Teil 1: Wissensmanagement in Theorie und Praxis

Wissen ist Macht
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Der IT-Fachmann muss mit ständigen Veränderungen, Neuerungen, einer Fülle von Informationen zurechtkommen. In kaum einer Branche ist die Halbwertzeit von Informationen und dem darauf aufbauenden Wissen so kurz. Daneben muss man über ein solides Grundlagenwissen verfügen, um seinen Beruf zu beherrschen und neue Informationen einzuordnen. Beide Bereiche gilt es, stetig zu pflegen. Das Schlagwort lautet Wissensmanagement.

Entwickler Magazin

Der Artikel „Wissen ist Macht“ von Veikko Krypczyk ist erstmalig erschienen im Entwickler Magazin 4.2011.

Nun, da saß ich gelegentlich auf der Basta, der nahezu perfekt organisierten Konferenz für Entwickler und Softwarearchitekten. Das Programmheft gestattete im Vorfeld eine sorgfältige Auswahl der Vorträge. Ich hatte mich für eine Mischung entschieden: Zum einen für diejenigen Vorträge, die mir ad hoc einen Mehrwert in der täglichen Programmierpraxis bringen und zum anderen einige Sessions, die den oft zitierten Blick über den Tellerrand zulassen würden. Bleistift und Papier auf dem Schoß und den Laptop neben mir, war ich auf alles vorbereitet. Dennoch, ich habe es so gemacht wie die meisten Teilnehmer, habe nicht viel notiert, nur Stichworte, habe die Vorträge der Referenten gehört und das Live-Coding bestaunt. Umfangreiche Mitschriften waren ja auch nicht notwendig, die meisten Speaker haben ihre Vortragsinhalte auf einer Webseite, einem Blog oder eben über die Konferenz-CD zur Verfügung gestellt.

Über einen Punkt habe ich mir dennoch Gedanken gemacht: die Vielfalt und Dichte der Informationen. Wer soll denn das alles behalten? Wer soll sich das alles merken? Das ist ja gar nicht notwendig, es steht überall. Die Frage ist nur: Wo und wie schnell finde ich es? Hier schließt sich der Kreis zu dieser zweiteiligen Artikelserie. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Wissen und im Konkreten nach der Verwaltung von Wissen. Einschlägig wird dafür der Begriff „Wissensmanagement“ gebraucht.

Softwareentwickler sind im besonderen Maße „Wissensarbeiter“. In kaum einer Branche ist die Halbwertzeit von Informationen und dem darauf aufbauenden Wissen so kurz. Daneben muss man über ein solides Grundlagenwissen verfügen, um seinen Beruf zu beherrschen und neue Informationen einzuordnen. Beide Bereiche gilt es stetig zu pflegen. Diese ist sowohl die Aufgabe des Einzelnen als auch der Organisation. Letztere hat natürlich auch ein originäres Interesse daran, dass der einzelne Entwickler über ein möglichst breites und einsatzbereites Wissen verfügt. Man ist sich heute einig, dass dafür einiges getan werden muss. Tools und Software können die Beteiligten unterstützen. Dazu ist jedoch eine Beschäftigung mit der Theorie notwendig.

Neben diesem direkten Eigennutzen der Kenntnisse um das Wissensmanagement, sozusagen als Werkzeug bei der Erleichterung der eigenen Arbeit bzw. der Arbeit der eigenen Unternehmung, gibt es noch eine andere Perspektive, die berücksichtigt werden muss. Daten, Informationen und letztendlich auch Wissen spielen eine immer größere Rolle in den Unternehmen und damit bei unseren Kunden. Der IT-Fachmann könnte zunehmend um Hilfe bei einer solchen Problemlage gefragt werden. Beispielsweise welche Software für den Aufbau eines Wissensmanagements vor dem speziellen Kontext geeignet erscheint. Ebenfalls könnte der Kunde die Entwicklung einer individuellen Software anstreben. In diesen Fällen sind Kenntnisse der Theorie des Wissensmanagements mehr als hilfreich.

Verstehen, was Wissen ist – Versuch einer Definition

Bevor man sich intensiver mit der Verwaltung von Wissen auseinandersetzt, ist zu klären, was unter Wissen zu verstehen ist. Wissen wird heute als die wichtigste Ressource in den Prozessen von Unternehmen und Organisationen aufgefasst. Dieses gilt im besonderen Maße für die Erstellung von Software. Software ist ein immaterielles Gut, das sich in ihren Eigenschaften in wesentlichen Punkten von anderen Gütern (z. B. von einem Automobil) unterscheidet. Eine besondere Eigenschaft ist, dass sich Wissen durch dessen Verwendung nicht verbraucht, sondern vermehrt (durch die Anwendung von Wissen zur Lösung eines bestimmten Problems entstehen neue Erfahrungen, die zur Erweiterung des Wissens führen). Eine eindeutige Definition des Terminus „Wissen“ ist nicht verfügbar. Dennoch ist eine Abgrenzung/Einordnung in Zeichen, Daten, Informationen und Wissen möglich (Abb. 1):

  • Zeichen: Hierbei handelt es sich lediglich um die einzelnen Zeichen, z. B. in alphanumerischer Syntax. Die Bedeutung oder Reihenfolge der einzelnen Zeichen spielt an dieser Stelle noch keine Rolle. Die Folge aus „EFAB65“ sind lediglich sechs alphanumerische Zeichen, ohne weiteren Bedeutungszusammenhang.
  • Daten: Werden die Zeichen in eine bestimmte Reihenfolge bzw. Syntax gebracht, so handelt es sich um Daten bzw. um einen Datensatz. Die eben genannte Zeichenkette könnte syntaktisch für ein zulässiges Kfz-Kennzeichnen (EF AB 63) stehen.
  • Information: Daten, die vor dem Hintergrund eines bestimmten Kontexts interpretiert werden, stellen Informationen dar. Informationen dienen dazu, einen Sachverhalt zu bewerten oder eine Entscheidung zu treffen. Diese Bewertung bzw. Entscheidung beruht jeweils auf dem Erfahrungshintergrund der jeweiligen Person.
  • Wissen: Informationen, die verarbeitet werden und zum Verständnis eines bestimmten Sachverhalts führen, werden als Wissen bezeichnet. Von besonderer Bedeutung ist die Abstraktion vom Einzelfall. Ziel ist es, zu allgemeingültigen Aussagen zu gelangen.
Abb. 1: Die Beziehung zwischen Zeichen, Daten, Informationen und Wissen (eigene Darstellung in Anlehnung an [1])

Themen der kommenden Seiten:

  • Arten von Wissen
  • Wissensträger
  • Informationsquellen für Entwickler
  • Kann man Wissen produzieren?
  • Und was hat das mit Programmieren zu tun?
  • Wissen verwalten – Wissensmanagement
  • Wissensbilanz
  • Wissensmanagement und Softwareentwicklung
  • Ausblick: Wissensmanagement in der Praxis
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