Interview mit Thomas Mahringer

Systemisches Denken für Entwickler: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“
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Weshalb treffen so viele kluge Menschen so viele unsinnige Entscheidungen? Dieser Frage spürte Thomas Mahringer in seinem Vortrag auf der BASTA! 2019 nach. Wir haben nachgehakt und von ihm eine kleine Einführung in das systemisch Denken erhalten.

Denken hilft zwar, nützt aber nichts

Entwickler: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ – so lautete der Slogan deines BASTA!-Talks. Das musst du etwas genauer erklären. Wie bist du darauf gekommen?

Thomas Mahringer: Bei verschiedenen Firmen, Organisationen und Teams konnte ich beobachten, dass auch sehr intelligenten Menschen trotz bester Absichten immer wieder Fehler unterlaufen.

Das „System“ gibt die Struktur und die Verhaltensmuster – und damit letztendlich die einzelnen Ereignisse und Entscheidungen – vor.

Es liegt eben nicht daran, dass sie zu wenig oder falsch nachdenken, sondern dass das „System“ (die Firma, die Prozesse, die Abteilung…) die Struktur und die Verhaltensmuster – und damit letztendlich die einzelnen Ereignisse und Entscheidungen  – vorgibt. Nur echte „Renegades“ kommen da raus. Also hilft das Denken zwar, nützt aber nichts. 🙂

Entwickler: Kannst du einmal ein Beispiel geben? Du selbst hast in deinem Talk ja Tschernobyl und das Beer Game behandelt, um die Grundlagen systemischen Denkens zu erläutern.

Thomas Mahringer: Der systemische Hauptpunkt in einer lernenden Organisation ist vor allem die Erkenntnis und die Schärfung des Blickes, dass so etwas tatsächlich existiert: systemische Abhängigkeiten und Zusammenhänge. Es gibt Tools, um diese Zusammenhänge auf einen Blick erkennbar zu machen, etwa das Aufzeichnen von Regelkreisen. Ein Regelkreis beschreibt den Kreislauf der Ereignisse in einem System. Auf Organisationen angewendet, zeigen sie auf, welche Muster existieren. Es gibt für solche Muster Design-Patterns (Systemarchetypen), aus denen man lernen kann.

Entwickler: Wodurch werden solche Zusammenhänge beispielsweise beeinflusst?

Thomas Mahringer: Zunächst einmal sind es diverse Silos in Unternehmen: Jeder für sich mag gut funktionieren, aber siloübergreifend wird es schon deutlich schwieriger. Außerdem durch die diversen Prozesse: Entwicklung, Sales, Marketing, Einkauf,… und durch die Identifizierung der Mitarbeiter mit ihrer Position („Wir sind Papst“ :-))

BASTA! Spring 2020

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Systemisches Denken für Entwickler

Entwickler: Was können wir nun daraus für die Software-Entwicklung lernen?

Das Lernen steht im Vordergrund, als Mitarbeiter, als Team, als Abteilung, als Organisation.

Thomas Mahringer: Für Softwareentwickler und andere Ingenieure bedeutet es, dass sie sich jenseits ihrer Komfortzone entwickeln können und sollen. Die „0815“ Jobs werden weniger und die mit mehr Selbstverantwortung mehr, wir stehen vor einer „Skill-Disruption“. Das Lernen steht daher im Vordergrund, als Mitarbeiter, als Team, als Abteilung, als Organisation. So geht es schrittweise Richtung lernende Organisation, und „das System“ wir immer besser verstanden und gelebt.

Entwicker: Was kann man tun, damit das Ganze nicht Theorie bleibt. Hast du vielleicht einen Tipp, den man hier ganz konkret in die Praxis umsetzen kann?

Thomas Mahringer: Das beste Mittel, um systemisches Denken und organisationales Lernen „on the Job“ zu entwickeln, ist das agile Team. Es bildet die Keimzelle einer lernenden Organisation. Das agile Team lernt in einem überschaubaren und geschützten Rahmen verschiedenste Disziplinen und gibt sie ganz natürlich an andere Teams weiter. So vermehren sich die Lernzellen.

Entwickler: Was ist die Kernbotschaft deines Talks, die jeder Teilnehmer mit nach Hause nehmen sollte?

Thomas Mahringer: Suchen Sie sich ein agiles Team und lernen Sie dort so viel wie möglich. Lernen Sie täglich neue Dinge, die nicht unbedingt in Ihre Kernaufgabe fallen, zum Beispiel vertriebliches Denken, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Präsentation und Argumentation vor einer Menge Leute usw.

Entwickler: Vielen Dank für dieses Interview!

Thomas Mahringer ist in Lösungsberatung und -vertrieb tätig. Als gelernter Informatiker hat er während seiner 24-jährigen Berufslaufbahn bei verschiedenen – auch internationalen – Projekten Software entwickelt, Kunden beraten, Projekte und Teams geleitet, Application Performance analysiert und optimiert, Presales- und Salesstrukturen aufgebaut sowie Partnermanagement- und Wissenstransferkonzepte erarbeitet. Aus dieser Erfahrung ergibt sich seine Leidenschaft, Kunden bei der effizienten Einführung von zeitgemäßen und wertschöpfenden Lösungen zu unterstützen.
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