Teil 3: Silver Surfers – Apps für die Generation 65+

Apps für die Generation 65+: Interessiert und zahlungskräftig
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Ein Grundsatz des modernen Marketings lautet, die Produkte bestmöglich auf die relevanten Zielgruppen auszurichten. Die Wirtschaft, insbesondere die Tourismusindustrie hat das längst berücksichtigt und ihre Produkte passgenau ausgerichtet. Das gilt auch für die Appentwicklung. In diesem Artikel geht es um die älteren Mitbürger in unserer Gesellschaft – liebevoll „Silver Surfers“ genannt.

Für die IT-Branche ergeben sich mit Blick auf die Generation 65+ neue Aufgaben und Herausforderungen. Digitale Produkte wie Webseiten, Webshops und Apps sind an die Anforderungen dieser Zielgruppe anzupassen. Neben Fragen eines angepassten Designs gehört auch das Handling der digitalen Produkte auf den Prüfstand. Der vorliegende Artikel gibt einen Einblick in die damit verbundenen Fragestellungen und beschreibt Lösungsideen. Beginnen wir zunächst mit einem Blick auf die Zielgruppe.

Artikelserie

  • Teil 1: Zielgruppen- und Nutzeranalyse
  • Teil 2: Apps for Kids
  • Teil 3: Silver Surfers – Apps für die Generation 65+
  • Teil 4: Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
  • Teil 5: Inclusive Design

Wer sind die sogenannten Silver Surfers? Im Netz herrscht darüber keine einheitliche Meinung: Bezeichnet man so schon die Gruppe der Internetnutzer ab 50, oder doch eher ab 65? Fest steht, dass die Alterspyramide sich weiter verschiebt. Viele ältere Personen haben Smartphone und Netz längst für sich entdeckt. Sie sind anders als die Omas und Opas vor zwanzig Jahren. Üblicherweise standen diese Personen über die letzten Jahre intensiv im Berufsleben und befinden sich am Übergang in den Ruhestand oder sind erst seit wenigen Jahren in Rente. Sie verfügen im Durchschnitt über beachtliche finanzielle Möglichkeiten und haben i. d. R. ein großes Interesse an Reisen und Konsum von Gütern und Dienstleistungen. Hinzu kommt der Umstand, dass die Gutsituierten dieser Altersgruppe im Ruhestand auch die zeitliche Möglichkeit einer freizeitorientierten Gestaltung ihres Alltags haben. Der digitale Wandel ist an dieser Zielgruppe nicht spurlos vorbeigegangen. Auch ältere Mitbürger wollen aktiv die Möglichkeiten des Internets nutzen. Dabei ist jedoch ein Faktor nicht zu vernachlässigen. Die vorgestellte Generation ist nicht mit dem Internet aufgewachsen. Die digitale Gesellschaft mit all ihren Möglichkeiten – und Gefahren, u. a. in Form von Internet, Smartphone und E-Commerce – hat sie meist nur zögerlich in ihren Alltag integriert. Oft wurden neue Techniken eine lange Zeit ignoriert und die Beschäftigung mit den sich daraus ergebenen Anforderungen hat nur am Rande stattgefunden.

Die Zukunft ist digital

Immer mehr Senioren sind mobil im Netz unterwegs. Laut der Studie D21-Digital-Index 2018/2019 gehen 84 Prozent der deutschen Bevölkerung regelmäßig online. Das sind drei Prozent Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Der größte Zuwachs konnte für die älteren Generationen verzeichnet werden: 55 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 24 Prozent der über 70-Jährigen nutzen das mobile Internet. Das ist jeweils ein Plus von acht bzw. sechs Prozentpunkten. Der D21-Digital-Index 2018/2019 ist eine große Gesellschaftsstudie, die ein jährliches Lagebild zum Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in Deutschland liefert. Die Fragen, die diese Studie beantwortet, sind ein Gradmesser für Softwareentwickler und -designer:

  • Wie digital ist Deutschland?
  • Wie gut sind die Menschen in Deutschland auf den digitalen Wandel eingestellt?
  • Zu welchen digitalen Geräten haben die BundesbürgerInnen Zugang?
  • Wie hoch ist die digitale Kompetenz in Deutschland?

Der Digital-Index bildet den Digitalisierungsgrad der deutschen Gesellschaft auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten ab. Die Kennzahlen Zugang, Nutzungsverhalten, Kompetenz und Offenheit werden zum Digital-Index zusammengefasst. Der D21-Digital-Index bildet repräsentativ die gesamte deutsche Bevölkerung ab. Teilnehmer sind 20.500 BundesbürgerInnen ab 14 Jahren, inklusive der Menschen, die keine Internetangebote nutzen. Die Studie legt den Schwerpunkt auf die Diversität der digitalen Gesellschaft. Außerdem stehen E-Health und Smart-Home-Anwendungen im Fokus der Untersuchung.

Eine Tatsache steht fest: Die Anzahl der Internetnutzer nimmt zu. Diese Feststellung gilt für jede Altersgruppe. Eine Gegenüberstellung der Internetnutzer nach Altersgruppen in den Jahren 2001 und 2018 zeigt Abbildung 1. Interessanterweise waren 2001 lediglich 11 Prozent der Senioren über 60 Jahren und 4 Prozent der Senioren über 70 Jahren im Netz unterwegs. Im Jahr 2018 nutzten bereits 79 Prozent der über 60-jährigen und 45 Prozent der über 70-jährigen das Internet – eine beachtliche Entwicklung.

Bei der mobilen Internetnutzung sieht es gerade bei den älteren Mitbürgern etwas anders aus. Gerade einmal 55 Prozent der über 60-jährigen und 24 Prozent der über 70-jährigen nutzen das mobile Netz. Die Entwicklung ist jedoch positiv, d. h. auch hier gibt es erhebliche Steigerungsraten in den jeweiligen Gruppen im Vergleich zum Vorjahr. Spannend ist die Frage, ob die Senioren auch in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Diese Frage lässt sich mit Ja beantworten, allerdings ist ihr Anteil immer noch relativ gering gegenüber dem jüngerer Personen. Die Daten dazu können Sie in Tabelle 1 nachlesen.

Altersgruppe Twitter YouTube Facebook Instagram
14-19 Jahre 21% 64% 68% 41%
20-29 Jahre 16% 61% 78% 34%
30-39 Jahre 12% 52% 66% 19%
40-49 Jahre 10% 44% 48% 12%
50-59 Jahre 7% 30% 34% 6%
60-69 Jahre 3% 19% 19% 2%
70+ 1% 6% 6% 1%

Tabelle 1: Social-Media-Nutzung nach Altersgruppen

WhatsApp und andere Messenger-Dienste sind besonders beliebt bei den Best Agern. 85 Prozent der über 65-jährigen chatten intensiv mit Familie und Freunden. 60 Prozent nutzen das Smartphone zudem für die E-Mail-Kommunikation.

Und was fangen wir mit diesen Informationen an? Sehr viel. Sie sind die Ausgangsbasis für die Gestaltung der digitalen Produkte, in diesem Fall für die Software, die wir entwickeln sollen:

  • Welche Funktionen sollen wir anbieten?
  • Wie sollte das Userinterface gestaltet sein?
  • Welche Designentwürfe sind passend?
  • Gibt es Besonderheiten zu beachten, zum Beispiel bei den Schriftgrößen, Farben usw.?
  • Welche technischen Vorkenntnisse kann man in der Nutzergruppe voraussetzen?

Halten wir fest: Es ist sinnvoll, sich mit den Verhalten seiner Zielgruppe auseinanderzusetzen, um ein passgenaues Produkt zu entwickeln. In diesem Fall sind es Apps (Mobile), Anwendungen (Desktop) und Webseiten für ältere Nutzer. Orientierung ist dabei der Mainstream.

An alles gedacht?

Leider ist der Großteil der Internetauftritte nicht entsprechend auf die Zielgruppe der älteren Personen ausgerichtet. Ältere Menschen sind nur dann von einem Mehrwert durch die Nutzung des Internets überzeugt, wenn die Webseiten im Umgang komfortabel und nicht kompliziert sind. Der Inhalt muss interessant und die Seite zufriedenstellend, effizient und effektiv benutzbar sein. Ein Problem bei der Konzeption einer Webseite ist es, das Gleichgewicht zwischen der visuellen Wahrnehmung und einer guten Usability zu finden. Für Apps der mobilen Geräte und andere Software gelten ähnliche Anforderungen. Welche Aspekte man als Entwickler und Designer bei der Umsetzung seniorengerechter Internetauftritte und anderer digitaler Produkte beachten muss, stellen wir nachfolgend vor. Zu berücksichtigen ist, dass sich die kognitive Leistungsfähigkeit, die feinmotorische Koordination und die Sehfähigkeit mit zunehmendem Alter verändern. Das alles muss bei der Gestaltung von Anwendungen, Applikationen und Webseiten beachtet werden.

BASTA! 2020

Entity Framework Core 5.0: Das ist neu

mit Dr. Holger Schwichtenberg (www.IT-Visions.de/5Minds IT-Solutions)

Memory Ownership in C# und Rust

mit Rainer Stropek (timecockpit.com)

Softwarearchitektur nach COVID-19

mit Oliver Sturm (DevExpress)

Delphi Code Camp

Delphi Language Up-To-Date

mit Bernd Ua (Probucon)

TMS WEB Core training

mit Bruno Fierens (tmssoftware.com bvba)

Wichtig ist, dass die Information auf der Webseite transparent angeordnet ist. Die Seite soll auf den Inhalt ausgerichtet sein und nicht von aufwendigen Designelementen dominiert werden, denn ältere Benutzer lassen sich von irrelevanten Elementen schnell ablenken. Ebenso brauchen sie mehr Zeit, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Die Schrift sollte ausreichend groß dargestellt werden bzw. sollte es eine Möglichkeit geben, die Schriftgröße einfach anzupassen. Dass jedes Betriebssystem bzw. jeder Internetbrowser diese Funktion bietet, spielt hierbei keine Rolle. Kenntnisse der grundsätzlichen manuellen Anpassung dürfen nicht vorausgesetzt werden. Das Produkt muss bereits passend geliefert werden.

Was darf bei einer Webseite bzw. bei einer App für Senioren nicht fehlen? Was muss man unbedingt im Auge behalten? Das Augenfälligste ist eine größere Schrift. Studien zeigten jedoch, dass die Wahl der Schrift nicht der einzig ausschlaggebende Faktor ist. Anbei einige Orientierungspunkte:

  • Menüstruktur: Es geht hauptsächlich um die Menüführung. Webseiten für Senioren sollten einen klaren Aufbau mit eindeutiger Navigation haben. Am besten sind trennscharfe Menüs mit klassischer Aufteilung. Da ältere Nutzer oft motorische Schwierigkeiten haben, ist es sinnvoll, auf Elemente zu verzichten, die nur auf einen Doppelklick reagieren.
  • Ansprache: „Du“ oder „Sie“ als Useransprache? Bei Facebook hat sich schon längst die Ansprache mit Du durchgesetzt. Für die Generation 65+ ist es jedoch empfehlenswert, etwas zurückhaltender zu sein und doch lieber beim „Sie“ zu bleiben.
  • Farben: Bei der Farbgestaltung soll man besonders vorsichtig sein. Schrille Farben wirken abschreckend. Man sollte jedoch den Kontrast im Auge behalten, denn weiße Schrift auf grauem Grund kommt auch nicht gut an. Am besten ist es, die goldene Mitte zu finden. Man sollte leicht abgetönte Varianten wählen. Eine gute Farbkombination kann man daran erkennen, dass diese sich komplementär ergänzt. Hilfreich sind dafür spezielle Tools (Kasten: „Tools zur farblichen Gestaltung“).
  • Symbole: Symbole sind bei Webseiten für Senioren nur dann anzuwenden, wenn sie eindeutig und gut erkennbar sind. Der Kontrast zwischen Hintergrund und Symbolen sollte stets im Blick behalten werden.
  • Reize: Es geht um das Thema Reizüberflutung. Musik, Begrüßungsvideo und Pop-up-Fenster auf einmal? Das sind zu viele Reize gleichzeitig und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Besser sind klare, aufeinander aufbauende Strukturen und schlichte Übergänge.
  • Inhalt und Texte: Ältere Menschen legen viel Wert auf wertvolle Informationen. Das betrifft auch Informationen im Internet. In der Regel hinterfragen sie auch stärker die angebotenen Informationen. Sie sind jedoch bereit, für ein gutes Produkt auch mehr zu bezahlen. Aus diesem Grund soll man auf die Inhalte besonders achten. Die Texte sollten klar strukturiert und flüssig lesbar sein. Es gilt: Auf sehr spezielle Fachbegriffe und unnötige Anglizismen ist nach Möglichkeit zu verzichten. Achtung: Bewährte Begriffe hingegen wirken seriös und vertrauenserweckend.
  • Sicherheit: Sicherheit ist einer der wichtigsten Punkte. Gerade ältere Menschen legen viel Wert auf Sicherheit und Verbindlichkeit. Punkte, wie zum Beispiel Rückgaberecht, Lieferfristen und Allgemeine Geschäftsbedingungen, sollten nicht versteckt sein. Auch positive Bewertungen anderer Nutzer wirken vertrauensbildend.
  • Mehrwert: Gerade bei den Best Agern ist Mehrwert eine wichtige Position. Die Gestaltung der Webseite sollte daher an deren Bedürfnisse angepasst werden und Antworten auf häufig gestellte Fragen liefern. Ein FAQ-Bereich kann eine gute Lösung sein.

Ältere Benutzer scrollen i. d. R. nicht gerne. Das kann bei der Festlegung der Seitenlänge in Betracht gezogen werden. Hier gibt es einen Widerspruch zum aktuellen Trend der Verwendung des Single-Page-Designs, d. h. alle Inhalte auf einer Seite – von oben nach unten scrollbar – zu präsentieren. Dieses beliebte Stilmittel sollte bei einer älteren Zielgruppe nur bedingt oder in abgewandelter Form angewendet werden. Zusätzliche Menüpunkte erlauben es, innerhalb der Seite zu navigieren. Vertikales Scrollen sollte ebenfalls nur maßvoll eingesetzt werden. Horizontales und vertikales Scrollen in Kombination sollte man auf jeden Fall vermeiden. Die Marktforschung empfiehlt daher für wichtige Navigationselemente eine Positionierung unabhängig vom Scroll-Status, ähnlich einem Floating Banner. Beachten Sie hierbei auch, auf welchen Geräten die Nutzer unterwegs sind. Handelt es sich primär um einen Desktoprechner oder wird verstärkt mobil gearbeitet? Wie groß ist der Bildschirm? Welches ist die typische Auflösung? Falls Sie eine spezielle Zielgruppe innerhalb der älteren Personengruppe ansprechen, zum Beispiel bei einer Gesundheits-App, erforschen Sie deren Anforderungen bei der Planung Ihrer App oder Webseite genau.

Tools zur farblichen Gestaltung

Die Auswahl der passenden Farben ist beim Erstellen einer Webseite entscheidend. Tut man sich mit der Auswahl der Farben schwer, bieten Onlinetools eine große Hilfe.

  • Color Scheme Designer ist eines der besten online verfügbaren Tools zum Erstellen von Farbpaletten. Es ist kostenlos und das Prinzip ist einfach: Man wählt in einem Farbrad eine Farbe aus, das Tool präsentiert die dazu passenden Farben.
  • Adobe Color CC: Dieses Tool war früher unter dem Namen Adobe Kuler bekannt. Es ist ein kostenloses webbasiertes Tool für das Zusammenstellen und die Auswahl von Farbpaletten. Man kann mit verschiedenen Farbschemata experimentieren und nach inspirierenden Farbkombinationen suchen. Ebenso kann man mit Hilfe eines Farbkreises fünf Farbfelder erstellen. Neben dem Farbkreis besitzt jeder Slot jeweils drei Regler, um den Farbton anzugleichen und die Sättigung einzustellen. Das Tool besitzt sieben verschiedene Farbeinstellungen (Abb. 2). Das sind: Ähnlich, Monochromatisch, Triade, Komplementär, Zusammengesetzt, Schattierungen und Benutzerdefiniert. Nach einer kostenlosen Anmeldung kann man die Themen auch speichern, in der Community diskutieren und bewerten.
  • Name that Color ist ein praktisches Tool, wenn es darum geht, Farbwerte zu erzeugen oder ähnliche Farbwerte zu einem bestimmten Farbwert zu bestimmen. In der Bedienung ist dieses Tool intuitiv und sehr einfach.
Abb. 2: Adobe Color CC im Einsatz

Abb. 2: Adobe Color CC im Einsatz

Hardware und Software: Passgenau für die Silver Surfers

Es gibt PCs, Laptops, Tablets und Smartphones, die extra für Senioren konzipiert wurden. Was ist das Besondere daran und wie sucht man das richtige Gerät aus? Im Internet findet man eine Menge praktischer Tipps, die man bei der Auswahl eines Geräts berücksichtigen sollte. Allgemein ist jeder Computer potenziell auch ein Seniorencomputer. Die Unterschiede liegen nicht nur in der Hardware oder in der Software, sondern im Service bei aufkommenden Fragen, der Beratung, der Hilfestellung vor Ort und schließlich beim Preis. Es sind hauptsächlich nichttechnische Faktoren wie vor allem die Beratung, die einen Computer seniorenfreundlich machen, weniger die technischen Details. Es gibt einige Geräte bekannter Marken, die ausdrücklich als seniorenfreundlich angeboten werden. Natürlich gibt es auch spezielle Senioren-Geräte auf dem Markt. Ein Beispiel: Das in Berlin ansässige Unternehmen Media4Care stellt Tablets her, die sich an den Bedürfnissen älterer Nutzer ausrichten. Die Nutzeroberfläche unterscheidet sich von der bei herkömmlichen Geräten: Große Kacheln und Schriften dominieren. Um das Gerät zu nutzen, braucht man keinerlei Computerkenntnisse, alles ist voreingestellt und muss nicht erst vom Nutzer eingerichtet werden. Hier sind wir bereits an einem wichtigen Punkt angelangt, den wir auch auf die Gestaltung von Software übertragen können. Wählen Sie sinnvolle Voreinstellungen aus. Statt den Nutzer lange in den Tiefen der Menüs suchen zu lassen, trifft man möglichst sinnvolle Voreinstellungen in den wichtigsten Bereichen. Diese Voreinstellungen müssen sich direkt auf die Zielgruppe beziehen. Natürlich werden auch einige Nutzer mit diesen Voreinstellungen weniger zufrieden sein. Für diese sollte weiterhin die Möglichkeit bestehen, Anpassungen vorzunehmen. Es ist jedoch besser, wenn einige wenige und dafür vielleicht umso technikaffinere Anwender die Einstellungen individuell anpassen, als wenn es ein Großteil der Nutzer standardmäßig tun müsste und damit regelmäßig überfordert wäre.

In den App Stores gibt eine Menge Apps, die man auf gängigen Smartphones installieren kann, die versprechen, ein Smartphone in eine seniorengerechte Variante zu verwandeln. Auch ohne den App Store kann man Apps installieren, so kann man zum Beispiel bei einem Händler des Vertrauens ein App Package kaufen und installieren lassen. Einige Unternehmen bieten diesen Extraservice an, zum Beispiel das österreichische Unternehmen emporia, das sich zum Ziel gesetzt hat, Senioren auf dem Weg der digitalen Transformation zu begleiten. Das Unternehmen stellt Smartphones und Handys für Senioren her. Ebenso angeboten wird eine „Mach-Dein-Smartphone-einfach-App“. Nachfolgend noch ein paar Beispiele von Apps, die Smartphones seniorengerecht machen:

