Kolumne: Moderne IT-Fabeln - Kapitel 3

IT-Fabeln: Vom Esel, der sich nicht verstanden fühlte

IT-Fabeln: Vom Esel, der sich nicht verstanden fühlte

Kolumne: Moderne IT-Fabeln - Kapitel 3

IT-Fabeln: Vom Esel, der sich nicht verstanden fühlte


Die meisten mögen aus ihrer Kindheit die eine oder andere Fabel kennen, wie beispielsweise die Geschichte vom „Hasen und der Schildkröte“ oder vom „Wolf und dem Kranich“. Dabei zeichnet sich die Fabel immer durch zwei Dinge aus: einen Konflikt, der zwischen zwei oder mehr Tieren stattfindet, und eine Lehre in Form einer Moral. Im Gegensatz zu anderen Kurzgeschichten geht die Fabel oftmals nicht gut aus und verstärkt dadurch die Wirkung der Moral. Der Autor Stefan Jacobs erzählt in dieser Kolumne seine eigenen Fabeln aus der IT-Welt, von denen manche gut ausgehen, manche aber auch nicht. Und genau wie in der klassischen Fabel gibt es auch hier immer eine Weisheit zum „mit nach Hause nehmen“.

Die Fabel

Missverständnisse in der Kommunikation entstehen tagtäglich. Meistens sind sie banal und können mit einem Augenzwinkern oder Lachen wiedergutgemacht werden. Im Projektalltag hingegen können Missverständnisse oft teuer werden. Besonders gravierend können sie dann sein, wenn zunächst gar nicht klar ist, dass es sie überhaupt gibt.

Es war einmal ein reicher Esel, der besaß einen immensen Berg an Karotten (Abb. 1). Der Esel war in der Gegend als gutmütiger und netter Geselle bekannt, vielleicht auch als ein wenig naiv. Nun wohnte er schon lange in einer schönen Gegend auf dem Lande und hatte auf seinem Grundstück noch etwas Platz, weshalb er sich entschloss, sich ein schönes kleines Gartenhäuschen bauen zu lassen. Für dieses Häuschen war er auch durchaus bereit, mit seinen vielen Karotten zu bezahlen. Doch natürlich sollte die Gegenleistung dafür auch stimmen.

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Abb. 1: Es war einmal ein reicher Esel …

So heuerte er den Biber an, einen Meister seines Fachs, der bekannt dafür war, besonders schöne Holzbauten anzufertigen. So hatte der Esel bereits von den Bauten des Herrn Bieber gehört und von vielen seiner zufriedenen Kunden. Der Biber jedoch unterschlug dem Esel, wenn auch unabsichtlich, dass er bisher lediglich Erfahrungen im Bauen von Biberbauten auf dem nahegelegenen Fluss gesammelt hatte – war es doch für den Biber selbstverständlich, dass er die Bauten so und nicht auf andere Weise baute. Und so begann eine unglückliche Verkettung von Missverständnissen:

Esel: „Ich stelle mir das so vor: Ein kleines Gartenhäuschen mit einem regenfesten Dach hätte ich gerne. Darin möchte ich alle meine Werkzeuge lagern können. Auch wäre es schön, wenn ich dort selbst verweilen könnte, sollte ich einmal einen Rückzugsort benötigen. Du bist ja ein Experte auf deinem Gebiet. Ich vertraue dir, dass du am besten weißt, wie man ein solches Gartenhäuschen baut.“

Biber: „Nun, das sollte mit Sicherheit machbar sein. Ich habe schon viele Dinge gebaut und bisher hat sich keiner meiner Biberkunden beschwert. Ich weiß genau, was du willst! Ich mache dir auch ein schönes regenfestes Dach. Das kriegen wir schon hin. Wie läuft das mit der Bezahlung?“

Esel: „Siehst du diesen Berg Karotten? Ich bin bereit, dir dafür einen angemessenen Anteil...