Wie schlägt sich die finale Version des Virtual Reality-Vorreiters?

VR Hype – wird die Oculus Rift den Erwartungen gerecht?
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Nach vier Jahren Entwicklungszeit erreicht eines der wohl am meisten gehypten Tech-Produkte der letzten Zeit die Nutzer: die VR-Brille Oculus Rift. Lange ist Virtual Reality für den privaten Gebrauch eher ein Element der Science Fiction geblieben. Versuche, entsprechende Produkte reell umzusetzen, sind teils grandios gescheitert. Die Oculus Rift soll nun ein neues Zeitalter einläuten. Doch wie schlägt sich das VR-Gadget in seiner finalen Version wirklich? Die Kritiken fallen bislang positiv aus. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber doch.

Ein fulminanter Start war das nicht. Schon kurz nach dem Stichtag der Auslieferung wurden Berichte von Nutzern publik, die vergeblich auf ihre vorbestellte Oculus Rift warteten. Der zu Facebook gehörende Hersteller Oculus erklärt die Verzögerungen mit einem unerwarteten Engpass bei einigen Fertigungsteilen für das VR-Produkt. Das erklärt allerdings nicht, warum das Unternehmen seine Kunden bis kurz vor Auslieferungstermin darüber im Unklaren ließ. Immerhin sollen Vorbestellern jetzt die Versandkosten erlassen werden.

Datenschutz

Kaum war diese peinliche Episode vorüber, rollte schon die nächste Welle der Kritik an. Wie auf Reddit berichtet wurde, wird beim Start des VR-Headsets ein im Hintergrund laufender Service aktiviert, der laufend mit den Servern von Facebook verbunden ist und anscheinend Daten des Brillenträgers übermittelt. Dazu gehören Körpermaße und –bewegungen während der Nutzung, gespeicherte Spiele, Inhalte und Apps sowie der Standort des Users.

Die gesammelten Informationen können den Datenschutzrichtlinien des Unternehmens zufolge auch Dritten zugänglich gemacht werden. Grund dafür dürfte wohl personalisierte Werbung, aber auch die zukünftige Entwicklung von Chat-Anwendungen sein. Bei Facebooks zweifelhafter Reputation, was den Umgang mit Userdaten angeht, dürfte Vorsicht dennoch angebracht sein.

Oculus Rift im Praxistest

Aber wie schlägt sich die Oculus Rift nun in der Praxis? Neben der Ästhetik des Geräts wird vor allem Ergonomie und Komfort der VR-Brille – auch für Träger analoger Brillen – nahezu durchweg gelobt. Das Tragegefühl selbst soll dank des geringen und geschickt ausbalancierten Gewichts (470 Gramm für diverse Sensoren, Kopfhörer, Linsen und zwei Displays) und guter Anpassbarkeit auch bei längeren Sessions durchweg angenehm bleiben. Zusammen mit den Kopfhörern, deren Qualität etwa von Wired-Autor Peter Rubin hervorgehoben wird, trage das maßgeblich zur immersiven Qualität des VR-Erlebnisses bei.

Oculus-Rift-Seitenansicht

460 Gramm schwer und 599 US-Dollar teuer: die Oculus Rift wird seit 28. März an Vorbesteller ausgeliefertt (© Oculus).

In dessen Zentrum steht aber natürlich die Optik, d.h. die Bildschirme, die ebenfalls auf äußerst positive Resonanz stoßen. Das Bild laufe bei 90 Wiederholungen pro Sekunde äußerst flüssig und sei klar und scharf, was sowohl Übelkeit und Schwindel vorbeugen als auch das Eintauchen in die virtuelle Welt erleichtern soll. „The illusion works“, fasst Ben Kuchera sein VR-Erlebnis zusammen. Die meisten Kritiker sind sich einig, dass die Brille unter diesen Gesichtspunkten den hochgesteckten Erwartungen gerecht wird.

Grenzen von Hard- und Software

Das ansonsten gelungene VR-Erlebnis wird jedoch davon sabotiert, dass die Oculus Rift per Kabel permanent an einen PC angebunden sein muss. Dieses ist mit vier Metern reichlich kurz bemessen und eine Stolperfalle. Bewegungen des Trägers werden mit einer Infarotsensor in 3D registiert; wer dessen Aufnahmebereich verlässt, „fällt“ aus der virtuellen Welt. In dieser bewegt man sich allerdings via Keyboard oder X-Box-Controller. Auch Berührungen sind derzeit noch nicht möglich, dafür braucht es den im Laufe des Jahres erscheinenden Handbewegungskontroller Oculus Touch.

Die aktuell verfügbare Software verlangt dementsprechend vom User meist wenig mehr denn Sitzen oder Stehen. Ob man den mit 600 US-Dollar recht hoch veranschlagten Preis für das bislang auf 30 Spiele begrenzte Softwareangebot zahlen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Beachten sollte man aber, dass es für den einwandfreien Betrieb der Oculus Rift noch einen High-End-Gaming-PC braucht, für den man zusätzlich ca. 1.000 Euro investieren müsste.

Hat man sich aber für den Kauf entschieden, muss noch das Setup gemeistert werden. Zwar berichtet Geoffrey Fowler in seiner insgesamt eher negativen Review von Schwierigkeiten mit dem Infarotsensor, die meisten Kritiken urteilen aber tendenziell positiv. Der Setupprozess, ebenso wie die Kalibrierung soll flüssig von der Hand gehen. Die Menüführung innerhalb der VR sei darüber hinaus instruktiv gestaltet.

Fazit

Ist die Zukunft also endlich in der Gegenwart angekommen? Wohl noch nicht ganz, aber wir können ihre Konturen deutlich erkennen und die sehen äußerst vielversprechend aus. Für die meisten User, insbesondere die Nicht-Gamer unter ihnen, dürfte sich die Oculus Rift zwar noch nicht lohnen, aber man darf gespannt auf die kommenden Entwicklungen warten. Für die Etablierung von VR-Geräten im Mainstream-Bereich ist das Erscheinen der Oculus Rift jedenfalls ein riesiger Schritt vorwärts.

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