  • Mach-Dein-Smartphone-einfach-App: Es handelt sich um eine spezielle Oberfläche, die aus einem herkömmlichen Android-Smartphone ein einfach zu bedienendes und leicht verständliches Smartphone macht. Gleich auf den ersten Blick finden Sie die wichtigsten Funktionen wie Telefon, Kamera oder Internet. Eine große Schrift und klare Icons erleichtern den intuitiven Umgang mit dem Smartphone. Gute Lesbarkeit, kontrastreiche Schrift, klare Farben- und Formensprache, große Icons und Buttons, einfache Struktur der drei Hauptseiten: Homescreen, persönlicher Screen, einfache Übersicht der Einstellungen, Benachrichtigungen auf einen Blick in einem Infocenter usw.
  • Senior Safety Phone: Diese App verleiht dem Smartphone eine intuitive, benutzerfreundliche Oberfläche, die speziell für alle diejenigen entwickelt wurde, die Schwierigkeiten bei der Verwendung von Smartphones haben. Diese Oberfläche hat große farbige Buttons, gute Lesbarkeit und ermöglicht einen einfachen Zugriff auf die am häufigsten angerufenen Kontakte. Die Basisfunktionen wie Telefonieren sowie das Empfangen und Versenden von Textnachrichten werden einfach und stressfrei zugänglich gemacht.
  • Integrated Medication Management: Eine solche App ist dazu konzipiert, Senioren bei der Einnahme und Dosierung von Medikamenten und beim Einhalten von Arztterminen zu unterstützen. Es gibt sogar die Möglichkeit, optional medizinische Fortschrittsberichte an den Arzt zu versenden.
  • Senior Easy Phone: Es handelt sich ebenso um eine App, die Smartphones seniorengerecht machen soll. Merkmale sind eine große Schrift mit direkter Anzeige von Datum und Uhrzeit, große Symbolik für Batterie- und Ladezustand und gute Lesbarkeit. Die App steht kostenlos zur Verfügung; die Bewertungen im Store fallen jedoch nur mäßig gut aus.

Fazit

„Design for the user“ ist auch das Motto bei der Gestaltung von Software für die sogenannte Silver Generation. Im Großen und Ganzen geht es darum, keine Nutzergruppen – auch nicht temporär – auszuschließen. Das Thema ist momentan auch medial sehr präsent, verschiedene Designansätze beschäftigen sich damit (Kasten: „Designansätze für eine breite Nutzergruppe“).

Designansätze für eine breite Nutzergruppe

Der Begriff „Inclusive Design“ wird oft mit den Begriffen „Universal Design“ und „Design for All“ synonym verwendet. Alle drei sind zwar ähnlich, haben jedoch auch einige Unterschiede. Wir versuchen diese zu erklären:

  • Inclusive Design: Dieser Begriff wurde im Jahr 2000 von der britischen Regierung wie folgt definiert: „Produkte, Dienstleistungen und Umgebungen, welche die Bedürfnisse der meisten Verbraucher berücksichtigen“. Der Terminus wird hauptsächlich in Europa verwendet und geht über Altersgrenzen hinaus. Er bezeichnet den Ansatz, ausgeschlossene Gruppen einzubinden und Mainstreamlösungen zu liefern.
  • Universal Design: Dieser Begriff stammt ursprünglich aus den USA und wurde von Japan und dem pazifischen Raum übernommen. Am Anfang lag der Fokus auf der größtmöglichen allgemeinen Zugänglichkeit, als Folge der großen Anzahl von Veteranen des Vietnamkriegs mit Behinderungen. Heutzutage wird der Begriff für einen Designansatz verwendet, der auf alle Lebenssphären abzielt.
  • Design for All: Dieser Begriff steht in engem Zusammenhang mit dem Begriff Inclusive Design. Am Anfang lag der Fokus auf der Untersuchung der barrierefreien Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen. Dann entwickelte er sich weiter zu einer Strategie für integrative Lösungen. Es geht darum, sicherzustellen, dass Umgebungen, Produkte, Dienstleistungen und Schnittstellen für Menschen jeden Alters und jeder Fähigkeit in unterschiedlichen Situationen und unter verschiedenen Umständen funktionieren. Dieser Begriff wird hauptsächlich in Europa und Skandinavien verwendet.

Die Designansätze verschwimmen, nicht immer ist eine trennscharfe Abgrenzung möglich. Wichtig ist, dass es primär um eine große Abdeckung von Nutzergruppen geht. Das Design soll Produkte für einen möglichst großen Anwenderkreis zugänglich machen und die Handhabung verbessern.

Thematisch ähnlich geht es weiter. In der kommenden Ausgabe beschäftigen wir uns mit Fragen rund um das Design von Apps und Webseiten mit einer breiten Zugänglichkeit und maximaler Barrierefreiheit. Das Ziel: Digitale Produkte sollen auch von Nutzern mit Handicaps zu bedienen sein.

Windows Developer

Windows DeveloperDieser Artikel ist im Windows Developer erschienen. Windows Developer informiert umfassend und herstellerneutral über neue Trends und Möglichkeiten der Software- und Systementwicklung rund um Microsoft-Technologien.

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