Drittanbieter-Dienste ohne Nutzerfrust einbinden

Mit Ladezeit-Management dem Adblocker-Trend entgehen
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Social-Media-Buttons, CDNs und Werbeanzeigen, Video-Einbindungen und User-Monitoring: Third-Party-Services sind nicht aus dem Web wegzudenken. Seit Jahren steigt ihre Zahl kontinuierlich an und wirkt sich unmittelbar auf das Ladeverhalten vieler Websites aus. Inzwischen greifen darum immer mehr Nutzer zur digitalen Selbstverteidigung und verwenden Ad- und Scriptblocker, um die Ladezeit von Websites selbst zu verkürzen. Aber auch Webmaster können Einfluss auf das Verhalten von Drittanbieter-Tags nehmen, ohne gleich ganz auf ihre Verwendung verzichten zu müssen.

Die Stimmung zwischen Adblocker-Verwendern und Content-Providern ist geladen. Immerhin sehen sich beide Seiten im Recht: Die einen verlangen, dass ihre Daten nicht unkontrollierbar verkauft werden, bevor sie überhaupt den Inhalt einer Website gesehen haben und wünsche sich kürzere Ladezeiten. Die anderen argumentieren, dass Werbeeinblendungen und Co. unbedingt notwendig sind, um ihre Plattformen zu finanzieren. Beide Sichtweisen sind auch durchaus nachvollziehbar.

281 Dienste

Die Fakten scheinen allerdings eher für die Nutzerseite zu sprechen. Immerhin, so berichtet Craig Lowell, werden inzwischen durchschnittlich mehr als 281 Drittanbieter-Dienste aufgerufen, um eine Website aus dem Medienbereich zu laden. Dass der Nutzer davon frustriert sein könnte, dürften die meisten verstehen. Die aktuelle Entwicklung tendiert allerdings zu den Extremen: Einerseits sind da Websites mit ausufernden Datenmengen; andererseits Ad- und Scriptblocker, die nichts mehr durchlassen. Dazwischen scheint es nur wenig zu geben.
In der jüngsten Vergangenheit sind sogar immer wieder große Technologie-Anbieter auf den Trend zum Adblocking aufgesprungen. So hat Apple sich vor nicht allzu langer Zeit dafür entschieden, Adblocking zuzulassen. Und Opera hat auf ihrem Developer Channel nun sogar eine native Adblocking-Lösung vorgestellt. Diese soll die Ladegeschwindigkeit von Websites im Vergleich zu Addons wie Adblock Plus noch einmal deutlich erhöhen. Der Ansatz, die Wünsche des Nutzers nach einer verkürzten Ladezeit zu ignorieren, scheint sich also nicht zu bewähren.

Akzeptable Werbung

Hinsichtlich der Frage nach Werbeeinblendungen kann es sinnvoll sein, einen Blick auf das Acceptable Ads Manifesto zu werfen, das unter anderem von Adblock Plus und Reddit unterzeichnet wurde. Dieses Dokument beschreibt akzeptable Werbeeinblendungen als unaufdringlich, zur angezeigten Website passend und dennoch jederzeit als Werbung erkennbar. Bei Adblock Plus selbst finden sich darüber hinaus auch Hinweise darauf, wie groß Werbeeinblendungen maximal sein sollten, um den Nutzer nicht zu stören. Wenn also auf aufwändig animierte, große Werbeclips verzichtet wird, kann viel an Datenvolumen gespart werden.

Bei Third-Party-Services geht es jedoch nicht nur um Werbeeinblendungen. Auch Content Delivery Networks (CDN), die eigentlich dazu gedacht sind die Ladezeiten einer Website zu verkürzen, gehören zu dieser Gruppe der Webinhalte. Dafür wird aber dennoch erst einmal Code zum Datenvolumen einer Website hinzugefügt – und das Risiko für Performanceprobleme jenseits des eigenen Servers erhöht. Durch die Einbindung von Fremdangeboten erhöht sich nämlich immer auch die Zahl der am Laden einer Website beteiligten Server, sodass es immer wahrscheinlicher wird, dass einer davon gerade keine optimale Performance bieten kann. Das kann den Nutzer verärgern und vertreiben.

Ladehierarchien nutzen

Dieses Problem kann aber ebenfalls durch den Webmaster beeinflusst werden. So ist es möglich, manche Dienste erst nach dem eigentlichen Seiteninhalt laden zu lassen – beispielsweise trifft das auf Social Media Buttons zu, die nicht sofort verfügbar sein müssen. Andere Services sollten asynchron geladen werden: Parallel zum eigentlichen Seiteninhalt, aber ohne dessen Anzeige zu verlangsamen. Diese Methode kann allerdings zu einer Verzerrung der Ladezeit-Statistik führen. Solange langsam ladende Scripte nicht fertig geladen sind, zählt das zur Seitenladezeit.

Außerdem sollten Webmaster das Verhalten der eingebundenen Drittanbieter-Services immer im Blick behalten. Durch die Einbindung vieler externer Services kann es immer wieder zu unerwarteten Problemen kommen, die schnell behoben werden müssen. Dafür stehen Tag Management Services zur Verfügung, also Tools, die dem Webmaster die Kontrolle über die verwendeten Tags erleichtern. Updates können so einfacher eingespielt werden, manche Tools erlauben sogar die Durchführung von A/B-Tests. Dabei wird eine Version einer Website mit und eine ohne einen bestimmten Drittanbieter-Service getestet um zu sehen, wie sich dessen Einbindung genau auf das Angebot auswirkt.

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Folgen bedenken

Diese Auswirkungen sollten immer genau im Blick behalten werden. Zwar ist die häufig zitierte Ein-Sekunden-Regel eher eine Richtlinie als in Stein gemeißelt und nicht jeder Onlineshop verliert durch eine Sekunde mehr an Ladezeit gleich sieben Prozent seiner Conversions. Am Ende ist aber doch etwas dran an diesem Prinzip: Verlängert sich die Ladezeit, sinken die Verkaufs- und Besucherzahlen. So kann es schnell passieren, dass die durch einen Drittanbieter-Dienst generierten Einnahmen die Nachteile durch die erhöhte Ladezeit nicht ausgleichen können. Dann sollte eine klare Entscheidung gegen den Dienst getroffen werden.

Welche Tags nötig sind und welche nicht, ist immer eine wichtige Frage: Verwenden Kunden einen Social-Media-Button nicht, ist er verzichtbar, da er unnötig zu verlängerten Ladezeiten führt. Bringt allerdings ein Tracking-Dienst die erwünschten Informationen, trotz längerer Ladezeit, sollte man ihn beibehalten – oder nach eine Alternative suchen.

98 Prozent: Gut oder gar nicht gut?

Für die Auswahl geeigneter Dienste zur Einbindung in eine Website sollte immer auf das Service Level Agreement geschaut werden. Welche Verfügbarkeit garantiert der Anbieter mir? Hier muss auch die Masse bedacht werden: 98 Prozent Verfügbarkeit mag für einen einzelnen Dienst noch akzeptabel sein; wenn aber zehn Dienste auf diesem Level unterwegs sind, addieren sich die Ausfallzeiten. Auch darüber hinaus lohnt sich der genauere Blick auf den dahinter stehenden Anbieter. Welche Daten erhebt er, was passiert damit? Der Endnutzer hat keine Chance, Einblick in diesen Datentransfer zu nehmen, also sollte sich der Webmaster seiner Verantwortung bewusst sein.

Eine weitere wichtige Frage ist an dieser Stelle, wie viele weitere Dienste über einen Tag abgerufen werden. Redirects können nämlich ebenfalls zu einem großen Problem hinsichtlich der Ladezeit werden; außerdem können sie sich sogar negativ auf das Google-Ranking auswirken und Websites angreifbar machen. Hier sollten Webmaster also vorsichtig agieren. Manche Redirects machen Sinn, aber müssen es wirklich vierzigstellige Ketten sein?

Worst-Case-Management

Und dann sollten Webmaster auch noch darauf vorbereitet sein, dass etwas schief gehen wird. Egal, wie gut Drittanbieter-Dienste eingebunden sind; egal, wie das Service Level Agreement aussieht: Irgendwann geht jeder Server einmal in die Knie und der Nutzer wird die Auswirkungen zu spüren kriegen. Darum muss immer sichergestellt sein, dass kaum ein einzelner externer Dienst dazu in der Lage ist, ein Webangebot komplett lahmzulegen. Auch sollte es Notfall-Mechanismen geben, die ewige Ladezeiten unterbinden, damit der User problemlos mit der Website interagieren kann.

Wer externe Dienste also richtig in sein Webangebot einbindet, muss den Nutzer damit nicht frustrieren. Häufig geht es nämlich auch beim Adblocking nicht so sehr darum, gar keine Werbeanzeigen sehen zu wollen, sondern vielmehr um den Wildwuchs in Sachen Datenmengen, der immer mehr um sich greift. Hier kann es also bereits helfen, bewusster mit externen Diensten umzugehen, die das eigene Webangebot abrunden sollen. Ist der Nutzer am Ende nämlich unzufrieden mit der Ladezeit oder stört sich an aufdringlichen Werbungen, trägt auch der 283. Third-Party-Dienst nicht mehr dazu bei, die Nutzerzahlen zu erhöhen oder mehr Einnahmen durch Werbung zu generieren.

Aufmacherbild: Loading Data Information Transfer Digital Internet Concept via Shutterstock / Urheberrecht: Rawpixel.com

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