Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Paula Landes

Women in Tech – „Das Leben ist kein Ponyhof“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Paula Landes, Kommunikations- und PR-Beraterin.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Paula Landes

Heute erzählt uns Paula Landes,Kommunikations- und PR-Beraterin sowie Inhaberin von Mocial Sedia, Parketing & MR, ihre Geschichte. Die gelernte Außenhandelskauffrau für Medizintechnik studierte Literatur, Kunst, Medien und Wirtschaft (BA), sowie Kulturwissenschaft (MA) mit einem Schwerpunkt auf Medien und Film in Konstanz und Delhi, Indien. Die Referentin für PR und Social Media, schreibt auch für den Südkurier und leitet seit 2012 das Quartier Rhein-Main der Digital Media Women e.V. 2013 hat sich Paula selbstständig gemacht und bietet ihren Kunden seitdem Support in Sachen Social Media, Marketing und PR. Kein klassischer Techie-Beruf, aber lest selbst.

© Angelina Schweers, Das Fotoartelier

© Angelina Schweers, Das Fotoartelier

Für Paula definiert sich Tech aus allem, was netzbasiert ist. Bereits 2004 hatte sie ihr erstes Blog. Allerdings war der Weg zu ihrem heutigen Job dann doch nicht so geradlinig:

Vermutlich habe ich mir selber gelegentlich Steine in den Weg gelegt, aber Fehler zu machen halte ich für extrem wichtig. Denn nur aus eigenen Fehlern lernt man – wenn man nur auf Ratschläge hört und keine eigenen Strategien zur Problemlösung hat, steht man früher oder später dumm da. Daher lieber früher viele Fehler machen, Dinge ausprobieren, mutig sein. Wie man im Design Thinking sagt: “Fail early and often”.

Für mich gab es diverse Situationen, in denen ich einfach nur konstatieren konnte, dass ich jetzt eben noch etwas kenne, das ich nicht tun möchte. Also fand eine fortlaufende Reduktion meiner Möglichkeiten statt – rückblickend könnte man vielleicht sagen, dass die Selbstständigkeit eindeutig der Weg für mich ist und man das auch schon ablesen konnte – aber hey, Captain Hindsight.

Heute bin ich selbstständig und biete für meine Kunden eine Vielfalt an Wegen auf die digitale Bühne an – vorher war Abitur, Uni, Ausbildung und eine schwierige Orientierungsphase.

Fail early and often.

Das Berufsbild, in dem ich heute aktiv bin, gab es zur Zeit meines Abiturs noch gar nicht. Hätte ich gewusst, was die Zukunft bringt, hätte ich mir vielleicht einige Umwege sparen können – aber andersrum habe ich so eine Vielfalt von Erfahrungen machen und meine Grenzen austesten können. Der Weg ist das Ziel!

Genau dieses Motto spiegelt sich auch in Paulas gesamter Einstellung zum Leben und zur Arbeit wider:

Ich bin meine Religion, ich glaube nur an mich und an sonst nichts. Es gibt viele Frauen, die ich bewundernswert finde und die tolle Dinge leisten – viele davon sind wie ich bei den Digital Media Women e.V. engagiert, arbeiten, haben eine Familie und sind nicht schüchtern sich und ihr Wirken auch publik zu machen.

Mein offizieller Titel ist Galactic President Superstar McAwesomeville bei Mocial Sedia, Parketing & MR – und genauso sieht mein Arbeitsalltag auch aus. Ich mache einen Haufen Dinge, die mir Freude machen: Texte schreiben, Grafiken und Logos erstellen, Content-Entwicklung, Community Management, Webseitenadministration, Strategien formulieren, Seminare halten. Dabei teile ich meine Zeit frei ein und mache meine Kunden sehr glücklich: für Startups, kleine und mittelständische Unternehmen liefere ich genau den Support in Sachen Social Media, Marketing und PR, der gerade gebraucht wird.

Allerdings ist nicht jeder so selbstbewusst wie Paula, weshalb es vielen Frauen oft schwerfällt, sich gerade in der Tech-Branche durchzubeißen. Vor allem gezielte Förderung fehlt viel zu oft.

Aus meiner Sicht fängt das Diversity-Problem schon in der Schule, wenn nicht noch früher, an. Vielleicht ist das auch heute besser, aber die Informatik-AG an meiner Schule war keine Option – und dass es einen Zusammenhang zwischen Mathe und Informatik gibt, habe ich auch erst viel später gemerkt. Den Großteil meiner Tech-Kenntnisse habe ich mir irgendwie selber beigebracht, durch Ausprobieren und Tüfteln – aber es wäre auch ok gewesen, wenn ich Ansprechpartner gehabt hätte. Vielleicht wäre meine Studienwahl dann in eine andere Richtung gegangen und ich hätte zumindest im Nebenfach Informatik dazu genommen.

Oft merke ich auch heute noch auf Konferenzen, dass Frauen in bestimmten Themenfeldern unterrepräsentiert sind – aus verschiedensten Gründen: Sie werden nicht eingeladen, sie trauen sich nicht auf die Bühne oder es gibt „scheinbar“ keine Frau, die zu diesem Thema was sagen könnte. Initiativen wie speakerinnen.org oder die Speakerinnen-Datenbank der Digital Media Women e.V. helfen hier gerne.

Aber warum ist es denn überhaupt so wichtig, dass mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten? Paula hat eine klare Meinung dazu:

Generell ist Heterogenität bzw. Diversität innerhalb eines jeden Teams von Vorteil, da sich so der Grad der Kreativität und der Standpunkte erhöht. Es gibt Berge von Studien, die belegen, dass gemischte Teams erfolgreicher sind als einheitliche. Der Bereich Tech/IT/Data ist eine zukunftsgerichtete Branche, in der immer noch ein immenses Potential liegt – und durch moderne Arbeits- und Familienmodelle stehen uns allen Möglichkeiten offen, Vorteile aus dem digitalen Wandel zu ziehen.

Laut einer aktuellen Studie dauert es noch 170 Jahre bis zur Gleichberechtigung – und ich dachte eigentlich, dass meine Mutter diesen Kampf schon ausreichend bestritten hätte. Ich wuchs in dem naiven Glauben auf, dass das Engagement meiner Eltern für Gleichberechtigung, Frieden, Umweltschutz, etc. eigentlich schon genug war. Immerhin ist die Mauer gefallen, wir hatten mal einen grünen Außenminister und sowohl meine Mutter als auch meine Großmutter waren berufstätig, mein Vater hat Elternzeit genommen.

Die Dinge ändern sich nur sehr langsam, viel zu langsam.

Aber ich merke immer wieder, dass diese Themen nicht an Aktualität verlieren und mich auch persönlich betreffen. Es ermüdet mich in gewisser Weise.

Aber die Dinge ändern sich nur sehr langsam, viel zu langsam. Warum muss ich als Mutter verheiratet sein, um Steuervorteile zu haben? Warum nimmt kaum ein Mann mehr als die zwei Standardmonate Elternzeit? Warum nehmen so viele Frauen gerne die Rolle der Mutter ein und hören auf zu arbeiten, auch wenn sie vorher extrem ehrgeizig und karriereorientiert waren?

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen und auch keine Patentlösungen – aber ich versuche Vorbild für meine Tochter zu sein und vielleicht auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, auf Bühnen zu stehen und Frauen bei der Entscheidungsfindung zu helfen und ihnen Mut zu machen. Aber es geht nicht alleine – Männer und Frauen müssen gemeinsam eine Welt wollen, in der auf Augenhöhe ein Dialog stattfindet, der nicht nach dem Panel endet, sondern auch aktiv gelebt wird.

Damit das möglichst schnell Wirklichkeit und die Diversity-Debatte noch schneller Geschichte wird, hat Paula ein paar Tipps auf Lager:

Das Leben ist kein Ponyhof – es macht Sinn, sich zu informieren und Dinge auszuprobieren. Aus jedem Fehler kann man lernen – über die Sache, über sich selbst, über die Welt.

Geht los und macht euer Ding, lasst euch nicht reinreden, seid mutig, netzwerkt, wo ihr nur könnt, verbündet euch, kriegt Kinder, lest Bücher, hinterfragt die Dinge, macht einen Plan, werft ihn über den Haufen, seid neugierig, geht ins Ausland, lernt Sprachen, macht eine Ausbildung, geht zur Uni, gründet ein Startup, fahrt es an die Wand oder verkauft es, lernt Kulturen kennen, lernt programmieren, seid offen, folgt mir auf Twitter!


Wie sind eure Erfahrungen als Frauen in der Tech-Branche? Und wie seht ihr Männer das – fehlen euch qualifizierte Frauen als Kollegen? Schickt uns eure Erfahrungen, Meinungen, Wünsche per Mail an redaktion@entwickler.de!

Women in Tech

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