Datenbanken

Interview mit CTO und MongoDB Mitgründer Eliot Horowitz

MongoDB: Big Data und Datensicherheit im Fokus
Keine Kommentare

Der Datenbankspezialist MongoDB profitiert vom derzeitigen Big Data-Trend und punktet mit vielen neuen Produktinnovationen. Der Mitbegründer von MongoDB und CTO Eliot Horowitz beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen zur Produktstrategie und zum Umgang mit den zunehmenden Datenschutzaspekten.

Neben der dokumentenorientierten NoSQL-Datenbank MongoDB hat das Unternehmen MongoDB Inc. seit diesem Jahr auch Realm, den Hersteller einer mobilen Datenbank und Synchronisationsplattform, in seinem Portfolio. MongoDB lässt darüber hinaus mit bemerkenswerten Umsatzzahlen aufhorchen. Anlass genug, um den Mitbegründer und CTO von MongoDB Eliot Horowitz zu den neuesten Unternehmensentwicklungen zu befragen.

Entwickler: MongoDB wird zum 10-jährigen Jubiläum mit einem gigantischen Umsatzsprung und einer Kursexplosion auf den Aktienmärkten beschenkt. Was sind die Gründe für diese außerordentlich positive Entwicklung? Ist es eine Folge des weltweiten Big Data-Trends?

Horowitz: Derzeit gibt es weltweit zwischen 20 und 25 Millionen Softwareentwickler und die Anforderungen an neue Software haben sich geändert. Insbesondere die Entwicklung moderner Anwendungen hat wesentlich an Bedeutung gewonnen. Dabei spielt die Produktivität der Entwickler eine unglaublich wichtige Rolle, denn ihre Arbeitszeit ist viel teurer als die Hard- und Software. Der Erfolg oder Misserfolg ihres Unternehmens kann also davon abhängen, ob Sie Ihren Entwicklern gute Voraussetzungen für ein produktives Arbeiten bieten oder nicht. Daher konzentrieren wir uns bei MongoDB auf die Bedürfnisse von Softwareentwicklern und arbeiten kontinuierlich daran, ihnen die Arbeit mit Daten zu erleichtern. Kürzlich haben wir in diesem Zusammenhang Tools entwickelt, mit denen Entwickler zum Beispiel eine Volltextsuche in ihre Anwendungen einbauen und Daten mit MongoDB Charts einfach grafisch aufbereiten können. So können sie noch produktiver mit den Daten arbeiten.

Entwickler: Wie reagiert MongoDB auf die Entwicklungen im Bereich Serverless und Cloud? Wie sieht die zukünftige Plattform-Strategie von MongoDB bei AWS, Azure und Google Cloud aus?

Horowitz: Der große Vorteil von MongoDB ist, dass es überall eingesetzt werden kann: auf einem Laptop oder einem Mainframe, On-Premises oder in der Cloud und bei allen großen Cloud-Anbietern, darunter AWS, Azure und GCP, mit denen wir vor Kurzem eine neue Partnerschaft geschlossen und bekannt gegeben haben. Wir sind der Meinung, dass diese auf Partnerschaften beruhende Strategie ein Gewinn für alle beteiligten Parteien ist und insbesondere den Entwicklern bessere Datenplattformen bietet.

Zusätzlich haben wir es in den letzten Jahren unseren Anwendern viel einfacher gemacht, globale Cluster mit Knoten in verschiedenen Regionen einzurichten. Das verbessert die Verfügbarkeit und reduziert die Latenz.

MongoDB bietet nicht nur Auswertungsmöglichkeiten von Kundendaten an, sondern entwickelt fortlaufend neue Tools, die den Umgang mit Daten verbessern und erleichtern. Auf welche Innovation aus Ihrem Hause, sind Sie besonders stolz?

Horowitz: Auf unserer jüngsten Hauskonferenz MongoDB World haben wir zwei brandneue, spannende Produkte vorgestellt: die Volltextsuche und Data Lake. Textsuche in einer Anwendung einzubauen ist für fast alle Entwickler eine Herausforderung, denn es ist kein einfaches Unterfangen. Wir beschäftigen uns gern mit solchen Problemen und möchten Lösungen anbieten. MongoDB Atlas Volltextsuche ist jetzt in unserer allgemein verfügbaren Beta-Version enthalten. Damit stehen Entwicklern anspruchsvolle Funktionen für die Volltextsuche zur Verfügung, ohne dass sie zusätzliche Systeme oder Infrastrukturen bereitstellen, erlernen oder verwalten müssen.

Auf unserer jüngsten Hauskonferenz MongoDB World haben wir zwei brandneue, spannende Produkte vorgestellt: die Volltextsuche und Data Lake.

