Interview mit dem Onlinemarketingenthusiasten André Scharf

SEO im Projektalltag
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Google weiß alles – wer bei den Suchergebnissen bei Google ganz vorne steht, hat also gewonnen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Wie integriert man sich also als SEO-Experte in ein Team, um möglichst früh mit den Optimierungen beginnen zu können? Und was sind die typischen Fehler, in die man gemeinhin zu tappen droht?

Genau darüber sprachen wir mit dem Onlinemarketingenthusiasten André Scharf, der auf der webinale in Berlin auf einige der Grundsätze des SEO-Umfelds eingehen wird.

SEO und die Vermarktung

Die Auffassung, das SEO letztendlich vor allem der Vermarktung einer Website dient, ist weit verbreitet. Aber ist das so? Dient SEO tatsächlich nur der Vermarktung?

André Scharf: Natürlich dienen Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung in erster Linie dazu, die Performance einer Website zu verbessern. Die einfache Annahme dahinter lautet: bessere Rankings führen zu mehr Traffic und letztendlich zu mehr Umsatz. Prinzipiell stimmt das ja auch, nur muss man dabei auch die Rahmenbedingungen beachten, unter denen das Ganze stattfindet.

Wir finden für Suchanfragen nur noch selten eine einfache Text-Ergebnisliste. In den meisten Fällen treffen wir auf sogenannte „Universal-Search-Ergebnisse“, bei denen sich Bilder, Videos, News oder auch lokale Ergebnisse zwischen die normalen Snippets mischen. Dazu kommen Rich Snippets, z.B. mit Sternchen für Bewertungen, anstehenden Events, Produktinformationen und mehr.

SEO wird zum strategisch wichtigen Supportkanal und hat mehr im Sinn als nur den Abverkauf.

Sucht man z.B. nach einem „Hotel in Berlin“ bietet Google zu den lokalen Ergebnissen noch einen eigenen Hotelfinder mit Buchungsengine an. In den USA kann man jetzt sogar seine komplette Reise mit Flug bzw. Anfahrt, Hotel, Sightseeing, Restaurants usw. direkt in der Suche planen und buchen. Das hat erheblichen Einfluss darauf, wie viel SEO-Traffic ein Hotelanbieter tatsächlich erwarten kann und fordert ein strategisches Umdenken. Natürlich kann ich mich als Anbieter darüber ärgern, aber ich kann es eben auch zu meinem Vorteil nutzen und statt im SEO krampfhaft auf Anfragen wie „Hotel in Berlin“ zu optimieren, meine Hausaufgaben in anderen Bereichen machen und z.B. dafür sorgen, dass ich für Longtailanfragen zu Bewertungen, Service und mehr in meinem Hotel eine Anlaufstelle bieten kann. Hier wird SEO zum strategisch wichtigen Supportkanal, der nicht mehr nur direkt den Abverkauf im Sinn hat.

Hinzu kommt, dass eine wirklich gute und umfassende Suchmaschinenoptimierung nicht losgelöst von der Website selbst erfolgen kann. Das heißt, jemand muss im Laufe der Optimierung Hand an den Quellcode legen, was in der heutigen Zeit einfach auch bedeutet, dass Anpassungen nicht nur in den Templates, sondern auch im Backend des CMS stattfinden müssen. Das hat mit Vermarktung eigentlich nichts mehr zu tun, sondern damit, die Website überhaupt erst fit dafür zu machen, dass sie von den Suchmaschinen optimal verarbeitet werden kann.

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Kann man so etwas wie „SEO-Basics“ im Web-Development benennen?

André Scharf: Natürlich! Es gibt eine ganze Reihe von Guidelines und Grundlagen, die einfach befolgt werden müssen, damit die Crawler der Suchmaschinen optimal mit einer Website umgehen können. Diese sind frei im Internet zugänglich und werden z.B. von Google direkt zur Verfügung gestellt. Und obwohl es diese gibt, ist es immer wieder überraschend, wie selten sie tatsächlich befolgt werden.

Ich habe keine Ahnung, ob es an gefährlichem Halbwissen bei der Umsetzung liegt oder daran, dass Suchmaschinen mittlerweile gelernt haben, über etliche, immer wiederkehrende Standardprobleme hinwegzusehen und sich deswegen niemand wirklich Gedanken darüber macht. Trotzdem schüttele ich immer wieder ungläubig mit dem Kopf, wenn ich sehe, wie Guidelines oder essentielle Punkte einfach ignoriert werden. Am Ende ist dann die Verwunderung groß, wenn die neue Website nicht so funktioniert, wie sie sollte.

SEO im Projekt

Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Stationen im Ablauf von Webprojekten, bei denen ein SEOler involviert sein sollte?

Im Grunde kann ein SEOler in keiner Projektphase schaden.

André Scharf: Im Grunde kann ein SEOler in keiner Projektphase schaden. Tatsächlich ist er aber vor allem in der Planung enorm gefordert und sollte auch bei der Umsetzung immer wieder beteiligt sein und regelmäßig prüfen, ob alles passt. Das hat nichts mit Überwachung und Kontrolle zu tun, sondern damit, dass im kompletten Projektverlauf immer wieder Entscheidungen getroffen werden, die auch aus SEO-Sicht relevant sein können. Im Sinne agilen Arbeitens halte ich es deshalb durchaus für notwendig, dass auch ein SEOler Teil des Teams ist.

Ein Punkt, der vor allem bei der Planung oft übersehen wird, ist die Auswahl und Definition der Inhalte und der Struktur für die Website. Basierend auf einer intensiven Zielgruppenanalyse kann ein SEOler oft sehr viel mehr darüber sagen, welche Inhalte auf der Website wie und wo platziert werden sollten. Er berücksichtigt einfach Kriterien und Anforderungen, die Konzepter oder Designer oft nicht im Blick haben. So kann eine Websitestruktur entstehen, die deutlich besser auf den Endnutzer ausgerichtet ist und dadurch natürlich auch mehr Traffic generieren kann.

Was sind bei diesem Involvement die kritischsten Stolpersteine?

Wer überall mitredet und immer wieder Fragen stellt, macht sich nicht nur Freunde.

André Scharf: Immer wieder den richtigen Ton zu treffen und sich an der richtigen Stelle mit gutem Input einzubringen, dürfte die wohl schwerste Aufgabe dabei sein. Wer überall mitredet und immer wieder Fragen stellt, macht sich nicht nur Freunde. Es darf aber niemals eine Situation entstehen, in der wertvoller Input vernachlässigt wird, weil sich zwei Parteien zerstritten haben. Hier muss ein SEOler einfach lernen, gut zu manövrieren. In der Regel sind wir die Neuen in diesem Prozess und müssen uns unseren Platz natürlich erst verdienen. Genau so sollten wir uns auch verhalten. Wir werden immer wieder auf Ablehnung stoßen, uns erklären und unsere Einwände vertreten müssen und müssen natürlich auch Kompromisse eingehen. Dies richtig zu handhaben, erfordert viel Erfahrung.

Welche Maßnahmen ergreifst du standardmäßig, um solche Stolpersteine zu umschiffen und gibt es Maßnahmen, die nur im absoluten Notfall „eingesetzt“ werden müssen?

André Scharf: Im Grunde habe ich leider ein natürliches Talent in Fettnäpfchen zu treten.

Nein, ernsthaft, es braucht viel Erfahrung, um nicht anzuecken und sich trotzdem einbringen zu können. Das muss man einfach lernen, indem man hier und da auch mal etwas härter aneckt und es beim nächsten Mal besser macht. Wer offen und ehrlich an die Sache herangeht und bereit ist, Fehler einzusehen und daraus zu lernen, kommt damit ziemlich gut zurecht. Dazu gehört auch, dass man sich seines Fachwissens sicher ist und trotzdem bereit, sich eines Besseren belehren zu lassen.

Natürlich kommt es auch hin und wieder dazu, dass sich Fronten verhärten. Dann gilt es Kompromisse zu finden, wobei die Abwägung hierbei immer anhand der Projektziele getroffen werden sollte. Wirklich nur im absoluten Notfall darf ich mich als SEOler hinsetzen und die Schuld von mir weisen … Nein, eigentlich geht das gar nicht. Es gibt immer einen passenden Kompromiss. Mag sein, dass ich dann hier und da Abstriche machen muss, aber dann ist das eben so. Dafür redet man ja miteinander und wenn alle die Auswirkungen der Kompromisslösung verstehen und anerkennen, passt das auch.

 

André Scharf

André ScharfAndré Scharf verantwortet als Director SEO deutschlandweit die fachliche und strategische Ausrichtung dieses Service bei DigitasLBi. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt André das Produkt SEO im Unternehmen weiter, plant umfangreiche Marketingkampagnen für nationale und internationale Kunden und setzt sie erfolgreich um. Kreativität, das Aufgreifen neuester Trends und vor allem Flexibilität heben diese Projekte immer wieder von den gewohnten Standards ab. Neben der täglichen Arbeit mit den Kunden gehören auch interne und externe Schulungen sowie Präsentationen auf Konferenzen zur regelmäßigen Tätigkeit des Onlinemarketingenthusiasten. Neues von André gibt es auch auf seinem Blog scharfonline.de.

 

 

Aufmacherbild: old or obsolete unwanted laptop on the beach with blank screen von Shutterstock / Urheberrecht: stocksolutions

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