Die neuen Datenschutzbestimmungen und wie viel Entscheidungsfreiheit Nutzern wirklich bleibt

Windows 10: Probleme bei Privacy und User-Choice?
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Windows 10 ist da, und zahlreiche Nutzer dürften das Betriebssystem sicher schon auf ihren Rechnern installiert haben und die neuen Funktionen fleißig ausprobieren. Neben all den positiven Highlights erntet das neue Microsoft-OS jedoch auch schon erste Kritik, und die betrifft vor allem die neuen Datenschutzbestimmungen sowie vermeintliche Einschränkungen der Nutzerfreiheit.

Mit Windows 10 hat Microsoft auf rund 45 Seiten neue Datenschutzbestimmungen an den Start gebracht. Sie treten ab dem 1. August 2015 offiziell in Kraft und geben unter anderem Auskunft darüber, wann und an welchen Stellen der Software-Riese Daten über die Nutzer sammelt. In den Medien werden die neuen Bestimmungen aktuell heiß diskutiert. Wir haben die wichtigsten Punkte unter die Lupe genommen und auch die vielseits bemängelte „Einschränkung der User-Choice“, sprich eine limitierte Entscheidungsfreiheit der Nutzer in Windows 10 etwas genauer betrachtet.

Probleme mit der Privacy?

1. Synchronisation per Default: Wer sich mit einem Microsoft-Account in Windows 10 anmeldet, muss damit rechnen, dass das Betriebssystem automatisch alle Einstellungen und Daten mit den Microsoft-Servern synchronisiert. Zu den übermittelten Daten gehören der Web-Browserverlauf, Favoriten, Webseiten, die gerade geöffnet sind, gespeicherte Anwendungen, mobile Hotspot-Kennwörter sowie WiFi-Netzwerknamen und Passwörter. Aber auch Personifizierungseinstellungen (Profilbild, Hintergrund etc.) und bestimmte Präferenzen (Sprache und erleichtere Bedienung) werden so weitergegeben. Zwar lässt sich das Ganze über die Einstellungen deaktivieren, fraglich bleibt allerdings, ob Microsofts an dieser Stelle aus Datenschutzsicht nicht besser eine Opt-In-Lösung eingebaut hätte, statt die Synchronisation per Default festzulegen.

2. Cortana weiß alles: Nutzer sollten sich außerdem darüber im Klaren sein, dass auch Microsofts digitaler Sprachassistent fleißig Informationen sammelt. Denn je mehr Cortana über den Nutzer weiß, desto besser funktionieren die von Microsoft angepriesenen Features des Assistenten. Um proaktiv personifizierte und relevante Vorschläge machen zu können, erhebt Cortana Daten aus dem Kalender, aus verwendeten Anwendungen, von E-Mails, Textnachrichten, Anrufen und Kontakten. Daneben sieht Cortana genau zu, was sich Nutzer ansehen und kaufen und ermittelt den Gerätestandort. Damit wird jeder Anwender zum „gläsernen Nutzer“, was bei einigen sicherlich für ein flaues Gefühl im Magen sorgen dürfte.

3. Unique IDs: Für alle Nutzer und für jedes Gerät generiert Windows 10 zudem spezifische Advertising-IDs. Diese wiederum können von Entwicklern und Ad-Netzwerken genutzt werden, um Nutzerprofile zu erstellen. Das Vorgehen lässt sich in den Einstellungen abschalten, allerdings muss auch hier der Nutzer wieder selbst aktiv werden.

4. BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel in OneDrive: Nicht unbedingt problematisch aber etwas, worüber man sich bewusst sein sollte: Ist auf Windows-Geräten die Geräteverschlüsselung aktiviert, erstellt Windows 10 automatisch einen BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel. Dieser wiederum wird automatisch auf dem OneDrive-Konto des Nutzers hinterlegt. Wer seine Daten also nicht über die Microsoft-Cloud absichern will, sollte einen anderen Weg wählen.

5. Weitergabe von Daten: Offenbar will es Microsoft ab sofort mit der Weitergabe von persönlichen Nutzerdaten relativ locker umgehen. In den neuen Datenschutzbestimmungen heißt es hierzu:

We will access, disclose and preserve personal data, including your content (such as the content of your emails, other private communications or files in private folders), when we have a good faith belief that doing so is necessary to protect our customers or enforce the terms governing the use of the services.

