmartContract-Protokolle, die verschiedenste Vertragsmodalitäten regeln können.

Blockchain Middleware und Cryplets

Wirkliche Neuigkeiten stellen hingegen nur die Blockchain Middleware und die sogenannten Cryptlets dar. Wie man dem GitHub-Whitepaper entnehmen kann, dient die Middleware vor allem dazu, essentielle Service-Funktionalitäten, wie Identitätsfeststellung, Verschlüsselung, Daten-Services (u.a. Analytics und Machine Learning) sowie Management-Funktionalitäten zu ermöglichen. Zentrale Blockchain-Services können dergestalt mit geschäftsrelevanten Diensten verbunden werden, so der Konzern.

Gewissermaßen als Scharnier zwischen Azure, Middleware und Kundentechnologien fungieren die Cryplets. Microsoft beschreibt sie als wertvolles Bindeglied, um Interoperabilität zwischen den genannten Plattformen, aber auch zwischen mehreren Clouds herzustellen. Die Cryplets dienen dazu, Code und Daten außerhalb der Blockchain oder eines SmartContracts in den Prozess einzufügen, ohne die Authentizität der Transaktionen zu kompromittieren.

Die Blockchain im Enterprise-Kontext

Unter Blockchain versteht man eine dezentrale Datenbank, in der Transaktionen zwischen verschiedenen Usern, also Veränderung innerhalb der Datenbank, dokumentiert werden und somit für alle Beteiligten jederzeit nachvollziehbar sind. Gespeichert werden sie in Form einer Reihe aneinander geketteter Blocks, daher der Name. So können neben Eigentümerschaft und Ursprung auch die Transaktionshistorien von Objekten, repräsentiert in Form sogenannter Tokens, festgehalten werden. Die Legitimität dieses Objekt lässt sich so nachweisen.

Die Datenbank, häufig Ledger (dt. Register) genannt, liegt auf verschiedenen Nodes, die allesamt über eine Kopie des Registers verfügen. Die Nodes vergleichen sich ständig untereinander, sodass es unmöglich wird, unzulässige Transaktionen durchzuführen. Erreichen die Nodes untereinander keine Einheit, wird eine Transaktion nicht angenommen. Dieses Prinzip kollektiver Buchführung wurde erstmals bei der Kryptowährung Bitcoin angewandt.

Die Attraktivität dieses Prinzips für Unternehmen liegt einerseits darin, bei Geschäftsprozessen vor Manipulation und Betrug geschützt zu sein. Darüber hinaus entfällt jede Menge bürokratischer Aufwand: Rechnungsprüfung und notarielle Aufgaben erfolgen von nun an automatisch. Daher erfolgen Transaktionen auch wesentlich schneller. Was im Bankensektor heute noch Tage in Anspruch nehmen kann, ist vielleicht in Zukunft in wenigen Sekunden abgewickelt.

Open Source

Microsoft kündigt an, seine BaaS-Dienste offen und flexibel für jedwede Plattform zu halten. Interessant ist in diesem Kontext, dass anscheinend Open-Source-Technologien eine große Rolle spielen werden. Im Whitepaper heißt es:

Open source technologies will serve as the building blocks for this ecosystem. Supporting open standards for protocol level implementations of Peer-2-Peer/networking, consensus, database and virtual machines are key in establishing trust within the larger ecosystem and accelerates innovation.

Spannend klingen die Ideen des IT-Giganten aus Redmond auf jeden Fall. Ob er sich damit an die Spitze im Rennen um die Enterprise-Nutzung von Blockchain katapultieren kann, ist eine andere Frage. Schließlich steckt die Industrie noch in den Kinderschuhen; welche Technologie sich am Ende als tauglich erweisen wird, steht noch in den Sternen. Jedenfalls beginnt Microsoft, sich für den langsam einsetzenden Konkurrenzkampf aufzustellen.

Aufmacherbild: texture of roller chains use for background von Shutterstock / Urheberrecht:enterphoto

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