So werden Labels und Icons möglichst userfreundlich gestaltet

Navigation-Design: Die User Experience mithilfe von 3 Designprinzipien steigern
Kommentare

Die Wahrnehmung visueller Elemente wird stark durch die subjektiven Empfindungen der User gefärbt. Die daraus resultierenden Beschränkungen zu kennen, ist hilfreich, um die Interaktionen der Nutzer im Navigation-Design richtig einzuschätzen. Durch drei Designprinzipien können die negativen Effekte begrenzt und im Gegenzug die User Experience gesteigert werden.

George Markowsky, Professor für Informatik an der Universität von Maine, hat herausgefunden, dass das menschliche Gehirn in jeder Sekunde über elf Millionen Bits an Daten empfängt, aber lediglich fünfzig Bits in dieser Zeitspanne auswerten kann. Die angebotenen Inhalte überschreiten also notwendig die kognitive Leistungsfähigkeit der Nutzer.

Die Ergebnisse lassen sich auf die Entwicklungen im Netz übertragen. Die Anzahl der Webseiten, Apps, Artikel oder Werbemaßnahmen, die um die Aufmerksamkeit der User buhlen, wird von Tag zu Tag größer und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Egal ob man ein neues Produkt auf den Markt bringen möchte, mit einem bestehenden Unternehmen expandieren will oder schlicht die Absicht hat, seine Nachricht im Web zu verbreiten: Es wird immer schwieriger, in einer lauten Welt Gehör zu finden.

Heutzutage ist die Aufmerksamkeit der Nutzer deshalb zu einer knappen und umkämpften Ressource geworden. Eine gute User Experience zeichnet sich im Navigation-Design demzufolge dadurch aus, dass sie die Gunst der Anwender auf Anhieb gewinnt. Wer hier am lautesten schreit, hat aber meistens eher das Nachsehen.

Die Stärke der Selektion

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Die Teilnehmer eines Usability-Tests sind auf der Suche nach einem spezifischen Interface-Element. Häufig ist zu beobachten, dass die Probanden zwar direkt auf das gesuchte Objekt blicken, es allerdings nicht aktiv wahrnehmen. In der Psychologie ist dieses Phänomen unter dem Begriff der Unaufmerksamkeitsblindheit bekannt. Sie sagt aus, dass die Nichtwahrnehmung von Objekten durch die eingeschränkte Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns bedingt ist.

Die Auswertungen von Professor Markowsky werden also durch psychologische Erkentnisse untermauert. Den daraus resultierenden Effekt auf das kognitive Selektionsvermögen haben Daniel Simons und Christopher Chabris in einem Experiment mit komplexen und sich bewegenden Objekten und Ereignissen untersucht. Wer sich dem Test selbst unterziehen möchte, sollte vor dem Weiterlesen den Instruktionen des angefügten Videos folgen.

Wie ihre Studie „Gorillas in Our Midst“ zeigt, können Menschen selbst einen vorbeigehenden Akteur im Gorillakostüm übersehen, wenn ihre Aufmerksamkeit bewusst auf etwas anderes gelenkt wird. Knapp fünfzig Prozent der Probanden ist der Gorilla im Video nicht aufgefallen, weil sie sich auf das Zählen der Pässe konzentriert haben.

Die Testergebnisse legen zwei Schlüsse nahe. Zum einen hält das Gehirn dem täglichen Strom neuer Informationen durch das Mittel der Selektion stand. Es muss permanent entscheiden, welche Informationen relevant sind und welche nicht. Zum anderen werden nur Objekte und Details selektiv wahrgenommen, die die Aufmerksamkeit der Nutzer durch Anreize wecken (Konzentration auf die Pässe). Aber wie sehen solche Anreize aus?

Die Macht der Intuition

Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert das experimentalpsychologische Phänomen des Stroop-Effekts. Wie der Test belegt, verlangsamt sich die Reaktionszeit von Menschen, wenn bei der Benennung eines visuell dargebotenen Wortes der Inhalt des Wortes nicht mit der Farbe übereinstimmt. Deckt sich der Inhalt des Wortes mit der gesuchten Farbe, steigt die Reaktionszeit spürbar an. Wer diesen Effekt einmal an sich selbst testen möchte, kann das hier tun.

