Die Transformation des Responsive Design und der Aufstieg der Wearables

6 Mobile-App-Design-Trends in 2016
Kommentare

Im Mobile App Design ist ein Wandel feststellbar. Nicht mehr das einzelne Gerät steht im Mittelpunkt, sondern das gesamte Ökosystem – was vom Device über den Kontext bis hin zur Person reicht – muss bei der Entwicklung mobiler Anwendungen im Auge behalten werden. Wie die sechs Mobile-App-Design-Trends für 2016 zeigen, wird das Schlagwort der Mobilität in Zukunft bei der Gestaltung von Applikationen den Ton angeben.

Zunehmend mehr Menschen haben ein mobiles Endgerät. Wie die Zahlen von Global Webindex belegen, besitzen vier von fünf Leuten ein Smartphone und knapp die Hälfte von ihnen ein Tablet. Jeder Zehnte nennt sogar ein Wearable wie beispielsweise eine Smartwatch oder ein Fitnessarmband sein Eigen. Die Zunahme an mobiler Hardware wirkt sich auf das Surfverhalten der Nutzer aus. So gehen derzeit zwei Drittel der User mit einem mobilen Endgerät online, wobei jeder Dritte ein Tablet nutzt. Geräteübergreifend verwenden die Anwender rund zwei Stunden täglich auf das mobile Surfen.

Es ist also wenig verwunderlich, dass die Relevanz von Webseiten durch die wachsende Zunahme der Bedeutung mobiler Endgeräte deutlich gesunken ist. Um digitale Dienste und Services in Anspruch zu nehmen, greifen die Nutzer mittlerweile am liebsten zur App. Im Gegensatz zur klassischen Webseite punkten mobile Applikationen durch eine bessere Performance und Reaktionszeit. Unterschätzt werden darf zudem nicht die bessere Einbindung gerätespezifischer Features. So ergab eine Studie von Oracle, dass 63 Prozent der Befragten eine mobile Anwendung meiden, wenn sie eine schlechte Performance und Ladegeschwindigkeit besitzt. Im Gegensatz dazu würde nur knapp die Hälfte der Befragten bei einem schlechten Interface-Design die App links liegen lassen.

Aber mobile Applikationen laufen nicht nur dem Surfen mit dem Browser den Rang ab. Sie spielen auch bei der Bewertung von Unternehmen und ihren Produkten eine immer wichtigere Rolle – insbesondere bei der Zielgruppe der sogenannten Millennials. Die Erfahrungen, die sie mit einer mobilen App machen, haben einen starken Einfluss auf die Wahrnehmung und das Image einer Marke. So gaben 55 Prozent der Befragten an, dass sie Produkte und Dienstleistungen nicht in Erwägung ziehen, wenn sie mit der mobilen App eines Unternehmens schlechte Erfahrungen gemacht haben. 27 Prozent sehen in schwachen Apps sogar generell ein Indiz für minderwertige Artikel und schlechten Service.

Jedoch ist der zunehmende Einfluss auf das Surfverhalten und die Markenwahrnehmung nicht gleichzusetzen mit einem wachsenden Misstrauen gegenüber mobilen Anwendungen – ganz im Gegenteil. So wünschen sich 72 Prozent, Produkte und Dienstleistungen direkt per App zu erwerben. 71 Prozent gaben an, ihre Rechnungen am liebsten mobil verwalten zu wollen. Und 65 Prozent sind gewillt, via mobilem Endgerät Service-Anfragen und Feedback zu geben.

Mehr als genügend Gründe also, um einen genaueren Blick auf die Top 6 der Mobile-App-Design-Trends für das Jahr 2016 zu werfen.

1. Simple Navigationen

Die Steigerung der Performance und intuitiven Bedienbarkeit sind nur zwei Aspekte einer guten User Experience. Unter UX versteht man generell, dass das Design an die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer angepasst wird. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Steigerung der User Experience im Mobile App Design ist die Navigation. Die User erwarten, dass sie sich durch Inhalte und Angebote nahtlos und ohne großen Aufwand navigieren können – sie wollen so genau das finden, was sie suchen.

Wie Marc Schenker feststellt, steht und fällt ein gutes Menü mit der richtigen Auswahl der Kategorien. Hierbei bedarf es nicht vieler Elemente, um die UX zu steigern. Auf mobilen Geräten ist die sinnvolle Einteilung der vorhandenen Ausgabefläche deutlich anspruchsvoller als bei Desktop-Anwendungen. Menüs mit einer Vielzahl von Kategorien und Unterpunkten sind hier nicht geeignet.

