Globaler Zugang zum Internet: Trotz Fortschritt bleibt noch einiges zu tun

Facebook veröffentlicht State of Connectivity Report 2015
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Nicht erst seit Gründung der Chan-Zuckerberg-Initiative ist bekannt, dass Facebook sich als Pionier der globalen Vernetzung sieht. Im Dienst dieser Mission steht auch der nun zum zweiten Mal erschienene State of Connectivity-Report, in dem Daten über den Stand des Internetzugangs der gesamten Menschheit zusammengetragen wurden. Es hat Fortschritte gegeben, gleichzeitig müssen noch viele Leerstellen gefüllt werden, vor allem in den Ländern der Peripherie.

“Facebook is deeply committed to finding a path to connect everyone in the world, and believes this will only be possible through wide collaboration”, heißt es gleich am Anfang des Reports (State of Connectivity 2015: A Report on Global Internet Access), an dem unter anderem Google und die Weltbank mitgewirkt haben. Damit unterstreicht der Konzern nochmals die philanthrokapitalistische Botschaft seines Gründers Mark Zuckerberg, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Fortschritt der Menschheit qua Technologie zu fördern. Was das angeht, gibt es zunächst einmal positive Nachrichten.

So hat der Report einige Verbesserungen bei der flächendeckenden Erschließung des Planeten in puncto Internetzugang feststellen können. Zum Beispiel ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Nutzer von 2,9 auf 3,2 Milliarden gestiegen, was ungefähr 43 Prozent der Menschheit ausmacht. Davon nutzen fast alle mobile Devices, ein Trend der sich auch in Zukunft fortsetzen wird. Außerdem können signifikant mehr Menschen das Internet mit Breitbandzugang nutzen.

Hürden, die zu nehmen sind

Jedoch macht der Report auch auf die Ungleichverteilung der Ressource Internet aufmerksam. Vor allem die Städte und die Industriezentren der Welt sind umfassend mit Internetzugang ausgestattet, während ländliche Gegenden und die Peripherie des Weltmarkts, wo die Menschen meist das mobile Internet nutzen, wesentlich schlechter versorgt sind. Bis 2020 soll die Zahl derjenigen, die weiterhin kein Internet zur Verfügung haben, bei drei Milliarden stagnieren. Allgemein gilt: Wer arm ist, ist weniger online. Geschlechterdifferenzen setzen sich hier ebenfalls fort. So nutzen Männer in der Regel das Internet ausgiebiger als Frauen.

Der Report nennt vier Hürden, die zu nehmen sind, um dem Ziel globaler Vernetzung näher zu kommen: Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit, Relevanz und Readiness. Diese können nicht isoliert voneinander betrachtet werden und erfordern dem Bericht zufolge, dass vor allem die Industrie, aber auch nationale Regierungen gemeinsame Anstrengungen zur Überwindung der noch bestehenden Probleme unternehmen.

http://newsroom.fb.com/news/2016/02/state-of-connectivity-2015-a-report-on-global-internet-access/

http://newsroom.fb.com/news/2016/02/state-of-connectivity-2015-a-report-on-global-internet-access/

Verfügbarkeit

Zwar decken 2G-Verbindungen, die zum Telefonieren und für basalen Datenaustausch reichen, mittlerweile 96 Prozent der Weltbevölkerung ab, aber die für die Nutzung des Internets benötigte Breitbandverbindung (3G oder 4G) ist für 1,6 Milliarden Menschen weiterhin nicht erreichbar.

Das liegt vor allem an ökonomischen Gründen: In den noch nicht entwickelten Weltregionen lohnt es derzeit häufig nicht, Breitbandanschlüsse und die dafür erforderliche, physische Infrastruktur flächendeckend bereitzustellen. Das gilt insbesondere für ländliche, dünn besiedelte Gegenden, in denen niedrige Einkommen, ein niedriger Bildungsstand und wenig ausgeprägte digitale Kenntnisse vorherrschen.

