Interview mit Hila Mazinter, VP bei Forschung & Entwicklung bei JFrog

Women in Tech: „Frauen sollte ihre starken Qualitäten anerkennen.“
Keine Kommentare

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Hila Mazinter, VP bei Forschung & Entwicklung bei JFrog.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Hila Mazinter

Hila hat über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Unternehmenssoftware sowohl beim Aufbau, bei der Entwicklung als auch bei der Auslieferung verschiedener Produkte. women in techBevor sie zu JFrog kam, hatte sie bereits meherere leitende Positionen in globalen Hi-Tech-Firmen, wie zum Beispiel SuperDerivatives, SAP AG und CheckPoint. Außerdem hat sie erfolreich hochklassige F&E-, Betriebs- und Service-Teams aufgebaut.

Hila hat einen Abschluss als Executive Master of Business Administration von der Leon Racanti Graduate School of Business Administration an der Tel Aviv University inne.  Weiterhin hat sie einen Abschluss als Bachelor of Arts in Computerwissenschaften vom Technion, dem israelischen Institut für Technologie.

Wann entstand Dein Interesse an Tech?

Ich war schon immer tief im analytischen Denken verankert und Informatik schien perfekt für mich zu sein. Technologie war für mich nie das Ziel, sondern eher ein Mittel, um den Unterschied zu schaffen und zu schaffen, der zum Fortschritt beiträgt.

Wie verlief dein Weg bis zum jetzigen Beruf?

Über meine ganze Karriere hinweg habe ich alle technischen Positionen auf der Karriereleiter einmal innegehabt, von der Entwicklerin, über Team-Lead und -Manager bis hin zu Führungspositionen. Ich habe immer versucht, bei Unternehmen und in Positionen unterzukommen, bei denen ich das Gefühl hatte, ich könnte echten Mehrwert einbringen. Eine Frau zu sein, spielte dabei keine Rolle, aber meine Performance schon. Mein Vertrauen in meine Fähigkeiten hat mich vorangetrieben.

Bevor ich meine Karriere begann, habe ich in der Army als einzelne Frau in einem Männerumfeld gedient. Deshalb war mein Beginn in der Tech-Industrie, die von Männern dominiert wird, gewissermaßen vertraut. Ich wurde erzogen, Gleichberechtigung zu verfolgen und nach Spitzenleistungen zu streben. Ich hatte genug Glück, die gleichen Werte mit meinem Verlobten zu teilen, sodass die Balance zwischen Arbeit und Familie geklärt und von Gleichberechtigung und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist.

Hattest Du Unterstützung von Freunden oder Familie erhalten?

Meine Familie hat mir ermöglicht das zu tun, was ich selbst erwählt habe. Die waren nicht immer glücklich mit der Intensität meiner Arbeit, aber am Ende des Tages haben sie es respektiert und voll und ganz unterstützt.

Hat man Dir Steine in den Weg gelegt?

Ich habe mich immer für Laufbahn entschieden, von der ich wusste, dass ich gut darin war und in der ich gut abschneiden würde.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Dieser (kulturelle) Wandel erhöht das Selbstbewusstsein von Frauen.

Im Moment bin ich VP für Forschung & Entwicklung bei JFrog. Ich fühle mich gesegnet, Teil eines Unternehmens zu sein, das den Weg definiert und vorgibt, wie Software gemacht und verteilt wird. Unsere Aufgabe ist es, kontinuierlich Updates durch flüssige Software bereitzustellen und es Entwicklerinnen zu ermöglichen, hochkarätige Applikationen zu coden, die sicher zu Endnutzerinnen ohne Ausfallzeiten fließen.

Mein Arbeitsalltag dreht sich darum, meinen Teams die Möglichkeit zu geben, ihre Aufgaben zu erfüllen und Mehrwerte zu schaffen, mit denen sie die Strategie von JFroh unterstützten können. Ich helfe ihnen, wenn sie mal nicht weiterkommen, wenn sie den Fokus auf das eigentliche Ziel verloren haben und ich stelle sicher, dass sie effizient arbeiten können. Das bedeutet, dass ich sehr viel zuhören und eine Menge Fragen stellen muss, die zu Problemlösungen führen können und ich muss sicherstellen, dass sie energetisch und passioniert bleiben. Das Umfeld von Forschung & Entwicklung ist dafür bekannt für seine vielen Überstunden, seine endlosen Tage und seine vielen Spannungen. Eine meiner täglich auftauchenden Aufgaben ist es also, meine Teams optimistisch und kooperativ zu halten und ihnen den richtigen Weg zu zeigen.