Um den begrenzten Platz möglichst effektiv zu nutzen, ist deshalb die Integration eines Suchfeldes sinnvoll. Mithilfe der Funktionen können die Anwender schnell und selbstständig das Richtige finden – ganz egal, ob es sich um einen Artikel, ein Produkt oder eine Kontaktadresse handelt. Damit das Feature leicht zu finden und zu benutzen ist, sollte es am oberen Bildschirmrand lokalisiert werden.

suchleiste-facebook

Suchleiste am oberen Bildschirmrand, Quelle: itunes.apple.com

Ein weiteres bekanntes Element ist der Home-Button, dessen Funktion den meisten Nutzern vertraut ist. Neben seiner intuitiven Bedienbarkeit punktet das Home-Icon durch eine effiziente Aufbereitung der elementaren Content-Angebote und weiterführender Inhalte. Da die User oftmals nicht nur mit einer App, sondern mit mehreren gleichzeitig interagieren, stellt die Home-Funktion eine bewährte Möglichkeit zur schnellen Orientierung dar.

Die Anwender wollen sich schnell und einfach zurechtfinden und gleichzeitig die angebotenen Inhalte geräte- und plattformübegreifend teilen. Ein weiterer nennenswerter Menüpunkt sind daher Share-Icons. Indem die Nutzer die Inhalte teilen, nimmt die Präsenz des eigenen Contents in sozialen Netzwerken zu, was wiederum zu einem Anstieg der Konversion und Reichweite führt.

Neben diesen drei grundlegenden Punkten hängt die restliche Auswahl der Kategorien davon ab, welche Art von Produkt oder Dienstleistung angeboten wird. Bei E-Commerce-Angeboten ist die Integration der kaufstärksten Kategorien sinnvoll, während Unternehmen, die ihre Dienstleistungen an Kunden verkaufen wollen, mit einem Kontakt-Formular und einer About-Us-Rubrik punkten können.

zalando-kategorien-e-commerce

E-Commerce-Kategorien, Quelle: itunes.apple.com

Bei mobilen Applikationen ist es essenziell, dass nur so viele Kategorien integriert werden, wie unbedingt notwendig sind. Weitere Punkte können durch die Einbindung eines Hamburger-Icons eingegliedert werden. Auch dieses Symbol erfreut sich mittlerweile universaler Bekanntheit und wird von Branchengrößen wie Facebook verwendet. Allerdings hat der Einsatz dieser Funktion einen Haken: Angebote, die darauf setzen, dass die Nutzer neue Inhalte selbstständig entdecken, sollten von einer Implementierung absehen.

Neben der Reduzierung der Menüpunkte spielt ebenfalls die kreative Gestaltung eine zunehmend wichtigere Rolle. Laut Sheila Olson kann die simple Umsetzung durch den Einsatz innovativer Scroll-Optionen (horizontal, vertikal, modular und infinit) sowie durch die Verwendung verdeckter Bausteine unterstützt werden.

So bieten verdeckte Navigationen für Apps mit großen Content-Angeboten die Möglichkeit, das Design einfach und übersichtlich zu halten. Menüpunkte sind nur für eine kurze Zeit sichtbar und werden bei Inaktivität ausgeblendet. Das infinite Scrollen hingegen wird bereits von Social-Media-Plattformen wie Twitter und Instagram erfolgreich eingesetzt. Es sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit der Nutzer durch kontinuierliches Blättern nicht abreißt.

2. Die Transformation des Responsive Design

Die mobile Revolution hat nicht nur dafür gesorgt, dass die Nutzer von überall und zu jederzeit auf Dienste oder Services im Netz zugreifen können. Die Entwicklung hat außerdem dazu geführt, dass sich die Ausgabe, Gestaltung und Präsentation von Inhalten im Online-Bereich je nach Plattform und Gerät unterscheiden muss. Aufgrund der zahlreichen Publikationskanäle und –möglichkeiten im Netz kann nur so für eine gute Content Experience gesorgt werden.

Inhalte, die nur auf ein Gerät oder Plattform zugeschnitten sind, spielen daher kaum noch eine Rolle. Um für eine einheitliche Anzeige und Lesbarkeit zu sorgen, hat sich in den vergangenen Jahren eine Methode durchgesetzt: das Responsive Design. Allerdings besitzt die Strategie einen großen Haken: die Skalierung des Contents bleibt nur auf die technische Umsetzung begrenzt.

