Interview mit Gregor Biswanger

Windows 10: Neue Möglichkeiten mit Cross-Platform und Universal Apps
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Mit Windows 10 kommt eine einheitliche Plattform für unterschiedliche Formfaktoren. Statt Desktop- oder Windows-Store-Apps können Entwickler nun Universal Apps für alle Geräte schreiben – so jedenfalls das Versprechen von Microsoft. Was das für die Entwickler in der Praxis bedeutet haben wir zum Windows-10-Start unseren UI-Experten Gregor Biswanger gefragt.

Gregor, wie schätzt Du den Umstieg von Windows Store Apps für Windows (Phone) 8 auf Windows 10 Apps für die Entwickler ein?

Ein Universal Windows 8.1 App-Projekt besteht aktuell aus unterschiedlichen Welten. Darunter ein Windows Phone 8.1- und ein Windows 8.1-Projekt. Eine gemeinsame Code-Basis, wird dann auch noch über ein drittes Shared-Projekt bereitgestellt. Das hat sich unter Windows 10 stark verändert. Auf jedem Windows 10 Gerät befindet sich exakt der gleiche Kernel, womit die neue, universale Windows 10 App nur aus einem Projekt besteht. Es wird dennoch vereinzelt unterschiedliche API Funktionen für Mobile und Desktop geben, die wie bisher durch Compilation directives abgefangen werden können.

Die Unterstützung für das einbinden bestehender Universal 8.1 Projekte ist auf jeden Fall möglich. Auch 3rd Party Extension SDKs für 8.1 können weiterhin wiederverwendet werden. Für die Migration wird auf jeden Fall einiges an Zeit benötigt. So muss zum Beispiel Code entfernt werden, der auf die Charms Bar-Schnittstelle zugreift. Denn ab Windows 10 gibt es keine Charms Bar mehr. Der meiste Aufwand wird durch die Migration des User Interfaces benötigt, das komplett neue Konzepte mit sich bringt.

Wird sich denn viel am User Interface verändern? Was müssen Entwickler beachten, wenn Sie für Windows 10 Universal-Windows-Plattform (UWP)-Apps schreiben …

Es wird für die Oberflächen der unterschiedlichen Geräte kein eigenständiges Projekt mehr geben. Die Lösung ab Windows 10 lautet bei Microsoft: Gleiche UI-Steuerelemente und Adaptive UI. So muss man in seiner XAML-Datei das Layout für unterschiedliche Gerätegrößen hinterlegen. Um das zu vereinfachen gibt es neue Layout-Steuerelemente. Die Standard-Steuerelemente wie der DateTimePicker sind jetzt exakt die gleichen. Bei Windows Phone 8.1 und Windows 8.1 hingegen, waren diese noch unterschiedlich.

Die Windows Entwickler sollten sich auf jeden Fall mit den neuen Design Guidelines und dem Adaptive UI auseinander setzen, das leider erneut viel Zeit beansprucht.

.und wenn Sie gleichzeitig noch auf iOS oder/und Android vertreten sein wollen?

Dazu gibt es die Lösung mit dem Cross-Plattform Framework Xamarin, das ab Visual Studio 2015 bei der Installation mit angeboten wird. Dieses unterstützt Universal Apps, kann aber nicht die bestehenden XAML-Views für andere Plattformen wiederverwenden. Hierfür benötigt man wieder eigenständige Projekttypen. Die Geschäftslogik kann jedoch über die Portable Class Library wiederverwendet werden. Für das Erzeugen von iOS-Apps, ist dann aber auch noch ein Mac Device notwendig.

Wenn es um Cross-Plattform geht, sollte man hier mit Xamarin oder Cordova oder doch direkt mit JavaScript und HMTL5 arbeiten, was für Entscheidungskriterien gilt es zu beachten?

Es kommt ganz auf das Ziel an und welches Know-how bereits im Team vorhanden ist. In den meisten Fällen reicht eine Web-App vollkommen aus. Mit dem neuen Windows 10 Feature „Hostet Web App“, kann man auch aus dem Web heraus auf die native Windows 10 API zugreifen.

Entscheidet man sich für eine App-Lösung, muss vorher klar sein, welche Ziel-Plattform man erreichen möchte. Denn es gibt nichts Besseres, als die native Entwicklung. Gerade Visual Studio bietet uns hierbei den besten Komfort.

Lautet das Ziel, unterschiedliche Plattformen zu erreichen, kommt es auf das Know-how im Team an. Sind bereits HTML5 und JavaScript Kenntnisse vorhanden, dann bietet Apache Cordova zahlreiche Vorteile. Im Zusammenspiel mit den Telerik NativeScript Framework, können sogar native UIs innerhalb der Hybrid-App erzeugt werden. Der Zugriff auf Plattform spezifische APIs ist ohne weiteres möglich und für gemeinsame API-Funktionen, wird auch nur ein Code benötigt. Das sieht bei Xamarin hingegen wieder etwas anders aus. Selbst der Zugriff auf einen Kompass, muss für jede Plattform neu implementiert werden. Für die Entwicklung mit Apache Cordova, gibt es ebenfalls eine Erweiterung in Visual Studio und das kostenlose Intel XDK bietet zudem noch einen App Designer, sowie das kostenlose Builden für unterschiedliche Plattformen. Sodass kein eigenes Mac Device benötigt wird.

Die Lösung mit Xamarin, hat allerdings für C# und XAML Entwickler den Vorteil, dass diese mit ihren vertrauten Kenntnissen für unterschiedliche Welten entwickeln können.

Was gefällt dir persönlich am besten an Windows 10?

Ich persönlich empfinde das Windows 10 sich verschlimmbessert hat. Das mag daran liegen, dass ich in der glücklichen Situation bin und fast nur 2-in-1 Devices habe. Ich nutze den Tablet-Modus sehr häufig und mag das Konzept der Charms Bar. Ich mag das schnelle wechseln zur letzten App mit nur einem Wisch und dass ich selbst im Tablet-Modus den Desktop leichtgewichtig bedienen kann. Diesen Komfort habe ich mit Windows 10 nicht mehr. Somit bleiben meine Ultrabooks alle auf Windows 8.1.

Auf meinem Smartphone und der Xbox One finde ich Windows 10 hingegen stark gelungen. Technisch betrachtet auch das Universal App Konzept. Ich möchte die gleiche App von meinem Smartphone auch auf meinem Tablet/Desktop und TV nutzen können.

Mein Lieblings Feature unter Windows 10 ist das bereits erwähnte „Hostet Web App“-Konzept. Für mich persönlich ist das ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Der klassische Web-Standard wird immer mehr Hardwarenahe Funktionen bieten und eine optionale Schnittstelle zur nativen API wird somit immer wertvoller. Google macht das bereits seit Jahren mit den Chrome Web Apps vor und deren gesamtes Chrome OS baut darauf auf. Microsoft sollte diesen Zug nicht verpassen, wenn die Zeit dafür reif ist.

 

 

Aufmacherbild: Man holding object via Shutterstock / Urheberrecht: chanpipat

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