Bezahlbarkeit

Der Bericht nennt hier drei entscheidende Aspekte, nämlich Einkommen, Gebühren für mobile Datenvolumen und Gerätekosten. Aktuelle können sich 48 Prozent der Weltbevölkerung 500 MB Datenvolumen, 53 Prozent immerhin 100 MB pro Monat leisten.

Auch zeigt sich der Unterschied zwischen Zentren und Peripherie: In Europa und Nordamerika können sich bspw. 85 Prozent und mehr ein Datenvolumen von 500 MB leisten, im südlichen Asien nur 17 und im subsaharischen Afrika nur elf Prozent. Der Zugang zu datenintensiveren Angeboten des Webs wird dadurch erheblich eingeschränkt, jedoch fallen die Preise in letzter Zeit auch in den Entwicklungsländern.

Relevanz

Internet zu haben, bedeutet nicht notwendigerweise, es nutzen zu können. Wenn die Inhalte und Funktionen des Internets für die User keinen wie auch immer gearteten Zweck erfüllen, wegen Sprachbarrieren nicht verständlich oder gar nicht erst auffindbar sind, ist auch die schnellste, stabilste und günstigste Internetverbindung überflüssig.

Insbesondere der Faktor Sprache spielt hier eine zentrale Rolle. Aktuell machen nur zehn Sprachen 89 Prozent der Webseiten aus, was sich in mangelndem lokalen und regionalen Content spiegelt. Der Ausbau von sprachlich angepassten Interfaces könnte bspw. bei Betriebssystemen, Social-Media-Angeboten und Messaging-Apps die Situation massiv verbessern.

Readiness

Mit diesem Begriff bezeichnet der Report die Fähigkeit zur Nutzung des Internets überhaupt, etwa Lese- und Schreibfähigkeit. Ähnlich wie einige unterm Stichpunkt Relevanz aufgeführte Punkte betrifft z.B. der niedrige Stand der Alphabetisierung vor allem die Länder des globalen Südens, wo die überwältigende Mehrheit der insgesamt eine Milliarde Menschen lebt, die nicht Lesen und Schreiben können.

Die Menschen, die nicht auf das Internet zugreifen können, wissen teilweise gar nicht, um was es sich handelt. Sie haben noch nie etwas davon gehört oder können nichts mit dem Wort verbinden. Wer das Internet noch nicht nutzen kann, verfügt in der Regel außerdem nicht über die notwendigen Kenntnisse, um damit anzufangen.

Da wo Frauen gesellschaftliche schlechter gestellt sind, macht sich außerdem ein gravierender Geschlechterunterschied bemerkbar, etwa weil weniger Frauen dort ein Handy, geschweige den Smartphone, besitzen. Hinzu kommt der teils systematische Ausschluss von Bildung, der sich unmittelbar in der Unfähigkeit zur Nutzung moderner Kommunikationsgeräte- und medien niederschlägt.

Fazit

Wie der Rest der Menschheit ebenfalls in den Genuss des Internets kommen kann, darüber finden sich im Bericht allerdings wenig neue Erkenntnisse. Verbesserung von Bildung und Infrastruktur, günstigere und effizientere Technologie, Big Data – das hat man alles schon mal gehört. Dass vor allem die IT-Industrie als Motor des Fortschritts dargestellt wird, ist verständlich. Bedenkt man aber, wer der Auftraggeber des Reports ist, sollte solche Aussagen kritisch hinterfragen. Das Engagement großer Kapitale in den Randgebieten des Weltmarkts war bekanntlich nicht immer zum beidseitigen Vorteil.

Es gibt also noch einiges zu tun, um allen Menschen in gleichem Maße Zugang zum Internet zu gewähren. Gleichzeitig sollte nicht unerwähnt bleiben, dass zumindest da, wo der Fortschritt nicht durch gesellschaftliche Unzulänglichkeiten – Armut, schlechte Bildungssysteme, Geschlechterdiskriminierung – behindert wird, immer mehr Menschen online angebunden sind. Immerhin!

 

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