Die Transformation des Responsive Design im Mobile-App-Segment richtet seinen Blick nicht nur auf die Geräteauflösung, sondern reagiert auch responsiv auf die Nutzer. Bei der technischen Skalierung spielen nun kontextrelevante und personenspezifische Informationen, die serverseitig ausgelesen werden, eine wichtige Rolle. Die geräte- und plattformübergreifende Anpassung wird auf diese Weise durch eine situationsgerechte Optimierung des Contents ergänzt.

Das Ziel dieser Methode ist klar: Sie soll den Anwendern die bestmögliche Erfahrung im Umgang mit digitalen Inhalten bieten. Wie Karen McGrane anmerkt, bedeutet das nicht nur, den Usern die richtigen Inhalte zur richtigen Zeit anzubieten. Es heißt ebenfalls, die produzierten Inhalte in verschiedenen Situationen wiederverwenden zu können. Und hierfür muss bereits bei der Content-Erstellung der Fokus auf eine situationsgerechte Umsetzbarkeit gelegt werden.

Einige Beispiele für ein solches „Context-Aware-Design“ diskutiert Matt Carver in seinem Artikel. Werden über eine App beispielsweise Getränke verkauft, kann durch die Auswertung der Umgebungsdaten festgestellt werden, ob der Einkauf am Tag oder am Abend getätigt wird. Je nach Tageszeit kann morgens Kaffee und abends Tee angeboten werden. Durch die Ermittlung der Temperatur ist es zudem möglich, im Sommer Eiskaffee und Eistee statt warmer Getränke zu bewerben.

Denkbar ist zudem, die Bewegungssensoren mobiler Geräte auszuwerten und daraus Bewegungsprofile zu erstellen. Erkennt das Gerät beispielsweise, dass sich der Anwender fortbewegt, kann es die Größe von Buttons automatisch anpassen, damit sie beim Gehen leichter angeklickt werden können. Ebenfalls umsetzbar ist ein Interface, das seine Farbgestaltung auf die Tageszeit abstimmt – der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

3. Funktionale Animationen

Lange Zeit dienten Animationen nur als Eye-Candy. Sie sorgten dafür, dass die eigene App von den Anwendungen der Konkurrenz klar unterschieden werden konnte. Mittlerweile integrieren mehr und mehr Designer Animationen nicht mehr aus ästhetischen, sondern in erster Linie aus funktionalen Gründen.

Um die Performance der eigenen Anwendung zu steigern, hielten minimalistische Gestaltungskonzepte in das Mobile App Design Einzug. Strömungen wie das Flat Design besitzen allerdings einen erheblichen Nachteil: durch den Verzicht auf optische Ornamente ist nicht immer ganz klar, welche Elemente angeklickt werden können und welche nicht.

Das Flat Design hat sich deshalb zum Flat Design 2.0 weiterentwickelt – und auch am App Design ist dieser Evolutionsschritt nicht vorbeigegangen. Wie Sheila Olson feststellt, ist die Integration funktionaler Animationen darauf ausgerichtet, mögliche Interaktionsmöglichkeiten mit optischen Bausteinen zu visualisieren.

Laut Jerry Cao von UXPin und Sheila Olson können eine Vielzahl unterschiedlicher Elemente herangezogen werden, um die eigene App dynamischer erscheinen zu lassen. Hierzu zählen Layered Interfaces, die Benutzung von Overlays, die Einbindung komplexer Gesten (wie etwas Apple 3D Touch) und die Integration brauchbarer Mikrointeraktionen. Sie alle verfolgen den Zweck, durch die visuelle Gestaltung die User Experience zu steigern.

4. Stärkerer Fokus auf Typografien und Farben

Und auch in einem weiteren Punkt sind sich Olson und Cao einig: Das Mobile App Design wird sich in 2016 deutlich stärker auf skalierbare Typografien fokussieren als bisher; denn: Je kleiner der Bildschirm, desto wichtiger die Schriftart. Eine mangelhafte Skalierung geht zulasten der Lesbarkeit, die sich wiederum negativ auf die Benutzbarkeit und somit letztlich auf die User Experience auswirkt.

Ein mobiler Font zeichnet sich dadurch aus, dass er die Balance zwischen einer guten Lesbarkeit und den richtigen Abständen hält. Deshalb wird gerne auf einfache Schriftarten wie  (iOS) oder Robot (Android) zurückgegriffen. Darüber hinaus sorgt die verwendete Typografie für eine klare Hierarchie zwischen den einzelnen Textelementen – die Textausrichtung spielt hier ebenfalls eine entscheidene Rolle.

color-app-design-2016

Farbgestaltung im Material Design, Quelle: google.com

Aber der eingesetzte Font gewinnt nicht nur im Hinblick auf seine Funktionalität und Skalierbarkeit an Bedeutung. In Analogie zur Popularität von Hero Headern im Webdesign wird die visuelle Erscheinung mobiler Applikationen in Zukunft stärker durch ausdrucksstarke Typografien in Kombinationen mit White-Space oder hochauflösenden Bildern geprägt sein.

Die Designentwicklungen machen aber nicht bei der Schriftart halt, sondern wirken sich ebenfalls auf die Farbgestaltung aus. Setzten App-Designer in der Vergangenheit auf gedeckte Farben und weiche Kontraste, ist es wahrscheinlich, dass das Mobile App Design in 2016 von leuchtenden sowie experimentelle Farbpaletten dominiert wird – ganz im Sinne der Farbgebung des Material-Design-Ansatzes von Google.

5. Storytelling, Branding und Demokratisierung

Ein Trend im Webdesign ist die Steigerung der User Experience durch visuelle Narrative – diese Technik kommt nun auch im App Design immer häufiger zum Einsatz. Grund hierfür ist die Bewertung von Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens auf Basis der Erfahrungen mit digitalen Anwendungen.

Eine gute visuelle Geschichte zeichnet sich durch die gelungene Kombination erzählerischer, optischer und interaktiver Elemente aus, die ein kohärentes und harmonisches Gesamtbild ergeben. Dabei ist darauf zu achten, dass die Story sowohl auf die Bedürfnisse der User als auch auf die Ziele des Unternehmens zugeschnitten ist.

Das wichtigste Kriterium ist jedoch die aktive Einbindung der Anwender in die Erzählung. Sie ist der Schlüsselfaktor, damit die Nutzer die Interaktionen mit einer mobilen Anwendung positiv bewerten. Richtig umgesetzt, dient die App so als Schnittstelle zwischen der Online- und Offline-Präsenz eines Konzerns. Laxman Papinen hat vier Beispiele zusammengetragen, die zeigen, wie das Storytelling positiv in die eigene Applikation integriert werden kann.

Aber nicht nur große Unternehmen und etablierte Konzerne können die Vorteile mobiler Anwendungen zur Kundenakquise nutzen. Die App-Entwicklung demokratisiert sich durch Tools wie AppMakr oder BuildFire. Sie sollen es nahezu jedem ohne spezielles Vorwissen möglich machen, Apps eigenständig mit geringem Budget und in kurzer Zeit zu entwickeln.

6. Wearable-Technologien werden wichtiger

Wie den Testergebnissen zu entnehmen ist, besitzt nur rund jeder zehnte Nutzer eine Wearable. Aber Smartwatches und Fitnessarmbänder sind Indizien dafür, vor welchen Herausforderungen das Mobile App Design in Zukunft stehen wird: Die Gerätelandschaft wird sich zunehmend wandeln und vielfältiger werden.

apple-watch

Apple Watch, Quelle: apple.com

Statt mobile Anwendungen wie bisher ausschließlich für Smartphones und Tablets zu entwickeln, wird in absehbarer Zeit das Schlagwort der Mobilität ins Zentrum des Development-Prozesses rücken. Wie Sergio Nouvel in seinem Artikel argumentiert, müssen zukünftige Produkte kompatibel mit einer Vielzahl von Geräten, Sensortechniken und Netzwerktechnologien sein.

In Analogie zur Transformation des Responsive Design bedeutet das: Bei der Gestaltung steht nicht mehr das einzelne Gerät im Mittelpunkt, sondern das gesamte Ökosystem (Device, Kontext und Person) muss in Betracht gezogen werden. Smartphones sind nicht länger die einzigen kontextsensiblen Geräte, die situationsspezifische Daten liefern. Apps müssen daher sämtliche Schnittstellen so miteinander verbinden, dass sie in erster Linie zur Steigerung der User Experience beitragen.

Aufmacherbild: One hand holds a smartphone shop via Shutterstock / Urheberrecht: naum

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -