Google-Studie enthüllt den Zusammenhang zwischen Team-Interaktion und Team-Erfolg

Project Aristotle – Googles Weg zu mehr Teameffektivität
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Die Interaktion in einem Team ist von größerer Bedeutung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit als seine Zusammensetzung – zu diesem Ergebnis kam die kürzlich abgeschlossene Studie „Project Aristotle“ von Google.

Ein Großteil der Arbeit bei Google (und in vielen anderen Unternehmen) wird in Teams erledigt. In diesen Einheiten werden innovative Ideen entwickelt und getestet, in ihnen verbringen die Angestellten die meiste Zeit. Aber Teams sind auch die Orte, an denen zwischenmenschliche Probleme, schlechte Eigenschaften und unklare Gruppenziele zu Unproduktivität und Spannungen führen können.

Project Aristotle – „mehr als die Summe seiner Teile“

Googles Forschungsprojekt wurde nicht grundlos Project Aristotle genannt. Die Namenswahl bezieht sich auf das Zitat des Philosophen Aristoteles: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Ziel war es, herauszufinden, was genau ein Team bei Google effektiv macht. Es baut damit auf den Vorgänger Project Oxygen auf, in dessen Rahmen analysiert worden war, was einen guten Manager ausmacht.

Als erste Annäherung an den Forschungsgegenstand war es zunächst nötig, zu definieren, was genau ein Team eigentlich ist. In Abgrenzung zu Arbeitsgruppen, deren Mitglieder nur zu einem geringen Teil voneinander abhängig sind, stellt sich bei Team eine weitaus verflochtenere Struktur heraus: Teams planen Arbeitsschritte, lösen Probleme, treffen Entscheidungen und überprüfen den Fortschritt eines Projekts gemeinsam. Ihre Mitglieder sind auf ihre Teamkollegen angewiesen, um Aufgaben erledigen zu können. Die untersuchten Gruppen hatten zwischen drei und 50 Mitglieder, durchschnittlich waren es neun.

A team is a small number of people with complementary skills who are committed to a common purpose, performance goals and an approach for which they hold themselves mutually accountable.

The Wisdom of Teams. Creating the High-Performance Organization
by Jon R. Katzenbach and Douglas K. Smith (1993)

Im nächsten Schritt versuchte das Project-Aristotle-Forschungsteam zu bestimmen, wie es möglich sein könnte, Effektivität sinnvoll zu erfassen. Bei der Betrachtung objektiver Effektivitätsmaßstäbe stellte sich heraus, dass diese allein nicht ausreichen würden. Stattdessen sollte auch die qualitative Einschätzung der Teammitglieder aus ihren verschiedenen Perspektiven (Geschäftsführer-, Gruppenleiter- und Gruppenmitgliedsebene) mit in die Bewertung der Teameffektivität einbezogen werden. Denn obwohl alle aufgefordert waren, die Effektivität der Gruppe zu beurteilen, unterschieden sich die Begründungen je nach Perspektive deutlich: Während die Geschäftsführer vor allem mit Ergebnissen wie tatsächlichen Verkaufszahlen beschäftigt waren, hatte für die Teammitglieder die interne Teamkultur den größten Einfluss auf die Effektivität.

Daten sammeln und Effektivität messen

Die untersuchten Teams – eine Mischung aus insgesamt 180 hervorragenden und weniger leistungsstarken Teams – wurden auf ihre Zusammensetzung und die Gruppendynamik hin analysiert.

Laut Julia Rozovsky, Teil des People-Analytics-Forscherteams, konnte dabei festgestellt werden, dass Teameffektivität weniger von den Personen im Team abhing, als vielmehr von der Art und Weise, wie sie zusammenarbeiteten. Dabei identifizierten die Forscher in den herausragenden Teams immer wieder die gleichen Themen und legten die fünf häufigsten als Effektivitätssäulen fest.