Inwiefern man sich als Nutzer auf den „guten Willen“ eines Unternehmens verlassen will, bleibt eher fraglich. Fest steht jedoch, dass man als Nutzer von Windows 10 ein gutes Stück Kontrolle über seine persönlichen Daten an den Softwarekonzern abtreten muss.

Entscheidungsfreiheit des Nutzers?

Auch in Sachen Entscheidungsfreiheit werden sich Nutzer mit Windows 10 auf einige Neuheiten einstellen müssen. Besonders harsche Kritik muss Microsoft diesbezüglich von Seiten des Firefox-Entwicklers Mozilla einstecken:

We are calling on Microsoft to “undo” its aggressive move to override user choice on Windows 10

Standard-Browser definieren

Konkret wirft Mozilla Microsoft vor, die Entscheidungsfreiheit von Nutzern mit dem Launch von Windows 10 grob beschnitten zu haben und kritisiert insbesondere den Upgrade-Prozess. Zwar sei es Nutzern technisch möglich, bisherige Einstellungen und Defaults in Sachen Online-Experience beim Upgrade auf Windows 10 beizubehalten, der Prozess sowie das aktuelle User Interface von Windows 10 mache das allerdings weder leichter noch offensichtlicher. Mozilla wendet sich daher mit dem klaren Appell an Microsoft, den Prozess neu auszurichten und es Nutzern zu erleichtern, vormals getroffene Einstellungen beizubehalten oder neue vorzunehmen. Für Mozilla ist die Lage allerdings scheinbar so ernst, dass man sogar ein Tutorial-Video auf YouTube gestellt hat, das genau erklärt, wie man den Default-Browser in Windows 10 ändert.

Ganz so dramatisch, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, sieht es mit der User-Choice in Windows 10 allerdings nicht aus. Zumindest nicht bei der Browser-Wahl: Zwar ist beim Upgrade auf Windows 10 zunächst Microsoft Edge als Standard-Browser festgelegt, aber auch hier bleibt Nutzern nach wie vor die Wahl, andere Browser wie beispielsweise Chrome oder Safari festzulegen. Das ist zugegebenermaßen jedoch nicht ganz so leicht wie zuvor. Denn mit Windows 10 wurde eine komplett neue Lösung eingeführt, Standard-Anwendungen festzulegen. Wie Jared Wein in seinem Beitrag „Default Browsers and Windows 10“ erläutert, gab es in vergangenen Windows-Versionen ein API, dass es Anwendungen erlaubt hat, sich als Default-Anwendung zu definieren. Nutzer konnten entsprechende Einstellungen mit nur einem Klick und ohne extra Aufwand bewerkstelligen. Wein zufolge funktioniere das API in Windows 10 nun nicht mehr. Will man im neuen OS einen Standard-Browser festlegen, bekomme man daher zunächst folgende Meldung angezeigt:

To chancge your default apps, go to settings -> System -> Default-Apps

Der Nutzer-Befehl wird also nicht direkt ausgeführt, sondern der User muss selbst alle weiteren Schritte vornehmen, um den Standard-Browser einzustellen. Auch wenn der Umstieg auf andere Browser so etwas erschwert wird, kommt man am Ende doch noch ans Ziel.

Automatic Updates

Weniger Entscheidungsfreiheit bleibt Nutzern hingegen in Sachen System-Updates, mit denen Windows 10 regelmäßig aktualisiert werden soll. Patches und sonstige Updates werden gleich nach Verfügbarkeit automatisch geladen und installiert. Der Update-Automatismus betrifft jedoch nur Anwender von Windows 10 Home, Anwender mit Windows 10 Pro sowie Windows 10 Enterprise können Einfluss darauf nehmen, wann Updates installiert werden, diese nicht gänzlich verhindern. Und ganz zum Nachteil der Nutzer sind die kontinuierlichen Aktualisierungen sicherlich nicht, schließlich kann so gewährleistet werden, dass das Betriebssystem immer auf dem neuesten Stand ist – gerade was die schnelle Installation von Sicherheitsupdates anbetrifft, ist das grundsätzlich zu empfehlen.

Kritik dürfte Microsoft hierfür trotzdem ernten, gerade weil es in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist, dass ein Patch schief gegangen ist oder Crashes verursacht hat. Es dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch für Windows-Home-Nutzer Mittel und Wege gibt, den Update-Prozess manuell zu steuern.

Aufmacherbild: father and son dogs spying behind wood fence von Shutterstock / Urheberrecht: Javier Brosch

 

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