Interview mit Kristin Simonini

Women in Tech: „Vergesst nicht, dass sich eine Karriere entwickeln muss“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Kristin Simonini, VP Product bei Applause.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Kristin Simonini

Bei Applause leitet Kristin die Produktorganisation und gibt dort die strategische Roadmap vor. Ihre Organisation arbeitet mit Engineers zusammen, um Features und Verbesserungen für ihre crowdsourced Testplattform zu entwickeln. Kristins Augenmerk liegt darauf, mithilfe von Applause-Lösungen Werte für Unternehmen zu generieren, indem sie die jeweiligen Herausforderungen betrachtet.

Kristin hatte bereits 20 Jahre Erfahrung als Product Leadership gesammelt, bevor sie zu Applause gewechselt ist. Vor Applause hat sie die Produktentwicklung bei EdAssist geleitet, eine „Solutions at Work“ von Bright Horizons. Dort hat sie ein Verfahren für das Produktmanagement eingeführt und versuchte, die führende Plattform für Unterrichtshilfe neu zu beleben. Vor EdAssist war sie in den Führungseben von Brainshark, Deploy Solutions und Webhire.

Kristin hat einen Bachelorabschluss in Kommunikationswissenschaften von der Northeastern University.

Wann entstand dein Interesse für IT und wie hast du die ersten Kontakte zum Tech-Themenbereich geknüpft?

Das schwierigste, was ich zu lernen hatte, war, dass man nicht einfach ankommen und sofort alle seine Ideen umsetzen kann

Während ich noch aufs College gegangen bin, absolvierte ich ein Praktikum bei Digital City Boston als Teil von America Online. Dort habe ich meine erste kleine Einführung ins Coden bekommen und habe mit den firmeneigenen Werkzeugen unsere lokale Website unterstützt. Von da an fiel es mir schwer, in einer nicht technischen Organisation zu arbeiten. Ich habe nach meinem Abschluss einmal versucht im Firmenkundengeschäft einer Bank zu arbeiten, bin dann aber sehr schnell zurück in den Tech-Bereich geflüchtet.

Danach habe ich bei einer Firma namens WebHire gearbeitet, die sich auf Software für Bewerbertracking spezialisiert hat. In meinem ersten Job habe ich Kunden trainiert und dabei unterstützt, unsere neuen Saas-basierten ATS-Lösungen einzusetzen. Ich bemerkte damals, dass unsere Kunden Probleme damit hatten, unsere Technologie in ihre traditionell sehr manuellen Prozesse einzubinden. Also habe ich ein Beraterteam für Unternehmensprozesse aufgebaut. Es war großartig, unterwegs zu sein, Kunden zu treffen und sie dabei zu unterstützen, unsere Lösungen zu implementieren. Aber ich habe auch direkte Einblicke darauf erhalten, inwieweit es Verbesserungsmöglichkeiten an unseren Lösungen gab. In diesem Augenblick habe ich für mich entschieden, im Produktmanagement arbeiten zu wollen.

Das schwierigste, was ich zu lernen hatte, war, dass man nicht einfach ankommen und sofort alle seine Ideen umsetzen kann (Pah!). Ich habe dort viel über Markt- und Wettbewerbsforschung gelernt. Aber auch wie man die Interessen verschiedener Stakeholder in der Balance hält und die schreckliche Erfahrung gemacht, dass man nicht jeden gleichzeitig glücklich machen kann. Das war ein echter Weckruf, aber einer, der mich entschlossener denn je machte, mich tiefer einzuarbeiten und unser Produkt zum Bestmöglichen zu machen.

Ich glaube, ein Hindernis, das Produktmanagern begegnet, ist, Wissenschaft und Kunst beim Managen von Produkten in Einklang zu bringen. Es ist zwar wichtig, Entscheidungen durch so viele Daten wie möglich zu untermauern, aber man muss auch immer noch subjektive Entscheidungen treffen. Manchmal stehen sich unsere Analysen und unser Feedback diametral gegenüber und dann ist es eine riesige Herausforderung, eine Balance zu finden.

BASTA! 2020

Entity Framework Core 5.0: Das ist neu

mit Dr. Holger Schwichtenberg (www.IT-Visions.de/5Minds IT-Solutions)

Memory Ownership in C# und Rust

mit Rainer Stropek (timecockpit.com)

Softwarearchitektur nach COVID-19

mit Oliver Sturm (DevExpress)

Delphi Code Camp

Delphi Language Up-To-Date

mit Bernd Ua (Probucon)

TMS WEB Core training

mit Bruno Fierens (tmssoftware.com bvba)


Wurden dir im Berufsleben jemals Steine in den Weg gelegt?

Eine Sache, die ich über die Jahre beobachtet habe, ist, dass es Unterschiede gibt, wie die Antwort einer Frau oder die ihres männlichen Gegenübers wahrgenommen wird. Ich habe mitbekommen, wie dasselbe Argument zu einer Entscheidung von einem Mann als „passioniert“ oder „stark“ wahrgenommen wurde, von einer Frau aber „emotional“. Man mag in diesen Worten keinen großen Unterschied erkennen, aber ich tue es: Für mich ist Ersteres eher positiv konnotiert (zumindest am Arbeitsplatz), wohingegen Letzteres eher negativ ist. Als ich das bemerkt hatte, habe ich mir beigebracht, in überlegteren, datengestützten Herausforderungen und Antworten zu denken. Das hat, ehrlich gesagt, meine Arbeit, die ich abliefere, qualitativ sehr viel verbessert.