Ein weiteres großes Problem, dem wir uns angenommen haben, befasst sich mit den riesigen Datenmengen, die viele Unternehmen in S3 speichern. Wir bieten jetzt eine Lösung an, mit der diese Daten in Echtzeit durchsucht und genutzt werden können. MongoDB Atlas Data Lake ist ein Service, mit dem Anfragen in der MongoDB Query Language (MQL) direkt auf Daten in S3 anwenden können, ohne diese erst einlesen, vereinfachen oder in ein Schema anpassen zu müssen. Atlas Data Lake unterstützt direkte Anfragen an Daten in den Formaten JSON, BSON, CSV, TSV, Avro und Parquet. Wir erwarten, dass dieses Produkt die Art und Weise, wie wir Daten in S3 betrachten und nutzen, grundlegend ändern wird.

Ein drittes Produkt, auf das wir enorm stolz sind, ist MongoDB Charts. Charts ist eine extrem funktionsreiche und leistungsstarke Lösung, die die Daten in der Datenbank in Echtzeit in Diagrammen und Dashboards darstellen kann. So können Anwender sich leichter veranschaulichen, was diese Daten eigentlich aussagen und neue Entwicklungen in Echtzeit verfolgen. Wir sind gespannt, was unsere Developer-Community damit alles machen wird.

Entwickler: Big Data wird speziell in Europa teilweise sehr kritisch gesehen. Welche Initiativen unternimmt Ihr Unternehmen, um für eine größtmögliche Datensicherheit bei den Kunden und Usern zu sorgen?

Horowitz: In den letzten Jahren sind wir verstärkt mit verschiedenen Ansätzen an das Thema Datensicherheit und den Datenschutz rangegangen: Die Sicherheitsfunktionen von MongoDB Atlas gehören zu den stärksten der Branche. Zumal erleichtern sichere Standardeinstellungen die Deployment-Entscheidung bei der Einrichtung. Darüber hinaus ist MongoDB nach verschiedenen Standards zertifiziert, darunter SOC 2 Typ 2, HIPAA und ISO 27001. In Kürze wird PCI dazukommen. Dennoch wird es immer streng vertrauliche Daten geben, die einfach nicht in eine Database-as-a-Service-Lösung gehören. Das wissen wir nur zu gut. Deshalb haben wir eine Methode entwickelt, mit der Entwickler dafür sorgen können, dass diese privaten Daten auch privat bleiben.

Ab MongoDB 4.2 können Entwickler vertrauliche Daten schon auf clientseitig verschlüsseln und dabei auf Feldebene entscheiden, was verschlüsselt werden soll. Das Feature heißt „Field Level Encryption“ (FLE). Der MongoDB-Treiber verschlüsselt die Daten, bevor sie den Treiber verlassen und entschlüsselt sie erst, wenn sie wieder beim Treiber ankommen. Die Daten gelangen also nie unverschlüsselt in die Datenbank.

Entwickler: Was können wir von MongoDB noch in diesem Jahr an innovativen Neuigkeiten erwarten?

Horowitz: MongoDB Atlas Volltextsuche und MongoDB Data Lake sind jetzt in der allgemein verfügbaren Beta-Version enthalten. Noch nicht verfügbar ist MongoDB Realm. Daran werden wir in den nächsten 12 Monaten intensiv arbeiten. Wir wollen die wichtigsten Stärken von MongoDB in die Datenbank von Realm bringen und sie gleichzeitig durch neue Funktionen erweitern, darunter anspruchsvollere Anfragen sowie Unterstützung für unstrukturierte Daten und zusätzliche Plattformen. Auch damit verfolgen wir das Ziel, die Anwendungsentwicklung leichter zu machen als je zuvor.

Ein Bereich, auf den wir uns in diesem Zusammenhang konzentrieren werden, ist die Synchronisierung. Daten müssen synchronisiert werden. Jeder wird es kennen, wenn die Daten auf verschiedenen Geräten oder an verschiedenen Standorten nicht miteinander synchronisiert sind, kann das ziemlich frustrierend sein. Doch die wirklich schwere Aufgabe haben die Entwickler: Denn die Daten fortlaufend zu synchronisieren und dafür zu sorgen, dass Nutzer immer und von allen Geräten aus dieselbe Sicht auf die Daten haben, das ist die Herausforderung. Wenn wir Entwicklern diese Aufgabe abnehmen können, werden wir ihnen die Arbeit damit erheblich erleichtern und ihnen helfen, ihren Nutzern bessere Anwendungen anbieten zu können.

Entwickler: Vielen Dank für dieses Interview!

Eliot Horowitz ist CTO und Mitgründer von MongoDB. 2007 begann er den Basiscode für MongoDB zu schreiben und baute anschließend das Entwickler- und Produkt-Team auf. Heute leitet Eliot Horowitz diese Teams und treibt weiterhin die technologischen Innovationen bei MongoDB voran.
Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -