Kommentar: Ein Jahr Windows 10 – und das ist erst der Anfang

Windows 10 – gekommen, um zu bleiben
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Windows 10 hat sein erstes Jahr am Markt hinter sich. Die laut Microsoft über 350 Millionen Installationen in dieser Zeit sind sicher ein Erfolg – aber das ist erst der Anfang. Auch wenn es Microsoft nicht gelingen wird, die zum Start anvisierte Zahl von einer Milliarde Windows-10-Geräten bis 2018 zu erreichen – Windows 10 ist gekommen, um zu bleiben.

Microsoft hat ein Betriebssystem vorgestellt, dass sich von allen Vorgängerversionen der vergangenen 30 Jahren unterscheidet. Es ist ein System, das auf jedem Windows-Gerät läuft. Dazu zählen neben klassischen PCs auch Smartphones, IoT-Geräte, die Xbox, der Server und die HoloLens – und im Backend sollte auch Microsoft Azure nicht vergessen werden. Allen gemeinsam ist der Kern und die Möglichkeit, eine Windows-Universal-Plattform (UWP)-App zu nutzen. Hinzu kommt die permanente Weiterentwicklung des Systems, die es frisch und aktuell halten sollen. Windows auf allen Plattformen, d.h. auch keine Fragmentierung wie bei Android und nicht so angestaubt wie Mac OS X mit seiner Kluft zu iOS. Jedenfalls ist das so, solange man dieses Ziel in Redmond nicht aus den Augen verliert.

Windows 10 jetzt nicht mehr kostenlos

Jetzt wird es ernst für Windows 10. Bis zum 29. Juli wirkte alles noch wie ein Debütanten-Jahr. Jeder hatte die Gelegenheit, sich mehr oder wenig gelenkt mit dem neuen System aufs Parkett zu wagen und es kennen zu lernen. Das ist jetzt vorbei. Jetzt kostet Windows 10 Geld, ist ein „richtiges Produkt“, keine Option mehr, sondern eine sehr ernste Sache. Es hat nun einen Preis, ist kein Geschenk mehr, das man brüsk oder dankend ablehnen kann oder von dem man sich belästigt fühlt.

Wer jetzt den Bedarf sieht, der muss zahlen. Entweder für einen neuen PC oder für das System. Aber das kostenlose Angebot richtete sich ohnehin an die Consumer. Wer das Upgrade genutzt hat, verfügt nun und für die Laufzeit seines Geräts immer über die aktuellste Version von Windows – auch ein Novum. Das Anniversary-Update, das heute, am 2. August, ausgespielt wird, ist auch kein Servicepack. Es ist ganz einfach die nächste Version des Systems und mit jedem Update kommen neue Funktionen und Verbesserungen hinzu – alles in allem, recht unspektakulär.

Neue Geschäftsmodelle mit Windows 10

Wirklich interessant wird die Zukunft von Windows 10 aber erst, wenn die Unternehmen in der Breite anfangen zu migrieren. Denn Windows 10 ist mehr als ein Betriebssystem. Faktisch geht es darum, technisches Know-how in strategische Impulse umzusetzen, die neue Geschäftsmodelle ermöglichen oder bestehende verbessern. Mit Windows 10 lassen sich Cloud-Services und die Anforderungen der Nutzer so verbinden, dass Systeme und Anwender immer in der gleichen Weise aufeinandertreffen, egal welches Endgerät genutzt wird. Microsoft spricht hierbei von „Experience“ und Mobilität. Die gerne als nahtlos bezeichneten Übergänge zwischen Geräteklassen oder Plattformgrenzen sind hier nicht nur Marketing, sondern auch tatsächliche die Möglichkeit, Daten, durch entsprechende Services und APIs von überallher zu sammeln und nach überallhin zu verteilen.

Am Beispiel von Amazon, der noch unangefochtenen Nummer eins im Cloud-Geschäft, zeigt sich ganz gut, was Services für die IT und das Geschäftsmodell bedeuten. Mit seiner AWS-Plattform (Amazon Web Services) macht das Unternehme mehr Umsatz, als mit dem vordergründigen Kerngeschäft, dem Online-Handel. Aber ein Softwarehersteller oder klassisches IT-Unternehmen ist Amazon eben nicht. Microsoft ist mit Azure und Windows 10 genau auf dem Weg dahin. Allein die großen Modelle fehlen dafür in der Breite noch – allerdings ist Office 365 schon ein gutes Beispiel. Lösungen dieser Art zu erstellen, wird die eigentliche Herausforderung an die Industrie. Denn Windows 10 ist nicht nur ein Tool in der Hand von Microsoft. Das damit zur Verfügung gestellte System ist ein Werkzeug in der Hand der Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle auf Software aufbauen – und das dürften heute nahezu alle sein. Und dabei geht es eben nicht nur um Apps, sondern ums Ganze.

Anniversary-Update: Kommunikation ist auch ein Feature

Was Windows 10 über die technologische Ebene hinweg auszeichnet, ist die neue Offenheit in der Kommunikation. So hat Microsoft über das Insider-Programm den Austausch mit den Anwendern gesucht und geübt. Ein Resultat daraus sind die vielen Features des Anniversary-Updates. Mindestens ebenso wichtig ist, dass Microsoft nicht mehr der große, nutzerignorierende Dominator alter Zeit ist, sondern auch ein Gesprächspartner für unabhängige Entwickler und Wettbewerber in der Industrie sein will. Das zeigt sich vor allem in der Open-Source-Strategie des Unternehmens. Zum einen werden immer mehr Produkte Open Source gestellt – allen voran das .NET-Framework – zum anderen werden immer mehr Open-Source-Projekte auf die Windows-Plattform gebracht – wie z.B. Linux – oder einfach eingebunden wie Git und zahlreiche andere Lösungen.

Zudem führen Projekte wie TypeScript, Edge und Visual Studio Code dazu, dass auch die Webentwicklung besser mit Windows verbunden ist. Hierdurch holt man sich die echte Cross-Plattform-Erfahrung klassischer Webentwickler ins Haus und bietet ihnen ebenfalls neue Möglichkeiten. Aber auch intern hat die Umstellung auf eine Scrum und DevOps geprägte Kommunikations- und Entwicklungskultur zu einem Wandel geführt. Die nächsten Windows-10-Insider-Builds für August sind auch schon angekündigt.

Windows 10 aus Entwicklersicht

Was bedeutet das nun für Entwickler und Unternehmen, wenn es jetzt ernst wird mit Windows 10 und seiner Cloud-Anbindung? Nach meiner Ansicht: ganz einfach ein Tänzchen wagen, aber unter echten Marktbedingungen! Die Industrie wird in ein paar Jahren nachziehen und dann ist es „Tadapuff“ da und sollte keine Überraschung mehr sein. Windows 10 wird nicht mehr für Jahre vorschreiben, was der Standard ist, sondern wird sich mit diesen entwickeln. An diesem Prozess können und sollten sich Entwickler und Unternehmen beteiligen.

Der Vorteil ist, dass man zum einen weitermachen kann wie bisher – alles, was für Windows 7 funktioniert, sollte auch auf Windows 10 gehen. Aber mit Windows 10 geht eben mehr – vor allem fallen alte Beschränkungen und Festlegungen weg – und das sollte man nutzen. Die Hürde dazu ist nicht allzu hoch, da aus Entwicklersicht die Tools und Sprachen vertraut sind, sich damit aber neue Plattformen erreichen und neue Konzepte umsetzen lassen.

Digitale Transformation ist hier ein Schlagwort, denn damit schlägt die Zukunft die Vergangenheit. Die IT-Industrie hat in den letzten Jahren einen Entwicklungsstand erreicht, der tatsächlich revolutionär ist. Windows 10 ist ein Baustein in diesem Mosaik, der sich gut einfügen und nutzen lässt. Das Ganze hat seine Ecken, Kanten, Macken und Tücken, aber es ist doch grundlegend neu und auf der höhe der Zeit – immer.

Entwickeln bleibt harte Arbeit

Und eins ist auch klar: Gute Software zu entwickeln, bleibt harte Arbeit. Immer wenn man liest „nahtlos, einfach, schnell, etc.“, dann ist das in der Regel viel Marketing. Aber mit Entwicklerkompetenz, Fleiß und Hirnschmalz sind mit Windows 10 und seinen Anschlussmöglichkeiten mehr Dinge möglich, als bisher. Ich denke, es ist die Aufgabe der Entwickler, ihren Kunden die Lösungen zu bauen, die sie brauchen und mit denen sie umgehen wollen. In einer Industrie, in der Stillstand (downtime) nicht denkbar ist, sind neue Versionen immer Angebote für neue Lösung, aber nie das Ende.

Aus dieser Sicht begrüße ich das Ende der Debütantenzeit von Window 10 und bin gespannt zu sehen, was daraus wird. Natürlich auch aus beruflichem Interesse, denn in Ihrem Interesse informieren wir Sie als Entwickler und Architekten auf entwickler.de, im Windows Developer und der BASTA! objektiv und kritisch begeistert und am Puls der Zeit über die Trends in der Microsoft-Welt.

 

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