Das leidige Thema des Browser-Supports beschäftigt die WordPress-Core-Community

Browser-Support: WordPress und die UX
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Das WordPress-Team möchte einen neuen Editor etablieren – und muss sich dafür der unangenehmen Frage nach dem Browser-Support stellen.

Jeder für das Web entwickelnde musste sich früher oder später mit dem Thema des Browser-Supports beschäftigen. So geht es aktuell auch dem WordPress-Core-Team, das an einem neuen Editor – Gutenberg – arbeitet, der nicht zuletzt die User Experience des Blog-Systems steigern soll. Spätestens hier wird die Geschichte unangenehm kompliziert.

Der Editor der Zukunft

Browser-Support adé? Die verschiedenen Blöcke des Gutenberg-Editors

Mögliche Blöcke im Editor

Da beinahe jeder schon einmal mit einem CMS oder etwas Ähnlichem gearbeitet hat, ist die Ausgangslage schnell erklärt: Die Erstellung von Content gleich welcher Art erfolgt in einem Editor, der den zu erstellenden Inhalt in einer Textarea darstellt. Mit etwas Glück handelt es sich dabei um einen WYSIWYG-Editor, der – mit noch etwas mehr Glück – eine grobe Vorstellung davon vermittelt, wie das Endprodukt aussehen könnte.

Die Idee für den neuen WordPress-Editor ist es nun, den Content in einzelne Blöcke zu unterteilen und jeden einzelnen dieser Blöcke editier- und gestaltbar zu machen. Unterschieden wird dabei zwischen Standardblöcken (wie Absätze, Headlines, Bilder, u.v.m.), (Multi-)Media-Inhalten, Layout-Blöcken, Embeds und „Sonstige“, wie beispielsweise Tweets, Umfragen, die Einbindung einer Karte von Google Maps, etc.

Gutenberg – Prototyping since 1440

Genau hier kommt Project Gutenberg ins Spiel. Gutenberg ist der Name eines UI-Prototypen, der dem angesprochenen Block-Konzept folgt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erstellung von neuen Seiten oder Beiträgen möglichst unkompliziert zu gestalten. Die dazugehörige Demo gibt einen guten Überblick über den Aufbau und die Funktionalitäten.

Vor allem die dritte Demo, die mit TinyMCE im Hintergrund läuft, vermittelt einen guten Eindruck davon, was das Team mit Gutenberg erreichen möchte.

Browser-Support vs. UX

Natürlich hat die Sache auch einen Haken: den Browser-Support. Denn das Team hat im WordPress Design Handbook festgelegt, den Internet Explorer zumindest partiell bis Version 8 zu unterstützen. Das bedeutet, dass der Editor funktionieren muss, auch wenn er nicht dieselbe Funktionalität wie in modernen Browsern bietet.

Der IE auf entwickler.de

Es kann nie schaden, einen Blick auf die eigenen Statistiken zu werfen. Für entwickler.de bedeutet das für den Zeitraum vom 01. Januar bis 31. Dezember 2016 folgendes:

6,79 Prozent aller Zugriffe erfolgte über Browser, die sich als Internet Explorer zu erkennen gaben. Davon fiel die überwältigende Mehrheit von 87,41 Prozent auf den IE 11, auf Platz 2 lag mit 5,89 Prozent der IE10, gefolgt vom IE 9 mit 4,83 Prozent. Ein Blick auf diese Zahlen verrät, dass 12,59 Prozent der Zugriffe über einen Internet Explorer von veralteten Browsern ausgeht; betrachtet man das jedoch in Relation zu allen Zugriffen, ist diese Zahl verschwindend gering.

Nun mag der betroffene IE-Anteil in der WordPress-Nutzerbasis zwar verschwindend gering sein, jedoch leidet das System an seiner Popularität– 27,6 Prozent der Websites dieser Welt nutzen WordPress als Unterbau. In diesem Licht betrachtet sind das knappe eine Prozent der IE < 11-Nutzer eine nicht zu unterschätzende Menge; und schon ist die Frage nach dem Browser-Support nicht mehr so einfach zu beantworten.

Ein Fallback für alle Fälle

Nun wird darüber diskutiert, wie ein möglicher Fallback aussehen könnte – bisher stehen drei Varianten zur Auswahl:

Zum einen könnte WordPress mit zwei unterschiedlichen Versionen des verwendeten TinyMCE ausgeliefert werden – mit der bisherigen, bekannten Version und der neuen Variante in Gutenberg. Für den Nutzer wäre das die beste Lösung, das Core-Team stünde jedoch in verschiedenen Bereichen vor einer größeren Aufgabe.

Die zweite Variante sieht vor, den bisher üblichen Weg für Nutzer zu gehen, die JavaScript im Browser deaktiviert haben. Diese User stehen vor einem simplen Eingabefeld, in dem sie händisch die Gestaltung vornehmen müssen – was natürlich gewisse HTML-Grundkenntnisse voraussetzt. Von dieser Einschränkung könnte letzten Endes eine größere Nutzerbasis als lediglich die der User einer veralteten IE-Version betroffen sein.

Bleibt die dritte Variante, in der die momentane Implementierung des TinyMCE als Plug-in nachgeliefert und somit bei Bedarf installiert werden könnte. Auch diese Version könnte zu Problemen führen – beispielsweise bei fehlenden Berechtigungen –, erscheint uns auf den ersten Blick jedoch am sinnvollsten.

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Gewissensfrage

Microsoft selbst hat den Support für die IE-Versionen 8, 9 und 10 bereits im Frühjahr 2016 eingestellt – dennoch gibt es etliche Nutzer, die aufgrund verschiedenster Vorgaben auf diese Browser angewiesen sind. Nun stellt sich die Frage, wann man als Entwickler den entsprechenden Browser-Support dafür über Bord werfen kann.

Im Falle von Gutenberg bei WordPress ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten. Alleine schon die schiere Menge an Nutzern schließt ein Ignorieren der betroffenen Gruppe aus. Kleinere Projekte mit einer anderen oder deutlich definierteren Userbase haben es da einfacher.

Uns interessiert brennend, wie ihr im Falle des Browser-Supports entscheidet. Sind es einzig und allein die Vorgaben des Auftraggebers, oder habt ihr eine andere Matrix, anhand derer ihr entscheidet, welcher Browser in die Röhre schauen muss?

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