International JavaScript Conference 2017

<!–

Von 0 auf 100 – Performance im Web

mit Sebastian Springer (MaibornWolff GmbH)

–>

Wie das Experiment beweist, tritt der Stroop-Effekt auf, obwohl die betroffenen Personen die Wortinhalte überhaupt nicht beachten sollen. Die Erklärung ist simpel: Der Prozess des Lesens kann nur schwer unterdrückt werden, da er die viel stärker automatisierte kognitive Tätigkeit als das Benennen von Farben ist.

Mit Blick auf das selektive Vermögen zur Relevanzbestimmung von Inhalten legt das Stroop-Experiment folgenden Schluss nahe: Trainierte Handlungen laufen nahezu automatisch ab, während ungewohnte Handlungen eine höhere Konzentration benötigen und dadurch die Reaktionszeit verlangsamen. Die Hürde, um mit einem visuellen Element zu interagieren, ist demnach immer dann besonders niedrig, wenn die Nutzer mir ihrer Funktion intuitiv vertraut sind – darin besteht ihr Anreiz.

Die Rolle von Labels und Icons

Eine gute Menüführung zeichnet sich folglich durch transparente und leicht verständliche Elemente aus, die auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt sind. Die richtige Auswahl von Textbausteinen und visueller Komponenten erlaubt es, dass die Interaktionen den Anwendern intuitiv von der Hand gehen.

Wie die Ergebnisse des Stroop-Experiments beweisen, fällt es den Usern schwer, Wörter nicht zu lesen – selbst wenn ihnen gesagt wird, dass sie sie ignorieren sollen. Dieser Effekt ist jedoch nicht nur auf die Textebene begrenzt, sondern wirkt sich auch auf den Einsatz von Icons aus. Wie der „Picture-Word-Interference“-Test belegt, steigt die Reaktionszeit von Menschen ebenfalls an, wenn visuelle Elemente mit irreführenden Labels unterlegt werden.

Wenn die Aussagen von Texten und Icons so miteinander kombiniert werden, dass die Nutzer sie nicht klar miteinander verbinden können, fällt es ihnen deutlich schwieriger, die eigentliche Bedeutung der Objekte herauszufiltern. Das Dilemma, vor dem sie hierbei stehen: Sollen die Anwender nun der Bedeutung des Textes oder des Bildes folgen?

Drei Designprinzipien

Solche Verwirrungen können bereits im Vorhinein verhindert werden, wenn sich die Gestaltung der Menüführung an folgenden drei Designprinzipien von Petter Silfver ausrichtet:

Klare Sprache und einfache Strukturen bevorzugen: Die Navigation muss sprachlich so klar formuliert sein, dass die Nutzer direkt und effizient mit ihr interagieren können. Auf unbekannte Labels und Icons sollte hierbei ebenso wie auf komplexe Begrifflichkeiten und Formen verzichtet werden. Textelemente und visuelle Aufmachung müssen so selbsterklärend sein wie möglich.

Stringenz und Kontext beachten: Überflüssige sowie sich wiederholende Bezeichnungen und Formen sollten vermieden werden, um die Stringenz der einzelnen Gruppen und Unterpunkte zu wahren. Auf diese Weise fällt es den Usern leichter, die verschiedenen Einheiten wahrzunehmen und sie klar voneinander zu unterscheiden. Wichtig ist hierbei, je nach Kontext des Projekts auf gängige Formulierung und Icons zurückzugreifen. Den Anwendern fällt es deutlich leichter, bekannte Muster zu erkennen als neue Objekte interpretieren zu müssen.

Kohärente Aussagen formulieren: Unklare Formulierungen können zu zweideutigen Ergebnissen führen und die Nutzer irritieren. Um solche Unsicherheiten erst gar nicht entstehen zu lassen, ist es wichtig, kohärente Aussagen zu formulieren, die sich lückenlos in den Gesamtauftritt einschmiegen. Farben, Typografien und Formen haben einen großen Effekt darauf, wie die User Informationen empfangen und interpretieren.

Fazit

Wer sich im immer lauter werdenden Netz Gehör verschaffen will, muss nicht am lautesten schreien. Experimentelle Texte und ausgefallene visuelle Effekte wirken sich eher negativ auf die User Experience einer Navigation aus. Um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen, muss auf Bausteine gesetzt werden, die den Anwendern intuitiv vertraut sind – und solche Elemente bewegen sich eher geräuschlos im Web fort.

Aufmacherbild: Tugboat with lighthouse via Shutterstock / Urheberrecht: Doremi

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -