In vier Schritten die mobile User Experience der eigenen App verbessern

Mobile User Experience: Der erste Eindruck zählt
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Im App-Design hängt der dauerhafte Erfolg eines Produkts von einem ersten guten Eindruck ab. Springt der Funke nicht gleich zu Beginn über, ist es um eine langfristige Kundenbindung schlecht bestellt. Doch wie hinterlässt man von Anfang an ein gutes Bild? Damit es mit der Liebe auf den ersten Blick klappt, bedarf es einer guten User Experience.

Jeder vierte Anwender benutzt eine App nach erfolgreichem Download nur ein einziges Mal – das besagen zumindest die Zahlen von Localytics. Der Wert von 25 Prozent bedeutet einen Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2014 – Tendenz steigend.

Doch warum ist das so? In der Regel ist die Absprungrate auf eine schlechte User Experience zurückzuführen. Wenn das Angebot oder der Funktionsumfang die Nutzer im ersten Moment überfordert und die Orientierung zu viel Zeit in Anspruch nimmt, ist es um eine langfristige Kundenbindung eher schlecht bestellt.

Für eine erfolgreiche Neukundenakquise sowie konstant hohe Zugriffsraten muss es zwischen den Nutzern und der Plattform von Anfang an funken. Allerdings sind standardisierte Designmuster nicht immer das beste Mittel, um für eine passende Chemie zu sorgen. Die vier wichtigsten Punkte, die eine gute Mobile-UX im App-Design ausmachen, haben wir für euch zusammengestellt.

1. Die richtige Begrüßung

Der Ton macht die Musik – das gilt ebenfalls im App-Design. Die richtige Begrüßung stellt nicht nur den ersten Kontakt zwischen den Usern und der App dar, sondern bestimmt auch die Art und Weise ihres weiteren Verhältnisses. Da die Nutzer keine Maschinen, sondern Menschen mit Emotionen und Gefühlen sind, sollte auf all zu förmliche Anreden und Satzstrukturen verzichtet werden. Keiner möchte eine Gebrauchsanweisung lesen, wenn er mit einer Applikation interagiert.

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User persönlich ansprechen, Quelle: Airbnb.

Deshalb sollte man den Anwender zu Beginn nicht mit einer Liste der unterschiedlichen Features überfallen. Statt auf die Pluspunkte des Produkts direkt hinzuweisen, ist es ratsamer, die Vorteile für den Nutzer während der Benutzung nach und nach aufzuführen. Das Prahlen mit den eigenen Vorzügen wirkt nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen wenig anziehend.

2. Der Eincheck-Prozess

Auf die Begrüßung folgt in der Regel der Eincheck-Prozess. In dieser Phase lernen die User den Funktionsumfang eines Produkts genauer kennen. Im Zuge der Einleitung sollte klar werden, inwiefern die Anwender von der App profitieren können. Hierbei sollte man sich von den Kerneigenschaften zu den sekundären Features weiterarbeiten. Als Faustregel gilt: nur eine Idee pro Seite.

Während der Eincheck-Phase ist es essenziell, dem Benutzer das Gefühl zu vermitteln, dass er durch seine Interaktionen Fortschritte macht. Wenn User davon überzeugt sind, durch die eigenen Handlungen ihren Zielen näherzukommen, bleiben sie motiviert und schließen Aufgaben häufiger erfolgreich ab. Es sollte daher transparent kommuniziert werden, wie viele Screens, Tutorials oder Schritte noch nötig sind, um eine Aufgabe zu meistern.

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Die User haben aber nicht stets ausreichend Zeit und Lust, die komplette Reise mitzumachen. Als Alternative sollte daher immer die Möglichkeit geboten werden, sämtliche Schritte überspringen zu können. Ebenso wichtig ist es, die Nutzer nur dann zur Anmeldung aufzufordern, wenn es absolut notwendig ist. Hierbei ist es von Vorteil, den Log-in-Prozess so einfach wie möglich zu gestalten.

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Personalisierung per Social-Log-in, Quelle: feedly.

Um für einen möglichst reibungslosen Ablauf zu sorgen, greifen viele Unternehmen deswegen auf Social-Logins zurück. Der mühselige Prozess wird so durch einen Klick ersetzt und bereits vorhandene Kontakte sowie Informationen können ebenfalls auf die neue Plattform übertragen werden. Aber nicht jeder User setzt ausnahmslos auf Schnelligkeit. Oftmals spielen weitere Aspekte wie zum Beispiel die eigene Privatsphäre eine ausschlaggebende Rolle. Deshalb sollte auch immer die Möglichkeit eines separaten Logins angeboten werden. Manche Firmen gehen sogar schon so weit, gänzlich auf ein solches Prozedere zu verzichten und stellen ihre gesamtes Angebot ganz ohne Anmeldung zur Verfügung.

Ein weiteres wichtiges Element, um den Eincheck-Prozess möglichst benutzerfreundlich zu gestalten, besteht in einem ausgeklügelten Belohnungssystem. Die Prämierung von Erfolgsmomenten sollte so früh wie möglich und bereits bei kleineren Fortschritten erfolgen. So belohnt YouTube seine Anwender damit, ab der ersten Benutzung und ohne Registrierung Videos anschauen sowie suchen zu können.

