Die zwei Seiten von Google: Innovationsführer und die Sache mit den Steuern

Google macht Rekordumsätze – und zögert bei Steuernachzahlungen
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Mit dem letzten Quartalsbericht hat Google die Erwartungen der Analysten übertroffen und wird nun als wertvollstes Unternehmen der Welt gehandelt. Wie kommt es aber, dass die Frage der Besteuerung in Europa noch nicht gelöst wurde? Einen ersten Schritt macht Google mit Nachzahlungen in Großbritannien. Deutschland und Frankreich stellen weitere Forderungen.

Kaum ein anderes Unternehmen polarisiert so stark wie Google. Seit der Bekanntgabe der Alphabet-Quartalszahlen gilt Google als wertvollstes Unternehmen der Welt. Eine Milliarde Gmail-Nutzer zähle man nun, meldete Google CEO Sundar Pichai in einer aufgezeichneten Telefonkonferenz; zuvor knackten bereits die Suchmaschine, Android, Maps, Chrome, YouTube und Google Play diese Marke.

Derzeit gibt es wohl kaum einen Internetnutzer, der nicht auf irgendein Google-Produkt zurückgreift. Dabei ist den meisten Usern längst bewusst, dass Google durch den Verkauf von personenbezogenen Daten zum wertvollsten Unternehmen avanciert ist. Aus gutem Grund, denn Google bietet dafür ohne monetäre Forderungen die vergleichsweise besten Internet-Dienstleistungen.

Gute Produkte zu welchem Preis?

Trotz der Datenschutzbedenken wollen die wenigsten auf Google-Produkte verzichten. Bei einem anderen Thema könnte Google in der Gunst der Nutzer allerdings sehr viel schneller fallen. Der für längere Zeit in Vergessenheit gerückte Vorwurf, Google betreibe Steuerflucht, ist nicht aus der Welt geschafft. Wenn es um Steuern geht, werden Staat und Bürger für gewöhnlich hellhörig. Denn es geht um Geld.

Da aber Google dafür bekannt ist, seine Endverbraucher-Angebote kostenlos anzubieten, stören sich die wenigsten an dem Umgang mit Daten und Steueroasen. Jedoch ist es eine Frage der Perspektive: Denn indirekt wirtschaftet Google auch auf Kosten der Steuerzahler in Europa, da es sich selbst nur geringfügig am Fiskus beteiligt, aber die vorhandenen Ressourcen nutzt – auch wenn es „nur“ die Daten der Nutzer sind. Das stellt das Gratis-Modell infrage.

Erste Nachzahlungen in Großbritannien

Erst vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass Google 172 Millionen Euro Steuergelder in Großbritannien nachzahlen wird. Die Einigung wurde nun vom US-Unternehmen und der britischen Steuerbehörde erzielt, nachdem die Ermittlungen schon vor sechs Jahren gegen Google wegen Steuervermeidung aufgenommen wurden. Den Nachrichtendiensten Reuters und Zeit Online zufolge habe man sich außerdem darauf verständigt, künftig einen größeren Teil der Geschäfte in Großbritannien zu registrieren und steuerlich abzuführen. Anhänger der Labour-Partei kritisierten jedoch, dass angesichts der Umsätze und Gewinnmargen von Google die Nachzahlung viel zu gering ausgefallen sei.

Allein im vierten Quartal 2015 trug Google rund 21 Milliarden US-Dollar zum Konzernumsatz von Alphabet bei. Demgegenüber wirken 172 Millionen Euro für sechs Jahre nicht gezahlte Steuern vergleichsweise wenig. Es könnten jedoch in nächster Zeit noch sehr viel höhere Beträge fällig werden, wenn Google auch in anderen europäischen Ländern Nachzahlungen tätigen sollte. Forderungen bestehen bereits auf Seiten von Deutschland, Frankreich und Italien. Laut Politico würde dieses Mal auch die Europäische Kommission mitmischen.

EU-Länder bitten zur Kasse

Demnach sollen die Abgaben von Google nicht wie im Fall von Großbritannien nachträglich verhandelt, sondern fair im Ländervergleich ermessen werden. Dafür müssten allerdings alle europäischen Staaten ihre Wirtschaftsleistung samt der Steuerzahlen genau skalieren. Noch in diesem Jahr werden die ersten Staaten einen Country-by-Country-Report auf den Weg bringen. Sinn und Zweck der transparenteren Auflistung des Steueraufkommens ist es, dass Google (und Tech-Unternehmen allgemein) nicht mehr so leicht Zuflucht in sogenannte Steuerparadiese nehmen können. Die Länder haben damit untereinander einen besseren Überblick, wo welche Steuerleistungen anteilig am Wirtschaftsaufkommen geleistet wurden.

Die Steuerangelegenheit könnte Google schnell ein schlechtes Image verpassen, sollte das Thema nach dem Datenschutzproblem wieder in den Fokus rücken. Nach Forderungen des Brüsseler PR-Consultants Mark Dober solle das Unternehmen dem zuvor kommen, indem es selbst einen solchen Report abliefere, die Steuernachzahlungen tätige und seine Geschäfte ordentlich registriere.

Aufmacherbild: Businessman running away from tax via Shutterstock, Urheberrecht: Tharakorn

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