Interview mit Sabine Bär, Software Architect und Lead Dev

Women in Tech: „Vor allem wenn man neugierig ist oder Spaß an Rätseln hat, ist man in der Tech-Branche sehr gut aufgehoben“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Sabine Bär, Software Architect und Lead Dev bei MASSIVE ART WebServices GmbH.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Sabine Bär, Software Architect und Lead Dev

Sabine Bär arbeitet seit mehr als 6 Jahren bei MASSIVE ART Web Services als Software-Architektin. Noch während der Schulzeit hat sie schon einiges an Freizeit in die Webentwicklung investiert und daran bereits damals viel Spaß gehabt. Nach dem Abitur hat sie sich für den Studiengang Informatik/Software Engineering an der Fachhochschule Vorarlberg entschieden und dort nach fünf Jahren mit dem Master of Science abgeschlossen.

Lag der Fokus im Studium noch auf anderen Bereichen wie zum Beispiel Simulationen, wandte sich sich nach ihrem Abschluss wieder der Webentwicklung zu und hat sich direkt nach dem Studium bei ihrem jetzigen Arbeitgeber – MASSIVE ART WebServices GmbH – beworben. Dort trägt sie maßgeblich zum Erfolg innovativer Webprojekte bei. Fast ebenso viel Begeisterung hegt sie für die Musik – sowohl passiv als auch aktiv beim Musikverein.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Mitten auf dem Weg zu meiner Matura an einer höheren Schule mit Wirtschaftsschwerpunkt stand plötzlich die Entscheidung für eine vertiefende Fachrichtung an. Es gab damals ein Informationsblatt, auf dem stand, dass die Fachrichtung Informationstechnologie für alle, die Spaß an Mathematik haben, eine gute Wahl ist.

Darauf habe ich mich zu 100% verlassen. Damals – mit gut 16 Jahren – waren meine Berührungspunkte mit Computern eher unterdurchschnittlich und ausschließlich auf E-Mails und Chats beschränkt. Ich habe mich also weder als Kind schon besonders für Technik begeistert noch gab es irgendwelche bemerkenswerten Schlüsselmomente. Trotzdem sollte dieses kleine Informationsblatt schlussendlich Recht behalten.

Vorbilder und Unterstützer

In meinem Umfeld war es immer völlig selbstverständlich, dass meine Entscheidung zu einem technischen Beruf zwar nicht der statistische Standard, aber auf jeden Fall auch nichts Seltsames oder Negatives ist. Und das ist eigentlich die größte Unterstützung, die man bekommen kann. Ich habe darum auch nie das Gefühl gehabt, dass ich irgendeine Form von Hilfe oder Förderung brauche.

Es gibt Frauen, deren Geschichte ich sehr inspirierend finde, allerdings nicht unbedingt nur aus der Technik. Es sind aber immer Frauen, die sich durch nichts von ihrer Passion abbringen lassen, z.B. Amelia Earhart oder Margarete Steiff.

Ein Tag in Sabines Leben

Bei MASSIVE ART WebServices arbeite ich als Entwicklerin in einem Scrum-Team im Bereich Web- und App-Entwicklung. Ein Großteil meiner Arbeit besteht aus Entwicklung: Da reicht das technische Spektrum von PHP bis Java und von Webapplikation bis zur nativen App. Auch inhaltlich ist die Arbeit sehr vielfältig: klassische Informations- und Kommunikationsplattformen sind ebenso vertreten wie E-Commerce-Projekte oder Tools zur Kundenbindung

Ich starte meinen Tag relativ früh und genieße dann die Zeit vor 09:00 Uhr, also bevor der Trubel richtig los geht. Dann treffen sich nämlich alle Entwicklungsteams zum Daily Stand-Up-Meeting, wo besprochen wird, was für den Tag ansteht und wer was macht. Den restlichen Tag verbringe ich mit Entwicklung, Planung von bevorstehenden Aufgaben, Absprachen und Code-Reviews. Durch die Vielzahl an Technologien, die wir einsetzen und den Branchenmix der Kunden ist der Tag meistens bunt und vielfältig – diese Abwechslung ist genau das, was mir an meinem Job am besten gefällt.

Welchen Herausforderungen müssen sich Frauen in der Tech-Industry stellen?

Generell werden Frauen oft gleich in eine Schiene eingeordnet

Ich persönlich habe im Bezug auf meine Berufswahl bisher wenig schlechte Erfahrungen gemacht und habe es selten als Nachteil empfunden, eine Frau zu sein. Klar gibt es manchmal den einen oder anderen blöden Spruch. Das darf man dann halt nicht gleich zu ernst nehmen.

Manchmal wird erwartet, dass ich als “die Frau im Team” ganz klar die ordentlichste oder die mit der schönsten Handschrift bin – was beides nicht stimmt. Generell werden Frauen oft gleich in eine Schiene eingeordnet. Wenn ich z.B. mit einem männlichen Kollegen unterwegs bin, wird automatisch angenommen, dass er der technische Ansprechpartner ist und nicht ich. Das geschieht unbewusst und ist einfach tief in unserer Gesellschaft verankert, darum würde ich mich dadurch auch sicher nie gekränkt fühlen. Im Gegenteil – das ist mir selber
wahrscheinlich auch schon passiert.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich finde es allerdings sehr schade, dass der Frauenanteil in der Technik auch im Jahr 2020 noch nicht höher ist

Ich glaube ein Problem könnte sein, dass die meisten gar nicht wissen, dass ihnen das gefallen könnte. Das war mir ja auch nicht bewusst, bevor ich eher zufällig in diesem Schwerpunkt gelandet bin. Und von seinem persönlichen Umfeld wird man ja eher nicht in diese Richtung getrieben, weil das dem einen oder anderen gar nicht als Berufsfeld für eine Frau einfällt.

Ich finde es allerdings sehr schade, dass der Frauenanteil in der Technik auch im Jahr 2020 noch nicht höher ist. Im Studium oder auf Weiterbildungen bin ich oft die einzige Frau. Ich arbeite zwar sehr gerne mit Männern zusammen, trotzdem würde ich mich über ein bisschen mehr weibliche Unterstützung freuen.

Frauen in MINT-Fächern

Ich würde jetzt allerdings nicht behaupten, dass es speziell viel mehr Frauen geben sollte. Aber wie in fast jedem Beruf ist eine große Diversität – Männer, Frauen, jung, alt, verschiedene persönliche Hintergründe und dergleichen – extrem bereichernd. Männer kommen meiner Erfahrung nach schneller ins Tun, Frauen denken lieber ein bisschen länger nach. Das hat natürlich beides Vorteile und darum ist – wie auch bei so manchen anderen Eigenschaften – eine gute Mischung die beste Lösung.

Wie sieht die Zukunft aus – wird die Diversity-Debatte bald Geschichte sein?

Das glaube ich nicht. Vor allem bezüglich Bezahlung sind wir noch weit davon entfernt, dass das fair ist. Auch wenn ich mich nicht unbedingt benachteiligt fühle, glaube ich, dass es genug Frauen gibt, die kämpfen müssen, um gleich wie Männer behandelt zu werden.

Tipps & Tricks

Die Scheu, die viele vor der Tech-Branche haben, ist völlig unbegründet. Es ist ein Beruf wie jeder andere: Man kann ihn erlernen ohne hyperintelligent zu sein. Zudem ist er abwechslungsreich und man lernt nie aus. Vor allem wenn man neugierig ist oder Spaß an Rätseln hat, ist man hier sehr gut aufgehoben.

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