Doch trotz aller Bemühungen ist es um die Liebe auf den ersten Blick nicht immer gut bestellt. Aber auch hierfür gibt es eine geeignete Lösung. Den Usern sollte stets die Option geboten werden, nach Abbruch der Kontaktaufnahme den Faden wieder dort aufnehmen zu können, wo er liegen geblieben ist. Durch die Speicherung der bei der Begrüßung gesammelten Daten können erneute Annäherungsversuche bereits auf vorhandene Auskünfte zurückgreifen. Einmal gemachte Angaben müssen so nicht ein zweites Mal eingetippt werden.

3. Userorientierte Designentscheidungen

Der erste Eindruck hängt vom richtigen Look ab. Visueller Content kann das menschliche Gehirn besser aufnehmen und deutlich schneller verarbeiten als Informationen in Textform. Der Eincheck-Prozess sollte daher durch visuelle Mittel unterstützt werden – damit sind aber nicht nur Bilder gemeint. Richtig eingesetzt sind Animationen genauso ein probates Mittel, um den User über den Funktionsumfang interaktiv zu unterrichten.

Allerdings sollte man nicht den Fehler begehen, sämtliche Erklärungsengpässe durch visuelle Elemente zu überspielen. Eine gute User Experience zeichnet sich dadurch aus, dass sie so wenig wie möglich erklärt werden muss und intuitiv von der Hand geht. So sollte das massenhafte Aufpoppen unterschiedlicher Tooltips vermieden und ihre Anzahl gering gehalten werden. Zwar stellen sie ein hilfreiches Mittel zur Vereinfachung und interaktiven Aufbereitung des Eincheck-Prozesses dar; sie stehen aber nicht per se für eine gelungene User Experience.

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Leere Räume sinnvoll nutzen, Quelle: tumblr.

Außerdem muss darauf geachtet werden, dass während des Checkins keine leeren Räume entstehen, die weder Content noch Daten beinhalten. Solche Bereiche sollten dazu genutzt werden, den Nutzern wertvolle Informationen zukommen zu lassen. Besonders beliebt unter UX-Designern ist die Implementierung von Aktionsfeldern. In sozialen Netzwerken beispielsweise dienen solche Leerstellen oft dazu, den User zu bestimmten Handlungen aufzufordern.

4. Bindung durch Personalisierung

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbesserung der User Experience liegt in der Personalisierung der Inhalte. Sie beginnt bereits vor dem Öffnen der App und geht auch über ihr Schließen hinaus. Unternehmen sollten auf Nutzer proaktiv zugehen und ausreichend Möglichkeiten zur plattformübergreifenen Kontaktaufnahme bereitstellen.

Ebenfalls darf nicht unterschätzt werden, dass viele User ihr Handeln an den Entscheidungen anderer ausrichten. Der Beschluss, eine App herunterzuladen, hängt oftmals von den Meinung Dritter ab. Als Gradmesser dienen hierbei Kundenbewertungen oder Downloadzahlen. Solche „Social Proofs“ gilt es vorteilhaft in das eigene App-Design zu integrieren. Außerdem ist ein Download wahrscheinlicher, wenn die Applikation durch einen Bekannten empfohlen wird, der die Software bereits nutzt. Das kalifornische Unternehmen Airbnb setzt auf eine solche Methode.

Personalisiertes Userverhalten macht es gleichsam möglich, die Interaktionen von Beginn an auf das Nötigste zu reduzieren. Beispielsweise sollten benötigte Berechtigungen nicht alle auf einmal, sondern nur dann eingeholt werden, wenn das betroffene Feature wirklich von den Anwendern genutzt wird. In einem solchen Fall ist ebenfalls darauf zu achten, die Nutzer zuerst über die Vorteile der Funktion zu unterrichten und sie erst danach um eine Bestätigung zu bitten.

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Berechtigungen erteilen, Quelle: Tep.

Häufig wird der Fehler begangen, die User durch einen falschen Sprachgebrauch persönlich anzugreifen. Eine auf dem Persönlichkeitsprofil basierende Aussage wie „Du hast keine Freunde“ kann die Beziehung stark belasten. An dieser Stelle ist es ratsamer, keine direkten Vorwürfe, sondern praktikable Lösungsvorschläge anzubieten. Statt auf die soziale Isolation hinzuweisen, sollte eine Anleitung zum Hinzufügen neuer Freunde eingebunden werden.

Fazit

Man bekommt nur sehr selten eine zweite Chance, um den ersten Eindruck zu revidieren. Deshalb ist beim Erstkontakt eine gute User Experience unerlässlich. Standardisierte Vorlagen helfen dabei, die UX zu steigern. Aber jede Applikation hat ihre ganze eigenen Herausforderungen und Tücken, die sich im Zuge ihrer Entwicklung ständig wandeln und stets neuer Lösungen bedürfen. Raum für Verbesserungen gibt es also immer. Die vier vorgestellten Punkte einer guten Mobile-UX können dabei helfen, das Optimum aus der eigenen App herauszuholen.

 

Aufmacherbild: Smoking couple in Pop Art style via Shutterstock / Urheberrecht: LuckyN

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