Ein Tag in Kristins Leben

Ich bin VP bei Applause. Wir wollen unseren Kunden helfen, die bestmögliche Erfahrung im digitalen Bereich anbieten zu können. Mein Team baut und liefert auf Basis unserer Produkt-Roadmap und arbeitet dabei eng mit unserem Engineering-Team zusammen. Wir bedienen viele verschiedene Endanwender mit unterschiedlichen Interessen. Wir jonglieren also mit einer Menge Benutzerprofile und Prioritäten.

An einem typischen Arbeitstag habe ich ein paar Einzelgespräche mit meinem Team, welche über die ganze Woche verteilt sind. Ich halte das für wichtige und wertvolle Zeit, da ich so sicherstellen kann, dass jedes Teammitglied weiß, wo seine Verantwortung liegt oder ihm durch seine aktuellen Herausforderungen helfen kann oder mit ihm zusammen den nächsten Arbeitsblock anfangen kann. Ich treffe mich auch oft mit den Leitern aus dem Engineering-Bereich, damit wir sichergehen können, dass unsere Sichtweisen und Strategieansätze im Einklang liegen. Ich verbringe auch eine Menge Zeit mit dem Support unseres Go-To-Market (GTM), indem ich an Analysebriefings und Pressekonferenzen teilnehme oder bei Industrieevents spreche. Wenn ich mich mal nicht auf unsere Roadmap konzentriere, arbeite ich mit unserem Team daran, mögliche R&D-Ziele zu finden und bekannte Arbeitsabläufe zu überdenken.

Ich bin stolz darauf,…

aber am Ende des Tages sind wir wegen unserer Familie, unserer Gesundheit und unserem Leben außerhalb dieser Mauern da

zu einer positiven Kulturentwicklung beitragen zu können. Wir verbringen so viel Zeit bei der Arbeit, da ist es unbedingt notwendig, dass das Management eine Umgebung schafft, die alle Bedürfnisse im Team befriedigt. Eine Umgebung herzustellen, die Spaß macht, flexibel und intellektuell anspruchsvoll ist, während sie auch noch sicherstellen muss, dass die Angestellten Möglichkeiten haben, um zu wachsen und weiterzukommen, ist essentiell für jeden unternehmerischen Erfolg.

Wenn man seine Karriere beginnt, dann weiß man nicht, ob Management wirklich das Richtige für einen selbst ist oder ob man die richtigen Fähigkeiten mitbringt.

Es war also eine große Erfüllung für mich, als ich ein Unternehmen verlassen habe und diese Neuigkeit den Leuten aus meinem Team mitteilte. Einer meiner Produktmanager fing fast an zu weinen und sagte: „Weißt du, das ist wirklich schade auf so vielen beruflichen Ebenen, aber du bist auch einfach die menschlichste Managerin, die ich jemals hatte.“ Da musste ich auch anfangen zu weinen. Das ist das beste, was jemals jemand zu mir hätte sagen können – nicht „Oh, das war ein großartiges Produkt-Release“ oder „Die Kunden haben dieses Feature wirklich geliebt“.

Das ist etwas, an das mich festhalten werden, weil es mir wichtig ist, dass mein Team weiß, dass wir zwar hart arbeiten und wir unseren Job machen müssen, da wir eine kritische Stellung in der Organisation einnehmen, aber am Ende des Tages sind wir wegen unserer Familie, unserer Gesundheit und unserem Leben außerhalb dieser Mauern da. Dafür leben wir. Wenn die Teams, die ich aufbaue und über die Jahre wachsen sehe, fühlen, dass sie diese Balance haben und ich sie unterstützen kann, dann ist das meine Erfüllung.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Frauen sind natürliche Führungs-
persönlichkeiten

Auf jeden Fuß passt ein Schuh, so sagt man, also will ich nicht generalisieren. Aber wenn ich an die Frauen denke, die ich während meiner Arbeit kennengelernt habe, dann denke ich an dynamische, extrovertierte und lautstarke Fachleute. Und obwohl es diese Jobs auch im Tech-Bereich gibt, glaube ich, dass es auch eine Menge Stellen gibt, bei denen eine Heads-Down-Mentalität gefragt ist. Frauen sind – meiner bescheidenen Meinung nach – natürliche Führungspersönlichkeiten, weshalb wir um einige Stellen eher schwirren als um andere.

Tipps und Tricks

Ich glaube, eine Menge Leute schließen die Schule ab und haben keine Ahnung, wohin sie ihr Weg führt. Mein Rat ist also, die eigene Leidenschaft zu finden und Stärken zu identifizieren. Vielleicht braucht es einen erfahreneren Mentor, der mit Rat und Tat zur Seite steht.

Es ist aber auch unglaublich wichtig, sich zu vernetzen und Verbindungen aufzubauen, denn das ist der häufigste Weg, auf dem man jemanden findet und man auch gefunden wird. Man sollte Organisationen (lokale oder darüber hinaus) aufsuchen, die sich auf den eigenen Interessensbereich fokussieren. Falls man das Produktmanagement als Leidenschaft hat und in der Gegend von Boston ist, sollte man Gruppen wie die Boston Product Managament Association oder Agile New England in Betracht ziehen. Geht zu Meetings, vernetzt euch und hört euch an, was dort passiert. So erhält man nicht nur großartige Kontakte, sondern diese unentwegte Fortbildung hilft auch dabei, Bereiche auszumachen, welche man mehr oder weniger interessant findet, was wiederum die Entscheidungen auf dem Karriereweg beeinflusst.

Weiterhin sollte man nicht vergessen, dass sich eine Karriere entwickeln muss. Wo man anfängt und wo man endet, können zwei ganz verschiedene Punkte sein. Man muss also flexibel und offen für neue Möglichkeiten sein, die nicht auf dem direkten Weg liegen, den man für sich ausgemacht hat.

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