JavaScript, Ruby oder doch lieber Python?

Programmiersprachen für Anfänger: Eine Frage des Geschmacks
Kommentare

Welche Programmiersprache habt ihr zuerst gelernt? Die Auswahl an Sprachen ist unglaublich groß und kann für Anfänger sehr unübersichtlich sein. Darum haben wir mal einen Blick auf die verschiedenen Tipps geworfen, die sich im Web für Einsteiger in die Programmierung finden lassen.

Auf wie viele Arten kann man das gleiche Programm schreiben? Die Website „99 Bottles of Beer“ hat bislang 1.500 Wege veröffentlicht: In verschiedenen Sprachen, mit zahlreichen Frameworks und Libraries und somit auch auf diversen Wegen in der gleichen Sprachen demonstriert sie, wie groß die Optionenvielfalt innerhalb der Programmierung ist. Dabei zeigt die Seite gleich noch etwas anderes auf: Am Ende ist es fast egal, welche Sprache man denn nun lernt. Auf die eine oder andere Weise lassen sich mit so gut wie allen Sprachen die gleichen Ergebnisse erzielen. Das ist nur eine Frage der Kreativität und des Aufwands.

Welche Programmiersprache? Welche Zielsetzung?

Ganz unwichtig ist die Auswahl der richtigen Programmiersprache für Anfänger dann aber doch nicht. Immerhin hat wohl jeder, der programmieren lernen möchte, ein Ziel vor Augen. Frontend oder Backend? Datenbanken oder Apps? Wer hauptberuflich in die Programmierung einsteigen möchte, sollte natürlich am besten von allem etwas können. Aber auch Rund-um-Profis müssen ja irgendwo anfangen. Und dazu sollte es dann doch eine möglichst einfache Sprache sein, oder?

Das ist leichter gesagt als getan. Hier gleichen sich Programmiersprachen und natürliche Sprachen nämlich. Es gibt nur wenige objektiv leichte Sprachen, egal, wohin man schaut. Natürlich ist das Finnische mit seinen 15 Fällen komplexer als das Schwedische, das nur noch den Nominativ und gelegentlich den Genitiv verwendet. Dennoch kommt es sehr auf die Motivation des Schülers an, wie schwer ihm das Erlernen des Finnischen fällt. Wer nach Finnland auswandern möchte, wird wohl trotz des leichteren Kasus-Systems wenig Motivation verspüren, Schwedisch statt Finnisch zu erlernen (wobei regionale Ausnahmen in Form der schwedischsprachigen Regionen Finnlands diese Regel natürlich bestätigen, nicht widerlegen).

Leichte Programmiersprachen?

Schauen wir uns nun einmal Python an, das als besonders leichte Programmiersprache gilt. Im Jahr 2014 war Python die am häufigsten unterrichtete Sprache in Programmierkursen für Anfänger an US-Universitäten; die Syntax gilt als wirklich einfach lesbar und gut verständlich. So kann „Hello World!“ tatsächlich über die Eingabe von

print "Hello World!"

ausgegeben werden! Das klingt doch nach einer guten Wahl für Anfänger.

Allerdings ist diese Funktion auch in JavaScript nicht viel schwerer umzusetzen:

<script language="JavaScript" type="text/javascript">
// Hello World in JavaScript
document.write('Hello World');
</script>

Und das gilt für die allermeisten Sprachen, wie die „Hello World Collection“ beweist. Einfache Funktionen sind leicht zu realisieren und schnell erlernbar; in jeder Sprache gibt es jenseits davon allerdings ganz eigene Komplexitäten zu bewältigen. Um mit Python beispielsweise Webentwicklung zu betreiben, muss ein zusätzliches Framework erlernt werden. Ohne Django oder eine vergleichbare Ergänzung kann die Sprache nicht fürs Web verwendet werden, während JavaScript nur mit Node.js für das Backend nutzbar ist.

Die Auswahl eingrenzen

Das engt die Auswahl an Programmiersprachen für Anfänger schon mal deutlich ein. Trotzdem bleiben noch eine ganze Menge Sprachen übrig. Wer sich für Webentwicklung interessiert, muss beispielsweise erst einmal mit den Basics HTML und CSS beginnen; auch JavaScript darf natürlich im Web-Development nicht fehlen. JavaScript wird allerdings, je nach Quelle, mal als leichte und mal als relativ schwer zu erlernende Programmiersprache bezeichnet – ob sie also als erste Wahl für den Einstieg in die Webentwicklung geeignet ist, hängt von der Perspektive des jeweiligen Entwicklers ab.

Langfristig kommt man natürlich nicht daran vorbei, JavaScript zu erlernen, wenn man Code für den Browser schreiben will. Trotzdem könnte es sein, dass der Einstieg in diese Welt mit einer anderen Sprache leichter fällt. So berichten Entwickler wohl immer wieder darüber, dass ihnen die Arbeit mit Ruby on Rails Spaß macht. Und was Spaß macht, lässt sich leicht erlernen!

Umstrittenes Thema

Damit sind wir jedoch gleich wieder im Backend angelangt – und auch Ruby ist nicht unumstritten, wenn es um die Wahl der Erstsprache geht. So hat Chris Ward die Erfahrung gemacht, dass sich Anfänger schwer mit den vielen Shortcuts tun, die Ruby on Rails mitbringt. Dadurch bleibt nämlich verborgen, was genau passiert, wenn eine bestimmte Zeile Code ausgeführt wird, sagt Ward. Und genau das erschwert Schülern den Zugang zum Code. print als Codezeile in Python ist da doch aussagekräftiger.

Die Frage nach der richtigen Programmiersprache für Anfänger hat jedoch noch einige weitere Dimensionen: Sprachen mit einer guten Community, die Anfängern weiterhilft, sind eine bessere Wahl als solche, bei denen es nur wenig Hilfe für den Einstieg gibt. Anfragen zu PHP werden auf StackOverflow zum Beispiel deutlich seltener innerhalb der ersten 30 Tage beantwortet als solche zu C. Das würde also für C sprechen.

Die Verbreitung und das liebe Geld

Auch einen Blick auf GitHub zu werfen lohnt sich bei der Auswahl der richtigen Programmiersprache. Immerhin lässt sich über die Mitarbeit an Open Source Projekten viel lernen; auch bei der Arbeit an eigenen Projekten hilft es aber enorm weiter, eine große Auswahl an Open-Source-Tools zur Verfügung zu haben. So lassen sich viele komplexere Probleme lösen, ohne jede Codezeile von Hand schreiben zu müssen. Hier liegt JavaScript eindeutig in Führung, dicht gefolgt von Java.

Und dann ist da noch das Gehalt … Wer viel Geld in der Branche verdienen möchte, sollte natürlich am besten eine Stelle als CTO anstreben. Aber das liegt ja nicht jedem. Wer lieber Code schreiben möchte und Wert darauf legt, von Anfang an richtig gut zu verdienen, sollte sich an Java versuchen. Die Sprache ist zwar berüchtigt für ihren Spaghetti-Code und alles andere als leicht zu erlernen, am Ende kann sich der Aufwand aber auszahlen: Während ein Berufsanfänger im vergangenen Jahr mit PHP zwischen 36.000 und 43.000 Euro verdiente, lag die Gehaltsspanne bei Java zwischen 41.500 und 48.500 Euro. Und auch PHP ist nicht die leichteste Sprache für Anfänger.

Erfolg als Antrieb nutzen!

Insgesamt lässt sich also keine einzelne Programmiersprache benennen, die jeder Anfänger lernen sollte. Es lassen sich zu den allermeisten Sprachen Argumente finden, die dafür oder dagegen sprechen, sie als erste Sprache zu erlernen. Die Kommentare zum Artikel von Chris Ward zeigen außerdem, dass die Entwickler-Karriere sich nicht um die erste Sprache drehen muss. So äußern mehrere Kommentatoren dort, dass sie zuerst eine Sprache gelernt haben, die ihnen das Konzept der Programmierung aufzeigte, und erst später eine Sprache fanden, auf die sie ihre Karriere aufgebaut haben.

Insofern ist der beste Tipp, den man Anfängern in Sachen Programmierung mit auf den Weg geben kann, vielleicht der, sich etwas zu suchen, woran man Spaß hat und von Anfang an eigene kleine Projekte zu bearbeiten. So stellen sich schnell Erfolge ein, die dazu führen, dass das Lernen dauerhaft gut gelingt.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -