Kolumne: SharePoint ganz praktisch

SharePoint Server 2019: Einblicke und Neuerungen
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Die SharePoint-Entwicklung schreitet stetig voran und mit der SharePoint-2019-Version steht das nächste On-Premises-Release zur Verfügung. Welche Änderungen damit verbunden sind und was sie Neues für Entwickler bringt, stellt die diese Kolumne kurz vor.

Ja, es gibt ein neues SharePoint-On-Premises-Release und so wie es aussieht, wird Microsoft diese Strategie auch fortsetzen. Das heißt, es wird auch in Zukunft neue On-Premises-Versionen geben. Das liegt in erster Linie darin begründet, dass bei den On-Premises-Installationen ein Wachstum von 67 Prozent zu verzeichnen ist. Natürlich gab es auch einen erheblichen Zuwachs der SharePoint-Online-Nutzer. Allerdings möchten – aus verständlichen Gründen – nicht alle Firmen ihre Daten in die Cloud verlagern und nutzen daher eine lokal installierte und selbst betriebene SharePoint-Server-Version. Neben sicherheitsrelevanten Aspekten spielen auch technische Migrationsprobleme, die eine Überführung in die Cloud behindern, eine wesentliche Rolle. Microsoft selbst stellt zwar Unterstützungen bereit, mit denen ein Transfer in die Cloud erleichtern werden soll, doch bevorzugen viele Firmen weiterhin eine lokale SharePoint-Installation. Das tun sie vor allem auch deswegen, weil sie firmenspezifische SharePoint-Erweiterungen implementiert haben und diese nur in einer lokalen SharePoint-Farm installierbar und nutzbar sind.

SharePoint 2016 als Basis

Der SharePoint Server 2019 ist im Kern eine Weiterentwicklung von SharePoint Server 2016 und der SharePoint-Online-Version. Viele bereits in SharePoint Online verfügbaren Erweiterungen und Verbesserungen sind in die neue Version übernommen worden. Da der SharePoint Server 2019 im Kern auf dem SharePoint 2016 basiert, bleiben die verfügbaren Skalierungsmöglichkeiten erhalten und wurden überdies verbessert. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der neuen Version lag auf einer verbesserten Benutzeroberfläche, die sich je nach Gerät optimal anpasst und verhält. Zugriffe auf Informationen sollen damit vereinfacht werden, die benötigten Daten stehen hierbei im Vordergrund. Ebenfalls von SharePoint Online übernommen wurden die verbesserten Dokumentenbibliotheken sowie die Navigationsstruktur. Die weiteren wesentlichen Features/Erweiterungen sind folgende:

  • moderne Sites, Seiten (Pages), Listen und Bibliotheken
  • Teamneuigkeiten
  • SharePoint Home
  • Site für Kommunikation (Communication Sites)
  • OneDrive Sync Client
  • verbesserte Hybrid-Unterstützung und Anwendungsfälle
  • Erweiterungen für Entwickler
  • verbesserte Unterstützung für Geschäftsprozesse mit PowerApps und Flow

Wie anhand der Liste deutlich wird, liegen die Schwerpunkte auf einer verbesserten Unterstützung in den Bereichen Zusammenarbeit, Geschäftsprozesse sowie Datenintegration. Die Bibliotheken unterstützen im Gegensatz zu SharePoint 2016 nun eine maximale Dateigröße von 15 GB, also 5 GB mehr.

Schwerpunkt Zusammenarbeit

SharePoint 2019 soll die Zusammenarbeit und den Datenaustauch im Unternehmen weiter verbessern. Beides soll zum einen durch die verbesserte Benutzeroberfläche und zum anderen durch neue Sites erreicht werden. In SharePoint 2019 stehen die Daten/Informationen im Vordergrund, und zwar unabhängig vom Zugriffsgerät. Die neuen Kommunikationswebsites sind in erster Linie dazu gedacht, Nachrichten zu teilen und zu streuen. Über ein neues WebPart können bis zu fünf relevante Inhalte prägnant publiziert werden, um so die Aufmerksamkeit des Zielpublikums zu erreichen. Auch das Teilen von Informationen mit anderen Benutzern wurde vereinfacht. Die neue Oberfläche unterstützt das Teilen von Inhalten an vielen Stellen. Die neue SharePoint-Startseite stellt einen neuen Einstiegspunkt für den Benutzer dar, ersetzt die alte sites.aspx-Seite und nutzt die neue moderne SharePoint-Oberfläche für die Darstellung. Der Benutzer erhält über diese Seite einen direkten Überblick über Aktivitäten und kann einfach und schnell zu bestimmten Punkten im Intranet navigieren. Auch kann ein Benutzer mit ausreichenden Rechten von dieser Stelle aus neue Websites über den sogenannten „Self-Service Site Creation“-Prozess erstellen. Dabei spielt es nun keine Rolle mehr, ob sich die Anwendung in der lokalen Farm befindet oder in einer Remote-Farm gehostet wird.

Daten synchronisieren

Die Einbindung von externen Daten ist für viele Unternehmen wichtig. Nicht alle Daten liegen typischerweise in SharePoint-Bibliotheken. Der neue OneDrive-Synchronisierungsclient (NGSC – Synchronisierungsclient der nächsten Generation) ermöglicht eine Einbindung von OneDrive-Daten. Dabei unterstützt er nun die Funktionen „File On-Demand“, Änderungsbenachrichtigungen (Push-Nachrichten) und IRM-Schutz. Die Funktion „File On-Demand“ ist sehr nützlich, da durch sie nur wirklich benötigte Dateien vollständig lokal synchronisiert werden und somit Speicherplatz eingespart wird.

Entwicklerfeatures

Nachdem ein paar der wichtigsten allgemeinen Neuerungen kurz vorgestellt wurden, ist es natürlich auch interessant zu erfahren, welche Änderungen bzw. Neuerungen für Entwickler verfügbar sind. Dazu betrachten wir zunächst die folgenden Programmiermodelle und klären, wo sie verfügbar sind (Abb. 1):

  • SharePoint-Farm-Lösungen (Farm Solutions)
  • Sandkastenlösungen
  • Add-Ins (vormals SharePoint Apps)
  • SharePoint Framework (SPFx).

Die möglichen Verfügbarkeiten lassen sich dann wie folgt unterteilen:

  • allgemeine Verfügbarkeit in SharePoint 2019
  • unterstützt auf modernen Seiten (neue Oberfläche)
  • unterstützt auf klassischen Seiten
Abb. 1: SharePoint.Programmiermodelle (Quelle: [1])

Abb. 1: SharePoint.Programmiermodelle (Quelle)

Das erste Programmiermodell beschreibt die klassischen, voll vertrauenswürdigen SharePoint-Lösungen. Diese ermöglichen die Nutzung der vollständig serverseitigen SharePoint-Programmierschnittstelle (API) und verlangen vom Entwickler tiefe Kenntnisse über SharePoint selbst. Voll vertrauenswürdige Lösungen werden weiterhin für klassische Seiten unterstützt, sind jedoch auf modernen Seiten nicht problemlos verwendbar. Das zweite Programmiermodell sind Sandkastenlösungen. Diese wurden für SharePoint Online beschränkt und erlauben keinerlei Ausführung von eigenem Code. Bei lokalen SharePoint-Installationen kann diese Limitierung aufgehoben werden. Die möglichen Verfügbarkeiten von Sandkastenlösungen entsprechen den zuvor erläuterten voll vertrauenswürdigen Farm-Lösungen. Das mit SharePoint 2013 eingeführte Add-in-Programmiermodell (vormals SharePoint Apps) wird weiterhin voll unterstützt. Eigene SharePoint-Add-ins können auf allen Seiten verwendet werden und haben somit keine Limitierung. Gleiches gilt natürlich auch für das neue SharePoint-Framework, das aktuell das bevorzugte Lösungsmodell für eigene SharePoint-Erweiterungen ist. Die Frage, die sich dann immer stellt, ist, welches Programmiermodell zu bevorzugen bzw. zu verwenden ist. Seit SharePoint 2016 solltefür eigene Erweiterungen, wenn möglich, stets das SharePoint-Framework eingesetzt werden. Bestehen jedoch Anforderungen, die nicht mit den verfügbaren, clientseitigen SharePoint-Programmierschnittstellen (APIs) realisiert werden können, bleibt als Option oft nur die Umsetzung von klassischen Farmlösungen, es ist aber auch ein hybrider Ansatz möglich. Anstatt die gesamte Lösung als Farmlösung zu realisieren, kann ebenso lediglich das fehlende clientseitige API über einen eigenen (REST-) Webdienst verfügbar gemacht werden. Der verbleibende Rest der Anwendung kann dann mit Hilfe des SharePoint-Frameworks realisiert werden.

Eingestellte oder veraltete Funktionen

Wie bei jedem neuen SharePoint-Release wurden auch hier einige Funktionen entfernt oder als veraltet markiert. Funktionen, die als veraltet angegeben werden, stehen zwar weiterhin zur Verfügung, werden aber nicht weiterentwickelt. Nutzt man solche Funktionen in eigenen Lösungen, sollte daher schnell nach einer möglichen Alternative gesucht werden. Es ist davon auszugehen, dass veraltete Funktionen beim nächsten SharePoint Release entfernt werden. Funktionen, die als entfernt markiert wurden, werden nicht mehr weiter unterstützt. Teilweise kann es zwar sein, dass solche Features noch im Produkt enthalten sind, doch können sie ohne weitere Vorwarnung bei einem Update des Produkts verschwinden. Entfernte Funktionen sollten daher nicht mehr verwendet werden. Zu den entfernten Features gehören:

  • Access Service 2010
  • Access Service 2013
  • aggregierter Newsfeed
  • benutzerdefinierte Hilfe
  • Groove-Synchronisierungsclient
  • InfoPath-Dienste
  • Listenwebdienst
  • maschinelle Übersetzung (und Varianten)
  • PerformancePoint-Dienste
  • SharePoint Designer
  • Websitepostfach
  • Site Manager

Für die meisten Anwender wird wahrscheinlich der zukünftige Wegfall des SharePoint Designers das größte Ärgernis sein. Aus Sicht von Microsoft ist es jedoch nachvollziehbar, dieses Werkzeug zu entfernen. Der SharePoint Designer ermöglicht zu viele direkte Zugriffe auf SharePoint-Daten. Verkehrt oder nicht mit Bedacht angewendet, kann er schnell zu problemhaften SharePoint-Zuständen führen. Aber Microsoft wird sicherstellen, dass der SharePoint Designer 2013 für den Rest des Clientunterstützungslebenszyklus (2026) zusammen mit SharePoint Server 2019 funktioniert. Über diesen Zeitraum hinaus wird der SharePoint Designer 2013 jedoch nicht mehr unterstützt werden. Zu den entfernten Features zählen die folgenden:

  • codebasierte Sandkastenlösungen
  • Digest-Authentifizierung
  • automatischer Modus für eingehende E-Mails
  • Mehrmandantenfähigkeit
  • PowerPivot-Katalog und -Aktualisierung
  • Visio Services – Silverlight-basiertes Rendering

Entwickler müssen an dieser Stelle wieder den Wegfall der codebasierten Sandkastenlösungen beachten. In früheren Versionen konnten fehlende serverseitige Funktionen über sogenannte Full-Trust Proxy-Module für eigene Lösungen bereitgestellt werden. Ebenso konnte ein freigegebener Ausschnitt an SharePoint-API-Methoden verwendet werden. Diese Möglichkeiten wurden nun mit SharePoint 2019 eingestellt. Nun erlauben die Sandkastenlösungen es überhaupt nicht mehr, eigenen Code einzuführen. Die Umsetzung von rein deklarativen Sandkastenlösungen ist aber weiterhin möglich. Enthalten Sandkastenlösungen jedoch eigenen Code, werden sie blockiert. Diese Beschränkung ist bei SharePoint Online bereits seit ca. 2 Jahren aktiv. Weitere Informationen zu veralteten und entfernten Funktionalitäten sind in der Dokumentation zu finden.

Fazit

Der SharePoint Server 2019 bringt nun viele Funktionen, die schon in der Cloud-Version verfügbar waren, in das lokale Netzwerk. Da SharePoint 2019 auf der Codebasis von SharePoint Online aufsetzt, ist das auch verständlich. Durch die einheitliche Codebasis reduziert sich auch der Aufwand für die Bereitstellung einer On-Premises-Version. Daher kann davon ausgegangen werden, dass es (demnächst?) noch ein On-Premises-Release von SharePoint geben wird. In der nächsten Ausgabe dieser Kolumne widmen wir uns wieder speziellen Entwicklerthemen, nämlich der Installation und Konfiguration einer Entwicklungsumgebung für – natürlich – SharePoint 2019.

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