Fragen und Antworten rund um Angular im Enterprise-Einsatz

Angular im Unternehmensalltag [Interview]
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Das Angular-Team hat seine Releasepolitik umgestellt – doch welche Auswirkungen hat das auf Enterprise-Anwendungen?

Das Team hinter dem Enterprise-ready JavaScript-Framework Angular hat vor kurzem umfangreiche Änderungen im Releasezyklus von Angular bekannt gegeben – so soll nun zweimal im Jahr ein neues Major-Release veröffentlicht werden. Das spricht für Kontinuität, aber auch für das eine oder andere Stirnrunzeln in großen Unternehmen.

Denn wie soll man mit einer solchen Release-Strategie umgehen, wenn zwei Mal im Jahr die Chance besteht, dass eine geschäftskritische Applikation nach einem Update der zugrundeliegenden Technologie womöglich ihren Dienst versagt?

Fragen rund um Angular

Im Vorfeld der vom 20. bis 22. März stattfindenden Angular Days 2017 haben wir mit dem für das Programm verantwortlichen Program Chair, Christian Weyer, über dieses und weitere Themen aus dem Angular-Kosmos gesprochen. Viel Spaß bei spannenden Ein- und Ausblicken.


Christian, zweimal im Jahr soll nun ein Major Release von Angular veröffentlicht werden. Wie bewertest du diesen Schritt auf Sicht von Enterprise-Usern?

Christian Weyer: Auf den ersten Blick scheint es etwas angsteinflößend für Unternehmen, dass nun bis zu zwei Mal im Jahr neue große Releases mit potentiellen Breaking Changes kommen. Allerdings wird Google versuchen, die Breaking Changes „im Zaum zu halten“, um wenig Schmerzen zu verursachen. Vor allem sollte man keine Furcht haben, wenn nach Angular 2 dann auf einmal Angular 4 kommt und im gleichen Jahr dann noch Angular 5. Das Team nutzt hier semantische Versionierung (SemVer – ein berühmtes Beispiel hierfür ist sicherlich Google Chrome. Hier stehen wir bei … 58, oder? 😉 ) für die Vergabe von Versionsnummern – alles gut, also!

Die neue Plattform wurde als Angular 2 eingeführt und bekannt. Alle weiteren Major Releases sind nun keine neuen Frameworks mehr (wie der massive Schritt eines kompletten Rewrites von AngularJS zu Angular 2), sondern einfach nur neue Versionen mit neuen Features.

Eine neue Major-Version wird bspw. Notwendig, wenn eine interne Bibliothek oder Abhängigkeit in einer neuen Version eingesetzt wird. Wie etwa der Schritt von TypeScript 1.8.x auf TypeScript 2.x. Zu guter Letzt plant Google ein Tool zur Verfügung zu stellen, welches die Migration stark vereinfacht. Dieses Werkzeug setzt Google auch intern in seinen Projekten ein.

Christian Weyer

Christian WeyerChristian Weyer ist Gründer und Vorstand der Thinktecture AG sowie Google GDE (Developer Expert) und Microsoft MVP (Most Valuable Professional). Er spricht seit knapp zwei Dekaden auf unterschiedlichsten Softwarekonferenzen und -events weltweit – mit Leidenschaft und Engagement.

Was sind in deinen Augen weitere Highlights der kommenden Versionen?

Christian: In der Tat freue ich mich am meisten auf das Tooling rund um Angular herum. Visual Studio Code bspw. wird mit den richtigen Plug-ins immer besser benutzbar, WebStorm ist schon extrem stark in der produktiven Unterstützung des Entwicklers und .NET-Entwickler fühlen sich sofort wohl und heimelig mit IntelliSense, Refactoring & Co.

Die Angular CLI zum Starten und Erweitern von Projekten scheint sehr vielversprechend zu sein, muss sich aber im Projekteinsatz erst noch bewähren, wie ich meine. Einige Komponentenhersteller bringen komplett in Angular geschriebene Frameworks und Komponentenbibliotheken, die nicht einfach nur ein Wrapper um ihre „alten“ jQuery-Konstrukte sind.

Nicht zu vergessen sind auch die Tools und Entwicklungen rund um diese Tools, die Angular noch breiter aufstellen: echte native Apps mit NativeScript, hybride mobile Apps mit Cordova und Ionic oder Desktop-Anwendungen mit Electron. Das gesamte Ökosystem rund um Angular ist somit vielleicht am spannendsten – im Vergleich zu einzelnen Features die in den künftigen Angular-Versionen kommen werden oder kommen sollen.

Die Einführung von Angular 2 wurde von vielen als etwas holprig wahrgenommen, was vor allem an den Unklarheiten bezüglich der Migration von AngularJS auf Angular 2 lag. Wie steht es deiner Erfahrung nach um die Akzeptanz des Frameworks?

Christian: Unternehmenskunden finden Angular prima, da es sehr stark an die gewohnten Umgebungen aus entweder dem Java- oder dem .NET-Umfeld erinnert – ohne aber deren Altlasten mitzubringen. Der Umstieg aus einer C#- oder Java-Welt nach TypeScript und Angular ist sehr „natürlich“, plus die gegebenen Vorteile eines SPA-Frameworks, das im Browser läuft.

Wie wichtig ist es für Unternehmen und Projekte, Applikationen auf Angular 2 oder höher zu migrieren? Oder sind die neuen Versionen in erster Linie für neue Applikationen interessant?

Christian: Existierende AngularJS-Anwendungen auf Angular ab Version 2 zu migrieren ergibt vermutlich nicht oft wirklich Sinn. Auch AngularJS 1.x wird noch weiterentwickelt und gepflegt. Daher bin ich tatsächlich der Meinung, dass Angular 2+ vor allem für neue Projekte von Interesse ist. Wenn man dann Angular (ab Version 2) im Einsatz hat, dann sollte man sich v.a. die Major-Releases genau anschauen, ob sie notwendig sind und welchen Aufwand eine Anpassung bedeuten würde.

Angular Days 2017Vom 20. – 22. März präsentieren die Entwickler Akademie und das Entwickler Magazin die nächsten Angular Days in München. Entwickler und Softwarearchitekten erhalten in 12 halbtägigen Workshops einen stimmigen und ganzheitlichen Einblick in die Welt von Angular.

Als Program Chair der Angular Days hast du aktiv an der Programmgestaltung mitgewirkt. Was willst du den Besuchern mit dem dreitägigen Programm mitgeben?

Christian: Eines der Ziele bei der Planung und der Auswahl der Themen war, dass man Angular tatsächlich als potente Plattform für Web- und Cross-Plattform-Anwendungen „sieht“. So gibt es neben den natürlich notwendigen Grundlagen-Workshops – Angular Basics, TypeScript und Reactive Programming – auch Sessions zu Ionic, NativeScript, Cordova, Electron und Progressive Web Apps. Angular als Basis für eine ganze Bandbreite unterschiedliche Client-Software, für unterschiedliche Zielgruppen und auch unterschiedliche Use Cases.

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