Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Ecaterina Cerneatovici

Women in Tech – „Selbstbewusst gegen Vorurteile ankämpfen“

Women in Tech – „Selbstbewusst gegen Vorurteile ankämpfen“

Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Ecaterina Cerneatovici

Women in Tech – „Selbstbewusst gegen Vorurteile ankämpfen“


In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Ecaterina Cerneatovici, Senior .NET-Developer bei ecx.io, an IBM Company.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Ecaterina Cerneatovici

Heute erzählt uns Ecaterina Cerneatovici, Senior .NET-Developer bei ecx.io – an IBM Company, ihre Geschichte. Nach ihrem Studium der Computer Science in Moldawien arbeitete sie zunächst sieben Jahre lang als Software-Ingenieurin beim Zentrum für staatliche Informationsressourcen „Registru“. Von 2011 bis 2013 arbeitete Ecaterina als .NET-Entwicklerin für webbasierte IT-Systeme mit Schwerpunkt Medizinbereich und E-Commerce. Seit mehr als zwei Jahren ist sie nun bei ecx.io tätig und ist für die technische Konzipierung, Abstimmung mit Kunden, Architektur und Umsetzung in allen Phasen des Projekts zuständig.

Ecaterina

Ecaterinas Geschichte beginnt in der Republik Moldau:

In Moldau absolvierte ich mein Studium mit einem Diplom und Master im Fach Computer Science. Während der Ausbildung verbrachte ich ein Jahr in Deutschland. Bei meiner Gastfamilie fühlte ich mich damals so wohl, dass ich unbedingt wiederkommen wollte. Erste praktische Berufserfahrungen sammelte ich im Masterstudium: neben der Uni entwickelte ich unter anderem Desktopanwendungen und Webseiten. Nach meinem Abschluss nahm ich zunächst einen Job in der Heimat an, aber Deutschland blieb als potentieller Arbeitsort immer im Hinterkopf. Und nicht nur dort, denn meine aktiven Bewerbungen führten in einem Urlaub überraschend schnell zum Erfolg, sodass ich mich nun endgültig an meinen ehemaligen Studienort niederließ.

Von der Mathebegeisterung zum Tech-Beruf spannt sich der Bogen in Ecaterinas Berufsleben. Die Leidenschaft für Tech kam mit dem Fach Informatik:

Die Weichen für meinen Berufsweg in Richtung Entwicklerin wurden bereits in der Schule gestellt. Das Interesse für Mathe war früh vorhanden, der Informatikunterricht hat mich dann aber vollends in seinen Bann gezogen. Meine Informatiklehrerin war gleichzeitig als Entwicklerin in einem Unternehmen tätig und weckte meine Begeisterung für diesen Beruf durch ihre spannenden Erzählungen. Im Unterricht programmierte sie mit uns Schülern kleine Spiele. Das praktische Ausprobieren meiner bereits erworbenen Kenntnisse hat mir sehr viel Spaß gemacht und war noch um ein Vielfaches faszinierender als der trockene Mathematikunterricht.

Somit war der spätere Berufsweg plötzlich klar:

Durch den Einblick in die Welt der Entwickler, den meine Informatiklehrerin mir verschafft hatte, war die Richtung für meinen künftigen Berufsweg nun klar: Ich wollte später auch in der Tech-Branche arbeiten. Mit meinem Studium in Computer Science schlug ich diese Richtung ein und ging die ersten Schritte auf diesem Weg.

Auch wenn der Weg nicht immer leicht war, half Ecaterina ihr weibliches Vorbild:

Dass Frauen auch in Männerberufen erfolgreich sein können, hat mir mein Vorbild Walentina Tereschkowa – die erste Frau im Weltraum – gezeigt. Noch als Kind habe ich ein Buch über sie gelesen. Ihre Geschichte klingt wie ein modernes Märchen: Auch nach mehrmaligen Absagen bewarb Walentina Tereschkowa sich wieder und wieder für die Kosmonautenschule, bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Ihr starker Wille und ihre Selbstdisziplin haben mich sehr fasziniert.

Frauen, die in der IT-Branche erfolgreich sein wollen, dürfen nicht zimperlich sein – das musste Ecaterina früh lernen.

Das haben wohl alle Frauen, die im Tech-Bereich tätig sind, erfahren müssen. Auf dem Weg zu meiner jetzigen Position musste ich immer wieder aufs Neue beweisen, was ich kann. Manchmal zweifelte man meine Fähigkeiten nur an, weil ich eine Frau bin. Davon darf man sich aber nicht ausbremsen lassen. Da hilft nur: Nicht darauf achten, sondern sich mehr anstrengen und ständig weiterentwickeln.

Ich wünsche mir für die Frauen, die noch ganz am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen, dass sie im Beruf nach ihren Kompetenzen und nicht nach ihrem Geschlecht beurteilt werden. Denn davon profitieren beide Seiten.

Hält man sich an dieses Mantra, kann man es in der Tech-Branche weit bringen und sein Glück finden:

In meinem jetzigen Job bei der Düsseldorfer Digitalagentur ecx.io bin ich dort angekommen, wo ich sein will. Ganz besonders schätze ich an meiner Tätigkeit die engen Kundenkontakte. Ich bin in ständiger Kommunikation mit meinen Kunden, besuche sie oder empfange sie hier vor Ort. Alle zwei Wochen finden Kundenmeetings statt, in denen ich direktes Feedback erhalte. So bleiben wir stets auf dem richtigen Weg und vermeiden Fehler.

Mein großer Erfolg bei ecx.io war ein Projekt für einen Flughafen aus NRW, bei dem ich als technische Architektin fungiert habe. Dafür wurde auch ein Award verliehen. Zurzeit arbeiten wir an vielen Projekten mit anderen großen Kunden zusammen und verwenden dabei moderne Technologien, die die Kunden stark fördern.

Frauen müssen sich trauen, findet Ecaterina. Nur mit Mut kann Diversity zur Selbstverständlichkeit in der Tech-Branche werden.

Ich habe das Gefühl, dass in den Unternehmen der Tech-Branche schon ein Umbruch in Richtung Diversity im Gange ist. In der Gesellschaft sitzen die Vorurteile immer noch tief. Der Irrglaube, dass Männer Tech automatisch besser können, ist allgemein noch recht weit verbreitet. Deshalb wird die vollständige berufliche Emanzipation der Tech-Frauen wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber gerade deshalb gilt: Traut euch, Mädels!

Nimmt Frau diese Herausforderung aber beherzt an, dann liegt der Erfolg in greifbarer Nähe. Leider schrecken noch allzu viele Frauen vor dem Kampf gegen männliche Tech-Windmühlen zurück. Die Branche wird sich aber nur diversifizieren, wenn wir Frauen uns trauen. Traut euch, das zu machen, was euch Spaß macht, dann wird es auch klappen!

Und immer daran denken: Das Potential, das eine Frau als Bewerberin für ein Unternehmen mitbringen könnte, einfach unbesehen zu verschenken, kann sich die Tech-Branche heutzutage eigentlich gar nicht mehr leisten.


Wie sind eure Erfahrungen als Frauen in der Tech-Branche? Und wie seht ihr Männer das – fehlen euch qualifizierte Frauen als Kollegen? Schickt uns eure Erfahrungen, Meinungen, Wünsche per Mail an redaktion@entwickler.de!

Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitete sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.


Weitere Artikel zu diesem Thema