Die Effektivitätssäulen geordnet nach absteigender Wichtigkeit im Überblick:

  1. Psychologische Sicherheit: Der Parameter Psychologische Sicherheit beschreibt, wie sicher sich die einzelnen Teammitglieder damit fühlen, ein zwischenmenschliches Risiko einzugehen. Fühlen sie sich eher unsicher, könnten sie fürchten, bei Nachfragen und Einsprüchen als ignorant, inkompetent oder negativ empfunden zu werden. In einem Team mit hoher psychologischer Sicherheit können sie selbstsicher alles äußern ohne befürchten zu müssen, von den anderen Teammitgliedern be- und verurteilt zu werden. (Amy Edmondsons TEDx talk zum Thema)
  2. Zuverlässigkeit: In zuverlässigen Teams erledigen die Mitglieder ihre Arbeit pünktlich und drücken sich nicht vor Verantwortung
  3. Struktur und Übersichtlichkeit: Die einzelnen Teammitglieder sollten sich im Klaren darüber sein, welche Erwartungen an sie gestellt werden, wie sie diese erfüllen können und auch an welchen kurz- und langfristigen Zielen das Team arbeitet.
  4. Sinn: Für die Teameffektivität ist auch wichtig, ob die Mitglieder eine Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit selbst oder deren Resultat sehen. Diese können sich individuell stark unterscheiden: finanzielle Sicherheit, Unterstützung der Familie oder Selbstverwirklichung des Individuums.
  5. Einfluss/Effekt: Die Ergebnisse der eigenen Arbeit und dass diese einen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens beitragen, ist ebenso wichtig.

Variablen, die in dieser Studie von Google keine Auswirkungen auf die Effektivität des Teams hatten, waren beispielsweise die räumliche Nähe der Arbeitsplätze, von Konsens getragene Entscheidungen, die individuelle Leistung der einzelnen Teammitglieder, Arbeitsumfang oder die Größe des Teams.

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Wer nun aber meint, diese Faktoren außer Acht lassen zu können, täuscht sich. Google betont, dass diese Variablen dennoch in anderen Unternehmen und Kontexten durchaus wichtig für die Gruppeneffektivität sein könnten. Google sichert sich sogar noch weiter ab und weist in seiner Zusammenfassung der Studie ferner darauf hin, dass sich die genannten Ergebnisse auf Google und seine Unternehmensstrukturen beziehen und keineswegs zur Verallgemeinerung bestimmt sind.

Mehr zum Thema Teamarbeit lesen sie hier.

Anwendungsmöglichkeiten

Nichtsdestotrotz könnten die Erkenntnisse der Project-Aristotle-Studie auch für andere Unternehmen oder Teams von Vorteil sein. Über die reinen Studienergebnisse hinaus entwickelte das Forscherteam von Google auch ein einfaches Tool, das es auch jedem Nicht-Google-Team möglich machen soll, seine Dynamik zu verstehen. Die darin enthaltenen Fragen beziehen sich auf die zuvor in der Studie isolierten Effektivitätssäulen:

  • Psychologische Sicherheit: „Wenn ich im Team einen Fehler mache, wird mir das nicht übelgenommen.“
  • Zuverlässigkeit: „Wenn meine Kollegen sagen, dass sie etwas tun, halten sie sich auch daran.“
  • Struktur und Übersichtlichkeit: „Unser Team hat einen effektiven Entscheidungsfindungsprozess.“
  • Sinn: „Die Arbeit, die ich für das Team mache, ist bedeutungsvoll für mich.“
  • Einfluss/Effekt: „Ich verstehe, wie die Arbeit unseres Teams zum Erfolg des Unternehmens beiträgt.“

Die aktuelle Situation im Team zu erfassen, ist der erste Schritt in Richtung mehr Teameffektivität. Darauf aufbauend können dann Maßnahmen ergriffen werden, die Arbeit im eigenen Team zu verbessern. Denn so einfach lässt sich psychologische Sicherheit beispielsweise nicht erzeugen: Es handelt sich hierbei ja nicht um eine tatsächliche Fähigkeit des Teams. Stattdessen müsse man aber an den kommunikativen Fähigkeiten der Teammitglieder arbeiten, um schließlich eine höhere psychologische Sicherheit zu erreichen.

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