Mehr Frauen für die Tech-Branche

Women in Tech: Auseinandersetzung mit dem Unconscious Bias im Sommercamp von moinworld e. V.
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Um mehr Frauen für Tech-Berufe zu begeistern, bietet moinworld e. V. verschiedene Arten von Veranstaltungen an. Im Sommercamp für Abiturientinnen ging es in diesem Jahr um den Unconscious Bias.

Wenn bei dem Begriff „Data Scientist“ automatisch ein Mann vor dem inneren Auge erscheint, eine Frau regelmäßig für die Assistentin anstatt für die Geschäftsführerin gehalten wird oder eine Schülerin von Gleichaltrigen hört, Informatik sei eher was für Jungs, dann ist der sogenannte „Unconscious Bias“ am Werk. Unser Gehirn nimmt gern Abkürzungen, auch wenn es um die Einschätzung von Menschen geht. Das macht weniger Arbeit, ist aber für unsere Interaktionen und Entscheidungen verheerend, denn es sind keine Fakten, sondern durch unser Umfeld erlernte Stereotype und Vorurteile, derer wir uns unbewusst bedienen um Menschen zu beurteilen. Unter anderem an diesen Denkfehlern kann es liegen, dass Frauen in der deutschen IT-Welt stark unterrepräsentiert sind.

„Neben fehlenden weiblichen Vorbildern sind unbewusste Vorurteile und Geschlechterstereotype einer der Hauptgründe dafür, dass wir Frauen in der IT in der Unterzahl sehen“, meint auch Anja Schumann, CEO und Gründerin der Non-Profit Organisation moinworld e.V. Der gemeinnützige Verein aus Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, den weiblichen Anteil von Software-Entwicklerinnen und Managerinnen im Bereich der Informationstechnologie auf 50 Prozent zu erhöhen. Dafür bietet der Verein Programmierkurse und Veranstaltungen für Frauen und Mädchen an, unter anderem ein Sommercamp für Abiturientinnen, um diese für IT-Berufe zu begeistern.

Das diesjährige virtuelle Sommercamp stand ganz unter dem Zeichen des Unconscious Bias. Mit der Idee für dieses Format überzeugte der Verein 2019 bereits die Jury des IDEA-Preises, dem Preis der Stadt Hamburg für Digitale Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit. „Unconscious Bias schleicht sich schon im Kindesalter in unsere Denkmuster ein. Je früher wir diese Denkmuster hinterfragen, desto besser. Daher wollen wir ein Werkzeug schaffen, das schon Jugendliche an das Thema heranführt und so hoffentlich unter anderem die IT-Welt weiblicher machen kann“, erklärt Anja Schumann. Mit jungen Frauen als Camp-Teilnehmerinnen konnte die NGO die Zielgruppe selbst zum Design eines solchen Tools mit ins Boot holen.

Sommercamp für künftige Women in Tech mit Google-Support

Ganz auf sich allein gestellt waren die Teilnehmerinnen dabei nicht – tatkräftige Unterstützung erhielten sie von Google-MitarbeiterInnen, die ihnen ihre langjährige Expertise in der IT zur Verfügung stellten. Das Thema Unconscious Bias ist in deutschen Schulen bislang nur selten in den Lehrplan integriert. Daher stand am Anfang des Workshops eine intensive Auseinandersetzung mit der Definition von Unconscious Bias und den eigenen persönlichen Erfahrungen mit Vorurteilen. Merete Beckmann, Learning Development Manager bei Google, leitete den nachfolgenden Design-Thinking-Prozess, in dem die Teilnehmerinnen von Nutzerbedürfnissen ausgehend eine Lösung entwickelten, um das Bewusstsein für Unconscious Bias bei jungen Erwachsenen zu steigern.

Die Ergebnisse nach nur fünf Tagen sind vielversprechend: Die Teilnehmerinnen erarbeiteten Konzepte für eine App zur persönlichen Reflexion sowie einen Social Media Kanal, der auf spielerische Weise über das Thema aufklärt. Die Teilnehmerinnen selbst sind durch den Workshop bereits Expertinnen geworden, aber haben gemerkt, dass selbst bei ihnen noch Luft nach oben ist: „Ich habe extrem viel dazugelernt, insbesondere auch, dass ich mich in vielen Situation noch mehr selbst hinterfragen und mir mehr Gedanken über mein Verhalten machen könnte“, so Annika (20). Mit den Ideen der Mädchen soll es jetzt mit Hilfe der Community von moinworld e.V. in die nächste Entwicklungsphase gehen. „Wir freuen uns darauf, die guten Ideen weiter zu entwickeln und umzusetzen. Wenn wir dadurch junge Menschen dazu bewegen können, sich ihren unbewussten Vorurteilen und Denkmustern bewusster zu werden, ist das auch ein Schritt in Richtung einer gleichberechtigteren IT-Arbeitswelt“, hofft Anja Schumann.

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