Worauf bist Du besonders stolz in deiner Karriere?

Ein besonders erfüllender Teil meiner Karriere ist der, wenn ich es schaffe, Leute oder ganze Teams, die nicht richtig miteinander funktionieren, in engagierte und effektive Mitwirkende zu verwandeln. Also eine Lose-lose- in eine Win-win-Situation zu wandeln.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Die Tech-Branche ist super fordernd und nimmt oft die Überhand gegenüber der Familienzeit. Deswegen glaube ich, dass die meisten Frauen Angst davor haben, einen Schritt in diese Industrie zu wagen. Ich denke allerdings, dass sich das langsam durch weltweiten kulturellen Wandel, der gleiche Möglichkeiten bei Bildung und Arbeit fördert, ändert. Dieser Wandel erhöht das Selbstbewusstsein von Frauen und wir sehen mehr und mehr Frauen in der Tech-Industrie – sogar in Führungspositionen. Beispielsweise gibt es bei JFrog 40% Frauen im Managementteam.

Welche Hindernisse haben Frauen in der Tech-Branche zu bewältigen?

Ich glaube, die größte Herausforderung, die Frauen in der Tech-Branche überwinden müssen, ist das Managen der Work-Life-Balance. Es ist leider immer noch so, dass man von der Frau erwartet, sich mehr um Familienangelegenheiten zu kümmern. Frauen werden deswegen typischerweise mehr Probleme mit der Intensität der Industrie haben als Männer.

Frauen sind in der Regel auch selbstreflektierter. Das ist für ihre Selbstwahrnehmung und ihre emotionale Intelligenz zwar von Vorteil, es hält sie aber häufig davon ab, sich bemerkbar zu machen. Sie werden versuchen, Konfrontationen so gut es geht aus dem Weg zu gehen, obwohl die eine oder andere Konfrontation durchaus wertvoll sein kann. Eine andere Herausforderung besteht darin, dass sich Frauen im Gegensatz zu Männern nicht so gut Dinge für sich beanspruchen und sich nach vorne drängen können.

Wäre unsere Welt eine andere, wenn mehr Frauen in MINT arbeiten würden?

Frauen können enorme Auswirkungen für die Tech-Industrie haben, wenn nur mehr von ihnen auf dem Gebiet auftauchen würden.

Es gibt schon einige Forschungsarbeiten, die zeigen, dass Frauen mindestens genauso gut wie ihre männlichen Gegenüber sein können. Frauen sind dafür bekannt, unheimlich gute Zuhörerinnen, Mentorinnen, Problemlöserinnen und Multitaskerinnen zu sein. Diese Fähigkeiten sind extrem wichtig für wachsende Unternehmen. Sie fehlen aber leider häufig in der Tech-Branche. Frauen können enorme Auswirkungen für die Tech-Industrie haben, wenn nur mehr von ihnen auf dem Gebiet auftauchen würden.

Die Diversitätsdebatte gewinnt an Aufwind. Wie lange wird es dauern, bis man Erfolge sieht?

Der echte Wandel wird erst kommen, wenn die Vorteile von Diversität erkannt werden […].

Die Effektivität von Diversität wird sich erst völlig zeigen, wenn sie natürlich und aus den richtigen Gründen, wie Pluralismus und Brainstorming, geschieht. Diversität hilft uns, zu reflektieren und die ganze Bandbreite an Kulturen und Bedürfnissen der Gesellschaft darzustellen. Dadurch wiederum entstehen bessere Produkte.

Die Diskussion um Diversität kann sich oft in unkonstruktiven Aktionen manifestieren, die mehr mit PR zu tun haben. Der echte Wandel wird erst kommen, wenn die Vorteile von Diversität erkannt werden und dadurch Antreiber für den Wandel werden. Ich würde gerne glauben, dass es 10 Jahre in der Zukunft eine diverse Tech-Umgebung als neuen Standard geben wird.

Kannst Du Frauen, die eine Tech-Karriere anstreben, einen Rat geben?

Frauen sollte ihre starken Qualitäten anerkennen. Sie haben die Stärke, um mit Schwierigkeiten und komplexen Situationen umzugehen. Deshalb sollten sie nicht davor zurückschrecken, einen Schritt in die Tech-Welt zu wagen.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -